Ausgesprochen hohe Erträge bei fast allen Obstarten
waren kennzeichnend für das Jahr 2011. Besonders Kern- und Steinobst
aus Erwerbsanlagen erzielte überdurchschnittliche Erntemengen, während
Beerenobst „nur“ eine Normalernte erbrachte. Insgesamt wurden
in Erwerbsobstanlagen 269.000 Tonnen Tafelobst produziert, womit das
langjährige Mittel um 13% überschritten wurde.
An das viel zu trockene Frühjahr schloss ein wechselhafter
Sommer mit milden, teils etwas zu kühlen, Temperaturen an. Die warmen
Monate brachten ausreichend Niederschlag aber auch Unwetter mit Sturm
und Hagel. Der Schädlings- und Krankheitsdruck wurde generell gering
eingestuft. Ein ausgesprochen warmer sonniger Herbst kam speziell dem
Winterkernobst sehr entgegen.
In Erwerbsobstanlagen wurden 235.700 Tonnen an Kernobst und somit 15% mehr als 2010 produziert.
Besonders Winteräpfel fuhren mit 223.300 Tonnen ein gewaltiges Plus
ein (+15% zu 2010), wobei mit 37,8 Tonnen/Hektar der höchste Ertragswert
der letzten zehn Jahre erreicht wurde. Winterbirnen erzielten ebenfalls
eine beachtliche Erntemenge von 5.500 Tonnen (+16% zu 2010). Auch bei
Sommerkernobst wurde eine überaus ertragsstarke Birnenernte eingebracht,
die mit 3.900 Tonnen 14% über dem Vorjahreswert lag. Damit war auch
hier mit 18,4 Tonnen/ha der höchste Ertragswert der letzten zehn Jahre
zu verzeichnen. Die Ernte von Sommeräpfeln belief sich bei ebenfalls
guter Ertragslage auf 3.000 Tonnen (+4% zu 2010).
Mit 15.200 Tonnen war die Steinobsternte um ein Drittel höher als
2010. Es wurden 5.800 Tonnen Marillen geerntet, wodurch sich zum Vorjahr
ein Produktionszuwachs von 69% und zum langjährigen Mittel ein Plus
von 57% ergab. Besonders stark fielen die Erntezuwächse in der „Marillenhochburg“
Niederösterreich aus, wo mit durchschnittlich 10,5 Tonnen pro Hektar
nicht nur ausnehmend hohe Erträge zu verzeichnen waren (+75% zu 2010)
sondern auch mehr Anbaufläche zur Verfügung stand als 2010 (+5%).
Bei Pfirsichen wurden 2.500 Tonnen geerntet, was ebenfalls deutlich
über dem Wert von 2010 lag (+18%) und auf den Rekordertrag (im Zehnjahresvergleich)
von 13,2 Tonnen/ha zurückgeführt werden konnte. Die Produktion von
Kirschen und Weichseln kam zusammengenommen auf 2.800 Tonnen, was einem
Plus von 30% gegenüber dem Vorjahr entsprach. An Zwetschken wurde eine
Erntemenge von 4.200 Tonnen eingebracht, womit hier ebenfalls ein Zuwachs
von 10% gegenüber 2010 erzielt wurde. Der Hektarertrag von 17,5 Tonnen
wurde in den letzten zehn Jahren nur im Jahr 2005 übertroffen (18,5
Tonnen/ha).
Beerenobst hingegen erreichte mit 17.800
Tonnen eine um 13% geringere Produktion als 2010 und lag damit im Bereich
des Zehnjahresdurchschnitts (+1%). Die Ernte für intensiv produzierte
Ananas-Erdbeeren kam auf 14.200 Tonnen, was einem Minus von 13% gegenüber
dem Vorjahr und von 4% gegenüber dem Erntedurchschnitt der letzten
10 Jahre entsprach. Auch bei Ribiseln wurde mit 1.500 Tonnen (-18% zu
2010) eine stark rückläufige Erntemenge verzeichnet. Kulturheidelbeeren
notierten trotz leichter Flächenausweitung mit einer Erntemenge von
850 Tonnen um 10% unter dem Wert des vergangenen Jahres. Nur bei Himbeeren
wurde mit 1.200 Tonnen das Vorjahresergebnis um 3% übertroffen.
Die Walnussernte belief sich auf 283 Tonnen
(+12% zu 2010). Holunder, der hauptsächlich zur Produktion von Lebensmittelfarbstoff
in Erwerbsanlagen kultiviert wird, konnte gegenüber dem Vorjahr ebenfalls
zulegen und - dank neuerlicher Flächenausweitung - eine Erntemenge
von 10.900 Tonnen (+15%) erbringen.
