Pressemitteilung: 12.322-162/20

Die meisten Beschäftigten verdienten 2018 zwischen 10 und 15 Euro brutto pro Stunde, starke Verdienstunterschiede nach Branchen

Wien, 2020-09-15 – Unselbständig Beschäftigte verdienten in der Privatwirtschaft 2018 im Mittel (Median) 15,09 Euro brutto pro Stunde, wie Statistik Austria berichtet. 14,2% der Beschäftigten erhielten 10 Euro und weniger; mehr als ein Drittel (35,2%) hatte einen Bruttostundenverdienst von 10 bis 15 Euro. Rund ein Viertel (25,2%) verdiente zwischen 15 und 20 Euro. Weitere 11,5% erzielten einen Bruttostundenverdienst von 20 bis 25 Euro und 5,8% von 25 bis 30 Euro. Mehr als 30 Euro erreichten insgesamt 8,1% der Beschäftigten (siehe Grafik).

"In Österreich gibt es markante Verdienstunterschiede nach Branchen und Berufen. Dabei ist das Verhältnis zwischen hohen und niedrigen Verdiensten seit 2006 nahezu unverändert", sagt Tobias Thomas, Generaldirektor von Statistik Austria. "Einen eindeutig positiven Einfluss auf die Verdienstmöglichkeiten hat die Ausbildung. Beschäftigte mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss erhielten brutto pro Stunde fast doppelt so viel wie Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss: Bildung macht sich bezahlt."

Starke Verdienstunterschiede nach Branchen

Nach Branchen wurden die höchsten Verdienste in der Energieversorgung (24,75 Euro), der Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (22,29 Euro) sowie der Information und Kommunikation (21,10 Euro) verzeichnet. Am niedrigsten waren die Bruttostundenverdienste 2018 in der Beherbergung und Gastronomie mit 9,67 Euro (ohne Trinkgelder).

Im größten Wirtschaftsabschnitt, der Herstellung von Waren, lagen die mittleren Bruttostundenverdienste 2018 bei 16,96 Euro. Im Handel verdienten die Beschäftigten im Mittel 13,17 Euro. Im Bereich Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen – zu dem u. a. die Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften sowie die Gebäudebetreuung zählen – betrug der Stundenverdienst 12,13 Euro brutto. Im Gesundheits- und Sozialwesen waren es 15,73 Euro, im Bauwesen 15,96 Euro und im Wirtschaftsabschnitt Verkehr und Lagerei 14,24 Euro (siehe Tabelle 1).

Führungskräfte erzielen die höchsten Verdienste

Nach Berufsgruppen lagen die Verdienste von Führungskräften mit 30,72 Euro erwartungsgemäß an der Spitze, gefolgt von Beschäftigten in akademischen Berufen mit 21,62 Euro und Fachkräften in technischen und gleichrangigen nichttechnischen Berufen mit 18,42 Euro. Bürokräfte und verwandte Berufe verdienten mit 15,06 Euro etwas weniger als Personen in Handwerks- und verwandten Berufen mit 15,65 Euro. Am niedrigsten waren die Verdienste von Beschäftigten in Dienstleistungsberufen sowie von Verkäuferinnen und Verkäufern mit 11,59 Euro bzw. von Hilfsarbeitskräften mit 10,77 Euro brutto pro Stunde (siehe Tabelle 1).

Ausbildung hat positiven Einfluss auf Verdienstmöglichkeiten

Einen positiven Einfluss auf die Höhe der Verdienste hat generell die Ausbildung. Beschäftigte mit höchstens Pflichtschulabschluss erhielten 2018 11,42 Euro brutto pro Stunde. Personen mit einem Lehrabschluss verdienten 14,70 Euro und Beschäftigte mit BHS-Matura 17,66 Euro. Bei Beschäftigten mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss lagen die Bruttostundenverdienste bei 21,60 Euro und waren damit fast doppelt so hoch wie jene von Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss (siehe Tabelle 2).

Beschäftigte ohne österreichische Staatsbürgerschaft verdienten um 22,5% weniger

Bezogen auf die Staatsangehörigkeit lagen die Bruttostundenverdienste von Beschäftigten mit österreichischer Staatsbürgerschaft 2018 bei 15,91 Euro. Beschäftigte ohne österreichische Staatsbürgerschaft erzielten mit 12,33 Euro im Mittel um 22,5% weniger. Eine Ausnahme bildeten Beschäftigte aus den alten EU-Mitgliedstaaten (Beitritt vor 2004) – davon kamen rund 72% aus Deutschland – die mit 15,94 Euro etwa gleich viel verdienten wie österreichische Staatsangehörige.

