Pressemitteilung: 12.319-159/20

Arbeitsmarkt während der Corona-Krise: 3% weniger Erwerbstätige im 2. Quartal 2020, Arbeitszeit nähert sich im Juni allmählich dem Vorkrisenniveau

Wien, 2020-09-09 – Die Anzahl erwerbstätiger Personen (nach internationaler Definition) lag im 2. Quartal 2020 mit 4.214.100 um 129.200 bzw. 3,0% unter dem Wert des 2. Quartals 2019. Wie die endgültigen Ergebnisse der Arbeitskräfteerhebung von Statistik Austria weiter zeigen, betrug die Arbeitslosenquote für das 2. Quartal 2020 nach EU-Definition 5,7% und stieg damit im Vergleich mit dem Vorjahresquartal um 1,2 Prozentpunkte.

"Die Corona-Krise hat zu einem kräftigen Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt. Davon besonders betroffen waren ausländische Staatsangehörige und Jüngere. Zudem ist die 'stille Reserve' des Arbeitsmarkts deutlich gestiegen: Im Vergleich zum 2. Quartal des Vorjahres hat sie sich mit +116,5% auf 202.700 Personen mehr als verdoppelt", so Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas.

Darüber hinaus lag die tatsächlich geleistete Wochenarbeitszeit im 2. Quartal 2020 mit 27,8 Stunden deutlich unter dem Vorjahresniveau (31,8 Stunden). Allerdings nähert sich seit Juni die Wochenarbeitsleistung der Erwerbstätigen wieder dem Vorkrisenniveau.

Die Zahl der offenen Stellen sank im Vergleich zum Vorjahresquartal um rund ein Drittel (-44.300) und lag im 2. Quartal 2020 bei 84.800.

Starker Rückgang bei Erwerbstätigen

Die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie zeigten für das 2. Quartal 2020 deutliche, teils branchenspezifisch unterschiedliche Auswirkungen auf den österreichischen Arbeitsmarkt. So waren im 2. Quartal 2020 nach internationaler Definition 4.214.100 Personen erwerbstätig, um 129.200 bzw. 3,0% weniger als im Jahr zuvor. Die Erwerbstätigenquote für das Haupterwerbsalter (15 bis 64 Jahre) lag nunmehr bei 71,0%, um 2,3 Prozentpunkte unter dem Niveau des 2. Quartals 2019. Dabei waren Männer stärker betroffen als Frauen. Die Erwerbstätigenquote der Frauen ist im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 Prozentpunkte auf 67,0% gesunken, jene der Männer dagegen um 2,9 Prozentpunkte auf 75,1%.

Der Shutdown traf einige Branchen härter als andere. Die stärksten Rückgänge bei der Anzahl der Erwerbstätigen im Vergleich zum 2. Quartal 2019 wurden in den Branchen Beherbergung und Gastronomie (-25,4%), Kunst, Unterhaltung und Erholung (-9,1%) sowie Herstellung von Waren (-7,2%) verzeichnet.

Besonders jüngere Altersgruppen und ausländische Staatsangehörige vom Rückgang betroffen

In nahezu allen Altersgruppen sind die Erwerbstätigenquoten gesunken, am deutlichsten aber bei den Jüngeren (20 bis 24 Jahre: -3,9 Prozentpunkte) und hier insbesondere bei den Männern. So sank die Erwerbstätigenquote der 20- bis 24-jährigen Männer im Jahresvergleich um 6,8 Prozentpunkte (Frauen: -1,1 Prozentpunkte). Die Betrachtung nach Staatsangehörigkeit zeigt, dass die Erwerbstätigenquote der Österreicherinnen und Österreicher im 2. Quartal 2020 mit 73,0% um 1,9 Prozentpunkte unter dem Vorjahresniveau lag, bei den nicht-österreichischen Staatsangehörigen mit 62,6% aber sogar um 4,0 Prozentpunkte darunter.

