Pressemitteilung: 12.259-099/20

COVID-19 Prävalenz im Mai 2020 niedrig, Arbeitssituation Erwerbstätiger normalisiert sich

Wien, 2020-06-12 – Im Zeitraum von 26. bis 30. Mai 2020 lag die Zahl der Personen in Österreichs Privathaushalten, die mit dem neuartigen Coronavirus infiziert waren, bereits unterhalb der statistischen Nachweisgrenze. Bei der aktuellen Ausgabe der landesweiten COVID-19 Prävalenzstudie, die Statistik Austria im Auftrag des Wissenschaftsministeriums und in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Roten Kreuz sowie der Medizinischen Universität Wien durchgeführt hat, wurde keine Person aus der Stichprobe positiv auf SARS-CoV-2 getestet.

In der Studie wurden auch Fragen zur Arbeitssituation Erwerbstätiger sowie zu subjektiven Einschätzungen gestellt. So ging mit den Lockerungen der Sicherheitsvorkehrungen auch eine Normalisierung der Arbeitssituation einher: 59% der Erwerbstätigen gaben an, zum Befragungszeitpunkt wieder an ihrem Arbeitsplatz zu arbeiten, und nur noch rund ein Viertel der Befragten arbeitete weniger als vor der Krise. Auch die Sorgen der Bevölkerung verschoben sich im Vergleich zu April: Geringfügig mehr Personen befürchteten finanzielle Probleme, aber deutlich weniger hatten Angst vor einer SARS-CoV-2-Infektion. Die Akzeptanz für Schutzmaßnahmen sank, während das Wohlbefinden nahezu unverändert blieb.

Prävalenz von SARS-CoV-2-Infektionen unterhalb der statistischen Nachweisgrenze

Bei einer Stichprobengröße von 3.720 in Privathaushalten wohnhaften Personen ab 16 Jahren konnten von 1.279 Personen verwertbare PCR-Proben mittels Mund-Nasen-Rachen-Abstrich entnommen werden. Darunter wurde keine Person positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2 getestet. Dieses Ergebnis bestätigt die Entwicklung laut epidemiologischem Meldesystem (EMS): Waren rund um den Zeitpunkt (±5 Tage) der Ende April von Statistik Austria durchgeführten Studie laut EMS noch etwa 960 Personen infiziert, so waren es im Zeitraum der aktuellen Studie nur noch rund 380 Personen. Bei der zugrundeliegenden Stichprobengröße sind derartige Größenordnungen nicht mehr verlässlich nachweisbar.

Bei annähernd gleich großer effektiver Stichprobengröße ist die Fallzahl infizierter Personen in der Stichprobe von sechs (SORA, Anfang April) auf eine (Statistik Austria, Ende April) und bei der aktuellen Erhebung auf null (Statistik Austria Ende Mai) gesunken. Es ist demnach davon auszugehen, dass die Prävalenz zwischen den Erhebungen jeweils gesunken ist, auch wenn sich dies nicht signifikant mit den vorhandenen Stichprobendaten belegen lässt. Die Berechnung einer Obergrenze der Infiziertenzahl ist unter bestimmten Annahmen eingeschränkt möglich (Details zur Berechnung siehe "Informationen zur Methodik").

Erwerbstätigkeit nähert sich dem Normalzustand

Während die Arbeitslosigkeit weiterhin hoch ist, normalisiert sich die Arbeitssituation Erwerbstätiger seit Mitte Mai. Nur 26% aller Erwerbstätigen gaben an, weniger als vor der Krise zu arbeiten; im April 2020 waren es noch 37%. Insgesamt arbeiteten bereits 59% der Erwerbstätigen wieder an ihrem Arbeitsplatz (April 2020: 45%), lediglich ein Viertel der Beschäftigten arbeitete zu Hause (April 2020: 33%). Besonders groß ist der Anteil derer, die im Homeoffice arbeiten, bei Personen mit höherer abgeschlossener Ausbildung. So ist Homeoffice bei Absolventinnen und Absolventen von Universitäten bzw. Fachhochschulen am häufigsten verbreitet (47%; April 2020: über 70%). Der Anteil der Erwerbstätigen, die sich auf Urlaub bzw. in einer Phase der Betriebssperre o. ä. befanden, hat sich von 13% im April auf 5% im Mai deutlich reduziert.

 

Weniger Sorgen um Gesundheit; sinkende Akzeptanz für Schutzmaßnahmen

Die Einschätzung der Bevölkerung zu subjektiven Folgen der Pandemie haben sich im Vergleich zu Ende April 2020 teilweise verändert: Der Anteil an Personen, die nach der Krise (sehr) wahrscheinlich finanzielle Probleme erwarten, stieg geringfügig auf 13% (nicht signifikant; April 2020: 10%). Weiterhin verbreitet war diese Sorge vor allem bei Personen mit Kindern im Vorschulalter (25%). Zudem befürchteten rund 29% der Arbeitssuchenden, dass sie wegen der Corona-Pandemie keinen Job finden werden. Andere Sorgen wiederum, insbesondere die Angst vor einer Infektion mit dem Coronavirus, sind auf unter 5% zurückgegangen (siehe Grafik 1).

