Dies ist eine archivierte Pressemitteilung vom 25. Jänner 2022. Sie gibt den Stand von damals wieder und wird an dieser Stelle nicht aktualisiert
Tabellen mit aktualisierten Zahlen zu Gestorbenen und Sterberaten finden Sie auf unserer Webseite.

Pressemitteilung: 12.717-015/22

Deutlich niedrigere Sterberaten bei gegen COVID-19 geimpften Personen im Vergleich zu Ungeimpften

Wien, 2022-01-25 – Personen, die mindestens einmal gegen COVID-19 geimpft wurden, haben unabhängig von Alter und Geschlecht ein deutlich niedrigeres Sterberisiko als ungeimpfte Personen. Das geht aus erstmals von Statistik Austria erstellten Analysen von Daten des Nationalen Impfregisters sowie der Daten über Gestorbene im Zeitraum September bis Dezember 2021 hervor. In dieser Auswertung wurden alle Sterbefälle unabhängig von der Todesursache berücksichtigt, wobei zwischen geimpften Personen (all jene, die zumindest eine Dosis eines in Österreich anerkannten Impfstoffs gegen COVID-19 erhalten haben) und ungeimpften Personen unterschieden wurde.

"Ungeimpfte haben ein signifikant höheres Sterberisiko als jene, die zumindest eine Impfdosis gegen COVID-19 erhalten haben – das ist in beinahe allen Altersgruppen und unabhängig vom Geschlecht der Fall. Die deutlichsten Unterschiede sehen wir allerdings bei Personen höheren Alters: Im Zeitraum September bis Dezember 2021 starben rund 2.884 von 100.000 zumindest einmal Geimpften über 80 Jahre. Bei den Ungeimpften in der gleichen Altersgruppe war die Sterberate mit 6.676 je 100.000 mehr als doppelt so hoch", erklärt Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Die altersstandardisierte Sterberate, bei der die Zahl der Sterbefälle anhand einer Standardbevölkerung um die Altersstruktur der Bevölkerung bereinigt wird, lag im gesamten Untersuchungszeitraum von September bis Dezember 2021 bei Ungeimpften deutlich über dem Niveau jener, die zumindest eine Impfdosis erhalten haben. Würde die Altersstruktur Österreichs der Standardbevölkerung von Eurostat entsprechen, wären in den vier Monaten von September bis Dezember 2021 rund 584 von 100.000 ungeimpften Menschen, jedoch nur 286 von 100.000 Geimpften verstorben (siehe Tabelle 1). Im September wären es 118 Tote von 100.000 ungeimpften Menschen, aber nur 65 Tote von 100.000 Geimpften gewesen. In den beiden darauffolgenden Monaten erhöhte sich die altersstandardisierte Sterberate zwar für beide Gruppen, aber in unterschiedlich hohem Ausmaß. Im November 2021 lag die altersstandardisierte Sterberate bei den Ungeimpften um 51% über dem September-Wert, bei mindestens einmal Geimpften jedoch nur um 24%. Im Dezember ging die altersstandardisierte Sterberate wieder zurück und lag bei den Geimpften nur noch 4%, bei den Ungeimpften aber noch immer 41% über dem jeweiligen September-Wert. Bezogen auf jeweils 100.000 Personen gab es im Dezember 2021 rund 68 Todesfälle bei zumindest einmal gegen COVID-19 Geimpften und 166 Todesfälle bei Ungeimpften.

Der niedrigeren Lebenserwartung von Männern entsprechend weisen diese in allen Monaten des Untersuchungszeitraums höhere altersstandardisierte Sterberaten als Frauen auf, wobei die Unterschiede durch die erhaltene Impfung beide Geschlechter in ähnlichem Ausmaß betreffen. Im Zeitraum von September bis Dezember 2021 starben rund 356 von 100.000 mindestens einmal geimpften Männern sowie 741 von 100.000 ungeimpften Männern. Bezogen auf jeweils 100.000 Frauen ergaben sich im Untersuchungszeitraum rund 231 Sterbefälle bei den Geimpften und 488 Sterbefälle bei Ungeimpften (siehe Tabelle 1).