Arbeitslosigkeit stark gestiegen

Insgesamt waren im 2. Quartal 2020 nach internationaler Definition 251.600 Personen arbeitslos. Die Arbeitslosigkeit stieg coronabedingt um 49.600 Personen bzw. 24,6% über das Vorjahresniveau. Die Arbeitslosenquote nach ILO-Definition war mit 5,7% um 1,2 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Männer waren vom Anstieg bei den Arbeitslosen etwas stärker betroffen als Frauen (Männer: +1,3 Prozentpunkte auf 5,9%; Frauen: +1,0 Prozentpunkt auf 5,4%).

Der Anstieg der Arbeitslosenquote fiel bei ausländischen Staatsangehörigen mit einem Plus von 3,6 Prozentpunkten auf 13,0% deutlich stärker aus als bei Österreicherinnen und Österreichern (+0,6 Prozentpunkte auf 4,1%). Überdurchschnittlich stark ist die Arbeitslosenquote auch bei Personen mit maximal Pflichtschulabschluss auf 13,8% (+2,4 Prozentpunkte) sowie bei Personen mit AHS/BHS-Abschluss mit 5,7% (+1,4 Prozentpunkte) angewachsen.

Die Auswirkungen der Coronakrise zeigen sich auch in einer starken Zunahme der Personen in der "stillen Reserve" des Arbeitsmarkts. Diese Gruppe umfasst Personen, die nicht erwerbstätig sind, keine Arbeit gesucht haben, aber grundsätzlich gerne erwerbstätig gewesen wären und auch innerhalb von zwei Wochen eine neue Tätigkeit aufnehmen könnten. Zahlenmäßig hat sich diese Gruppe von 93.600 im 2. Quartal 2019 auf 202.700 Personen im 2. Quartal 2020 mehr als verdoppelt (+109.100 bzw. +116,5%).

Zunahme der Wochenarbeitsstunden

Mit Beginn des Shutdowns brachen die durchschnittlich geleisteten Wochenarbeitsstunden von 32,4 Stunden in der zweiten Märzwoche auf 25,5 Stunden in der dritten Märzwoche ein und blieben den gesamten April über auf sehr niedrigem Niveau (siehe Grafik). Mit den Lockerungen der Corona-Maßnahmen stiegen die durchschnittlichen Arbeitsstunden wieder an. In den letzten beiden Juniwochen wurden – über alle Branchen gesehen – wieder 32,4 bzw. 31,5 Wochenarbeitsstunden pro Erwerbstätigem verzeichnet. Auch in den Branchen Beherbergung und Gastronomie sowie – wenn auch etwas schwächer – Kunst, Unterhaltung und Erholung steigen die geleisteten Arbeitsstunden wieder deutlich an. Über das gesamte 2. Quartal betrachtet blieb die tatsächlich geleistete Arbeitszeit pro Erwerbstätigen und Woche mit 27,8 Stunden aber deutlich unter dem Vorjahresniveau (31,8 Stunden).

Fast ein Viertel der Erwerbstätigen arbeitete coronabedingt von zu Hause aus

Im 2. Quartal haben 30,6% bzw. 1.107.900 Erwerbstätige zum Befragungszeitpunkt von zu Hause aus gearbeitet – der Großteil davon coronabedingt (22,8% bzw. 824.600 Personen). Die meisten übten ihre Tätigkeiten dabei in Form von Telearbeit, also mittels PC und/oder Smartphone aus (29,7% bzw. 1.073.800 Personen). Mit steigendem Bildungsniveau und mit höherer beruflicher Qualifikation wurde häufiger von zu Hause aus gearbeitet. Generell waren Frauen etwas häufiger als Männer im Homeoffice. Zu den Branchen mit den höchsten Homeoffice-Anteilen zählen Information und Kommunikation (70,3%), Erziehung und Unterricht (63,6%) sowie Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (57,7%).

Weitere Informationen zum Thema finden Sie auf unserer Webseite sowie im Schnellbericht Arbeitsmarktstatistik (PDF, 8,5 MB).

