Pressemitteilung: 12.352-192/20

Weniger Raucherinnen, aber Anteil stark Übergewichtiger in der Bevölkerung nimmt zu

Wien, 2020-10-19 – 24% der Männer und 18% der Frauen in Österreich rauchen täglich. Das ergab die von Statistik Austria im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit durchgeführte "Österreichische Gesundheitsbefragung 2019". Damit ging die Raucherquote gegenüber der letzten Befragung 2014 um 3,0 bzw. 4,3 Prozentpunkte zurück. Frauen aßen zudem öfter täglich Obst und Gemüse als Männer. Der Anteil von starkem Übergewicht in der Bevölkerung (unter Berücksichtigung des Alterseffekts) ist seit 2014 um 2,1 Prozentpunkte gestiegen. Die Bewegungsempfehlungen der WHO hält beinahe ein Viertel der österreichischen Bevölkerung ein, besonders junge Männer sind sportlich aktiv.

"Der Zigarettenkonsum ist in Österreich auf dem Rückzug: Während vor fünf Jahren noch fast jeder vierte täglich zur Zigarette gegriffen hat, raucht aktuell jede fünfte Person ab 15 Jahren. Der Anteil stark Übergewichtiger in der Bevölkerung steigt hingegen stetig. Besonders in der Altersgruppe der 60- bis 74-Jährigen ist inzwischen jeder vierte von Adipositas betroffen", sagt Tobias Thomas, Generaldirektor von Statistik Austria.

Raucherquote bei Frauen erstmals seit 1972 gesunken

Insgesamt rauchen 1,5 Mio. Menschen in Österreich (21%) täglich, das sind 228.000 Personen weniger als 2014. Erstmals seit Beginn der Aufzeichnungen 1972 ging die Raucherquote auch bei Frauen zurück – bei Männern wurde diese Entwicklung schon länger beobachtet. Aktuell rauchen 18% der Frauen. Damit ist die Raucherquote bei Frauen im Vergleich zu 2014 um 4,3 Prozentpunkte gesunken. Die Raucherquote der Männer liegt mit 24% nach wie vor über jener der Frauen. Aber auch hier kam es zu einem Rückgang, nämlich um 3 Prozentpunkte gegenüber 2014.

Etwa ein Viertel der nicht täglich rauchenden Bevölkerung ist dem Zigarettenrauch anderer ausgesetzt. Am größten ist die Belastung durch Passivrauchen bei den 15- bis 29-Jährigen – etwa jede zweite Person dieser Altersgruppe ist zumindest gelegentlich betroffen.

Adipositas nimmt zu

18% der Männer und 15% der Frauen sind entsprechend den Definitionen der WHO adipös (fettleibig bzw. stark übergewichtig). In absoluten Zahlen sind damit 660.000 Männer und 580.000 Frauen in Österreich von Fettleibigkeit betroffen. Mit zunehmendem Lebensalter tritt Adipositas immer häufiger auf: So ist in der 15- bis 29-jährigen Bevölkerung nur ein geringer Prozentsatz stark übergewichtig (8%), während bei den 60- bis 74-Jährigen jede vierte Person betroffen ist.

Der Anteil der stark übergewichtigen Personen ist gegenüber der letzten Befragung 2014 um rund 2 Prozentpunkte gestiegen.

Mehr als die Hälfte der Frauen isst täglich Obst und Gemüse

Frauen essen häufiger täglich Obst und Gemüse als Männer (Frauen: 59% bzw. 55%, Männer: 41% bzw. 39%). Nur 7% der Frauen und 4% der Männer erreichen jedoch die Empfehlung der WHO, täglich fünf Portionen Obst und/oder Gemüse zu essen. Während der tägliche Obstkonsum mit dem Alter zunimmt, verändert sich der Gemüsekonsum wenig. Männer konsumieren weitaus häufiger täglich Fleisch- oder Wurstwaren als Frauen (44% bzw. 22%). Zumindest einmal in der Woche essen etwas mehr als die Hälfte der Männer und Frauen Fisch. Zuckerhaltige Getränke werden deutlich häufiger von Männern als von Frauen getrunken, vor allem in der jüngeren männlichen Bevölkerung (unter 29 Jahren) ist der tägliche Konsum von zuckerhaltigen Getränken verbreitet (20%; Frauen im selben Alter: 8%).

