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Ehescheidungen

Langfristiger Trend

Die Zahl der Ehescheidungen lag in den 1980er und 1990er Jahren bei rund 16.000 bis 18.000 pro Jahr. Im Jahr 2001 wurde die bislang höchste absolute Zahl der Ehescheidungen (20.582) erreicht, und in den Folgejahren schwankten die Ehescheidungszahlen zwischen 19.066 (2003) und 20.516 (2007). Im Jahr 2009 sank die Zahl der Scheidungen erneut auf 18.806 und damit auf das Niveau von vor zehn Jahren (1999: 18.512). Die Gesamtscheidungsrate (Wahrscheinlichkeit, mit der im jeweiligen Jahr geschlossene Ehen bei unverändertem Scheidungsverhalten durch eine Scheidung enden) erhöhte sich von 26,5% im Jahr 1981 auf den bisherigen Höchstwert von 49,47% im Jahr 2007. Diesem Rekordhoch folgte ein Rückgang auf 47,76% im Folgejahr und ein weiterer Rückgang auf 46,0% im Jahr 2009, womit das Niveau vom Jahr 2004 erreicht wurde. Die mittlere Ehedauer der geschiedenen Ehen verlängerte sich seit 1981 von 7,7 auf 10,1 Jahre im Berichtsjahr 2009.

Aktuelle Jahresergebnisse

Im Jahr 2009 wurden 18.806 Ehen rechtskräftig geschieden, um 895 oder 4,5% weniger als im Vorjahr. Die Gesamtscheidungsrate (Wahrscheinlichkeit, mit der jetzt geschlossene Ehen bei unverändertem Scheidungsverhalten durch eine Scheidung enden) war im Jahr 2009 mit 46,0% so niedrig wie zuletzt im Jahr 2004 und damit deutlich unter dem historischen Rekordwert von 2007 (49,5%). Auch 2009 erfolgten die Scheidungen überwiegend (zu 87,3%) in beiderseitigem Einvernehmen. Insgesamt 20.619 Kinder, davon 14.480 minderjährig, waren von der Scheidung ihrer Eltern betroffen. Die durchschnittliche Kinderzahl (alle Altersstufen) pro geschiedene Ehe lag damit bei 1,10.

Im Jahr 2009 erfolgten 16.414 bzw. 87,3% (2008: 87,4%) aller Scheidungen in beiderseitigem Einvernehmen (§55a Ehegesetz). Wegen Auflösung der häuslichen Gemeinschaft (§55) wurden 1.077 und wegen sonstiger Gründe (§§ 49, 50, 51, 52 und nach ausländischem Recht) 1.315 Ehen geschieden. Bei den insgesamt 2.392 strittig und nach ausländischem Recht geschiedenen Ehen war zu 52,3% der Mann Träger des Verschuldens bzw. Grundes, zu 9,6% die Frau sowie bei den restlichen 38,2% beide bzw. keiner von beiden (zu annähernd gleichen Teilen).

Insgesamt 38,5% aller im Jahr 2009 geschiedenen Ehen (7.247 Fälle) waren kinderlos geblieben. Bei 4.725 (25,1%) Ehen gab es zum Zeitpunkt der Scheidung je ein Kind, 5.144 (27,4%) Paare hatten zwei und 1.690 (9,0%) drei oder mehr Kinder. Von den Scheidungen der Eltern waren im Jahr 2009 insgesamt 20.619 Kinder betroffen, davon 14.480 (70,2%) minderjährige „Scheidungswaisen“. Insgesamt 1.239 (6,0%) Kinder waren bei der Scheidung der Eltern noch nicht drei Jahre alt, 2.501 (12,1%) im Kindergartenalter (3 bis unter 6 Jahre), 3.526 (17,1%) im Volksschulalter (6 bis unter 10 Jahre), 3.589 (17,4%) zwischen 10 bis unter 14 Jahre alt und 3.625 (17,6%) Jugendliche von 14 bis unter 18 Jahren. Die geschiedenen Ex-Ehepaare hatten im Durchschnitt 1,10 Kinder, davon 0,58 Kinder im Alter von unter 14 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass unter den aktuell vorliegenden Scheidungsverhältnissen ein Kind bis zum Alter von 18 Jahren von der Scheidung der Eltern betroffen ist, lag im Jahr 2009 bei 20,3%.

