Pressemitteilung: 12.312-152/20

Mindestsicherung 2019: rund 8% weniger Personen als im Vorjahr, insgesamt 267.683 Beziehende

Wien, 2020-09-01 – Im Jahr 2019 ist die Anzahl der Mindestsicherungsbeziehenden weiter deutlich zurückgegangen. Nach den starken jährlichen Zuwächsen bis 2016 und der Stagnation 2017 standen 2019 laut Statistik Austria mit 267.683 Personen um 21.963 oder 7,6% weniger im Mindestsicherungsbezug als im Vorjahr (2017/18: -18.208 bzw. -5,9%; siehe Tabelle 1). Der Rückgang war in allen Bundesländern zu beobachten und reichte von -5,0% in Niederösterreich und Tirol bis -14,2% in Oberösterreich (Wien: -6,9%).

"Mit dem ordentlichen Wirtschaftswachstum und der damit verbundenen positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt gab es 2017 auch eine Trendumkehr bei der Mindestsicherung. Seitdem hat sich die Zahl der Bezieher deutlich reduziert. Im Jahr 2019 fiel der Rückgang mit rund 8% noch kräftiger als im Vorjahr  aus", erläutert Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas die Entwicklung.

Werden die nicht unterstützten Kinder in die Zählung miteinbezogen, lebten im Verlauf des Jahres 2019 insgesamt 287.593 Personen (-23.123 bzw. -7,4% gegenüber 2018) in einer der insgesamt 154.058 Bedarfsgemeinschaften (-18.389 bzw. -10,7%) mit Mindestsicherungsbezug; pro Monat waren es durchschnittlich 212.192 Personen in 107.689 Bedarfsgemeinschaften (siehe Tabelle 2).

Wien hatte die höchste Bezugsquote unter den Bundesländern

Wien hatte mit 7,1% die weitaus höchste Bezugsquote (Anteil der Personen in Mindestsicherung an der Bevölkerung insgesamt), gefolgt von Vorarlberg (1,7%) und Tirol (1,5%). Am niedrigsten war die Mindestsicherungsquote im Burgenland (0,7%) sowie in Kärnten und Oberösterreich (jeweils 0,8%); der Bundesländerdurchschnitt lag bei 2,4%. Insgesamt wohnten 64% der Personen in der Mindestsicherung (Jahresdurchschnitt 2019) in Wien, auf die anderen Bundesländer entfielen Anteile zwischen 1% (Burgenland) und 8% (Steiermark).

Knapp mehr weibliche als männliche Personen in der Mindestsicherung, 38% Kinderanteil

Es gab insgesamt knapp mehr weibliche (52%) als männliche (48%) Personen in der Mindestsicherung (siehe Tabelle 3). Der Anteil der Kinder lag bei 38%. Einen überdurchschnittlich hohen Kinderanteil hatten Tirol (45%) und Oberösterreich (40%). 92% der Kinder waren minderjährig, 8% volljährig; 83% wurden im Rahmen der Mindestsicherung unterstützt, 17% erhielten ihren Bedarf von anderer Seite gedeckt (in der Regel durch Unterhaltszahlungen des getrennt lebenden Elternteils).

Knapp die Hälfte österreichische Staatsangehörige; 37% Asyl-/subsidiär Schutzberechtigte

Österreichische Staatsangehörige und Personen aus Drittstaaten hatten mit jeweils rund 46% einen gleich hohen Anteil in der Mindestsicherung; der Rest setzte sich aus EU-/EWR-/Schweizer Staatsangehörigen (7%) und sonstigen Personen (2%; unbekannte Staatsangehörigkeit oder staatenlos) zusammen. 37% waren Asylberechtigte (33%) oder subsidiär Schutzberechtigte (4%). Tirol und Vorarlberg wiesen sowohl bei diesen wie bei den nicht-österreichischen Mindestsicherungsbezieherinnen und -beziehern insgesamt überdurchschnittlich hohe Anteile auf (siehe Tabelle 3).

