Pressemitteilung: 12.241-081/20

Inflation sinkt im April 2020 auf 1,5%

Wien, 2020-05-20 – Die Inflationsrate für April 2020 lag bei 1,5%, wie aus Berechnungen von Statistik Austria hervorgeht (März 2020: 1,6%). Ausschlaggebend für den Rückgang der Inflation von 1,6% im März auf 1,5% im April war ein weiterer Preisrutsch bei Treibstoffen und Heizöl. Preistreiber waren hingegen Nahrungsmittel und der Bereich Wohnen.

Der Indexstand des Verbraucherpreisindex 2015 (VPI 2015) lag für April 2020 bei 108,1. Gegenüber dem Vormonat März 2020 blieb das durchschnittliche Preisniveau unverändert.

COVID-19 machte geänderte Vorgangsweise bei Erstellung des Verbraucherpreisindex notwendig

Die umfangreichen Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Eindämmung von COVID-19 wirkten sich auch auf die Berechnung der April-Inflationsrate aus. Ein Teil der Preise konnte nicht wie gewohnt erhoben werden und wurde daher ersetzt bzw. fortgeschrieben. Unterschiedliche Methoden und Ansätze kamen zur Anwendung, um die Erhebungsausfälle zu kompensieren bzw. um ihren Einfluss auf die Inflationsrate zu begrenzen. So wurden Scannerdaten verwendet (für Lebensmittel, Getränke und Drogeriewaren), die Online-Preiserhebung erweitert (etwa für Bekleidung), eine Fortschreibung mit der Gesamtinflationsrate (bei hauptsächlich oder vollständig ausgefallenen Waren und Dienstleistungen wie Frisör und Restaurants) sowie eine Fortschreibung mit saisonalem Muster durchgeführt (bei saisonalen Dienstleistungen, beispielsweise Flügen, Reisen und Beherbergung). Insgesamt waren im April, gemessen an ihrer Gewichtung, etwa 26% der zu erhebenden Preise für Waren und Dienstleistungen von nicht zu ersetzenden Erhebungsausfällen betroffen und mussten unter Verwendung international gängiger und EU-weit abgestimmter Methoden fortgeschrieben werden (Details siehe unter "Informationen zur Methodik").

Ohne Preise für Wohnen hätte die Inflation 1,0% betragen

Die Preise für Wohnung, Wasser, Energie stiegen im Jahresvergleich durchschnittlich um 2,3%. Sie beeinflussten die allgemeine Teuerung mit +0,46 Prozentpunkten und waren damit stärkster Preistreiber im Jahresabstand. Die Instandhaltung von Wohnungen verteuerte sich um 3,1% (Einfluss: +0,19 Prozentpunkte), Mieten stiegen um 3,2% (Einfluss: +0,16 Prozentpunkte). Die Haushaltsenergie zeigte sich deshalb als beinahe preisstabil (durchschnittlich +0,5%; Einfluss: +0,02 Prozentpunkte), weil die höheren Strompreise (+7,0%; Einfluss: +0,14 Prozentpunkte) durch massiv gefallene Heizölpreise (-23,6%; Einfluss: -0,13 Prozentpunkte) kompensiert wurden. Die Preise für feste Brennstoffe stiegen um 2,5%, jene für Fernwärme um 0,8%. Gas verbilligte sich um 0,9%.

Für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke musste durchschnittlich um 2,6% mehr bezahlt werden (Einfluss: +0,29 Prozentpunkte). Nahrungsmittel verteuerten sich insgesamt um 2,7% (Einfluss: +0,27 Prozentpunkte). Insbesondere die Fleischpreise erhöhten sich deutlich (+5,8%; Einfluss: +0,14 Prozentpunkte). Die Preise für Brot und Getreideerzeugnisse stiegen im April um 2,4%, für Milch, Käse und Eier insgesamt um 1,9% sowie für Fisch um 6,7%. Obst verteuerte sich um 2,2%, Gemüse hingegen wurde um 1,5% billiger. Alkoholfreie Getränke kosteten um 1,4% mehr.

Für Verkehr zahlte man durchschnittlich um 1,6% weniger (Einfluss: -0,22 Prozentpunkte). Ausschlaggebend dafür waren die Treibstoffpreise, die insgesamt um 14,7% fielen (Einfluss: -0,47 Prozentpunkte). Im März hatten sie sich noch um 8,5% verbilligt (Einfluss: -0,27 Prozentpunkte).