 

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Die vorliegenden Daten stammen aus der europäischen Arbeitskräfteerhebung (AKE), die in allen Mitgliedsländern der EU stattfindet. Dabei werden in zufällig ausgewählten privaten Haushalten in standardisierter Form Informationen zu Erwerbstätigkeit und Arbeitsuche erhoben. In Österreich wird die AKE im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt – eine Stichprobenerhebung, bei der wöchentlich ca. 1.500 Haushalte befragt werden. Diese Daten werden auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet und sind saisonal nicht bereinigt.  
Erwerbstätige nach internationaler Definition: Personen, die in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder die wegen Urlaub, Krankheit usw. nicht gearbeitet haben, aber normalerweise einer Beschäftigung nachgehen. Präsenz- und Zivildiener sind ausgeschlossen.  
Erwerbstätigenquote: Erwerbstätige im Alter von 15 bis 64 bezogen auf die gleichaltrige Bevölkerung.  
Arbeitslose nach internationaler Definition: Personen, die im Sinne dieses Konzeptes nicht erwerbstätig sind, die weiters innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche eine Arbeit aufnehmen können und in der Referenzwoche oder den drei vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben oder nur deshalb nicht gesucht haben, weil sie bereits eine Arbeit gefunden haben, die sie innerhalb von drei Monaten aufnehmen werden. Als langzeitarbeitslos gelten Personen, die ein Jahr oder länger arbeitslos sind. 
Arbeitslose nach nationaler Definition: Die beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitslos vorgemerkten, nicht selbständig oder unselbständig erwerbstätigen Personen. Geringfügige Beschäftigungen (laut Dachverband der Sozialversicherungsträger, kurz: DV) sind hier ausgenommen, d. h. eine arbeitslose Person kann gleichzeitig geringfügig beschäftigt sein.  
Arbeitslosenquote: Anteil der Arbeitslosen nach nationaler Definition am Arbeitskräftepotential (das sind Arbeitslose plus unselbständige Beschäftigungen laut DV).  
Arbeitslosenquote nach internationaler Definition: Hier werden die nach internationalen Richtlinien erhobenen Erwerbstätigen und Arbeitslosen im Alter von 15 bis 74 Jahren für die Berechnung der Quote herangezogen.  
Arbeitslosenquote nach nationaler Definition: beruht auf den Arbeitslosen laut AMS und den unselbständige Beschäftigungen laut DV. Selbständige und Mithelfende sind hier nicht bei den Erwerbspersonen enthalten, geringfügig Beschäftigte nur dann, wenn sie als arbeitslos vorgemerkt sind. Für die Berechnung der Arbeitslosenquote nach nationaler Definition ergibt sich daher ein größerer Zähler (Arbeitslose), aber ein kleinerer Nenner (Arbeitslose + Erwerbstätige) und in der Folge eine höhere nationale Arbeitslosenquote als bei der Anwendung der internationalen Richtlinien.  
Teilzeitarbeit: Die hier präsentierten Zahlen basieren auf einer direkten Frage nach Teilzeitarbeit. 
Telearbeit: Personen, die mit PC und/oder Smartphone von zu Hause aus gearbeitet haben. Mit Beginn des 2. Quartals 2020 wurden im Rahmen der AKE vier freiwillig zu beantwortende Zusatzfragen zur Arbeitssituation in Zeiten der COVID-19-Pandemie gestellt. Die Fragen waren an alle Personen gerichtet, die in der Referenzwoche gearbeitet haben und zusätzlich in den letzten vier Wochen von zu Hause aus gearbeitet haben. Personen, die in den letzten vier Wochen nie von zu Hause aus gearbeitet haben, wurden automatisch der Gruppe "keine Arbeit von zu Hause" zugeordnet. 
"Stille Arbeitsmarktreserve" (auch "stille Reserve") nach internationaler Definition: Nicht-Erwerbspersonen (Personen, die laut internationaler Definition weder erwerbstätig noch arbeitslos sind) im Alter von 15 bis 64 Jahren, die in der Referenzwoche und den drei Wochen davor nicht nach Arbeit suchen, aber grundsätzlich gerne arbeiten würden und innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche zu arbeiten beginnen könnten.  
Offene Stellen: Die Offene-Stellen-Erhebung von Statistik Austria wird seit dem 1. Quartal 2009 für die Wirtschaftsabschnitte B bis S der ÖNACE 2008 laufend durchgeführt. Insgesamt werden pro Quartal rund 6.000 Unternehmen befragt.

