Pressemitteilung: 12.152-218/19

Vereinbarkeit von Beruf und Familie: 29% der 18- bis 64-Jährigen haben Betreuungspflichten für Kinder, 7% für pflegebedürftige Angehörige

Wien, 2019-12-17 – 29% der Frauen und 28% der Männer hatten 2018 regelmäßige oder gelegentliche Betreuungspflichten für Kinder unter 15 Jahren. Dies geht aus der heute veröffentlichten Studie "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" von Statistik Austria hervor. Insgesamt 9% der Frauen und 6% der Männer unterstützten zudem pflegebedürftige Angehörige (siehe Tabelle 1). Die Ergebnisse zeigen im Detail, dass Betreuungspflichten für Frauen deutliche, für Männer dagegen kaum Auswirkungen darauf haben, ob und in welchem Umfang sie erwerbstätig sind.

Kinderbetreuungspflichten wirken sich bei Müttern viermal häufiger als bei Vätern auf das Ausmaß der Erwerbsarbeit aus

Das Ausmaß der Erwerbstätigkeit zum Zeitpunkt der Befragung wurde bei 61% der Mütter durch Betreuungspflichten für Kinder unter 15 Jahren beeinflusst, rund viermal so häufig wie bei Vätern (15%). Der Einfluss von Betreuungspflichten auf die Erwerbstätigkeit hing mit dem Alter des jüngsten Kindes zusammen. Bei Müttern war dieser Zusammenhang wesentlich stärker ausgeprägt als bei Vätern: War das jüngste Kind unter zwei Jahre alt, gaben 78% der Mütter und 18% der Väter an, dass die Betreuungspflichten Auswirkungen auf das Ausmaß ihrer aktuellen Erwerbstätigkeit hatten. Dieser Anteil sank bei Müttern von Kindern im Volksschulalter auf knapp über 60% (Väter 13%) und schließlich auf 42% (Väter 8%), wenn das jüngste Kind zwischen zehn und 14 Jahre alt war (siehe Tabelle 2).

Vereinbarkeit von Beruf und Familie vor allem durch Reduktion der Erwerbsarbeit von Frauen

39% der Frauen mit Betreuungspflichten für Kinder unter 15 Jahren haben aufgrund von Kinderbetreuungspflichten ihre Erwerbsarbeitszeit reduziert. Für Väter traf dies deutlich seltener zu (5%). Je älter das jüngste Kind war, umso mehr Frauen waren wieder vollzeiterwerbstätig. Andere Möglichkeiten, um Beruf und Familie besser zu vereinbaren, wie etwa ein Wechsel des Arbeitgebers, ein Wechsel zu weniger anspruchsvollen Aufgaben oder Veränderungen, um mehr Geld zu verdienen, wurden von Männern (5%) und Frauen (10%) eher selten in Anspruch genommen (siehe Tabelle 2).

Nutzung von Kinderbetreuungseinrichtungen geht mit höherer Erwerbstätigkeit von Müttern einher

Von den rund 1,52 Mio. Eltern mit Betreuungspflichten für Kinder unter 15 Jahren nahmen 40% Kinderbetreuungsangebote für alle Kinder und weitere 12% nicht für alle Kinder in Anspruch. Mütter, die Kinderbetreuungseinrichtungen nutzten, kehrten früher auf den Arbeitsmarkt zurück und waren auch früher vollzeiterwerbstätig als Mütter, die kein Betreuungsangebot nutzten. Mütter, deren jüngstes Kind zwischen ein und zwei Jahre alt war und die eine Kinderbetreuung (für alle Kinder) in Anspruch nahmen, waren knapp doppelt so häufig aktiv erwerbstätig als Mütter, die keine Kinderbetreuung nutzten (60% vs. 35%). Bei Vätern dagegen bestand diesbezüglich kein Unterschied (91% vs. 90%). Väter waren, unabhängig vom Alter des jüngsten Kindes und von der Nutzung von Kinderbetreuungseinrichtungen, generell überwiegend vollzeiterwerbstätig (zu mehr als 83%). Mit Erreichen des Volksschulalters des jüngsten Kindes bestand auch bei Müttern mit oder ohne Kinderbetreuung kaum noch ein Unterschied in der Erwerbsbeteiligung (81% vs. 79%). Allerdings fanden sich bei Nutzung einer Kinderbetreuung mehr vollzeitbeschäftigte Mütter (26% vs. 19%) (siehe Tabelle 3).