Die mittlere Ehedauer (Median) der im Jahr 2009 geschiedenen Ehen war mit 10,1 Jahren um 0,5 Jahre länger als im Jahr davor bzw. ein Jahr länger als noch vor zehn Jahren. Innerhalb des ersten Ehejahres wurden 1,9% geschieden, in sechs Fällen endete die Ehe bereits innerhalb des ersten Monats durch Scheidung. Weitere 4,6% der Ehen wurden im Lauf des zweiten Ehejahres geschieden. Insgesamt erfolgte fast die Hälfte aller Scheidungen in den ersten zehn Ehejahren (49,5%), weitere 38,7% nach zehn bis unter 25 Jahren Ehedauer. Fast jedes neunte Ehepaar trat erst nach der Silberhochzeit den Gang zum Scheidungsrichter an, darunter auch zwölf Paare nach der Goldenen Hochzeit.

Im Jahr 2009 war das mittlere Scheidungsalter (Median) der Männer bei der Scheidung 42,9 Jahre, jenes der Frauen 40,3 Jahre. Es lag damit je rund ein halbes Jahr höher als im Jahr davor bzw. rund viereinhalb Jahre über den noch vor zehn Jahren verzeichneten Werten (Scheidungsalter 1999: Mann 38,4 und Frau 35,9 Jahre). Der älteste Mann trat mit 96 Jahren den Gang zum Scheidungsrichter an, um sich nach 22-jähriger Ehe von seiner 57-jährigen Ehefrau zu trennen. Die älteste Frau trennte sich im Alter von 89 Jahren nach 10 Ehejahren von ihrem 62-jährigen Ehemann. Ein 74-jähriger Mann trennte sich nach dreijähriger Ehe von seiner 25-jährigen Frau, eine 79-jährige Frau trennte sich nach dreizehnjähriger Ehe von ihrem 39-jährigen Ehepartner. Ein 73-jähriger Mann und eine 74-jährige Frau beschlossen, nach 53 Jahren Ehe getrennte Wege zu gehen.

Pro Monat wurden 2009 durchschnittlich 1.567 Klagen bzw. Anträge auf Scheidung eingebracht. Die meisten Klagen bzw. Anträge auf Scheidung wurden im März 2009 (1.859) gestellt, gefolgt von den Monaten September (1.719) und Juni (1.669). Der geringste Andrang auf die Scheidungsgerichte wurde in den Monaten August (1.348), Dezember (1.355) und Jänner (1.413) verzeichnet.

Die mittlere Dauer (Median) der Ehescheidungsverfahren betrug im Jahr 2009 1,8 Monate. In 74,6% der Fälle betrug die Verfahrensdauer unter drei Monate, nur 1,4% der Verfahren dauerten zwei und mehr Jahre.

Die Gesamtscheidungsrate war im Bundesländervergleich auch 2009 in Wien mit 53,8% am höchsten und in Tirol mit 38,0% am niedrigsten. In Niederösterreich (48,3%) und in Vorarlberg (47,4%) lag diese Rate über dem Österreichwert (46,0%). Deutlich unter dem Bundesdurchschnitt war die Rate neben Tirol auch in Oberösterreich (39,9%). In allen anderen Bundesländern lag die Rate ebenfalls unter dem Durchschnitt. Die Rangfolge lautet dabei: Steiermark (44,0%), Burgenland (42,8%), Kärnten (42,3%) und Salzburg (41,8%).

Tabelle(n):
Ergebnisse im Überblick: ScheidungenHTMLPDFXLS
Ehescheidungen, Scheidungsrate und Gesamtscheidungsrate seit 1946PDFXLS
Ehescheidungen und Gesamtscheidungsrate seit 1991 nach BundesländernPDFXLS
Ehescheidungen seit 2001 nach Paragraph des Ehegesetzes und BundesländernPDFXLS
Ehescheidungen seit 2001 nach Bundesland, nach der Kinderzahl und dem Alter der KinderPDFXLS
Ehescheidungen seit 2001 nach Einleitungs- bzw. Ereignismonaten und BundesländernPDFXLS
Grafik(en):
Ehescheidungen und Gesamtscheidungsrate seit 1951GIF
Ehescheidungsrate nach der Ehedauer seit 1971GIF