Inflation April 2020 gegenüber März 2020: 0,0%

Preisdämpfend im Vergleich zum Vormonat März 2020 wirkten sich vor allem die Preise für Treibstoffe (-4,5%) und Heizöl (-6,2%) aus. Hauptpreistreiber im Monatsabstand waren höhere Preise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke (durchschnittlich +0,6%; Einfluss: +0,06 Prozentpunkte). Hauptverantwortlich dafür waren höhere Preise für Fleisch (+1,4%).

Teuerung laut harmonisiertem Verbraucherpreisindex liegt im April 2020 bei 1,5%

Der Indexstand des auf europäischer Ebene harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI 2015) lag im April 2020 bei 108,75. Die harmonisierte Inflationsrate betrug 1,5% und war damit gleich hoch wie jene des VPI. Gewichtungsunterschiede zwischen VPI und HVPI (siehe Informationen zur Methodik) führten in einzelnen Ausgabengruppen zu unterschiedlichen Veränderungsraten und Einflüssen, die sich jedoch insgesamt ausglichen.

Teuerung beim täglichen Einkauf höher als Gesamtinflation, wöchentlicher Einkauf verbilligt sich weiter

Das Preisniveau des Mikrowarenkorbs, der überwiegend Nahrungsmittel, aber auch Tageszeitungen oder den Kaffee im Kaffeehaus enthält und den täglichen Einkauf repräsentiert, stieg im Jahresabstand um 3,2% (März +2,4%).

Das Preisniveau des Miniwarenkorbs, der einen wöchentlichen Einkauf abbildet und neben Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auch Treibstoffe enthält, ging im Jahresabstand um 1,1% zurück (März -0,3%).

Rund 14,8% der Waren und Dienstleistungen des Mikrowarenkorbes und etwa 18,2% des Miniwarenkorbes waren mehrheitlich oder vollständig von Erhebungsausfällen betroffen und mussten fortgeschrieben werden.

Weitere Informationen zum VPI und HVPI, HVPI-KS sowie zum aktuellen Warenkorb und zur Gewichtung, zur Revision und zu den verketteten Indexreihen finden Sie auf unserer Webseite.

Den Wertsicherungsrechner mit und ohne Schwellenwert finden Sie unter: Wertsicherungsrechner.

Unser persönlicher Inflationsrechner erlaubt es Ihnen, eine für Ihren Haushalt aussagekräftige Inflationsrate zu berechnen und diese mit der nationalen Inflationsrate zu vergleichen.

 

Informationen zur Methodik, Definitionen: Für den VPI wird seit Jänner 2016 eine neue Indexperiode mit dem Basisjahr 2015 veröffentlicht. Jede Indexreihe wird mit dem Basisjahr bezeichnet, d. h. die durchschnittliche Jahresmesszahl des neuen Verbraucherpreisindex 2015 (VPI 2015) wird für das Basisjahr 2015 auf 100,0 normiert. Der HVPI wird seit Jänner 2016 ebenfalls auf Basis 2015 veröffentlicht. 
 
Auswirkungen der Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus auf die Erstellung der Inflationsrate: 
Die Maßnahmen gegen die Verbreitung des Coronavirus wirkten sich stark auf die Berechnung der April-Inflationsrate aus, da die Preiserhebung für die meisten Waren und Dienstleistungen in der ersten Monatshälfte durchgeführt wurde und daher von erheblichen Ausfällen betroffen war. §2 der Verordnung über die Erstellung von Verbraucherpreisindizes regelt den Zeitpunkt zur Durchführung der Preiserhebungen. Im April 2020 wurden die Preiserhebungen verordnungsgemäß in der Woche vom 6. bis 10. April durchgeführt. 
Eine ausführliche Dokumentation der verwendeten Methoden und Imputationen findet sich auf der Webseite der Statistik Austria. Die Empfehlungen des Statistik-Amts der Europäischen Union Eurostat zur Erstellung von Verbraucherpreisindizes wurden berücksichtigt.  
 