Großteil länger als ein halbes Jahr unterstützt; 8,8 Monate durchschnittliche Bezugsdauer

72% der Personen erhielten länger als ein halbes Jahr Mindestsicherung, 13% wurden vier bis sechs, die restlichen 15% maximal drei Monate lang unterstützt (nur bezogen auf das Jahr 2019). Während in Wien mehr als drei Viertel länger als sechs Monate im Leistungsbezug standen, waren es im übrigen Österreich maximal zwei Drittel. Dementsprechend lag die durchschnittliche Bezugsdauer in der Bundeshauptstadt mit 9,5 Monaten deutlich über jener der anderen Bundesländer, die von 6,2 Monaten (Vorarlberg) bis 8,6 Monaten (Burgenland) reichte.

8% Erwerbstätige; Großteil der Nicht-Erwerbstätigen stand dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfügung

Nur 8% der Personen mit Mindestsicherungsbezug waren (im Jahresdurchschnitt 2019) erwerbstätig. Von den (92%) nicht erwerbstätigen Personen standen 37% als Erwerbsarbeitslose dem Arbeitsmarkt zur Verfügung, bei den anderen traf dies aus den folgenden Gründen nicht zu: 41% befanden sich noch im Vorschul- bzw. Pflichtschulalter oder bereits in Pension, 9% waren arbeitsunfähig, 5% besuchten die Schule über das Pflichtschulalter hinaus, bei den restlichen 8% entfiel der Einsatz der Arbeitskraft wegen Kinderbetreuung (5%) oder aus anderen Gründen (3%; z. B. Angehörigenpflege oder Arbeitsfähigkeit in Abklärung). Etwas weniger als die Hälfte (48%) hatte keine in der Mindestsicherung anrechenbaren Einkünfte. Bei den Personen mit Einkünften wurden hauptsächlich Arbeitslosenleistungen (36%) oder sonstige Unterstützungen (vor allem Kinderbetreuungsgeld, Unterhalt, Grundversorgung, Pension; zusammen 47%) angerechnet, während Einkommen aus Erwerbstätigkeit (16%) eine vergleichsweise geringe Rolle spielte.

Mehr als 70% der Bedarfsgemeinschaften "Aufstocker"; 668 Euro pro Bedarfsgemeinschaft

Der Großteil der Bedarfsgemeinschaften in der Mindestsicherung (72%) erhielt eine Aufstockung bzw. Ergänzung zu angerechneten Einkünften (Teilbezug). Bedarfsgemeinschaften im Vollbezug (keine Person in der Bedarfsgemeinschaft hatte ein anrechenbares Einkommen) waren in der Minderzahl (28%). Die monatliche Leistungshöhe für Lebensunterhalt und Wohnen lag im Jahresdurchschnitt 2019 bei 668 Euro. In Vorarlberg (805 Euro) und Tirol (758 Euro) war der Leistungsanspruch pro Bedarfsgemeinschaft am höchsten, in Oberösterreich (512 Euro) und dem Burgenland (534 Euro) am niedrigsten. Umgerechnet auf eine Person betrug die monatliche Mindestsicherungshöhe durchschnittlich 339 Euro und reichte auf Bundesländerebene von 267 Euro in Oberösterreich bis 354 Euro in Wien.

