Pressemitteilung: 12.318-158/20

Außenhandel zeigt erste mögliche Anzeichen einer Erholung: Importe und Exporte im Juni 2020 jeweils bei rund -5%

Wien, 2020-09-08 – Im Juni 2020 lag der Wert der Einfuhren von Waren laut Statistik Austria bei 11,61 Mrd. Euro, das entspricht einer Abnahme von 5,1% gegenüber Juni 2019. Dabei wurde der stärkste Rückgang mit Deutschland verzeichnet. Die Ausfuhren von Gütern verringerten sich um 5,4% auf 11,49 Mrd. Euro; hier waren insbesondere Italien und Ungarn betroffen. Damit wies die Handelsbilanz ein Passivum in Höhe von 0,12 Mrd. Euro auf.

"Der Außenhandel zeigt erstmals Anzeichen von Erholung. Rückgänge sind zwar weiterhin deutlich, aber sie fallen mit rund 5% schwächer aus als in den Corona-Monaten März bis Mai 2020", sagt Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas. "Bei Österreichs wichtigstem Handelsgut – den Maschinen und Fahrzeugen – gingen im Juni 2020 sowohl Importe als auch Exporte allerdings noch um rund 9% zurück. Zuwächse gab es unter den großen Warengruppen nur bei chemischen Erzeugnissen: Hier nahmen die Einfuhren und Ausfuhren jeweils um mehr als 7% zu."

Arbeitstägig bereinigt sanken die Einfuhren um 10,7% und die Ausfuhren um 11,9%. Im Vergleich zum Vorjahresmonat verzeichneten Maschinen und Fahrzeuge starke Rückgänge in beiden Verkehrsrichtungen (Einfuhren -9,4% auf 4,16 Mrd. Euro, Ausfuhren -9,0% auf 4,49 Mrd. Euro). Die Importe von Brennstoffen/Energien zeigten die größte absolute Abnahme, sie gingen um fast die Hälfte zurück (-46,8% auf 0,51 Mrd. Euro). Die Exporte von bearbeiteten Waren (-12,3%) sowie sonstigen Fertigwaren (-3,3%) reduzierten sich ebenfalls. Zuwächse verzeichneten hingegen die chemischen Erzeugnisse (zu denen auch pharmazeutische Produkte zählen) sowohl bei den Importen (+7,2% auf 1,70 Mrd. Euro) als auch bei den Exporten (+7,7% auf 1,86 Mrd. Euro).

Aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union importierte Österreich im Juni 2020 Waren im Wert von 7,98 Mrd. Euro, Waren im Wert von 7,76 Mrd. Euro wurden in diese Länder exportiert. Gegenüber Juni 2019 gingen sowohl die Intra-EU-Importe (-6,2%) als auch die Intra-EU-Exporte zurück (-5,6%). Dies führte zu einer negativen Handelsbilanz mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union in Höhe von 0,22 Mrd. Euro. Die Importe aus Drittstaaten beliefen sich im Juni 2020 auf 3,62 Mrd. Euro und verringerten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,8%; die Extra-EU-Exporte sanken um 4,9% auf 3,73 Mrd. Euro. Die daraus resultierende positive Handelsbilanz mit Drittstaaten lag bei 0,10 Mrd. Euro (siehe Tabelle 1).

Jänner bis Juni 2020: weiterhin deutliche Rückgänge bei Einfuhren (-13,0%) und Ausfuhren (-11,7%)

Der Gesamtwert der Einfuhren von Waren lag im Zeitraum Jänner bis Juni 2020 laut vorläufiger Ergebnisse von Statistik Austria nominell bei 69,65 Mrd. Euro, die Ausfuhren von Waren beliefen sich auf 68,51 Mrd. Euro. Die Rückgänge in den Corona-Monaten März (Einfuhr: -8,4%, Ausfuhr: -4,4%), April (Einfuhr: -26,2%, Ausfuhr: -23,9%) und Mai (Einfuhr: -25,1%, Ausfuhr: -25,6%) trugen maßgeblich zur negativen Entwicklung des bisherigen Berichtsjahres bei. In der Corona-Periode März bis Mai 2020 gingen die Einfuhren (-19,8%) und die Ausfuhren (-17,8%) wesentlich stärker zurück als in der Gesamtperiode Jänner bis Juni 2020, wo die Importe um 13,0% bzw. die Exporte um 11,7% sanken. Das Defizit der Handelsbilanz zeigte einen Wert von 1,14 Mrd. Euro, nach 2,44 Mrd. Euro in der Vorjahresperiode.

