Pressemitteilung: 11.678-238/17

Junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt: Eintritt durch soziale Kontakte, große Mobilitätsbereitschaft

Wien, 2017-12-13 – Soziale Kontakte im Familien- und Bekanntenkreis sind für junge Erwachsene der wichtigste Weg in den Arbeitsmarkt. Rund ein Drittel (35%) der 15- bis 34-Jährigen fand laut Statistik Austria auf diesem Weg die Arbeitsstelle. Mehr als die Hälfte würde zudem für einen Job umziehen oder wäre bereit, länger als eine Stunde zur Arbeit zu pendeln, wie aus dem Ad-hoc-Modul der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2016 über junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt hervorgeht.

Junge Frauen mehr als doppelt so häufig teilzeitbeschäftigt wie junge Männer

Etwas über zwei Drittel der 15- bis 34-Jährigen (68%) waren 2016 erwerbstätig, Männer (70%) etwas häufiger als Frauen (66%). 14% der jungen Männer, aber 39% der jungen Frauen arbeiteten in Teilzeit. Der häufigste Grund für Teilzeitarbeit war bei jungen Frauen die Betreuung von Kindern oder pflegebedürftigen Erwachsenen (42%), bei jungen Männern dagegen Aus- oder Weiterbildung (50%, Frauen 27%). Die Arbeitslosenquote der 15- bis 34-Jährigen betrug 2016 8,2%. Junge Frauen dieses Alters (7,3%) waren etwas seltener von Arbeitslosigkeit betroffen als junge Männer (9,0%).

35% der jungen Erwachsenen finden ihren Job über soziale Kontakte

Soziale Kontakte im Familien- und Bekanntenkreis erwiesen sich für junge Erwachsene als die wichtigste Zugangsmöglichkeit in den Arbeitsmarkt. Gut ein Drittel (35%) der jungen Erwachsenen fand so den Job. An zweiter und dritter Stelle folgten die direkte Kontaktaufnahme mit dem Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin (z. B. Initiativbewerbung, 24%) sowie die Bewerbung auf eine Stellenanzeige (23%). Deutlich seltener wurden junge Erwachsene direkt durch den Arbeitgeber bzw. die Arbeitgeberin kontaktiert (z. B. Jobangebot, 7%) oder durch das AMS vermittelt (5%). Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss fanden ihren Job überdurchschnittlich häufig über das AMS (12%).

Für Personen mit maximal Pflichtschulabschluss (37%), Lehre (39%), berufsbildender mittlerer Schule (32%) oder Matura (38%) erfolgte der Weg in den Arbeitsmarkt am häufigsten über soziale Kontakte. Der wichtigste Weg in den Job für Personen mit abgeschlossenem Hochschulstudium war hingegen die Bewerbung auf eine Stellenanzeige (31%), gefolgt von sozialen Kontakten (23%) sowie der direkten Kontaktaufnahme mit dem Arbeitgeber oder der Arbeitgeberin (23%).

Hohe Mobilitätsbereitschaft junger Erwachsener

Mehr als die Hälfte (59%) der 15- bis 34-Jährigen würde wegen einer Arbeitsstelle umziehen oder wäre bereit, länger als eine Stunde zur Arbeit pendeln. Fast ein Viertel der jungen Menschen (23%) könnte sich sowohl einen Umzug als auch längere Pendelzeiten (länger als eine Stunde pro Strecke) vorstellen. Die Mobilitätsbereitschaft von Arbeitslosen ist mit 67% deutlich höher als jene von Erwerbstätigen (59%) und Nicht-Erwerbspersonen (56%), wobei bei Arbeitslosen vor allem die Bereitschaft zum Pendeln stark ausgeprägt ist.

Frauen sind etwas weniger mobil als Männer: Fast zwei Drittel der jungen Männer (63%) und gut jede zweite junge Frau (55%) wären bereit, für eine Arbeitsstelle umzuziehen und/oder mehr als eine Stunde pro Strecke in die Arbeit zu pendeln. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind vor allem auf Betreuungspflichten gegenüber Kindern zurückzuführen. Männer mit Kindern im Haushalt sind zu 57% zum Pendeln und/oder Umzug bereit, Frauen mit Kindern nur zu 33%. Leben keine Kinder im Haushalt, so ist die Mobilitätsbereitschaft von Frauen (67%) nur geringfügig niedriger als jene von Männern (71%).

Rund ein Viertel der jungen Erwachsenen übte eine nicht ihrem formalen Bildungsniveau entsprechende Tätigkeit aus

24% der erwerbstätigen jungen Erwachsenen gaben an, dass ihre derzeitige Tätigkeit wenig oder gar nicht ihren Bildungsabschlüssen entsprach. Dies galt gleichermaßen für Frauen und Männer (je 24%). Personen mit nicht-österreichischer Staatsangehörigkeit waren rund doppelt so oft (41%) betroffen wie Personen mit österreichischer Staatsangehörigkeit (20%). Generell zeigte sich mit steigendem Bildungsniveau eine zunehmende Übereinstimmung von Bildung und ausgeübter Tätigkeit: Lag diese bei jungen Erwachsenen mit höchstens einem Pflichtschulabschluss bei 69%, waren es bei jenen mit Universitätsabschluss 85%.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Publikation "Junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt 2016".

