Pressemitteilung: 12.289-129/20

Österreichs Arbeitsmarkt im Juni 2020: allmähliche Erholung, jedoch weiterhin 100.000 Erwerbstätige weniger als vor einem Jahr

Wien, 2020-07-29 – Im Juni 2020 waren im Monatsdurchschnitt 4.195.700 Personen erwerbstätig, um 62.800 Personen mehr als im Mai 2020. Die Zahl der Erwerbstätigen war laut Statistik Austria jedoch weiterhin um 106.700 Personen niedriger als im Juni 2019. "Trotz der nach wie vor sehr hohen Arbeitslosigkeit, konnte der coronabedingte Jobrückgang im Juni weiter aufgeholt werden: 58% der Personen, die in der zweiten Märzhälfte ihren Job verloren hatten, ist bis Ende Juni der Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt gelungen. Dieser gelingt Männern rascher: 62% der Männer, aber nur 52% der Frauen, die im März arbeitslos geworden waren, hatten bis Ende Juni wieder einen Job", so Tobias Thomas, Generaldirektor von Statistik Austria.  
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Im 2. Quartal 2020 um rund 167.000 mehr Beschäftigungsaufnahmen als -beendigungen

Insgesamt endeten im März 2020 rund 313.000 unselbständige Erwerbstätigkeiten, während rund 131.000 aufgenommen wurden. Im Vergleich zum März des Vorjahres hat sich die Zahl der Beschäftigungsbeendigungen damit mehr als verdoppelt, während die Zahl der Aufnahmen um 17% niedriger war. Bereits im April zeigten sich in einzelnen Branchen erste Tendenzen der Erholung, die sich in den folgenden Monaten mit den vermehrten Lockerungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie weiter verstärkten. In Summe wurden im Zeitraum April bis Juni 2020 rund 363.000 Beschäftigungen aufgenommen und 196.000 beendet. Es gab von April bis Juni 2020 also rund 167.000 mehr Aufnahmen als Beendigungen unselbständiger Erwerbstätigkeit. Dieser Saldo entspricht mehr als der Hälfte der Beendigungen vom März 2020 (siehe Tabelle 3).

Jobverluste der zweiten Märzhälfte bis Ende Juni zu 58% kompensiert

Im Zeitraum 15. bis 31. März 2020 wurden insgesamt knapp 238.000 unselbständige Beschäftigungen beendet. 58% der Personen, die in der zweiten Märzhälfte ihren Job verloren hatten, gelang bis Ende Juni wieder eine Beschäftigungsaufnahme – sechs von zehn davon beim selben Dienstgeber, bei dem sie zuvor beschäftigt waren. Gut einem Fünftel der Personen gelang die nächste Beschäftigungsaufnahme innerhalb eines Monats, knapp einem weiterem Fünftel im zweiten Monat (siehe Grafik 1).

Wie rasch ein Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt gelingt, ist je nach Branche, aber auch zwischen verschiedenen Personengruppen höchst unterschiedlich. Insgesamt haben bis Ende Juni 62% der Männer, aber nur 52% der Frauen, die in der zweiten Märzhälfte ihre Beschäftigung beendet haben, wieder eine Erwerbstätigkeit aufgenommen (siehe Grafik 2).

Zunahme der Wochenarbeitsstunden

Mit den Lockerungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie stiegen die durchschnittlichen Arbeitsstunden bereits im Mai wieder deutlich an. Im Juni setzte sich diese positive Entwicklung weiter fort. Im Durchschnitt wurden im Juni 2020 mit 29,5 Stunden um 0,6 Arbeitsstunden pro Woche mehr geleistet als im Mai 2020. Nachdem im Mai in der Beherbergung und Gastronomie noch starke Rückgänge gegenüber dem Vorjahr verzeichnet wurden, zeigte sich im Juni eine deutliche Erholung der Wochenarbeitsstunden mit einer Zunahme von 12,5 Stunden auf durchschnittlich rund 30 Stunden. Der Wirtschaftsabschnitt Kunst, Unterhaltung und Erholung zeigt dagegen auch im Juni weiterhin keine Erholung. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit ist hier im Monatsvergleich erneut um 0,9 auf 19,1 Stunden gesunken. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Rückgang noch deutlicher erkennbar – im Juni 2019 lagen die durchschnittlichen Arbeitsstunden im Abschnitt Kunst, Unterhaltung und Erholung bei 32,1 Stunden und somit 13,1 Stunden über dem Wert von Juni 2020 (siehe Tabelle 2).