913 Mio. Euro Ausgaben (Lebensunterhalt, Wohnen, Krankenhilfe); -3,0% gegenüber 2018

Die Ausgaben der Länder und Gemeinden für die Mindestsicherung betrugen im Jahr 2019 insgesamt 913 Mio. Euro (Lebensunterhalt und Wohnen: 863 Mio. Euro, Krankenhilfe: 50 Mio. Euro), das waren um 28 Mio. Euro (-3,0%) weniger als im Vorjahr (siehe Tabelle 4). Der Anteil der Mindestsicherung an den Sozialausgaben insgesamt belief sich auf weniger als 1%. Analog zum Leistungsbezug entfiel der Großteil (66%) der Mindestsicherungsausgaben auf Wien (607 Mio. Euro), während die Ausgaben-Anteile der anderen Bundesländer zwischen 1% (Burgenland) und 7% (Steiermark, Niederösterreich) lagen.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Mindestsicherungsstatistik finden Sie auf unserer Webseite.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Mit dem Auslaufen der Bund-Länder-Vereinbarung zur bedarfsorientierten Mindestsicherung (BMS) Ende 2016 entfiel auch die Grundlage zur Erstellung der bisherigen BMS-Statistik. Das in der Folge erreichte informelle Bund-Länder-Übereinkommen bildet die Basis für die Mindestsicherungsstatistik ab dem Berichtsjahr 2017. Für die Erstellung der Statistik 2019 standen von sechs Bundesländern (Burgenland, Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Wien) anonymisierte Einzeldaten und von den drei anderen Ländern Aggregatdaten zur Verfügung. Was Vollständigkeit und sonstige Datenqualität betrifft, bestehen vor allem bei letzteren mehrere Lücken bzw. Defizite, die es bei der Datenrezeption zu berücksichtigen gilt.  
Die Mindestsicherungsstatistik erfasst die Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts und des Wohnbedarfs außerhalb von stationären Einrichtungen sowie die Krankenhilfe (vor allem Einbeziehung in die Krankenversicherung); neu ist die Berücksichtigung allfälliger Wiedereinsteigerfreibeträge bzw. -boni. Nicht zum Erfassungsbereich zählen die im Rahmen der Wohnbauförderung gewährte Wohnbeihilfe, Betreuungs- und Pflegeleistungen sowie der ausschließliche Bezug von Taschengeldern und von Hilfen in besonderen Lebenslagen oder sonstigen (einmaligen) Aushilfen (z. B. für Energiekostennachzahlungen).  
Hinsichtlich des erfassten Personenkreises betrifft die zentrale Änderung die Kinder: In der neuen Statistik zählen auch jene (minderjährigen und volljährigen) Kinder, die selbst nicht von der Mindestsicherung unterstützt werden (z. B. weil der Unterhalt über dem Mindeststandard liegt), aber in einer Bedarfsgemeinschaft mit Mindestsicherungsbezug leben, zum Personenkreis der Mindestsicherung. Des Weiteren werden volljährige Kinder nicht mehr zu den Erwachsenen, sondern zu den Kindern gerechnet. Volljährige Kinder sind Personen, die nach dem vollendeten 18. Lebensjahr noch Familienbeihilfe beziehen. 
Aufgrund der Erweiterung der Erhebungsmerkmale liegen auch Daten zum Alter, zur Staatsangehörigkeit, zum aufenthaltsrechtlichen Status, zum Erwerbsstatus, zu den angerechneten Einkünften oder zum Teil- und Vollbezug vor. Neu sind des Weiteren die zusätzlichen zeitlichen Darstellungsformen: Standen in der BMS-Statistik nur Jahressummen zur Verfügung, so gibt es nun auch Angaben zu Monaten (April und November) und zum Jahresdurchschnitt (Summe der Monatswerte dividiert durch 12). Wie in anderen Statistiken schon lange üblich soll damit auch in der Mindestsicherungsstatistik die Durchschnittsbetrachtung in den Mittelpunkt der Darstellung gerückt werden.  
Ausblick: Mit Beginn des Berichtsjahres 2020 wird die Mindestsicherungsstatistik sukzessive durch die neu einzuführende Sozialhilfestatistik abgelöst. Grundlage für diese ist das Sozialhilfe-Statistikgesetz, das im Zusammenhang mit der Neuregelung der Mindestsicherung als Sozialhilfe auf Basis des Bundes-Grundsatzgesetzes und der Ausführungsgesetze der Länder steht. Da die Umsetzung in den Bundesländern zeitlich unterschiedlich erfolgt (2020: Niederösterreich, Oberösterreich; 2021: voraussichtlich alle anderen) und ein Übergangszeitraum für die Überführung von der Mindestsicherung in die Sozialhilfe vorgesehen ist, wird es auch mehrere Jahre dauern, bis die Sozialhilfestatistik die Mindestsicherungsstatistik zur Gänze ersetzt hat.