Methodische Informationen, Definitionen: Bei den hier präsentierten Ergebnissen handelt es sich um Daten aus einer EU-weiten Erhebung (Ad-Hoc-Modul) zum Thema "Junge Menschen auf dem Arbeitsmarkt", die in Österreich im Rahmen der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung in allen Quartalen des Jahres 2016 durchgeführt wurde. Zielgruppe der Befragung waren alle 15- bis 34-Jährigen. Hochgerechnet entspricht dies 2,158 Mio. Personen (ohne Präsenz- und Zivildiener). Das internationale Frageprogramm wurde national um zusätzliche Fragen im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) ergänzt. Ergänzend zum Grundprogramm der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung liefert das Ad-hoc-Modul 2016 Informationen zu den Themen Ausbildung (weitere Ausbildung, Ausbildungsabbruch, Bildung der Eltern), Arbeitserfahrung während der Ausbildung und Praktika nach Ende der Ausbildung, sowie Arbeitssuche, qualifikationsadäquate Beschäftigung und Mobilitätsbereitschaft. Als erwerbstätig gelten nach den hier angewandten internationalen Richtlinien Personen, die in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder die wegen Urlaub, Krankheit usw. nicht gearbeitet haben, aber normalerweise einer Beschäftigung nachgehen (ILO-Konzept). Präsenz- und Zivildiener sind ausgeschlossen.

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Judith FORSTER, Tel.: +43 (1) 71128-7421 bzw. judith.forster@statistik.gv.at und  
Mag. Käthe KNITTLER, Tel.: +43 (1) 71128-7906 bzw. kaethe.knittler@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Erwerbstätige junge Menschen (15- bis 34-Jährige) nach Methode der Arbeitssuche und soziodemographischen Merkmalen
MerkmaleUnselbständig ErwerbstätigeDerzeitigen Job gefunden durch:
StellenanzeigeVerwandte, Freunde/-innen, BekannteAMSPerson hat Arbeitgeber/-in direkt kontaktiert1)Arbeitgeber/-in hat Person direkt kontaktiert2)Sonstiges3)
in 1.000in %
Insgesamt1.401233552477
Geschlecht       
Männer725193952477
Frauen676273152386
Höchste abgeschlossene Schulbildung       
Pflichtschule21016371224(4)7
Lehre468173962575
BMS1452232(5)26(7)8
Höhere Schule3342838(3)2065
Universität, hochschulverwandte Lehranstalt, FH2443123(x)231210
Staatsangehörigkeit       
Österreich1.141223352587
Nicht-Österreich2602544515(4)7
Migrationshintergrund       
Kein Migrationshintergrund1.065223352687
Migrationshintergrund336264261546

 

Tabelle 2: Junge Menschen (15- bis 34-Jährige) nach Mobilitätsbereitschaft, Geschlecht, Erwerbsstatus und Lebensform
MerkmaleInsgesamtKeine MobilitätsbereitschaftMobilitätsbereitschaftdavon:
Bereitschaft für UmzugBereitschaft zum Pendeln (>1 Stunde pro Strecke)Bereitschaft für  
Umzug und Pendeln  
(>1 Stunde pro Strecke)
in 1.000in %
Insgesamt2.1584159201623
Geschlecht
Männer1.0953763211725
Frauen1.0634555201520
Erwerbsstatus
Erwerbstätige1)1.4724159221720
Arbeitslose1313367162526
Nicht-Erwerbspersonen5554456161228
Lebensform2)
Personen ohne Kinder im Haushalt
Männer4032971271627
Frauen3743367291523
Personen mit Kindern im Haushalt
Männer1694357172415
Frauen294673312146

 

Tabelle 3: Erwerbstätige junge Menschen (15- bis 34-Jährige) nach Entsprechung der derzeitigen Arbeit mit Bildungsabschlüssen sowie soziodemographischen Merkmalen
MerkmaleErwerbstätigeDerzeitige Arbeit entspricht Bildungsabschlüssen…
sehrziemlichwenigerüberhaupt nicht
in 1.000in 1.000in %in 1.000in %in 1.000in %in 1.000in %
Insgesamt1.47279354327221781217512
Geschlecht
Männer771420541672295128912
Frauen701373531602383128512
Staatsangehörigkeit
Österreich1.20069258267221241011610
Nicht-Österreich27210037602253205821
Personen, derzeit nicht in Ausbildung 
Zusammen1.15764656254221311112611
Höchste abgeschlossene Schulbildung1)
Pflichtschule104323139372120(11)11
Lehre47528760791751115812
BMS143835830211391611
Höhere Schule24412150652729122912
Universität, hochschulverwandte Lehranstalt, FH192122634122179(12)(6)

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