Als Inflationsrate wird die durchschnittliche Preisentwicklung im Zwölfmonatsabstand bezeichnet. 
Einfluss = Veränderungsrate x Gewicht der betreffenden Position (vereinfachte Darstellung).  
Der Basiseffekt ist ein statistisches Phänomen und betrifft den Einfluss des vergleichbaren Bezugszeitpunkts (Basis) auf die aktuelle Preisentwicklung. Der Basiseffekt spielt insbesondere bei der Interpretation der Veränderungsraten zum Vorjahr eine Rolle. Die Höhe der Teuerungsrate eines bestimmten Monats hängt nicht nur von der aktuellen Preisentwicklung ab, sondern auch vom Preisniveau des Vorjahres. Gab es in der vergleichbaren Vorjahresperiode einen (vorübergehenden) starken Preisanstieg, so wird die aktuelle Teuerungsrate tendenziell niedriger, gegebenenfalls auch rückläufig ausfallen. Selbst bei unveränderter Preisentwicklung im aktuellen Monat gegenüber dem Vormonat kann die zugehörige Teuerungsrate aufgrund des statistischen Basiseffektes variieren. 
Unterschiede VPI/HVPI: 1) Gewichtungsunterschiede aufgrund der EU-Verordnung Nr. 1114/2010: Seit Jänner 2012 müssen für den HVPI aus Vergleichsgründen die Daten der Konsumrechnung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung als Gewichtung verwendet werden. Dadurch erhielten beispielsweise im HVPI Bekleidung und Schuhe ein deutlich höheres Gewicht als im VPI, Pauschalreisen hingegen ein deutlich niedrigeres.  
2) Gewichtungsunterschiede aufgrund unterschiedlicher Konzepte: Die motorbezogene Versicherungssteuer und Glücksspiele sind nur im VPI enthalten. Die Ausgaben ausländischer Touristinnen und Touristen sind nur im HVPI enthalten. Deshalb sind Treibstoffe, Flugtickets, Bewirtungs- und Beherbergungsdienstleistungen im HVPI höher gewichtet als im VPI. Bei Versicherungsdienstleistungen werden sowohl im HVPI als auch im VPI die von den Haushalten gezahlten Brutto-Prämien für die monatliche Preismessung herangezogen. In der VPI-Gewichtung sind Versicherungsdienstleistungen mit dem Brutto-Anteil berücksichtigt, im HVPI-Gewichtungsschema abzüglich der Schadenszahlungen der Versicherungen an die privaten Haushalte (Netto-Konzept). Im HVPI ist die Instandhaltung von Wohnungen geringer gewichtet als im VPI.  
Saisonale Produkte: Aufgrund der EU-Verordnung Nr. 330/2009 wird für Saisonprodukte wie Obst, Gemüse, Fisch, Bekleidung und Schuhe die Preisentwicklung in den außersaisonalen Zeiträumen mithilfe der durchschnittlichen Preisentwicklung aller Produkte bzw. der restlichen Saisonprodukte derselben Produktgruppe geschätzt. Die Anwendung dieser Methoden ist für den HVPI verpflichtend, für den VPI wird aus Konsistenzgründen analog vorgegangen. 
ECOICOP: Die ECOICOP 5-Steller liegen auch für den HVPI-CT auf Basis 2015=100 rückwirkend ab 12/2014 vor. Weiters wurden in der Eurostat-Datenbank die ECOICOP 5-Steller für den HVPI auf Basis 2015=100 rückwirkend ab 12/2012 publiziert.

 