Die Bruttostundenverdienste von Beschäftigten aus den neuen EU-Beitrittsländern (Beitritt ab 2004) lagen mit 11,89 Euro um rund 25% unter jenen von österreichischen Staatsangehörigen. Gleiches gilt mit 11,98 Euro für Beschäftigte mit einer Staatsbürgerschaft, die dem ehemaligen Jugoslawien (ohne Slowenien und Kroatien) zuzurechnen ist. Beschäftigte mit türkischer Staatsbürgerschaft verdienten mit 11,27 Euro um rund 29% weniger als österreichische Staatsangehörige. Die niedrigsten Verdienste verzeichneten Frauen mit türkischer Staatsangehörigkeit mit 9,51 Euro, sie waren zu mehr als 60% als Hilfsarbeitskräfte tätig (siehe Tabelle 2).

Verdienste in Vorarlberg am höchsten

Nach Bundesländern waren die Verdienste in Vorarlberg mit 16,54 Euro am höchsten und im Burgenland mit 13,66 Euro am niedrigsten. Nach Geschlecht konnten Frauen in Wien, aufgrund des vergleichsweise hohen Anteils an Universitäts- oder Fachhochschulabsolventinnen, mit 14,65 Euro brutto pro Stunde die höchsten Verdienste erzielen. Männer verdienten mit 18,36 Euro in Vorarlberg am besten (siehe Tabelle 2).

Geschlechtsspezifischer Lohnunterschied leicht rückläufig 

Insgesamt waren die mittleren (Median-) Bruttostundenverdienste der Frauen 2018 mit 13,43 Euro um 17,4% niedriger als jene der Männer mit 16,26 Euro. Im Zeitvergleich zeigt sich ein leichter Rückgang der Lohndifferenz. 2014 verdienten Frauen brutto pro Stunde noch um 19,0% weniger als Männer, 2010 waren es 21,1% und 2006 22,7%. Der Verdienstunterschied verringerte sich damit um insgesamt 5,3 Prozentpunkte in zwölf Jahren oder 0,4 Prozentpunkte pro Jahr.

Zu den wichtigsten erklärenden Faktoren für den Lohnunterschied von Frauen und Männern zählen Branche und Beruf, da Frauen nach wie vor öfter in schlechter bezahlten Dienstleistungsberufen und in Branchen mit geringeren Verdienstmöglichkeiten arbeiten, während Männer häufiger in besser bezahlten technischen Berufen und Führungspositionen zu finden sind. Einen deutlichen Einfluss haben zudem die Teilzeitbeschäftigung, da Teilzeitbeschäftigte auch pro Stunde geringer entlohnt werden, sowie die Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen. Unter Berücksichtigung dieser und weiterer Faktoren reduziert sich der Lohnunterschied jedoch deutlich.

Verhältnis zwischen hohen und niedrigen Verdiensten hat sich kaum verändert

Nach Dezilen (siehe Informationen zur Methodik) hat sich das Verhältnis zwischen hohen und niedrigen Verdiensten im Zeitvergleich kaum verändert. 2006 waren die oberen Bruttostundenverdienste (9. Dezil) dreimal so hoch wie die unteren Verdienste (1. Dezil). 2018 betrug der Wert, über dem die höchsten 10% der Verdienste liegen, 28,00 Euro brutto pro Stunde und war damit 2,9-mal so hoch wie jener Wert, unter dem sich die niedrigsten 10% der Verdienste befinden (9,50 Euro; siehe Tabelle 4).