Auch wenn man anstelle der altersstandardisierten Sterberaten der Gesamtbevölkerung die Sterberaten einzelner Altersgruppen miteinander vergleicht, ergibt sich ein ähnliches Bild, wobei es die deutlichsten Unterschiede bei den höchsten Altersgruppen gab: So starben im gesamten Zeitraum von September bis Dezember 2021 rund 2.884 von 100.000 zumindest einmal geimpften Personen im Alter ab 80 Jahren. Bei den Ungeimpften gleichen Alters war die Sterberate mit 6.676 je 100.000 mehr als doppelt so hoch. Auch bei den 60- bis 79-Jährigen fiel die Sterberate der Ungeimpften (947 je 100.000) annähernd doppelt so hoch wie bei jenen mit zumindest einer Impfdosis (483 je 100.000) aus. Bei jüngeren Altersgruppen zeigten sich ähnliche Unterschiede, wenngleich auf generell deutlich niedrigerem Niveau: Bezogen auf je 100.000 Personen von 40 bis 59 Jahren gab es 75 Sterbefälle bei mindestens einmal Geimpften und 137 bei Ungeimpften; bei den 20- bis 39-Jährigen waren es 13 Todesfälle bei Personen mit zumindest einer Impfung gegen COVID-19 und rund 22 bei Ungeimpften (siehe Tabelle 2).

Unter der Annahme, die beobachteten Sterbewahrscheinlichkeiten des Untersuchungszeitraums von September bis Dezember 2021 bleiben nicht nur kurzfristig, sondern ein ganzes Menschenleben lang unverändert auf diesem Niveau, ergäben sich auch deutliche Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen mindestens einmal Geimpften und Ungeimpften: Bei Männern würde die durchschnittliche Lebenserwartung von Geimpften bei 80,8 Jahren und bei Ungeimpften bei 73,6 Jahren liegen. Geimpfte Frauen hätten eine Lebenserwartung von 85,6 Jahren, ungeimpfte Frauen hingegen nur eine von 78,5 Jahren. Der Unterschied in der Lebenserwartung zwischen mindestens einmal gegen COVID-19 Geimpften und Ungeimpften bewegte sich demnach bei rund sieben Jahren.

Für 60-Jährige würde sich die fernere Lebenserwartung zwischen Personen mit mindestens einer Impfung gegen COVID-19 und Ungeimpften um knapp sechs Jahre unterscheiden. Hätten ungeimpfte Männer im Alter von 60 Jahren noch eine weitere Lebenserwartung von 17,2 Jahren, läge dieser Wert bei Geimpften bei 23,1 Jahren. Für ungeimpfte 60-jährige Frauen ergäbe sich eine fernere statistische Lebenserwartung von 20,8 Jahren, während es bei zumindest einmal geimpften Frauen gleichen Alters 26,8 Jahre wären (siehe Tabelle 3).

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass mit den vorliegenden Daten keine gesicherten Aussagen über kausale Zusammenhänge getroffen werden können. So erklären sich die dargestellten Unterschiede zumindest teilweise dadurch, dass es in der Gruppe der Ungeimpften auch Personen gibt, die aufgrund schwerer Vorerkrankungen nicht gegen COVID-19 geimpft werden können. Darüber hinaus unterscheiden sich Geimpfte und Ungeimpfte in soziodemographischer Hinsicht (siehe dazu die Pressemitteilung vom 28.12.2021: "Bildung und Erwerbstätigkeit erhöhen COVID-19-Impfquoten; erhebliche Unterschiede nach Branchen und Herkunftsländern") und damit auch hinsichtlich Sterberisiko und Lebenserwartung.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Statistik Austria verarbeitet alle von den Personenstandsbehörden gelieferten Sterbefälle und erhält auf Basis des Epidemiegesetzes aus dem Nationalen Impfregister Österreich stichtagsbezogene Datenlieferungen über Personen, die gegen COVID-19 geimpft wurden. Diese pseudonymisierten Daten werden mit Daten der Gestorbenenstatistik sowie den Daten zum aktuellen Bevölkerungsstand verknüpft, um eine Darstellung von Sterberaten der österreichischen Wohnbevölkerung nach ihrem Impfstatus zu ermöglichen. 
Im Rahmen dieser Auswertung wird zwischen geimpften und ungeimpften Personen unterschieden. Zu den Geimpften zählen alle Personen, die zumindest eine Impfdosis gegen COVID-19 in Österreich erhalten haben, auch wenn danach keine weitere vorgesehene bzw. empfohlene Impfdosis mehr verabreicht wurde und/oder das Impfzertifikat ("Grüner Pass") zwischenzeitlich abgelaufen ist. Personen mit Hauptwohnsitz in Österreich, die im Ausland mit in Österreich anerkannten Impfstoffen geimpft wurden, haben die Möglichkeit, ihre Impfungen im Nationalen Impfregister nachtragen zu lassen. Es ist allerdings nicht möglich, den Umfang der nachgetragenen Impfungen im vorliegenden Datensatz zu quantifizieren. 
Sterbefälle von in Österreich wohnhaften Personen, die sich im Ausland ereignet haben, sind in dieser Auswertung nicht berücksichtigt. 
Die altersstandardisierte Sterberate gibt an, wie viele Sterbefälle aufgrund der im Zeitraum September bis Dezember 2021 herrschenden Sterblichkeitsverhältnisse auf 100.000 Lebende entfallen wären, wenn der Altersaufbau der Bevölkerung in der betreffenden Berichtsperiode dem einer sogenannten Standardbevölkerung entsprochen hätte. Um diese altersstandardisierten Raten zu berechnen, werden die rohen Sterberaten (Sterbefälle je 100.000 der Bevölkerung) der beobachteten Altersgruppe mit dem Anteil der Bevölkerung derselben Altersgruppe laut Europäischer Standardbevölkerung multipliziert. Für die Berechnung der hier dargestellten Raten wurde die 2013 von Eurostat festgelegte Standardbevölkerung verwendet; eine "künstliche Bevölkerung" mit einer geschätzten Altersstruktur für die europäische Bevölkerung. Die altersstandardisierten Sterberaten beziehen die Sterbefälle somit auf eine fiktive Bevölkerung, wodurch Unterschiede in den Sterblichkeitsverhältnissen zwischen einzelnen Bevölkerungsteilgruppen, die sich nur aufgrund einer abweichenden Altersstruktur oder Bevölkerungsgröße ergeben, ausgeschlossen werden können. 
Die Lebenserwartung bei der Geburt gibt an, wie viele Jahre ein neugeborenes Kind im Durchschnitt leben würde, wenn sich die im Zeitraum September bis Dezember 2021 beobachteten altersspezifischen Sterberaten in Zukunft nicht mehr ändern würden. In den hier berechneten Daten konnten die Effekte durch die noch ausstehenden Nachmeldungen sowie im Ausland verstorbenen Personen noch nicht berücksichtigt werden. Somit sind die für die vorliegende Auswertung errechneten Lebenserwartungen zwar nach dem aktuellen Impfstatus vergleichbar, mit den endgültigen Werten vergangener Jahre jedoch nur bedingt.

