Pressemitteilung: 11.723-034/18

Kräftige Erholung der landwirtschaftlichen Einkommen im Jahr 2017

Wien, 2018-02-23 – Nach Einbußen in den Jahren 2012 bis 2015, gefolgt von einer ersten Erholung im Jahr 2016, zeichnet sich bei den Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit für 2017 eine sehr positive Entwicklung ab. Laut den Ergebnissen der zweiten Vorschätzung im Rahmen der landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR) von Statistik Austria erhöhte sich das durchschnittliche landwirtschaftliche Einkommen je Arbeitskraft (gemessen als Faktoreinkommen, d. h. als Nettowertschöpfung zu Faktorkosten) im Vorjahresvergleich real um 18,8%, nach einem Anstieg um 12,3% im Jahr 2016. Maßgeblich für die Zunahme im Jahr 2017 waren die deutliche Erholung der Milchpreise sowie eine gute Weinernte vor dem Hintergrund der frostbedingten Ernteausfälle des Vorjahres.

Der Gesamtproduktionswert der österreichischen Landwirtschaft wird für 2017 auf rund 7,3 Mrd. Euro geschätzt, mit einem Plus von 6,8% gegenüber dem Vorjahr. Die in der Einkommensberechnung berücksichtigten öffentlichen Gelder beliefen sich für 2017 in Summe auf rund 1,5 Mrd. Euro (-0,9%). Die Aufwendungen für Vorleistungen, Abschreibungen und sonstige Produktionsabgaben betrugen gemäß den ersten Schätzungen rund 6,1 Mrd. Euro (+0,3%). Für das landwirtschaftliche Faktoreinkommen, das die Entlohnung der in der Landwirtschaft eingesetzten Produktionsfaktoren Boden, Arbeit (Familien- und Fremdarbeitskräfte) und Kapital misst, ergibt sich damit ein Anstieg um 19,6% auf rund 2,6 Mrd. Euro. Je Arbeitskraft war der Einkommenszuwachs wegen des fortschreitenden Strukturwandels etwas stärker ausgeprägt als für den landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereich insgesamt. Bei einem geschätzten Rückgang des landwirtschaftlichen Arbeitseinsatzes von 1,1% betrug der Anstieg je Arbeitskraft nominell 21,0% bzw. real 18,8%.

Wertmäßige Zuwächse vor allem in der tierischen Erzeugung

Der Anstieg des Gesamtproduktionswerts der heimischen Landwirtschaft basierte vor allem auf der tierischen Erzeugung, deren Produktionswert sich um 11,7% auf rund 3,6 Mrd. Euro erhöhte. Wesentlich zu dieser Entwicklung trugen die gestiegenen Milchpreise bei, aber auch in der Schweinehaltung wurden deutlich höhere Preise als in den vergangenen beiden Jahren erzielt.

Der Wert der pflanzlichen Erzeugung wird für 2017 auf rund 3,0 Mrd. Euro geschätzt (+3,1%). Hitze und frühsommerliche Niederschlagsdefizite im Nordosten und Osten Österreichs führten zu Ertragseinbußen bei den Feldfrüchten, und auch der Futterbau litt unter der Trockenheit. Das zweite Jahr in Folge von Spätfrostschäden betroffen, kam es im Obstbau zu neuerlichen Ertragsminderungen; im Vergleich zum extrem schlechten Vorjahresergebnis nahm das Erzeugungsvolumen jedoch deutlich zu. Im Weinbau konnte nach den frostbedingten Ausfällen des Vorjahres eine mengenmäßig und qualitativ gute Ernte eingebracht werden. Die Preise für pflanzliche Erzeugnisse erhöhten sich den vorläufigen Berechnungen und Schätzungen zufolge um 2,9%.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu den Ergebnissen der zweiten LGR-Vorschätzung für 2017 finden Sie auf unserer Webseite.