In Extensivobstanlagen (Landwirtschaftlicher Streuobstbau) wurde
vor allem eine herausragende Birnenernte verzeichnet. Winterbirnen erzielten
ein Plus von 58%, der durchschnittliche Baumertrag von Sommerbirnen
lag um 41% über dem Wert von 2010. Bei Winteräpfeln erhöhten sich
die Ertragswerte gegenüber dem Vorjahr um 9% und bei Sommeräpfeln
wurde ein Plus von 15% verzeichnet. Mostobst notierte 52% über dem
Ergebnis des Vorjahres.
Bei Marillen konnte ebenfalls eine überaus ertragreiche
Ernte verbucht werden (+76% zu 2010). Bei Pfirsichen wurde das Vorjahresniveau
um 22% überschritten und die Zwetschkenernte betrug ebenfalls fast
ein Viertel mehr als 2010 (+23%).
Erhebung der Erwerbsobstanlagen
Diese aufgrund der EU-Richtlinie 2001/109/EG
alle fünf Jahre durchzuführende Erhebung liefert umfassende Angaben
über Flächenausmaß und Sortenzusammensetzung von Obstkulturen sowie
Detailinformationen zu Anzahl und Alter von Obstbäumen und deren regionaler
Verbreitung in Österreich.
Erhebung der Erwerbsobstanlagen 2007
Mit Stichtag 1. Juni 2007 wurde von der Statistik
Austria eine Erhebung der österreichischen Erwerbsobstanlagen durchgeführt.
Bei dieser aufgrund einer EU-Richtlinie sowie einer nationalen Verordnung
im Abstand von 5 Jahren durchgeführten Erhebung waren alle Personen
auskunftspflichtig, welche Obstbaubetriebe mit einer Apfel-, Birnen-,
Marillen-, Pfirsich-, Nektarinen-, Zwetschken-, Kirschen-, Weichsel-, Holunder-,
Walnuss- und/oder Edelkastanienfläche ab 15 Ar bzw. einer Beerenobstfläche
ab 10 Ar, deren Produktion hauptsächlich oder vollständig für den
Erwerb bestimmt war, bewirtschafteten.
Der bereits bei der letzten Erhebung im Jahr 2002
gegenüber 1997 deutlich feststellbare Rückgang der Betriebsanzahl (-10%) setzte sich auch in den letzten 5 Jahren
fast linear fort, sodass 2007 nur noch rund 4.200 Erwerbsobstbaubetriebe
gezählt werden konnten (-8% zu 2002). Die kultivierte Fläche sowie
die Anzahl der Obstbäume erhöhten sich jedoch merklich.
Mit 24,7 Mio. Obstbäumen standen rund 3 Mio. Bäume (+14%) mehr zur Verfügung
als 2002. Von dieser Zunahme waren besonders Apfelanlagen betroffen,
aber auch bei Marillen und Kirschen waren deutlich höhere Baumzahlen
zu verzeichnen. Dies wirkte sich auch auf die Pflanzdichte aus, welche
sich bei Kernobstanlagen durchschnittlich um 236 Bäume (+9%) und bei
Steinobstanlagen um 125 Bäume (+18%) pro Hektar erhöhte.
Die aus Baumzahl und Pflanzweite berechnete Netto-Gesamtobstfläche
ergab zum Stichtag ein Ausmaß von 12.400 ha, was einer Zunahme von 7%
(790 ha) gegenüber der letzten Erhebung entsprach. 7.700 ha oder 62%
der österreichischen Obstbauflächen waren mit Kernobstkulturen bepflanzt, womit sich die Fläche gegenüber
2002 zwar erhöhte, der prozentuelle Anteil dennoch um zwei Punkte zurückging.
Der relative Anteil von Beerenobst erhöhte sich mit 1.900 ha auf 15%, während der
von Steinobstanlagen
mit 1.400 ha oder 12% weitgehend konstant blieb. Auf 1.200 ha (10%) wurde Holunder kultiviert, Walnüsse und Edelkastanien
nahmen eine Fläche von 143 ha (1%) ein.
Die stärkste Flächenzunahme war mit fast 280 ha bei Äpfeln zu
verzeichnen, die mit insgesamt 7.200 ha (+4% zu 2002) nach wie vor die
wichtigste in Österreich kultivierte Obstart (58% der Gesamtobstfläche)
repräsentierten. Eine deutliche Flächenzunahme ergab sich auch bei Beerenobst
(excl. Holunder) - insbesondere bei Ananas-Erdbeeren - wo sich die Fläche
um 200 ha auf 1.900 ha vergrößerte (+12%). Auch Holunder wurde wieder verstärkt kultiviert, wodurch gegenüber
2002 nun 140 ha (13%) mehr - insgesamt 1.200 ha - zur Verfügung standen.