Bruttostundenverdienste stiegen zwischen 2014 und 2018 real um 2,6%

Insgesamt stiegen die Bruttostundenverdienste in der Privatwirtschaft zwischen 2006 und 2018 real (inflationsbereinigt) um insgesamt 4,8%. Das Wachstum wurde jedoch durch die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 unterbrochen. Zwischen 2006 und 2010 nahmen die Bruttostundenverdienste inflationsbereinigt um 3,3% (0,8% pro Jahr) zu und gingen nach dem Einsetzen der Wirtschaftskrise in den Jahren 2010 bis 2014 um 1,1% (0,3% pro Jahr) zurück. Mit einem Plus von 2,6% (0,7% pro Jahr) war im Zeitraum 2014 bis 2018 dagegen wieder ein Zuwachs zu verzeichnen, wobei der Anstieg der Bruttostundenverdienste im Produzierenden Bereich mit 3,5% (0,9% pro Jahr) etwas stärker ausfiel als im Dienstleistungsbereich mit 2,0% (0,5% pro Jahr; siehe Tabelle 3).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Erhebung finden Sie auf unserer Webseite.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Die Verdienststrukturerhebung wird im Abstand von vier Jahren durchgeführt. Die Ergebnisse der Verdienststrukturerhebung 2018 repräsentieren insgesamt rund 2,7 Mio. unselbständig Beschäftigte. Im Rahmen einer Stichprobenerhebung wurden bei rund 11.000 Unternehmen Informationen zu rund 200.000 Beschäftigten erhoben. Erfasst wurden Unternehmen mit zehn und mehr Beschäftigten im Produzierenden Bereich (Abschnitte B–F der ÖNACE 2008) und im Dienstleistungsbereich (Abschnitte G–N und P–S der ÖNACE 2008). Nicht erfasst wurden die Abschnitte A "Land- und Forstwirtschaft, Fischerei" und O "Öffentliche Verwaltung, Verteidigung; Sozialversicherung".  
Die Angaben beziehen sich auf Bruttostundenverdienste (ohne Mehr- und Überstunden) der unselbständig Beschäftigten (ohne Lehrlinge) im Referenzmonat Oktober gemessen am Median. Der Median ist jener Wert, unter bzw. über dem die Verdienste von jeweils der Hälfte der Beschäftigten liegen.  
Dezile teilen die der Größe nach geordneten Verdienste in zehn gleich große Teile. Das 1. Dezil gibt an, unter welchem Wert die Verdienste von 10% der Beschäftigten liegen. Das 9. Dezil beschreibt den Grenzwert, unter dem die Verdienste von 90% der Beschäftigten liegen. Das Verhältnis zwischen dem 10%-Dezil und dem 90%-Dezil bezeichnet das sogenannte Interdezilverhältnis.

 

Tabelle 1: Bruttostundenverdienste 2018 nach Branchen und Berufen
KategorieInsgesamtFrauenMännerZahl der BeschäftigtenFrauenanteil
Bruttostundenverdienste1)
(Median) in Euro
absolut
in %
Insgesamt
15,0913,4316,262.650.93841,7
Wirtschaftstätigkeit (ÖNACE 2008)2)
B - Bergbau 15,7515,3015,786.61212,4
C - Herstellung von Waren16,9614,1517,86559.34124,6
D - Energieversorgung24,7521,0125,1920.46416,6
E - Wasserversorgung und Abfallentsorgung 13,4813,2613,6414.96720,9
F - Bau15,9614,6616,04215.49810,9
G - Handel13,1712,1714,91467.93756,2
H - Verkehr und Lagerei14,2413,5614,42184.26320,3
I - Beherbergung und Gastronomie9,679,549,83157.62955,2
J - Information und Kommunikation21,1018,2522,8889.37532,3
K - Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen22,2920,0925,79102.70150,7
L - Grundstücks- und Wohnungswesen16,4814,8418,8625.25054,3
M - Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen18,0116,0020,82150.00049,7
N - Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen12,1310,4013,25228.68842,1
P - Erziehung und Unterricht16,3515,3519,13111.62758,2
Q - Gesundheits- und Sozialwesen15,7315,5316,44222.76875,3
R - Kunst, Unterhaltung und Erholung12,9012,1913,5739.18047,1
S - Erbringung von sonstigen Dienstleistungen14,0312,6316,2754.63661,8
Berufshauptgruppen und ausgewählte Berufsgruppen (ÖISCO-08)
1 - Führungskräfte 30,7225,0532,65131.62725,0
2 - Akademische Berufe21,6219,3523,68309.95342,8
3 - Techniker/-innen und gleichrangige nichttechnische Berufe18,4216,9319,88492.57640,8
4 - Bürokräfte und verwandte Berufe15,0614,6216,10323.89165,7
5 - Dienstleistungsberufe, Verkäufer/-innen11,5911,5511,71457.60867,1
7 - Handwerks- und verwandte Berufe15,6512,2815,83345.2666,4
8 - Bediener/-innen von Anlagen und Maschinen und Montageberufe14,1012,2814,38235.71412,9
9 - Hilfsarbeitskräfte10,779,6812,09354.30347,3