 

Methodische Informationen, Definitionen: Die vorliegenden Einkommensergebnisse für die Landwirtschaft beruhen auf Daten der landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR), die auf Basis der Verordnung (EG) Nr. 138/2004 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. Dezember 2003 zur Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung in der Gemeinschaft in der geltenden Fassung erstellt wird. 
Die LGR-Verordnung verpflichtet die EU-Mitgliedstaaten zur Erstellung von zwei Vorschätzungen über die voraussichtlichen Wert-, Preis- und Volumenänderungen der für das Einkommen aus landwirtschaftlicher Tätigkeit bestimmenden Variablen. Gegenstand der vorliegenden Veröffentlichung sind die Ergebnisse der zweiten Vorschätzung für 2017, denen die mit Jänner 2018 verfügbare Datenbasis zugrunde liegt. Da zu diesem Zeitpunkt die für die Berechnung der LGR notwendigen Basisdaten erst teilweise vorlagen, wurden die vorhandenen Daten durch Fortschreibungen und Schätzungen unter Einbindung einschlägiger Experten ergänzt und vervollständigt. Es handelt es sich daher um erste vorläufige Ergebnisse. 
Änderungen der Preise und Werte wurden in der vorliegenden Pressemitteilung – sofern nicht anders angegeben – in nominellen Werten ausgedrückt. Sofern Daten in realen Werten angeführt sind, handelt es sich um mit dem impliziten Preisindex des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu Marktpreisen deflationierte Angaben. 
Das als Einkommensmaßstab herangezogene landwirtschaftliche Faktoreinkommen errechnet sich aus dem Produktionswert des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs inklusive öffentlicher Gelder (mit Ausnahme von Vermögenstransfers), abzüglich der Vorleistungen, Abschreibungen und Produktionsabgaben.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Raumwirtschaft, Statistik Austria:  
DI Christina MAYER, Tel.: +43 (1) 71128-7108 bzw. christina.mayer@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Hauptkomponenten des landwirtschaftlichen Faktoreinkommens 2017/2016
Wertangaben zu laufenden Preisen2017Veränderung 2017 gegenüber 2016
in Mio. Euroin Mio. Euroin %
Erzeugung des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs 1)7.281+464+6,8
Davon   
     Pflanzliche Erzeugung3.010+89+3,1
     Tierische Erzeugung3.572+375+11,7
- Vorleistungen4.093+1+0,0
= Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen3.188+463+17,0
- Abschreibungen1.854+12+0,7
+ Sonstige Subventionen1.445-15-1,0
- Sonstige Produktionsabgaben141+3+2,0
= Faktoreinkommen2.638+433+19,6
Landwirtschaftlicher Arbeitseinsatz (in 1.000 JAE) 2)116,7-1,3-1,1
Tabelle 2: Entwicklung von Produktionswert, Vorleistungen, Bruttowertschöpfung und Faktoreinkommen des landwirtschaftlichen Wirtschaftsbereichs 2008–2017
 2008200920102011201220132014201520162017
2010=100
Produktionswert zu Herstellungspreisen, nominell102,192,9100,0113,2114,5110,9110,0107,1107,7115,1
Vorleistungen, nominell98,596,9100,0110,4113,8114,1114,0110,7109,2109,2
Bruttowertschöpfung zu Herstellungspreisen, nominell107,287,3100,0117,3115,6106,1104,2102,0105,7123,6
Faktoreinkommen, nominell109,684,5100,0115,7110,397,190,284,194,2112,7
Arbeitseinsatz103,7102,7100,098,798,297,195,393,692,391,3
Faktoreinkommen pro Arbeitskraft, nominell105,882,3100,0117,2112,3100,194,789,9102,1123,5
Faktoreinkommen pro Arbeitskraft, real108,783,0100,0115,1108,194,787,981,591,6108,9
Jährliche Veränderung in %
Faktoreinkommen pro Arbeitskraft, real -23,620,415,1-6,1-12,4-7,2-7,212,318,8

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