 

Tabelle 1: Unterstützte Personen in der Mindestsicherung 2018–2019 und Veränderung seit 2013
Bundesland20182019Veränderung in %
Anzahl1)2018/192017/182016/172015/162014/152013/14
Burgenland3.2573.001-7,9-13,7-2,02,010,36,9
Kärnten6.7116.356-5,32,95,012,96,03,3
Niederösterreich25.62024.349-5,0-11,0-5,815,110,012,8
Oberösterreich18.94116.252-14,2-7,20,24,011,38,6
Salzburg12.96711.577-10,7-6,9-5,42,67,37,3
Steiermark2)25.45522.904-10,0-8,4-3,20,012,115,8
Tirol16.23215.413-5,0-7,25,73,94,66,7
Vorarlberg2)13.18012.084-8,3-3,34,212,612,88,0
Wien167.283155.747-6,9-4,71,29,511,95,5
Insgesamt289.646267.683-7,6-5,90,18,110,97,6
Tabelle 2: Anzahl der Personen und Bedarfsgemeinschaften in der Mindestsicherung 2019
BundeslandPersonen1)Bedarfsgemeinschaften2)
JahressummeJahresdurchschnittAprilNovemberJahressummeJahresdurchschnittAprilNovember
Burgenland3.0552.1952.2392.1131.7331.2581.2781.219
Kärnten7.0844.3034.3554.1763.9562.3502.3782.278
Niederösterreich24.34916.00116.20615.45611.4287.4907.5937.231
Oberösterreich18.04111.46612.04010.6379.2665.9726.2225.647
Salzburg11.9477.8597.6917.7346.7364.3984.3894.287
Steiermark22.90416.35116.75215.94611.9258.1498.3507.921
Tirol16.81211.51911.83211.0168.0965.1085.2884.846
Vorarlberg12.0846.8007.0126.5885.1602.6872.7682.605
Wien171.317135.698136.403133.22695.75870.27871.24168.443
Insgesamt287.593212.192214.530206.892154.058107.689109.507104.477

 

Tabelle 3: Personen in der Mindestsicherung im Jahresdurchschnitt 2019
BundeslandProzentanteile1)Bezugsdauer7)
WeiblichKinder2)Österreich3)Asyl/
Subsidiär4)
Nicht erwerbstätigEinkünfte5)Teilbezug6)
Burgenland55,033,366,716,894,050,065,68,6
Kärnten48,333,646,142,496,635,751,07,3
Niederösterreich56,137,1.34,8..53,27,9
Oberösterreich55,240,052,735,790,858,575,57,6
Salzburg53,034,950,436,189,352,170,57,9
Steiermark53,339,551,535,791,746,467,88,4
Tirol53,845,239,944,486,143,969,68,2
Vorarlberg51,2.36,142,5...6,2
Wien51,137,645,436,592,254,075,39,5
Insgesamt52,138,046,236,891,752,572,08,8
Tabelle 4: Leistungshöhe und Ausgaben in der Mindestsicherung 2019
BundeslandLeistungshöhe pro Bedarfsgemeinschaft1)Jahresausgaben in Mio. EuroVeränderung Jahresausgaben insgesamt gegenüber 2018
Lebensunterhalt/ 
Wohnen
KrankenhilfeInsgesamtabs. (in Mio. Euro)in %
Burgenland534,188,060,598,650,242,8
Kärnten561,9915,850,5916,440,422,6
Niederösterreich692,4262,244,8467,07-0,010,0
Oberösterreich512,1636,702,3839,08-3,07-7,3
Salzburg556,8429,391,8531,24-2,93-8,6
Steiermark642,8162,864,3867,23-0,17-0,3
Tirol757,7746,452,5949,04-4,09-7,7
Vorarlberg804,9225,951,8627,81-3,51-11,2
Wien682,58575,6430,94606,58-14,77-2,4
Insgesamt667,92863,1450,00913,14-27,90-3,0

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