Pressemitteilung: 12.615-206/21

Kaufpreise von Häusern und Wohnungen im 1. Halbjahr 2021 um 10,7% gestiegen

Wien, 2021-09-23 – Der Häuserpreisindex (HPI) weist für das 1. Halbjahr 2021 laut Statistik Austria eine Preissteigerung von 10,7% im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres auf. Im 1. Quartal 2021 stiegen die Preise von Häusern und Wohnungen um 9,7% zum Vorjahresquartal (+6,2% zum Vorquartal) und im 2. Quartal um 11,7% (+4,2% zum Vorquartal).

"Die Preise auf dem Wohnimmobilienmarkt haben in der ersten Jahreshälfte 2021 weiter angezogen. Mit einem Plus von 10,7% gegenüber dem 1. Halbjahr 2020 lag der Preisanstieg bei Häusern und Wohnungen deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen drei Jahre von 6,1%. Günstige Kredite und die weiterhin kräftige Nachfrage ließen die Preise ansteigen und das unabhängig davon ob Haus oder Wohnung, Stadt oder Land. Der Anstieg des Verbraucherpreisindex, der auf Konsumgüterpreise und nicht auf Vermögenswerte abzielt, fiel im gleichen Zeitraum mit 1,9% deutlich geringer aus", so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Bestehender Wohnraum sowie neue Wohnungen und Häuser verteuerten sich stark

Die von Haushalten zu Wohnzwecken erworbenen bestehenden Eigentumswohnungen verzeichneten mit +14,4% den höchsten Preisanstieg im Vergleich zum 1. Halbjahr 2020 (Q1: +12,4%, Q2: +16,4%). Die bestehenden Häuser lagen mit +11,5% leicht darunter (Q1: +12,1%, Q2: +11,0%). Kombiniert ergab dies für den Teilindex des bestehenden Wohnraums im 1. Halbjahr 2021 einen Anstieg von 13,1% (Q1: +12,3%, Q2: +14,0%). Der Teilindex "Kauf von neuem Wohnraum", der die Preisentwicklung von neuen Wohnungen und Fertigteilhäusern abbildet, stieg im 1. Halbjahr 2021 um 4,3% gegenüber derselben Periode 2020 (Q1: +3,1%, Q2: +5,4%).

Preise für selbstgenutzten Wohnraum um 4,4% gestiegen

Der Preisindex für selbstgenutzten Wohnraum (Owner Occupied Housing, kurz: OOH) stellt eine Erweiterung zum Häuserpreisindex dar. Er enthält neben der Beschaffung von neuem und bestehendem Wohnraum auch Ausgaben, die mit der Anschaffung und dem Eigentum von Wohnraum anfallen, etwa Gebühren des Erwerbs, Versicherungen sowie Kosten für Reparaturen und Renovierungen. Er stieg im 1. Halbjahr 2021 um 4,4% (Q1: +3,4%, Q2: +5,5%) und wies im 2. Quartal 2021 einen Indexstand von 143,67 Punkten auf. Der Teilindex für die Preise der Anschaffung des Wohnraums stieg um 5,9%, hier machen sich die steigenden Baukosten in der Position Selbstgebauter Wohnraum und größere Renovierungen (Q1: +3,7%, Q2: +7,2%) bemerkbar. Aufwendungen für den Erhalt selbstgenutzten Wohnraums verteuerten sich im 1. Halbjahr 2021 um 2,2% (Q1: +1,8%, Q2: +2,5%).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zum Häuserpreisindex finden Sie auf unserer Webseite.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Der seit März 2015 quartalsweise publizierte Häuserpreisindex (HPI) bildet die Entwicklung der Kaufpreise von Wohnimmobilien in ganz Österreich ab. Neben dem Häuserpreisindex wird von Statistik Austria auch ein Preisindex für selbst genutztes Wohneigentum erstellt.  
Der Häuserpreisindex und der Index für selbst genutztes Wohneigentum werden auf Basis Jahresdurchschnitt 2010=100 und 2015=100 berechnet. Datengrundlage der Erhebung für den HPI sind die von Privathaushalten getätigten Käufe von neuen und bestehenden Wohnungen sowie Häusern, wobei die tatsächlichen Transaktionspreise aus den Kaufverträgen erfasst und quartalsweise ausgewertet werden. Grundlage der Gewichtung stellen das Transaktionsvolumen der Wohnimmobilienkäufe, die Daten der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zu Wohnbauinvestitionen und Eigenleistungen sowie die Umsätze für Fertigteilhäuser dar. Die Indexberechnung erfolgt für Produkte und Dienstleistungen auf Grundlage der Laspeyres-Formel, bei der Preisveränderungen von ausgewählten Gütern des Warenkorbes mit festen Mengen eines Basisjahres gewichtet werden. Das Basisjahr ist für OOH und HPI das Vorjahr. Es wird ein Laspeyres-Kettenindex erstellt, bei dem jährlich die Gewichtung adaptiert wird. Regionen und Immobilientypen mit steigender Marktbedeutung können daher jahresaktuell in den Warenkorb aufgenommen und bei der Indexberechnung berücksichtigt werden. Die aus Immobilientransaktionen berechneten Preisindizes sind qualitätsbereinigt und werden für Wien, die Landeshauptstädte und das Umland gesondert berechnet. Schwankungen in Qualität und Standort der Objekte werden mit Hilfe eines Regressionsmodells ausgeglichen. Die Erstellung beider Indizes ist rechtlich durch zwei Verordnungen auf nationaler und internationaler Ebene gedeckt: 1) EU VO 93/ 2013 – Verordnung der europäischen Kommission vom 1. Februar 2013 zur Festlegung von Durchführungsbestimmungen zu der Verordnung (EG) Nr. 2494/95 des Rates über harmonisierte Verbraucherpreisindizes im Hinblick auf die Schaffung von Preisindizes für selbst genutztes Wohneigentum; 2) 177. Verordnung der Bundesministerin für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort und des Bundesministers für Finanzen über die Erstellung von Häuser- und Wohnungspreisindizes vom 1. Juli 2019. 
Der Immobilienpreisindex ist einer von elf wirtschaftlichen Indikatoren, die in der Macroeconomic Imbalance Procedure (MIP) als Frühwarnsystem in Form eines Scoreboards auf makroökonomische Ungleichgewichte hinweisen sollen. Zu diesem Zweck wurde die EU-Verordnung Nr. 1176/2011 über die "Vermeidung und Korrektur übermäßiger makroökonomischer Ungleichgewichte" am 16. November 2011 erlassen. Die Verordnung regelt, dass, wenn eine oder mehrere dieser Kennzahlen vorgegebene Schwellen überschreiten, die wirtschaftliche Lage eines Landes genauer untersucht wird, um ggf. Gegenmaßnahmen einleiten zu können.