Größte Schwierigkeit für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie waren lange sowie unvorhersehbare Arbeitszeiten

Befragt nach den beiden häufigsten Vereinbarkeitsproblemen zwischen Beruf und Familie, nannten Väter am häufigsten lange (12%) sowie unvorhersehbare oder ungünstige Arbeitszeiten (11%). Bei Müttern, die überwiegend teilzeiterwerbstätig waren, stellten hingegen unvorhersehbare oder ungünstige Arbeitszeiten (13%) häufiger ein Vereinbarkeitsproblem dar als lange Arbeitszeiten (6%). Unter vollzeiterwerbstätigen Müttern und Vätern waren lange Arbeitszeiten gleichermaßen für Männer (12%) und Frauen (11%) die am häufigsten genannte Schwierigkeit (siehe Tabelle 4).

6% der Männer und 9% der Frauen unterstützen pflegebedürftige Angehörige

Bei Pflege- und Hilfsleistungen gegenüber pflegebedürftigen Angehörigen sind Frauen in einem höheren Ausmaß involviert als Männer. Insgesamt betreuten 396.000 Personen, davon 242.000 Frauen und 154.000 Männer im Alter zwischen 18 und 64 Jahren, pflegebedürftige Angehörige. Der Anteil von Personen mit Betreuungsaufgaben gegenüber Angehörigen erhöhte sich mit zunehmendem Alter und war unter den 55- bis 64-Jährigen am größten (Frauen 16%, Männer 11%). Zum Vergleich waren unter den 25- bis 34-Jährigen nur 3% der Frauen und 2% der Männer in die Pflege von Angehörigen involviert (siehe Tabelle 1).

Ergebnisse bzw. weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite sowie in der Publikation "Vereinbarkeit von Beruf und Familie 2018".

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die vorliegenden Daten stammen aus dem Ad-hoc-Modul 2018 zum Thema "Vereinbarkeit von Beruf und Familie", das in allen Mitgliedsländern der EU durchgeführt wurde. In Österreich fand diese Erhebung im Rahmen der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung, einer Stichprobenerhebung in privaten Haushalten, in allen Quartalen des Jahres 2018 statt. Zur Zielgruppe zählten alle Personen im Alter zwischen 15 und 64 Jahren. Es wurden 22.604 Personen befragt; hochgerechnet entspricht dies 5,570 Mio. Personen. Das Modul "Vereinbarkeit von Beruf und Familie" hat im Wesentlichen drei inhaltliche Schwerpunkte: Erstens, die Erfassung der Betreuungspflichten für Kinder unter 15 Jahren bzw. pflegebedürftige Angehörige ab 15 Jahren und deren Auswirkung auf die Erwerbsarbeit; zweitens die Messung der Arbeitszeitflexibiliät, und drittens die Unterbrechung der Erwerbstätigkeit zur Betreuung von Kindern oder Angehörigen. 
Väter, Mütter bzw. Männer und Frauen mit Betreuungspflichten für Kinder unter 15 Jahren: umfasst alle Personen mit Betreuungspflichten für leibliche und adoptierte Kinder, Stief- und Pflegekinder wie auch die Kinder des (Ehe-)Partners bzw. der (Ehe-)Partnerin. 
Pflegebedürftige Angehörige: umfasst eigene Kinder (ab 15 Jahren), die Partnerin oder den Partner, die (Stief-)Eltern oder andere Verwandte, die aufgrund längerer Krankheit, Behinderung oder Beeinträchtigung oder aufgrund des Alters auf Hilfe angewiesen sind. 
Regelmäßige Betreuungspflichten: Die Betreuungspflichten machen zumindest ein paar Stunden in der Woche aus. Dies gilt auch, wenn die Unterstützungsleistung beispielsweise jede zweite Woche oder einmal im Monat erfolgte, dies im Durchschnitt aber mehreren Stunden pro Woche entsprach. 
Kinderbetreuungseinrichtungen umfasst Kindergärten, Krippen, Tageseltern oder Nachmittagsbetreuung 
Erwerbstätige nach internationaler Definition: Personen, die in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder die wegen Urlaub, Krankheit usw. nicht gearbeitet haben, aber normalerweise einer Beschäftigung nachgehen. Präsenz- und Zivildiener waren von der Befragung ausgenommen.  
Erwerbstätige, aktive: Wie Erwerbstätige mit dem Unterschied, dass Personen in Elternkarenz mit aufrechtem Dienstverhältnis nicht zu den Erwerbstätigen gezählt werden.