Arbeitslosigkeit weiterhin hoch

Trotz der Anzeichen einer Erholung des Arbeitsmarkts sind weiterhin viele Personen von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Zahl der beim AMS registrierten Arbeitslosen (Arbeitslosigkeit nach nationaler Definition) ist von Ende Mai auf Ende Juni 2020 zwar um 1,5 Prozentpunkte auf 414.800 Personen gesunken, lag mit einer Arbeitslosenquote von 10,0% jedoch immer noch um 3,5 Prozentpunkte über dem Wert von Juni 2019.

Auf Basis der internationalen Definition von Arbeitslosigkeit gab es im Juni-Durchschnitt dagegen nur 282.100 arbeitslose Personen. Damit ist die Zahl der Arbeitslosen nach dieser Definition im Vergleich zum Mai 2020 um 17.500 Personen gestiegen. Die bereinigte Arbeitslosenquote für Juni 2020 beträgt nunmehr 5,7% und ist damit um 1,3 Prozentpunkte höher als im Juni 2019. Die unterschiedliche Dynamik von nationaler und internationaler Arbeitslosigkeit erklärt sich durch abweichende Definitionen und Konzepte. Die Kriterien für Arbeitslosigkeit laut internationaler Definition sind die aktive Suche nach Arbeit und die Bereitschaft, eine Arbeitsstelle innerhalb von zwei Wochen anzutreten.

In den nach internationalen Definitionen ermittelten Zahlen spiegelt sich der Rückgang der Beschäftigten nur zum Teil in einem Anstieg der Arbeitslosigkeit wider und ist definitionsbedingt auch stark in einer Zunahme der Personen in der "stillen Reserve" des Arbeitsmarkts zu erkennen. Diese Gruppe umfasst Personen, die nicht erwerbstätig sind, grundsätzlich gerne arbeiten würden, aber nicht aktiv nach Arbeit suchen oder nicht kurzfristig mit einer Erwerbstätigkeit beginnen könnten. Zahlenmäßig hat diese Gruppe stark zugenommen, nämlich von 128.800 im Februar 2020 auf 189.600 Personen im Juni 2020 (Juni 2019: 107.400 Personen, siehe Tabelle 1). Im Monatsvergleich ist die "stille Reserve" jedoch gesunken und liegt nun um 29.400 Personen unter dem Mai 2020 (219.000 Personen).

 