 

Tabelle 1: Häuserpreisindex und OOH PI Ergebnisse 1.Halbjahr, Indexstände und Veränderungsraten auf Basis 2010
 MesszahlMesszahlVeränderungsrate in %
1. Halbjahr 20201. Halbjahr 2021
HPI (Basis 2010)
Gesamtindex173,76192,3710,7
Neuer Wohnraum163,73170,74,3
Bestehender Wohnraum176,14199,2813,1
Bestehende Häuser164,86183,8811,5
Bestehende Wohnungen181,39207,4914,4
OOH PI (Basis 2010)
Gesamtindex135,41141,424,4
Käufe von Wohnraum143,9152,395,9
Neuer Wohnraum134,28140,955
Käufe von neuem Wohnraum159,92165,693,6
Selbstgebauter Wohnraum und größere Renovierungen129,48136,65,5
Bestehender Wohnraum, neu von Haushalten gekauft192,32224,4716,7
Sonstige Dienstleistungen im Zusammenhang mit dem Kauf von Wohnraum185,84211,5213,8
Eigentum an Wohnraum123,63126,322,2
Größere Reparaturen und Instandhaltung123,36126,312,4
Versicherungen im Zusammenhang mit Wohnraum125,9126,30,3
Tabelle 2: Häuserpreisindex und OOH PI Jahresergebnisse, Indexstände und Veränderungsraten auf Basis 2010
 Indexstand HPI 2010Veränderungsrate 
zum Vorjahr in %
Indexstand OOH 2010Veränderungsrate 
zum Vorjahr in %
Jahresdurchschnitt 2010100,00-100,00-
Jahresdurchschnitt 2011106,256,3103,443,4
Jahresdurchschnitt 2012114,037,3107,243,7
Jahresdurchschnitt 2013119,925,2110,402,9
Jahresdurchschnitt 2014124,133,5113,352,7
Jahresdurchschnitt 2015130,214,9115,722,1
Jahresdurchschnitt 2016141,328,5117,841,8
Jahresdurchschnitt 2017148,785,3121,142,8
Jahresdurchschnitt 2018155,794,7126,224,2
Jahresdurchschnitt 2019164,855,8131,133,9
Jahresdurchschnitt 2020177,507,7136,524,1

 

Tabelle 3: Häuserpreisindex Detailergebnisse auf Basis 2015
 Gesamtindex HPINeuer WohnraumBestehender WohnraumBestehende HäuserBestehende Wohnungen
Jahresdurchschnitt 2015100100100100100
2016 Q1106,48101,8107,36104,04108,92
2016 Q2108,87102,41110,09107,64111,25
2016 Q3109,43105,36110,19109,21110,66
2016 Q4109,35105,61110,05108,73110,68
Jahresdurchschnitt 2016108,53103,8109,42107,41110,38
2017 Q1111,54103,61113,79112,76114,18
2017 Q2114,24109,43115,31116,58113,95
2017 Q3114,75113,35114,54117112,29
2017 Q4116,51113,5116,9118,35115,4
Jahresdurchschnitt 2017114,26109,97115,14116,17113,96
2018 Q1117,5112,72118,56117,95118,66
2018 Q2118,51113,56119,63118,42120,2
2018 Q3120,37112,66122,53122,73121,99
2018 Q4122,18115,23124,04123,48124,09
Jahresdurchschnitt 2018119,64113,54121,19120,65121,24
2019 Q1122,38114,96124,43122,85125,32
2019 Q2126,4119,62128,16123,98131,17
2019 Q3127,81122,27129,05127,57129,84
2019 Q4129,81124,55130,92130,25131,03
Jahresdurchschnitt 2019126,6120,35128,14126,16129,34
2020 Q1131,85125,17133,47131,5134,6
2020 Q2135,02128,67136,5137,26135,47
2020 Q3138,71129,9141,06140,8140,82
2020 Q4139,66129,06142,64141,76142,88
Jahresdurchschnitt 2020136,31128,2138,42137,83138,44
2021 Q1144,7129,06149,83147,4151,25
2021 Q2150,77135,59155,62152,35157,68

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