Pressemitteilung: 12.268-108/20

Öffentlicher Schuldenstand in den ersten drei Monaten 2020 um 8,7 Mrd. gestiegen

Die Staatsverschuldung lag am Ende des 1. Quartals 2020 bei 289,1 Mrd. Euro oder 72,8% des BIP. Die Schuldenquote stieg damit zum ersten Mal seit zwölf Quartalen. Der Bund nahm bereits vorsorglich neue Schulden auf, um zukünftige COVID-19-Maßnahmen zu finanzieren. Deutlichere Auswirkungen der Coronakrise auf den Schuldenstand sind für die Folgequartale zu erwarten.

Wien, 2020-06-30 – Die Staatsverschuldung betrug Ende des 1. Quartals 2020 nach Berechnungen von Statistik Austria 289,1 Mrd. Euro oder 72,8% des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit lag sie um 8,7 Mrd. Euro höher als Ende 2019; die Schuldenquote, also die öffentlichen Schulden im Verhältnis zum BIP, stieg in diesem Zeitraum um 2,4 Prozentpunkte. Damit lag die Quote um 0,1 Prozentpunkte oberhalb des Vorjahresquartals (Q1/2019), obwohl sich zwischenzeitlich der Schuldenstand spürbar reduziert hatte.

"Die Coronakrise drängt Österreich vom Konsoliderungspfad. Nachdem in den letzten Jahren die Schuldenquote kräftig reduziert wurde, ist sie im 1. Quartal 2020 wieder angestiegen, und zwar zum ersten Mal seit zwölf Quartalen. Deutlich größere Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die öffentlichen Finanzen werden erst im weiteren Verlauf des Jahres sichtbar werden", sagt Tobias Thomas, fachstatistischer Generaldirektor von Statistik Austria. "Die Zahlen fürs 1. Quartal zeigen allerdings bereits, dass der Bund vorsorglich neue Schulden aufgenommen hat, um künftige Corona-Hilfen zu finanzieren", so Thomas weiter. Download O-Ton (M4A, 229 KB).

Die Schuldenaufnahme des Bundes ging im 1. Quartal mit einem Anstieg an Einlagen auf der Aktivseite einher. Das bestätigt, dass die Auszahlungen aus den Corona-Hilfspaketen großteils noch nicht im März 2020 erfolgt sind. Dass der öffentliche Schuldenstand in diesem Zeitraum nicht noch stärker gestiegen ist, liegt vor allem daran, dass der Sozialversicherungssektor seine Verbindlichkeiten um etwa 1,1 Mrd. Euro verringern konnte. In diesem Sektor kommt es durch kurzfristige Finanzierungen regelmäßig unterjährig zu starken Schwankungen. Darüber hinaus gab es einen leichten Rückgang an Verbindlichkeiten auf Ebene der Bundesländer. Die Gemeinden konnten insgesamt ebenfalls einen leichten Schuldenabbau verbuchen. Von der Art der Verschuldung entfielen 243,3 Mrd. Euro auf Anleihen, 44,1 Mrd. Euro auf Kredite und 1,7 Mrd. Euro auf Einlagen.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zur Staatsverschuldung finden Sie auf unserer Webseite, dort stehen auch Informationen zu den Auswirkungen der COVID-19-Krise auf die finanziellen Konten Sektor Staat zur Verfügung.

Methodische Informationen, Definitionen: Der öffentliche Schuldenstand wird in der EU-Verordnung Nr. 220/2014 definiert. Anknüpfungspunkt für die Klassifikationen in dieser EU-Verordnung ist dabei das Europäische System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010, EU-Verordnung Nr. 549/2013). Die einzelnen Teilsektoren des Staates umfassen die Gebietskörperschaften ("Kerneinheiten") sowie die ihnen zugeordneten ausgegliederte Einheiten und Kammern.  
Da bei der Berechnung des öffentlichen Schuldenstands die Forderungen gegenüber anderen staatlichen Stellen abgezogen werden ("intergovernmentale Forderungen" bzw. "konsolidierte Darstellung"), sind bei der Interpretation der Veränderung des Schuldenstands sowohl die Entwicklung der Verbindlichkeiten als auch der intergovernmentalen Forderungen zu berücksichtigen. Das gilt sowohl für den Staat insgesamt als auch für die Beiträge der einzelnen Teilsektoren zum öffentlichen Schuldenstand. Die Verbindlichkeiten des Sozialversicherungssektors, die stark zurückgingen, waren am Ende des 1. Quartals 2020 niedriger als die intergovernmentalen Forderungen, sodass dieser Teilsektor einen "negativen" Beitrag zum öffentlichen Schuldenstand leistete. Die für die Konsolidierung relevanten Forderungen des Sozialversicherungssektors bestehen hauptsächlich aus Bundesanleihen der Republik Österreich.

Tabelle 1: Vierteljährlicher öffentlicher Schuldenstand Ende 1. Quartal 2019 bis Ende 1. Quartal 2020
Quartal/Jahrin Mio. €in % des BIPDifferenz zum Vorquartal
in Mio. €in Prozentpunkten
Q1/2019282.99472,7-2.273-1,2
Q2/2019281.71671,8-1.279-0,9
Q3/2019281.36471,1-351-0,7
Q4/2019280.42670,4-939-0,7
Q1/2020289.12572,88.6992,4
Tabelle 2: Absolute und relative Veränderung vom Ende des 4. Quartals 2019 zum Ende des 1. Quartals 2020 nach Teilsektoren des Staates
Teilsektoren des StaatesÖffentlicher Schuldenstand in Mio. €Veränderung zum Vorquartal
Q1/2020Q4/2019in Mio. €in Prozent
Staat insgesamt289.125280.4268.6993,1
Bundessektor251.861241.81810.0434,2
Landessektor20.81421.045-230-1,1
Gemeindesektor16.48816.525-37-0,2
Sozialversicherungssektor-391.038-1.077-103,7

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
Mag. Lukas DÖRFLER, Tel.: +43 (1) 71128-7816 bzw. lukas.doerfler@statistik.gv.at

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