Informationen zur Methodik, Definitionen:  
Registerbasierte Erwerbsverläufe:  Die Daten werden aus strukturiert aufbereiteten Verwaltungsdaten von Statistik Austria gewonnen. Dabei werden aus den für die Registerzählung bzw. die Abgestimmte Erwerbsstatistik nutzbar gemachten Administrativdatenquellen überschneidungsfreie Erwerbskarrieren gebildet. Die Konzepte der Abgestimmten Erwerbsstatistik werden soweit wie möglich übernommen. Damit entstehen nicht nur überschneidungsfreie, sondern auch lückenlose Erwerbskarrieren für alle Personen, die in einer der Datenquellen irgendwann einmal vorgekommen sind – unabhängig davon, ob sie jemals einen Hauptwohnsitz in Österreich hatten oder nicht. Dieses Projekt ermöglicht es somit, die Erwerbsbiographie von Personen im Laufe ihres Lebens statistisch auszuwerten und Analysen zur Stabilität von Erwerbsbiographien und zu typischen Erwerbsmustern verschiedener Personengruppen durchzuführen. Die Auswertungen basieren auf den aktuell verfügbaren Daten mit Stand Ende Juni 2020. Da Beschäftigungsaufnahmen bzw. -beendigungen mitunter mit einigen Tagen Verspätung in den Daten des Dachverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger eingemeldet werden, sind die Zahlen v. a. in Bezug auf die Beschäftigungsbeendigungen am 30.6.2020 vermutlich noch etwas unterschätzt. Genauere Analysen können daher erst in einigen Monaten vorgenommen werden.  
Weitere Informationen zu den Registerbasierten Erwerbsverläufen finden sich auf unserer Website
Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung (AKE): Die europäische Arbeitskräfteerhebung findet in allen Mitgliedsländern der EU statt. Dabei werden in zufällig ausgewählten privaten Haushalten in standardisierter Form Informationen zu Erwerbstätigkeit und Arbeitssuche erhoben. In Österreich wird die AKE im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt – eine Stichprobenerhebung, bei der wöchentlich rund 1.500 Haushalte befragt werden. Diese Daten werden auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet. Für die Monatsergebnisse wird ein Durchschnitt über alle Wochen eines Monats gebildet. Die Werte von April, Mai und Juni 2020 sind vorläufig und können sich daher noch ändern.  
Details zur Berechnung der monatlichen Arbeitslosenzahlen nach internationaler Definition finden sich auf unserer Website zum Thema Arbeitslose
Erwerbstätige nach internationaler Definition: Personen, die in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder die wegen Urlaub, Krankheit usw. nicht gearbeitet haben, aber normalerweise einer Beschäftigung nachgehen. Präsenz- und Zivildiener sind ausgeschlossen.  
Unselbständig Beschäftigte nach nationaler Definition: Personen, die beim Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger ein aufrechtes Beschäftigungsverhältnis über der Geringfügigkeitsgrenze haben (dazu zählen auch Lehrlinge, Personen mit Bezug von Karenz- oder Kinderbetreuungsgeld oder Präsenz- und Zivildiener, sofern ein aufrechtes Dienstverhältnis besteht).  
Arbeitslose nach internationaler Definition: Personen, die im Sinne der internationalen Definition nicht erwerbstätig sind, die weiters innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche eine Arbeit aufnehmen könnten und in der Referenzwoche oder den drei vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht oder nur deshalb nicht gesucht haben, weil sie bereits eine Arbeit gefunden haben, die sie innerhalb von drei Monaten aufnehmen werden.  
Arbeitslose nach nationaler Definition: Personen, die beim Arbeitsmarktservice (AMS) als arbeitslos vorgemerkt sind. Eine parallele geringfügige Beschäftigung (laut Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger) ist möglich, d. h. eine arbeitslose Person kann gleichzeitig geringfügig beschäftigt sein.  
Arbeitslosenquote nach internationaler Definition: Anteil der Arbeitslosen nach internationaler Definition an der Zahl der Erwerbspersonen nach internationaler Definition (das sind Arbeitslose plus Erwerbstätige), jeweils im Alter von 15 bis 74 Jahren.  
Arbeitslosenquote nach nationaler Definition: Anteil der Arbeitslosen nach nationaler Definition am Arbeitskräftepotenzial (das sind Arbeitslose plus unselbständige Beschäftigungen laut Dachverband der österreichischen Sozialversicherungsträger).  
"Stille Arbeitsmarktreserve" (auch "stille Reserve") nach internationaler Definition: Nicht-Erwerbspersonen (Personen, die laut internationaler Definition weder erwerbstätig noch arbeitslos sind) im Alter von 15 bis 64 Jahren, die in der Referenzwoche und den drei Wochen davor nicht nach Arbeit suchen, aber grundsätzlich gerne arbeiten würden und innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche zu arbeiten beginnen könnten.

