Pressemitteilung: 11.915-226/18

Regionale Wirtschaftsentwicklung 2017: überdurchschnittliche Performance in Kärnten, im Burgenland und in der Steiermark

Wien, 2018-12-04 – Im Jahr 2017 verzeichneten laut Statistik Austria alle Bundesländer ein positives reales Wachstum des Bruttoregionalprodukts (BRP). Die Zuwächse lagen zwischen +4,5% (Kärnten) und +1,7% (Vorarlberg) – bei einer Steigerung des bundesweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 2,6% (siehe Tabelle 1).

Die Bundesländer im Süden und Südosten wuchsen am stärksten

Kärnten verzeichnete 2017 mit +4,5% das stärkste reale Wachstum aller Bundesländer. Verantwortlich für die gute Performance war vor allem der Produzierende Bereich, der mit +9,5% deutlich über dem Österreichschnitt (+4,7%) lag. Die größte Dynamik zeigten in Kärnten die Herstellung von Waren, die Energieversorgung und der Bau – hier wurden jeweils die höchsten realen Zuwachsraten aller Bundesländer beobachtet.

Auch die Steiermark profitierte von der guten Wirtschaftslage und erzielte einen realen Zuwachs von 5,8% im Produzierenden Bereich. Zusätzlich kamen starke Impulse aus dem Dienstleistungsbereich und aus der Landwirtschaft, was für dieses Bundesland insgesamt zu einem realen Wachstum von 3,5% führte. Diese positive Entwicklung schlug sich auch in der Beschäftigung nieder. Von den 12.400 neu geschaffenen Jobs in der Steiermark entfielen rund 4.800 auf den Produzierenden Bereich, insbesondere auf die Herstellung von Waren.

Das Burgenland war 2017 mit einem realen Wachstum von 3,5% ebenfalls unter den wachstumsstärksten Bundesländern. Mitverantwortlich für diese Entwicklung war die Landwirtschaft: Nach den frostbedingten Ausfällen im Jahr davor konnte 2017 im Weinbau eine überdurchschnittliche Ernte eingebracht werden, und auch im Obstbau wurden höhere Erntemengen erzielt. Bei der Entwicklung der Beschäftigung lag das Burgenland mit +1,6% leicht unter dem bundesweiten Schnitt von +1,7%, die größten Zuwächse gab es im Handel.

Auch Oberösterreich verzeichnete dank der guten Konjunktur im Produzierenden Bereich ein deutliches reales Wachstum von 3,3%. Die größten Wachstumsimpulse kamen aus der Herstellung von Waren, dem Handel und dem Bau.

Genau im Österreichschnitt lag Tirol mit einem realen Wachstum von 2,6%, bedingt durch eine sehr gute Entwicklung des Dienstleistungssektors. Verantwortlich dafür waren der Verkehr, die Beherbergung und Gastronomie sowie der Handel. Damit konnte die leicht unter dem Österreichschnitt liegende Entwicklung im Produzierenden Bereich ausgeglichen werden.

Ausschlaggebend für das schwache reale Wachstum Vorarlbergs (+1,7%) war die im Vergleich mit den anderen Bundesländern gedämpfte Entwicklung im Produzierenden Bereich von nur +2,7%. Vor allem die Herstellung von Waren und der Bau lagen deutlich unter der österreichweiten Entwicklung. Auch der Dienstleistungssektor blieb mit +1,4% leicht hinter dem nationalen Schnitt von +1,8% zurück. Dies hatte jedoch keine negativen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt in Vorarlberg: Er erreichte 2017 ein überdurchschnittliches Plus von 2,1% (+4.300 Beschäftigungsverhältnisse).

Überdurchschnittliche Entwicklung der Beschäftigung in Wien

Österreichweit nahm die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse 2017 um 1,7% zu. Der stärkste Zuwachs in absoluten Zahlen war mit 19.800 Beschäftigungsverhältnissen in Wien zu beobachten, was einem Anstieg um 1,9% entsprach. Die Dynamik kam hier vor allem aus dem Dienstleistungssektor, aber auch der Bau trug zu dieser Entwicklung bei. Kräftige Wachstumsimpulse aus der Energieversorgung, dem Bau und den meisten Dienstleistungsbereichen unterstützten das reale Wachstum des Wiener BRP (+1,8%). Der reale Rückgang im Handel und die Stagnation in der Herstellung von Waren wirkten sich allerdings dämpfend auf die Entwicklung aus.

Beim BRP je Einwohner verzeichneten alle Bundesländer im Jahr 2017 ein positives reales Wachstum, das zwischen +4,5% in Kärnten und +0,4% in Wien lag und somit stark um den Österreichschnitt von +1,9% streute (siehe Tabelle 1). Das höchste BRP je Einwohner erzielte Salzburg mit rund 50.100 Euro, gefolgt von Wien mit rund 50.000 Euro (siehe Kartogramm). Wie auch in den Jahren zuvor lagen die östlichen und südlichen Bundesländer unter dem Österreichschnitt von 42.100 Euro.