 

 

Tabelle 1: Bevölkerung nach Betreuungspflichten und Alter
 InsgesamtBetreuungspflichten für …
Kinder (unter 15 Jahren)pflegebedürftige Angehörige ab 15 Jahren
in 1.000in 1.000in %in 1.000in %
Insgesamt5.569,61.594,628,6395,97,1
Alter (in Jahren)    
18–24696,730,64,414,32,0
25–341.183,7448,237,931,72,7
35–441.150,7720,662,649,34,3
45–541.362,8341,325,0143,210,5
55–641.175,653,94,6157,413,4
Männer2.789,2777,727,9154,45,5
Alter (in Jahren)    
18–24357,08,12,36,81,9
25–34599,3179,029,914,82,5
35–44574,9352,461,317,53,0
45–54680,2204,130,052,97,8
55–64577,934,05,962,510,8
Frauen2.780,5816,929,4241,58,7
Alter (in Jahren)    
18–24339,822,56,67,52,2
25–34584,4269,146,116,92,9
35–44575,9368,263,931,85,5
45–54682,6137,220,190,313,2
55–64597,819,83,395,015,9

 

Tabelle 2: Erwerbstätige mit regelmäßigen Betreuungspflichten für Kinder unter 15 Jahre nach der größten Auswirkung der Kinderbetreuungspflichten auf die derzeitige Arbeitssituation
MerkmaleInsgesamtAuswirkungGrößte Auswirkung
Arbeitszeit verringertmomentan in Elternkarenz1)
Veränderung um mehr Geld zu verdienenArbeitgeber oder Tätigkeit gewechseltweniger anspruchsvolle Aufgaben andere Auswirkung
in 1.000in %in 1.000
Insgesamt1.275,336,3265,664,540,238,615,637,8
0–2354,244,161,463,9(8,2)(7,0)(x)(12,1)
3–5249,442,974,0(x)(10,0)(10,1)(x)(8,2)
6–9292,036,572,7-(10,2)(12,1)(x)(7,9)
10–14324,225,854,1(x)(9,5)(8,4)(x)(8,0)
0–15, außerhalb des Haushaltes55,516,4(x)-(x)(x)(x)(x)
Männer674,214,634,0(x)16,713,1(x)26,6
0–2200,118,112,5(x)(x)(x)(x)(10,3)
3–5126,917,4(8,1)-(x)(x)(x)(5,3)
6–9146,113,4(6,3)-(x)(x)(x)(5,0)
10–14154,48,3(4,9)-(x)(x)(x)(x)
0–15, außerhalb des Haushaltes46,616,5(x)-(x)(x)(x)(x)
Frauen601,160,5231,661,823,525,410,311,2
0–2154,177,948,961,2(x)(x)(x)(x)
3–5122,569,465,9(x)(6,0)(6,4)(x)(x)
6–9145,959,666,4-(6,3)(8,7)(x)(x)
10–14169,841,649,2(x)(7,6)(7,1)(x)(x)
0–15, außerhalb des Haushaltes(8,9)15,6(x)-(x)(x)--