 

Tabelle 2: Bruttostundenverdienste 2018 nach demografischen Merkmalen
KategorieInsgesamtFrauenMännerZahl der BeschäftigtenFrauenanteil
Bruttostundenverdienste1)
(Median) in Euro
absolut
in %
Höchste abgeschlossene Bildung
Höchstens Pflichtschulabschluss 11,4210,1712,57479.56546,1
Lehrabschluss14,7012,4915,75969.01431,5
Berufsbildende mittlere Schule, Meisterprüfung16,3714,8918,26323.39450,6
Allgemeinbildende höhere Schule13,7913,0114,70177.97350,9
Berufsbildende höhere Schule17,6615,1220,66278.52344,2
Kolleg, Akademie, hochschulverwandte Lehranstalt18,0717,2420,2338.19764,9
Universität, Fachhochschule21,6018,9424,84384.27346,3
Altersgruppen
15 bis 19 Jahre 9,889,5410,4038.21555,9
20 bis 29 Jahre12,8911,6513,74571.49442,6
30 bis 39 Jahre 15,4313,9516,39668.04640,0
40 bis 49 Jahre16,2114,4217,77657.02043,4
50 bis 59 Jahre16,8514,4818,66617.25642,6
60 und mehr Jahre 16,5112,7418,5398.90526,3
Dauer der Zugehörigkeit zum Unternehmen
Unter 1 Jahr 12,6011,3913,51895.79942,5
1 bis 5 Jahre14,2412,9415,33608.09645,5
6 bis 9 Jahre15,8014,3016,93338.62144,1
10 bis 14 Jahre 17,4515,6018,67281.30242,7
15 bis 19 Jahre 18,6216,5620,22192.18542,5
20 bis 29 Jahre20,3418,3521,37212.80734,6
30 und mehr Jahre23,9222,5424,25122.12819,4
Bundesland2)
Burgenland13,6612,6314,2265.38945,0
Kärnten14,2712,7815,50142.41944,4
Niederösterreich14,3212,6615,36422.01938,9
Oberösterreich15,5913,3417,07489.17539,5
Salzburg14,9813,5616,08181.48141,7
Steiermark14,7312,9215,93369.98340,7
Tirol15,0313,3316,19230.98144,5
Vorarlberg16,5413,9018,36115.85340,4
Wien
15,8714,6516,74633.63844,2
Staatsangehörigkeit
Österreich15,9114,0317,352.079.65542,7
Nicht-Österreich12,3310,6513,25571.28238,0
darunter:     
   - EU-28/EWR/Schweiz (ohne Österreich):12,7711,3013,54380.32737,8
      …EU-15/EWR vor 2004/Schweiz 15,9414,7216,74122.57238,6
      …EU-13 Beitrittsstaaten ab 200411,8910,2712,69257.75537,4
   - ehemaliges Jugoslawien (außerhalb der EU)11,989,7813,5696.06541,2
   - Türkei11,279,5112,7734.75935,2
   - Andere10,9410,5511,1960.13136,2

 

Tabelle 3: Entwicklung der Bruttostundenverdienste 2006–2018 (Indexdarstellung)
KategorieBruttostundenverdienste1)  
Median in Euro
Entwicklung real2)  
in %
20062010201420182006201020142018
Insgesamt11,4812,7913,8715,09100103,3102,1104,8
Produzierender Bereich12,4313,9815,1916,66100104,3103,3106,9
Dienstleistungsbereich10,8012,0113,1214,19100103,1102,7104,8
Tabelle 4: Bruttostundenverdienste 2006–2018 nach Dezilen
JahrBruttostundenverdienste1) nach DezilenInterdezilverhältnis Dezil 90/10
1. Dezil2. Dezil3. Dezil4. DezilMedian6. Dezil7. Dezil8. Dezil9. Dezil
20067,148,379,4510,4311,4812,7014,3016,6921,473,0
20107,859,2110,4311,5712,7914,1916,0118,6823,923,0
20148,6910,0111,3812,6413,8715,2917,1920,0525,592,9
20189,5010,9112,3213,7015,0916,6618,7421,8828,002,9

 

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