Vorarlbergs Pro-Kopf-Einkommen 2017 wieder am höchsten

Im Gegensatz zum BRP, das auf den Arbeitsort abzielt, wird das verfügbare Einkommen nach dem Wohnort ausgewiesen. Die privaten Haushalte in Vorarlberg konnten auch 2017 wie im Vorjahr das höchste verfügbare Einkommen pro Kopf mit 24.600 Euro verzeichnen (siehe Tabelle 2). An zweiter Stelle lag Niederösterreich mit 24.200 Euro, gefolgt von Salzburg mit 24.000 Euro und dem Burgenland mit 23.900 Euro. Leicht über dem Österreichschnitt von 23.300 Euro finden sich die Pro-Kopf-Einkommen der Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher mit 23.500 Euro. Tirol konnte 2017 beim verfügbaren Einkommen je Einwohner leicht aufholen und lag mit 23.200 Euro nur noch leicht unter dem Österreichschnitt.

Unterdurchschnittliche Einkommen verzeichneten die privaten Haushalte in der Steiermark und in Kärnten mit 23.000 Euro bzw. 22.800 Euro pro Kopf. In Wien trugen Faktoren wie eine überdurchschnittliche Bevölkerungszunahme sowie eine schwache Entwicklung des Arbeitnehmerentgeltes und der monetären Sozialleistungen dazu bei, dass das verfügbare Einkommen nur 22.200 Euro pro Kopf betrug.

Regional tiefer gegliederte Ergebnisse 2016

Für die Jahre 2000 bis 2016 gibt es regional tiefer untergliederte Ergebnisse für die 35 NUTS 3-Regionen Österreichs. Es stehen Bruttoregionalprodukt bzw. Bruttowertschöpfung und Beschäftigung zur Verfügung. Beim Bruttoregionalprodukt je Einwohner 2016 lag die Landeshauptstadtregion Salzburg und Umgebung mit einem BRP je Einwohner in der Höhe von 52.900 Euro vor Linz-Wels (51.300 Euro) und Wien (49.200 Euro).

Die vollständige Liste und weitere Informationen finden Sie auf unserer Webseite. Interaktive Karten und Diagramme zum BRP je Einwohner sowie zum verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte stehen im STATatlas zur Verfügung.

Methodische Informationen, Definitionen: In den Regionalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen von Statistik Austria werden jährlich Berechnungen zu volkswirtschaftlichen Aggregaten nach Bundesländern (NUTS 2-Regionen) und nach NUTS 3-Regionen entsprechend den Konzepten des ESVG 2010 erstellt (nähere Informationen zu NUTS finden sie auf unserer Webseite). 
Das Bruttoregionalprodukt (BRP) ist die regionale Entsprechung zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Bei der Betrachtung der BRP-Pro-Kopf-Werte ist generell zu beachten, dass sich das Bruttoregionalprodukt auf den Ort der Leistungserstellung (Arbeitsort) bezieht, während die dazu in Relation gesetzten Einwohnerzahlen auf den Wohnort bezogen sind; d. h. dass regionsüberschreitende Pendlerströme unberücksichtigt bleiben.  
Erwerbstätige umfassen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (unselbständig Beschäftigte) sowie Selbständige. Die regionale Zuordnung erfolgt am Arbeitsort. 
Das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte in den Bundesländern bildet die Umverteilung des (Primär-)Einkommens durch monetäre Transfers (Einkommen- und Vermögenssteuern, Sozialbeiträge, monetäre Sozialleistungen, sonstige laufende Transfers) ab. Im Gegensatz zum regionalen Bruttoinlandsprodukt messen die Konten der privaten Haushalte das verfügbare Einkommen der privaten Haushalte in jener Region, in der sie ihren Wohnsitz haben.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
Mag. Roswitha GRABNER-TRIEB, Tel.: +43 (1) 71128-7025 bzw. roswitha.grabner-trieb@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Bruttoregionalprodukt 2017
BundeslandBRP 2017BRP je Einwohner 2017Erwerbstätige (Jobs) 2017
nominellreale Veränderungnominellreale Veränderung
in Mio. Euroin % zum VJin Euroin % zum VJAnzahlVeränderung in % zum VJ
Österreich369.8992,642.1001,94.670.0001,7
Burgenland8.7653,530.0003,4129.4001,6
Niederösterreich57.3492,034.4001,6763.8001,6
Wien93.8651,850.0000,41.067.8001,9
Kärnten20.2334,536.1004,5279.9001,2
Steiermark47.2233,538.1003,3659.0001,9
Oberösterreich63.3953,343.1002,7803.1001,6
Salzburg27.6191,950.1001,2331.6001,4
Tirol33.7842,645.2001,9429.8002,1
Vorarlberg17.5321,744.9000,8204.8002,1
Extra-Regio1)1340,7  7000,2
 
Tabelle 2: Verfügbares Einkommen der privaten Haushalte und POoE 2017, nominell
BundeslandVerfügbares Einkommen 2017, nominellVerfügbares Einkommen je Einwohner 2017Anteil am österr. verfügbaren Einkommen 2017Anteil an der Wohnbevölkerung 2017
in Mio. EuroVeränderung in % zum VJin Euroin %in %
Österreich  205.066 2,2
23.300100,0100,0
Burgenland6.9903,223.9003,43,3
Niederösterreich40.4211,624.20019,719,0
Wien41.7431,722.20020,421,3
Kärnten12.7702,022.8006,26,4
Steiermark28.5172,523.00013,914,1
Oberösterreich34.4742,623.50016,816,7
Salzburg13.2322,324.0006,56,3
Tirol17.3232,823.200 8,4
8,5
Vorarlberg9.5972,324.600 4,7
4,4

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