Zu einer beachtlichen Flächenausweitung aufgrund
von Neuauspflanzungen kam es in den letzten fünf Jahren auch bei Marillen (+26%
auf 590 ha), Birnen
(+8% auf 510 ha), Kirschen (+41% auf 240 ha) und Walnüssen (+69% auf 125 ha). Die Flächen von Zwetschken (-12% auf 350 ha), Pfirsichen (-24% auf 210 ha) und Weichseln (-28% auf 37 ha) hingegen erwiesen sich als rückläufig,
wobei aber nur bei den letztgenannten beiden Obstarten gleichzeitig
auch eine Abnahme der Baumzahlen zu verzeichnen war.
Mit 65% Anteil an der österreichischen Gesamtobstbaufläche
verlor die Steiermark
zwar drei Prozentpunkte gegenüber 2002, blieb aber weiterhin klarer
Spitzenreiter am österreichischen Erwerbsobstbausektor. In Niederösterreich befanden sich 17% der Obstflächen, was einer
Zunahme von 2 Prozentpunkten gegenüber 2002 entsprach. Im Burgenland und in Oberösterreich blieben die Flächenanteile mit 7% bzw. 6%
gegenüber der letzten Erhebung konstant.
Die Apfelanlagen, welche zu 98% Winterapfelsorten umfassten, machten
7.200 ha oder 58% der Gesamtobstbaufläche aus. Die am häufigsten kultivierte Winterapfelsorte
war wieder Golden Delicious (24%). Die Sorte Gala - 2002 noch an vierter
Stelle - eroberte mit 19% Flächenanteil den zweiten Rang, dahinter
folgten Jonagold (12%) und Idared (11%); die wichtigsten Sommerapfelsorten waren unverändert Summerred (39%), Early
Gold (20%) und Delbarestivale (11%).
Innerhalb der Birnenfläche, die mit 510 ha 4% der Gesamtobstfläche ausmachte
erhöhte sich der Anteil an Wintersorten auf 270 ha (53%), während die
Sommersorten nur mehr 47% (240 ha) einnahmen. Als bedeutendste Winterbirnensorte erkämpfte sich die bevorzugt im biologischen
Anbau kultivierte Uta den ersten Rang (27%), dicht gefolgt von Bosc´s
Flaschenbirne (25%), Gute Luise (13%), Packhams Triumph (10%) und Alexander
Lucas (8%).
Als wichtigste Sommerbirnensorte erwies sich unangefochten die Williams Christbirne
(93%), immerhin 5% der Fläche nahm auch die Sorte Clapps Liebling ein.
Über die Hälfte der kultivierten Kernobstfläche
(53%) war mit mindestens 10-jährigen oder älteren Beständen (Pflanzjahr
≤ 1998) bewachsen, 17% der Fläche waren Junganlagen (Pflanzjahre
2005-2007). Birnen wiesen mit 60% einen deutlich höheren Anteil an älteren
Pflanzungen auf als Äpfel (52%), bei den Neupflanzungen hingegen war
der Unterschied nicht so offensichtlich (15% bzw. 17% Flächenanteil).
442 Betriebe (10%) waren anerkannte Bio-Betriebe, die meisten davon befanden sich in Niederösterreich
(171), gefolgt von der Steiermark (138) und dem Burgenland (70). Mehr
als die Hälfte (51%) der biologisch bewirtschafteten Gesamtfläche
von 1.100 ha wurde von Kernobst eingenommen, 18% von Beerenobst, 14%
von Holunder, 9% von Steinobst und 8% von Walnüssen und Edelkastanien.
Innerhalb der einzelnen Produktgruppen wiesen Walnüsse und Edelkastanien
den höchsten Bio-Anteil (59%) auf, Holunder stammte zu 13% aus biologischem
Anbau, Beerenobst zu 11% und Kern- und Steinobst zu jeweils 7%.
60% der auskunftspflichtigen Betriebe gaben an zumindest
einen Teil ihrer Ware durch Direktvermarktung abzusetzen, 35% vermarkteten über eine Erzeugerorganisation,
34% produzierten Obst für die Verarbeitung und ein Viertel der Betriebe
lieferte an den Privat- bzw. Lebensmitteleinzelhandel, wobei auch Mehrfachangaben
möglich waren.
Auf die Anbaufläche bezogen wurde als häufigster
Vermarktungsweg der Absatz über eine Erzeugerorganisation genannt (49%),
gefolgt von Handel und Direktvermarktung (je 22%); 7% der Flächen wurden
für Verarbeitungszwecke kultiviert.
Kernobst wurde zum überwiegenden Anteil (64%) über
eine Erzeugerorganisation vermarktet, während bei Steinobst Direktvermarktung
(38%) und Handel (29%) die wichtigsten Absatzwege waren. Beerenobst
wurde hauptsächlich (53%) über Direktvermarktung abgesetzt.