 

Tabelle 3: Erwerbsbeteiligung von Personen mit regelmäßigen Betreuungspflichten für Kinder unter 15 Jahren nach der Inanspruchnahme von Kinderbetreuung
Inanspruchnahme von KinderbetreuungAlter des jüngsten Kindes (in Jahren)
Insgesamt01–23–56–910–140–15, außerhalb des Hauses
in 1.000/ in %
Männer
Ja, für alle Kinder unter 15 Jahren (in 1.000)289,6(9,4)54,7103,671,129,621,1
Erwerbstatus (in %)       
Vollzeiterwerbstätig87,0(86,9)82,989,088,085,587,2
Teilzeiterwerbstätig5,6(x)(x)(x)(x)(x)(x)
Karenz1)
0,2-(x)----
Arbeitslos3,7(x)(x)(x)(x)(x)(x)
Nicht-Erwerbstätig3,4(x)(x)(x)(x)(x)(x)
Nein, oder nicht für alle Kinder unter 15 Jahren (in 1.000)444,075,778,932,987,9137,9444,0
Erwerbstatus (in %)       
Vollzeiterwerbstätig86,086,486,384,984,786,586,8
Teilzeiterwerbstätig5,0(x)(x)(x)(x)(5,8)(x)
Karenz1)(x)(x)(x)----
Arbeitslos(3,4)(x)(x)(x)(x)(x)(x)
Nicht-Erwerbstätig5,3(x)(x)(x)(x)(5,7)(x)
Frauen
Ja, für alle Kinder unter 15 Jahren (in 1.000)313,7(9,4)59,6118,486,035,8(x)
Erwerbstatus (in %)       
Vollzeiterwerbstätig20,0(x)(10,8)16,625,537,3(x)
Teilzeiterwerbstätig55,3(x)48,865,355,350,7(x)
Karenz1)3,4(x)(10,3)----
Arbeitslos5,0-(x)(4,9)(x)(x)(x)
Nicht-Erwerbstätig16,3(x)25,613,2(13,3)(x)(x)
Nein, oder nicht für alle Kinder unter 15 Jahren (in 1.000)473,382,083,439,896,8162,4(8,9)
Erwerbstatus (in %)       
Vollzeiterwerbstätig18,5(x)(x)(x)18,531,7(x)
Teilzeiterwerbstätig42,7(x)29,8(53,8)60,453,4(x)
Karenz1)13,654,024,2----
Arbeitslos2,9(x)(x)(x)(x)(2,9)(x)
Nicht-Erwerbstätig22,328,838,3(x)16,611,9(x)
Tabelle 4: Erwerbstätige mit regelmäßigen Betreuungspflichten für Kindern unter 15 Jahren nach der größten Schwierigkeit für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie
MerkmaleInsgesamtGrößte Schwierigkeit für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie
lange ArbeitszeitenUnvorhersehbare oder ungünstige Arbeitszeitenlange Wegzeit zum ArbeitsplatzAnspruchsvolle oder anstrengende Arbeitfehlende Unterstützung1)
andere Schwierigkeitenkeine Schwierigkeiten
in 1.000
Insgesamt1.275,3116,5151,286,670,524,729,9795,8
Vollzeit/Teilzeit
Vollzeit834,9100,195,251,346,513,818,4509,6
Teilzeit440,416,456,035,324,0(11,0)11,5286,2
Männer674,279,973,741,635,5(8,1)12,8422,6
Vollzeit/Teilzeit
Vollzeit636,077,469,740,132,6(8,1)11,9396,2
Teilzeit38,2(x)(x)(x)(x)-(x)26,4
Frauen601,136,677,545,035,116,617,1373,2
Vollzeit/Teilzeit
Vollzeit198,922,725,511,213,9(5,7)(6,5)113,5
Teilzeit402,213,952,033,821,2(11,0)10,6259,7

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