Weiterhin wurden die geltenden Schutzmaßnahmen von einem überwiegenden Teil der Bevölkerung als angemessen empfunden (siehe Grafik 2). Dennoch ist eine sinkende Tendenz bei der Akzeptanz feststellbar: Während bei der Studie Ende April 2020 nahezu alle der zwölf Maßnahmen von mehr als 85% der Bevölkerung akzeptiert wurden, war eine derart breite Zustimmung im Mai 2020 nur noch für drei von zwölf Maßnahmen feststellbar: "Schützen bestätigter Risikogruppen in der Arbeit" (97%), "Abstand halten" (94%) und "Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes" (86%).

Das Wohlbefinden hingegen zeigte keine signifikante Veränderung: 62% aller befragten Personen berichteten von gutem Wohlbefinden (April 2020: 64%). Unter den Personen mit kritischen Vorerkrankungen gaben dabei nur 36% an, meistens gut gelaunt zu sein; im April war ihr Anteil mit 33% noch etwas geringer (nicht signifikant). Von den Personen, die mit Kindern unter dem Schulalter im Haushalt lebten, war der Anteil an Personen mit gutem Wohlbefinden mit 61% (April: 58%) nahezu gleich hoch wie der Anteil in der Gesamtbevölkerung.

Weitere Ergebnisse finden Sie im Kurzbericht, ein detaillierter Ergebnisbericht erscheint im Juli 2020.

Information zur Methodik, Definitionen:  
COVID-19 Prävalenz: Anteil der Bevölkerung ab 16 Jahren in Privathaushalten, bei dem zum Testzeitpunkt eine Infektion mit SARS-CoV-2 feststellbar ist  
Konfidenzintervallberechnung für Prävalenz: In der Stichprobe von 1.279 Personen hat es keinen positiven Fall einer SARS-CoV-2-Infektion gegeben. Bei der vorangegangenen Studie im April gab es einen Fall, dessen Hochrechnungsgewicht bei 3.420 lag, also etwa diese Zahl an Menschen repräsentiert hat. Diese Zahl ist eine plausible statistische Nachweisgrenze, unter der auch das aktuelle Ergebnis anzunehmen ist. Es existieren dabei unterschiedliche Ansätze, um ein Konfidenzintervall zu schätzen. Eine Möglichkeit, die auch bei wiederholten Medikamentenstudien angewandt wird, ist die Berechnung eines Bayes-Konfidenzintervalls. Dieses kombiniert bekannte Vorinformationen mit den aus einer Stichprobe gewonnenen Informationen. Wir führen hier drei Szenarien exemplarisch an. Alle Intervalle beziehen sich auf 95% Wahrscheinlichkeit und nehmen als Untergrenze den Wert 0 an: 
1)  Der nicht-informative Fall. Hier wird keine Vorinformation zur Berechnung des Konfidenzintervalls benutzt. Das Ergebnis ist eine Obergrenze von rund 11.000 infizierten Personen. 
2) Bezieht man Informationen auf Basis der Erhebung Ende April 2020 als A-Priori-Annahme in eine Bayes-Konfidenzintervall-Schätzung mit ein, ergibt sich für das Konfidenzintervall eine Obergrenze von rund 6.000 Personen (A-priori-Annahme: 0,67 positive Fälle und 1.431,33 negative Fälle entsprechend dem gewichteten Anteil des einen positiven Falls an der Stichprobe in der Erhebung Ende April 2020).  
3) Berücksichtigt man zusätzlich noch den Rückgang an infizierten Personen entsprechend der EMS-Daten, ergibt sich für das Bayes-Konfidenzintervall eine Obergrenze von rund 3.000 Personen (16. bis 29. April rund 960 infizierte Personen, 22. Mai bis 4. Juni rund 380 infizierte Personen, A-priori-Annahme: 0,26 positive und 1.431,74 negative Fälle).

 

Grafik 1: Subjektive Folgen der COVID-19-Pandemie – Welche Folgen sind (sehr) wahrscheinlich? (Mai 2020)

Grafik 2

Q: STATISTIK AUSTRIA, COVID-19 Prävalenzstudie Mai 2020. Ergebnisse für ab 16-Jährige in Privathaushalten. – 1) …aufgrund einer Erkrankung mit dem Coronavirus. – 2) Frage wurde nur Erwerbstätigen gestellt. – 3) Frage wurde nur zum Erhebungszeitpunkt arbeitssuchenden Personen sowie Personen, welche vor der COVID-19 Pandemie noch erwerbstätig waren, aber sich derzeit nicht primär als arbeitssuchend definieren (in Ausbildung, haushaltsführend, Präsenz-Zivildienst), gestellt.

Grafik 2: Maßnahmenbeurteilung insgesamt – Anteil der Personen, die die jeweilige Maßnahme als angemessen empfinden (Mai 2020)

Grafik 6

Q: STATISTIK AUSTRIA, COVID-19 Prävalenzstudie Mai 2020. Ergebnisse für ab 16-Jährige in Privathaushalten. Prozentangaben beziehen sich auf gültige Fälle.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Dr. Matea PASKVAN, E-Mail: covid19@statistik.gv.at

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