Knapp die Hälfte der Bevölkerung bewegt sich ausreichend

Beinahe die Hälfte der österreichischen Bevölkerung (47%) bewegt sich gemäß der WHO-Empfehlung ausreichend (zumindest 2,5 Stunden pro Woche). Die Empfehlung, zweimal pro Woche die Muskeln zu kräftigen, erreichen mehr Männer als Frauen (33% gegenüber 28%).

Rund ein Viertel aller Personen (21% der Frauen und 26% der Männer) erfüllt beide Bewegungskriterien. Junge Männer (18 bis 29 Jahre) sind am häufigsten sportlich aktiv: 36% machen entsprechend den WHO-Empfehlungen sowohl ausreichend Fitness- als auch Muskeltraining.

Vorsorgeuntersuchungen bei Brustkrebs, Gebärmutterhalskrebs und Darmgesundheit weit verbreitet

Die von Frauen am häufigsten wahrgenommenen Vorsorgeuntersuchungen betrafen Brustkrebs und Gebärmutterhalskrebs. Etwa die Hälfte der Frauen ab 15 Jahren ließ im letzten Jahr vor der Befragung einen Krebsabstrich zur Früherkennung eines Gebärmutterhalskrebses durchführen (bezogen auf die letzten zwei Jahre erhöht sich der Prozentwert auf 69%). Bei einer Mammographie waren zwei Drittel der Frauen ab 45 Jahren (bezogen auf die letzten zwei Jahre vor der Befragung).

Als Vorsorgemaßnahme betreffend die Darmgesundheit ließ rund die Hälfte der Befragten ab 50 Jahren einen Okkultbluttest vornehmen (bezogen auf die letzten zwei Jahre vor der Befragung). Jede zweite Person ab 50 Jahren war außerdem in den vergangenen zehn Jahren bei einer Darmspiegelung.

Detaillierte Ergebnisse zur Gesundheitsbefragung finden Sie auf unserer Webseite sowie in der Publikation "Gesundheitsbefragung 2019 – Hauptergebnisse und methodische Dokumentation" (PDF, 3,7 MB).

Methodische Informationen, Definitionen: Statistik Austria führte im Auftrag des Bundesministeriums für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz sowie der Bundesgesundheitsagentur von Oktober 2018 bis September 2019 eine auf der Europäischen Gesundheitsbefragung basierende österreichweite Erhebung zum Thema Gesundheit durch. Insgesamt wurden 15.461 zufällig ausgewählte Personen im Rahmen eines persönlichen Interviews befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die Bevölkerung ab 15 Jahren in Privathaushalten (hochgerechnet 7,4 Mio. Personen).  
Themen der Befragung waren zum einen der Gesundheitszustand der Bevölkerung, also das Auftreten bestimmter Krankheiten und Gesundheitsprobleme, Schmerzen, funktionaler Beeinträchtigungen sowie das Ausmaß bzw. der Bedarf an Unterstützung bei Aktivitäten des täglichen Lebens. Ein zweiter Themenbereich betraf das Gesundheitsverhalten. Hier wurden Daten zu Risikofaktoren (Rauchen, Alkohol, Adipositas) sowie zu Ernährung, körperlicher Aktivität und Gesundheitsvorsorge erhoben. Ein dritter Aspekt betraf die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Eltern lieferten Informationen zum Gesundheitszustand ihrer im Haushalt lebenden Kinder. 
Für Zeitreihenvergleiche wurden altersstandardisierte Häufigkeiten berechnet, um Effekte auszuschalten, die auf Unterschiede in der Altersstruktur der Vergleichsgruppen zurückzuführen sind. 
Die Interviews wurden überwiegend persönlich und computerunterstützt durchgeführt (CAPI – Computer Assisted Personal Interviewing). Die Erhebung über die Lebensqualität und körperliche Aktivität erfolgte mittels eines selbst auszufüllenden Fragebogens im Anschluss an das persönliche Interview. Rund 10% füllten einen webbasierten Fragebogen aus. Die österreichweite Ausschöpfung lag bei 50,5%. 
Die Teilnahme an der Befragung war generell freiwillig. Zu beachten ist ein möglicherweise sozial erwünschtes Antwortverhalten besonders bei einzelnen, möglicherweise sensiblen oder für die Zielperson unangenehmen Fragen, wie zum Alkoholkonsum oder zum Rauchen.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Jeannette KLIMONT, Tel.: +43 (1) 71128-8277 bzw. jeannette.klimont@statistik.gv.at

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