 

Tabelle 1: Hauptergebnisse der Arbeitsmarktstatistik (internationale Definitionen) 2020 und 2019, Quartale
 Einheit2. Quartal 2020Veränderung zum … 
absolut bzw. in %-Punkten
1. Quartal 20202. Quartal 2019
Erwerbstätigkeit (ILO-Konzept)    
Erwerbstätige1.0004.214,1-74,0-129,2
Erwerbstätigenquote1) (15 bis 64 Jahre)%71,0-1,3-2,3
   Männer%75,1-1,1-2,9
   Frauen%67,0-1,5-1,8
   Jugendliche (15 bis 24 Jahre)%47,3-2,7-2,5
   Ältere (55 bis 64 Jahre)%54,20,0*0,0*
   Österreichische Staatsangehörige%73,0-1,1-1,9
   Ausländische Staatsangehörige%62,6-2,1-4,0
Unselbständig Erwerbstätige1.0003.697,6-58,8-121,5
   Männer1.0001.907,1-19,6-74,3
   Frauen1.0001.790,5-39,2-47,2
Selbständig Erwerbstätige1.000461,9-19,6-18,9*
   Männer1.000301,0-9,4*-9,4*
   Frauen1.000160,9-10,2-9,5*
Mithelfende1.00054,54,4*11,2
Land- und Forstwirtschaft1.000168,04,5*10,8*
Industrie und Gewerbe1.0001.058,714,0*-58,8
Dienstleistungen1.0002.987,5-92,5-81,2
Arbeitslosigkeit (ILO-Konzept)    
Arbeitslose1.000251,642,349,6
Arbeitslosenquote2)%5,71,01,2
   Männer%5,90,91,3
   Frauen%5,41,01,0
   Jugendliche (15 bis 24 Jahre)%11,71,8*3,3
   Ältere (55 bis 64 Jahre)%3,7-0,1*0,4*
   Österreichische Staatsangehörige%4,10,60,6
   Ausländische Staatsangehörige%13,02,73,6
Nicht-Erwerbspersonen1.0001.436,932,789,6
   Stille Arbeitsmarktreserve1.000202,764,6109,1
Offene Stellen    
Offene Stellen (ÖNACE 2008 B-S)1.00084,8-34,2-44,3
Offene-Stellen-Quote3)%2,6-0,3*-0,5*

 

Tabelle 2: Erwerbstätige nach Telearbeit, Geschlecht und ausgewählten Wirtschaftszweigen
MerkmaleIn Referenzwoche gearbeitet insg.Keine Arbeit von zu HauseArbeit von zu Hause Darunter:
Telearbeit (mit PC bzw. Smartphone)Keine Angabe auf die Frage nach Arbeit von zu Hause
wegen Corona
Insgesamt in 1.0003.615,22.340,31.107,9824,61.073,8167,0
Männer in 1.0001.985,71.303,9585,5429,2568,396,3
Frauen in 1.0001.629,51.036,4522,4395,4505,570,6
Insgesamt in %100,064,730,622,829,74,6
Männer in %100,065,729,521,628,64,9
Frauen in %100,063,632,124,331,04,3
Ausgewählte Wirtschaftszweige (ÖNACE 08); Männer und Frauen in 1.000
F Bau310,1262,040,028,239,78,1
G Handel513,1397,9101,776,5100,013,5
I Beherbergung und Gastronomie140,6115,519,711,018,3(5,3)
J Information und Kommunikation116,123,781,668,080,510,8
K Finanz- u. Versicherungsdienstleistungen134,146,677,371,977,210,1
P Erziehung und Unterricht249,672,9158,8130,9156,817,9
Q Gesundheits- und Sozialwesen375,1312,156,137,155,2(6,9)
R Kunst, Unterhaltung und Erholung50,320,425,017,924,2(4,9)

Grafik 1

Rückfragen zum Thema beantwortet das Team der Arbeitskräfteerhebung in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria, unter: ake@statistik.gv.at  

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