Die größten absoluten Rückgänge wurden wieder mit Österreichs bedeutendstem Handelspartner Deutschland verzeichnet (Importe -13,5% auf 24,24 Mrd. Euro, Exporte: -8,9% auf 20,82 Mrd. Euro). Importseitig rückläufig war insbesondere der Warenverkehr mit den Vereinigten Staaten (-26,7%), Italien (-16,1%), der Tschechischen Republik (-14,8%) und dem Vereinigten Königreich (-29,9%). Exportseitig folgten auf Deutschland die Vereinigten Staaten (-15,9%), Italien (-15,5%), das Vereinigte Königreich (-21,9%) und Ungarn (-16,0%) mit den höchsten absoluten Abnahmen. Starke Zuwächse verzeichneten im Gegensatz dazu die Importe aus der Schweiz (+38,1%) und China (+1,8%). Die Exporte in die Schweiz erhöhten sich ebenfalls (+1,6% auf 3,82 Mrd. Euro).

Aus den Mitgliedstaaten der Europäischen Union importierte Österreich im Berichtszeitraum Waren im Wert von 47,17 Mrd. Euro (-13,9%). Der Wert der in diese Länder exportierten Waren verzeichnete mit -11,1% ebenfalls einen Rückgang gegenüber der Vorjahresperiode und betrug 46,55 Mrd. Euro. Das Handelsbilanzdefizit mit der Europäischen Union belief sich auf 0,62 Mrd. Euro, nach 2,46 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2019. Der Außenhandel mit Drittstaaten zeigte im Vergleich zu den ersten sechs Monaten 2019 eine Abnahme sowohl bei den Importen (-10,8% auf 22,48 Mrd. Euro) als auch bei den Exporten (-12,9% auf 21,96 Mrd. Euro). Daraus ergab sich ein Handelsbilanzpassivum mit Drittstaaten von 0,52 Mrd. Euro (siehe Tabelle 2).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite. Außenhandelsdaten 2019 in visualisierter Form zeigen der ITGS-Atlas, die interaktiven Treemaps zu Einfuhr und Ausfuhr sowie ein Balkendiagramm.

Informationen zur Methodik, Definitionen: Das vorliegende Ergebnis der Außenhandelsstatistik (ITGS: International Trade in Goods Statistics) enthält Daten der mit der Zollanmeldung verbundenen Statistik des Warenverkehrs mit Drittstaaten (EXTRASTAT) und der Primärstatistik der Warenverkehre mit den EU-Mitgliedstaaten (INTRASTAT) sowie Zuschätzungen zu den erhobenen INTRASTAT-Daten, die den Antwortausfall der Erhebung sowie schwellenbedingt nicht erhobene Werte abdecken. Die Außenhandelsstatistik berücksichtigt in der Regel den physischen Warenverkehr, bei dem die österreichische Grenze überschritten wird. Aufgrund des Brexits wird das Vereinigte Königreich ab dem Berichtsjahr 2020 auch in der Publikation der Außenhandelsstatistik nicht mehr als EU-Mitgliedstaat geführt.

Tabelle 1: Der Außenhandel Österreichs Juni 2020
JahrImportExportHandelsbilanz2)Zu- (+) bzw. Abnahme (-) gegenüber VorjahrAnteil
ImportExportImportExport
in 1.000 Euroin Prozent
Insgesamt
20201)11.606.55811.490.365-116.193-5,1 (-10,7)3)-5,4 (-11,9)3)100100
201912.236.53112.142.337-94.194  100100
EU-27 (Intra-EU-Importe/-Exporte)4)
20201)7.983.8627.764.006-219.855-6,2 (-11,9)3)-5,6 (-12,5)3)68,867,6
20198.509.2088.223.773-285.435  69,567,7
Drittstaaten (Extra-EU-Importe/-Exporte)
20201)3.622.6973.726.359103.662-2,8 (-7,9)3)-4,9 (-10,9)3)31,232,4
20193.727.3233.918.564191.241  30,532,3

 

Tabelle 2: Der Außenhandel Österreichs Jänner bis Juni 2020
JahrImportExportHandelsbilanz2)Zu- (+) bzw. Abnahme (-) gegenüber VorjahrAnteil
ImportExportImportExport
in 1.000 Euroin Prozent
Insgesamt
20201)69.650.90968.510.228-1.140.682-13,0 (-13,1)3)-11,7 (-12,0)3)100100
201980.014.16777.572.411-2.441.756  100100
EU-27 (Intra-EU-Importe/-Exporte)4)
20201)47.174.84246.550.254-624.588-13,9 (-14,1)3)-11,1 (-11,4)3)67,767,9
201954.816.33952.352.678-2.463.661  68,567,5
Drittstaaten (Extra-EU-Importe/-Exporte)
20201)22.476.06721.959.974-516.094-10,8 (-11,0)3)-12,9 (-13,1)3)32,332,1
201925.197.82825.219.73421.906  31,532,5

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