 

Tabelle 1: Altersstandardisierte Sterberaten * (bezogen auf 100.000 der Bevölkerung) nach Geschlecht und erhaltener COVID-19-Impfung
MonatInsgesamtMännerFrauen
zusammenzumindest einmal geimpftungeimpftzusammenzumindest einmal geimpftungeimpftzusammenzumindest einmal geimpftungeimpft
September bis Dezember 2021333286584411356741275231488
September 202175651189079149625499
Oktober 20218272130102901696758108
November 202196811781211042237864149
Dezember 2021816816698832106856138
Tabelle 2: Sterberaten (bezogen auf 100.000 der Bevölkerung) September bis Dezember 2021  
nach Altersgruppen, Geschlecht und erhaltener COVID-19-Impfung
AlterSterberate (Gestorbene je 100.000 der Bevölkerung)GestorbeneBevölkerung im
Viermonatsdurchschnitt
zusammenzumindest einmal geimpftungeimpftzusammenzumindest einmal geimpftungeimpftzusammenzumindest einmal geimpftungeimpft
Insgesamt
0 bis 19 Jahre869140261141.728.175415.4161.312.759
20 bis 39 Jahre1613223722001722.327.9401.561.797766.143
40 bis 59 Jahre90751372.3201.4648562.573.9331.951.057622.876
60 bis 79 Jahre56048394710.2137.3612.8521.824.4541.523.315301.139
80 Jahre und älter3.4042.8846.67617.79813.0134.785522.823451.15071.673
Männer
0 bis 19 Jahre101010892267888.640211.854676.786
20 bis 39 Jahre2217322571341231.191.089804.875386.214
40 bis 59 Jahre1201021741.5409985421.285.941974.299311.642
60 bis 79 Jahre7176281.1926.1504.5331.617857.710722.058135.653
80 Jahre und älter3.6373.1497.5317.2735.5971.676199.977177.72422.254
Frauen
0 bis 19 Jahre62751447839.535203.562635.973
20 bis 39 Jahre1091311566491.136.851756.921379.929
40 bis 59 Jahre61481017804663141.287.992976.757311.234
60 bis 79 Jahre4203537464.0632.8281.235966.744801.257165.487
80 Jahre und älter3.2602.7126.29110.5257.4163.109322.845273.42649.419

 

Tabelle 3: Lebenserwartung * nach Geschlecht und erhaltener COVID-19-Impfung
 MännerFrauen
zumindest einmal geimpftungeimpftzumindest einmal geimpftungeimpft
Lebenserwartung ab der Geburt80,873,685,678,5
Fernere Lebenserwartung ab 60 Jahren23,117,226,820,8

Rückfragen zum Thema beantwortet das Demographie-Team in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria: demographie@statistik.gv.at

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