 

Tabelle 1: Monatsergebnisse zu Erwerbstätigen, Nicht-Erwerbspersonen und Arbeitslosen
 Erwerbstätige (15–64 Jahre)DarunterNicht-Erwerbspersonen (15–64 Jahre)DarunterArbeitslosigkeit (international)1)Arbeitslosigkeit (national)2)
UnselbständigeRückkehr auf den alten ArbeitsplatzStille Arbeitsmarktreserve
in 1.000in 1.000in %in 1.000in %
Jänner 20194.225,43.740,11.373,457,6133,4214,04,8368,09,0
Februar 20194.217,43.710,51.363,960,0124,9232,54,8343,48,4
März 20194.232,13.775,71.361,837,4106,1220,84,8304,47,5
April 20194.242,93.763,91.358,619,4101,9215,24,6
296,37,3
Mai 20194.268,53.775,91.347,822,981,6202,94,5278,96,8
Juni 20194.302,43.822,71.335,012,9107,4187,94,4264,56,5
 
Jänner 20204.235,83.751,51.393,755,2127,3192,34,4355,38,6
Februar 20204.238,43.741,81.373,445,4128,8220,24,5334,08,1
März 20204.159,43.686,71.458,082,9164,1215,54,7504,312,3
April 20204.085,93.620,41.508,789,0216,3227,75,0522,312,7
Mai 20204.132,93.655,81.440,284,5219,0264,65,9473,311,5
Juni 20204.195,73.735,81.354,861,2189,6282,15,7414,810,0
Veränderung im Juni 2020 (in 1.000 bzw. Prozentpunkten)…
…zum Vormonat62,880,0-85,4-23,4-29,417,5-0,2-58,5-1,5
…zum Vorjahresmonat-106,7-86,919,848,282,394,11,3150,23,5

 

Tabelle 2: Monatsergebnisse zur durchschnittlichen tatsächlichen Wochenarbeitszeit Erwerbstätiger nach Wirtschaftsbereichen
 Erwerbstätige (15–64 Jahre)Land- u. ForstwirtschaftIndustrie und GewerbeDarunterDienstleistungenDarunter
BauHandelBeherbergung u. GastronomieKunst, Unterhaltung u. Erholung
Stunden pro Person und Woche (arithmetisches Mittel)
Jänner 201929,835,929,827,129,628,731,631,4
Februar 201933,339,235,635,432,132,535,025,7
März 201934,242,835,936,833,232,234,629,9
April 201932,342,334,935,430,831,033,329,9
Mai 201932,241,833,734,031,230,932,329,7
Juni 201931,347,232,935,330,028,334,232,1
 
Jänner 202029,140,628,426,928,728,133,925,8
Februar 202032,840,635,234,631,730,934,127,6
März 202029,641,331,730,228,327,423,618,3
April 202025,643,728,029,423,723,111,713,1
Mai 202028,944,330,733,727,527,017,519,9
Juni 202029,545,730,932,528,127,730,019,1
Veränderung im Juni 2020 (in Stunden/Woche)
…zum Vormonat0,61,30,2-1,30,50,712,5-0,9
…zum Vorjahresmonat-1,8-1,5-1,9-2,8-1,9-0,6-4,2-13,1

 

Tabelle 3: Aufnahmen und Beendigungen unselbständiger Erwerbstätigkeit
 Beschäfti-gungsaufnahmen insgesamt1)DarunterBeschäftigungsbeendi-gungen insgesamt2)Darunter
BauHandelBeherbergung und GastronomieSonstige wirtschaftliche DienstleistungenBauHandelBeherbergung und GastronomieSonstige wirtschaftliche Dienstleistungen
in 1.000
März 20191583617162312810152819
April 2019150221721251159123117
Mai 201913213153321979131618
Juni 20191431114392111810151618
           
März 20201312716919313373310242
April 202010133112166559813
Mai 2020122171328185668310
Juni 20203)1401415382075811711

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