Tabelle 1: Indexstände und Veränderungsraten für Gesamtindizes und COICOP-Hauptgruppen1) 7)
Index/AggregatVeränderungEinflussIndex
April 
2020/ 
April 
2019
April 
2020 / 
März 
2020
März 
2020/ 
März 
2019
April 
2020 / 
April 
2019
April 
2020 / 
März 
2020
April 
20202)
März 
20203)
+/- %+/- ProzentpunkteBasisjahr 2015
Verbraucherpreisindex 2015 (gesamt)1,50,01,6--108,1108,1
Mikrowarenkorb (täglicher Einkauf; Basis 2015) 3,20,72,4--111,9111,1
Miniwarenkorb (wöchentlicher Einkauf; Basis 2015) -1,1-0,5-0,3--106,9107,4
Index ohne Saisonwaren 20151,50,01,6--108,2108,2
Index der Saisonwaren 20150,40,31,1--100,9100,6
Index für den privaten Pkw-Verkehr 20154)-2,4-1,1-0,8--102,0103,1
Harmonisierter Verbraucherpreisindex 20155)1,50,21,6--108,75108,50
Harmonisierter Verbraucherpreisindex zu konstanten Steuersätzen 20156)1,60,21,7--108,62108,36
COICOP-Hauptgruppen (VPI) 2015
01 Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke2,60,61,80,2890,058108,4107,8
02 Alkoholische Getränke und Tabak1,80,70,80,0670,025111,8111,0
03 Bekleidung und Schuhe0,00,50,30,0030,024108,2107,7
04 Wohnung, Wasser, Energie2,30,02,40,4590,003109,7109,7
05 Hausrat und laufende Instandhaltung des Hauses 0,8-0,51,90,050-0,031106,6107,1
06 Gesundheitspflege2,30,11,70,1300,008109,2109,1
07 Verkehr-1,60,3-0,4-0,2230,030103,1102,8
08 Nachrichtenübermittlung-4,2-0,1-4,6-0,087-0,00388,388,4
09 Freizeit und Kultur2,2-1,21,70,224-0,137105,8107,1
10 Erziehung und Unterricht2,30,12,20,0270,000110,1110,0
11 Restaurants und Hotels3,1-0,13,20,382-0,015115,3115,4
12 Verschiedene Waren und Dienstleistungen2,10,32,00,1770,022109,1108,8
Tabelle 2: Wichtigste Preisänderungen im April 2020 gegenüber dem Vorjahr
Indexposition1)Veränderung gegenüber April 2019Einfluss auf Vorjahresveränderung
+/- %+/- Prozentpunkte
Preistreiber  
Wohnungsmiete, alle Kategorien3,20,161
Elektrischer Strom, Arbeitspreis / Tag7,50,107
Matratze24,50,035
Betriebskosten, Eigentumswohnung4,40,032
Betriebskosten, Mietwohnung1,50,031
Preisdämpfer  
Dieseltreibstoff-14,7-0,293
Superbenzin-14,8-0,175
Heizöl extra leicht, Großabnahme-23,6-0,125
Mobiltelefongerät-10,0-0,033
Mobiltelefonie-2,8-0,030
Tabelle 3: Wichtigste Preisänderungen im April 2020 gegenüber dem Vormonat
Indexposition1)Veränderung gegenüber März 2020Einfluss auf Vormonatsveränderung
+/- %+/- Prozentpunkte
Preistreiber  
Wohnungsmiete, alle Kategorien0,30,018
Dosenbier4,30,010
Bestseller, Belletristik11,50,009
Suppenpulver9,10,009
Gesichtscreme4,80,009
Preisdämpfer  
Dieseltreibstoff-4,3-0,077
Superbenzin-4,9-0,052
Heizöl extra leicht, Großabnahme-6,2-0,027
Kohlensäurehältige Limonade-7,4-0,010
Colagetränk-7,5-0,008

 

Tabelle 4: Sonderaggregate des Verbraucherpreisindex 2015 nach COICOP1)
Sonderaggregate, 
Güter und Dienstleistungen
VeränderungEinflussIndex
April 
2020/ 
April 
2019
April 
2020/ 
März 2020
April 
2020/ 
April 
2019
April 
2020/ 
März 
2020
April 
20202)
März 
20203)
+/- %+/- ProzentpunkteBasisjahr 2015
A,E,F,SGESAMTINDEX (VPI)1,50,0--108,1108,1
A,E,FGüter0,80,10,3820,008106,1106,0
A,EIndustriegüter und Energie0,1-0,20,027-0,075104,8105,0
AIndustriegüter1,60,20,4720,073106,4106,2
A1Kurzlebige Industriegüter3,10,50,3070,047108,3107,8
A2Halbdauerhafte Industriegüter-0,40,5-0,0290,035105,5105,0
A3Dauerhafte Industriegüter1,8-0,10,194-0,009104,9105,0
EEnergie-6,1-2,1-0,446-0,14898,1100,2
E1Elektrizität, Gas, feste Brennstoffe, Fernwärme4,10,20,1480,008104,6104,4
E2Mineralölprodukte-15,9-4,7-0,594-0,15691,295,7
F
Lebensmittel, Tabak, Alkohol2,40,60,3560,083109,3108,6
F1Verarbeitete Lebensmittel und Alkohol1,90,60,1910,052109,2108,6
F2Saisonwaren (Obst, Gemüse, Fisch)1,1-0,10,026-0,003106,5106,6
F3Fleisch- und Wurstwaren5,81,40,1390,034112,3110,8
SDienstleistungen2,30,01,113-0,024110,4110,4
S1Verkehrsdienstleistungen2,22,40,1590,172109,4106,8
S2Dienstleistungen zur Wohnung2,70,20,3300,019112,3112,1
S3Reisen und Unterkunft2,4-5,60,066-0,207100,5106,5
S4Restaurants und Dienstleistungen (Freizeit)3,0-0,10,482-0,010114,6114,7
S5Kommunikationsdienstleistungen-3,20,1-0,0540,00290,890,7
S6Dienstleistungen zu Gesundheit, Erziehung, Sozialschutz sowie sonstige Dienstleistungen1,80,00,1290,000110,0110,0

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