Pressemitteilung: 11.424-235/16

Österreichischer Arbeitsmarkt von hoher Dynamik geprägt

Wien, 2016-12-15 – 78% der insgesamt rund 1 Mio. im Jahr 2010 neu aufgenommenen aktiven Beschäftigungsverhältnisse wurden innerhalb von zwei Jahren wieder beendet. Laut Ergebnissen der Registerbasierten Erwerbsverläufe (ERV) von Statistik Austria arbeiten 74% der Frauen und 81% der Männer nach zwei Jahren nicht mehr aktiv im selben Job. Die häufigsten Folgen der Beendigung der aktiven Erwerbstätigkeit innerhalb von zwei Jahren sind einerseits Arbeitslosigkeit (25%) bzw. zumeist kurzfristige Phasen als sonstige Nicht-Erwerbsperson (15%) und andererseits der Wechsel in ein anderes Beschäftigungsverhältnis (17%). Elternkarenz sowie andere temporäre Abwesenheiten sind hier kaum von Bedeutung.

Beendigung der aktiven Beschäftigung aufgrund von Karenz ist auch bei jungen Frauen nicht häufig

Nur 28% der Frauen im Alter von 25 bis 34 Jahren und 22% der gleichaltrigen Männer sind nach zwei Jahren noch im selben Job tätig. Dabei spielt Elternkarenz bei Frauen dieser Altersgruppe nur eine untergeordnete Rolle: Lediglich 9% der von 25- bis 34-jährigen Frauen neu aufgenommenen Jobs werden innerhalb von zwei Jahren aufgrund einer Elternkarenz unterbrochen oder beendet.

Frauen in den meisten Branchen länger als Männer im selben Job tätig

Nach Branchen betrachtet zeigen sich deutliche Unterschiede bei der Beschäftigungsdauer 25- bis 34-Jähriger. Im Verkehrswesen, bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen sowie im öffentlichen Bereich ist der Anteil der 25- bis 34-jährigen Frauen mit einer Beschäftigungsdauer von mindestens zwei Jahren höher als jener der gleichaltrigen Männer. Im Bauwesen ist der Unterschied (Frauen 32%; Männer 13%) besonders groß. Der Grund dafür liegt aber in erster Linie in den unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen von Frauen und Männern in dieser Branche: Während Männer im Bauwesen häufig einer Saisonbeschäftigung nachgehen, sind Frauen in stärkerem Ausmaß in jahresdurchgängigen Beschäftigungsverhältnissen zu finden.

In der Informations- und Kommunikationsbranche, im Produktionsbereich sowie bei den freiberuflichen und technischen Dienstleistungen dauern hingegen die Beschäftigungsverhältnisse der Männer länger als jene der Frauen.

Beschäftigungsdauer von Frauen mit niedriger Bildung länger als jene von Männern

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Beschäftigungsverhältnis nach zwei Jahren noch besteht, ist bei 25- bis 34-jährigen Personen mit einem Hochschulabschluss zwar am höchsten, allerdings liegt der Anteil bei Männern (43%) über jenem von Frauen (37%). Bei Personen der gleichen Altersklasse mit Abschluss einer Lehre oder berufsbildenden mittleren Schule und vor allem bei Personen mit maximal Pflichtschulabschluss ist der Anteil der Beschäftigungsverhältnisse, die nach zwei Jahren noch aufrecht sind, viel niedriger. Der Anteil von Frauen ist hier jedoch deutlich höher als jener der Männer. Kaum einen Unterschied gibt es bei Personen mit Matura als höchstem Bildungsabschluss – 31% der Frauen und 32% der Männer sind nach zwei Jahren noch im selben Job tätig.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema finden Sie im Schnellbericht "Fluktuationswahrscheinlichkeiten von Frauen und Männern".

Weitere Ergebnisse der Registerbasierten Erwerbsverläufe finden Sie auf unserer Website.

 

Methodische Informationen, Definitionen: Die Daten der Registerbasierten Erwerbsverläufe (ERV) werden aus strukturiert aufbereiteten Verwaltungsdaten zum Arbeitsmarkt von Statistik Austria gewonnen und stellen eine Vollerhebung dar. Das Konzept der Registerbasierten Erwerbsverläufe orientiert sich an der Abgestimmten Erwerbsstatistik, wurde jedoch projektbezogen adaptiert. Dabei werden für alle Personen überschneidungsfreie und lückenlose Erwerbskarrieren gebildet. 
Dieses Projekt ermöglicht es, die Erwerbsbiografie von Personen im Laufe ihres Lebens statistisch auszuwerten und Analysen zur Stabilität von Erwerbsbiografien und zu typischen Erwerbsmustern verschiedener Personengruppen durchzuführen. 
Grundgesamtheit der Analysen ist insgesamt rund 1 Mio. Zugänge in aktive unselbständige Beschäftigung als Arbeiterin, Arbeiter oder Angestellte, Angestellter (ohne Wiedereinstellungen beim selben Dienstgeber und exkl. Ferialjobs) im Jahr 2010. 
Die Wirtschaftsabschnitte "Herstellung von Waren", "Energieversorgung" sowie "Wasserversorgung und Abfallentsorgung" wurden zum Produktionsbereich zusammengefasst. 
Die Wirtschaftsabschnitte "öffentliche Verwaltung", "Erziehung und Unterricht" sowie "Gesundheits- und Sozialwesen" wurden zum öffentlichen Bereich zusammengefasst. 
Weitere methodische Erläuterungen zu den Registerbasierten Erwerbsverläufen (ERV) finden Sie im Handbuch Registerbasierte Erwerbsverläufe (PDF, 280 KB).

Rückfragen zum Thema beantworten in der Abteilung Register, Klassifikationen und Geoinformation, Statistik Austria:  
Mag. Barbara WANEK-ZAJIC, Tel.: +43 (1) 71128-7342 bzw. barbara.wanek-zajic@statistik.gv.at und  
Mag. Johanna EINFALT Tel.: +43 (1) 71128-7337 bzw. johanna.einfalt@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Beschäftigungsaufnahmen 2010 nach Geschlecht und bei einer Dauer von weniger als zwei Jahren nach darauffolgendem Arbeitsmarktstatus
 Alle Altersgruppen25 bis 34 Jahre
 GesamtMännerFrauenGesamtMännerFrauen
Anzahl Beschäftigungsaufnahmen955.521525.447430.074288.019161.610126.409
Darunter:      
Job nach zwei Jahren noch aufrecht22%19%26%24%22%28%
Aktiv Erwerbstätig (exkl. geringfügig)17%18%16%18%19%17%
Geringfügig erwerbstätig4%3%5%4%3%4%
Elternkarenz2%0%4%4%0%9%
Sonstige temporäre Abwesenheit3%3%3%3%2%3%
Arbeitslos25%28%22%24%27%21%
Schülerinnen, Schüler, Studierende5%4%6%2%2%3%
Sonstige Nicht-Erwerbspersonen15%17%13%14%16%11%
Verzogen / verstorben6%8%5%6%8%5%
Tabelle 2: Beschäftigungsaufnahmen 25- bis 34-jähriger Personen 2010 nach Dauer des Beschäftigungsverhältnisses, Geschlecht und Wirtschaftsabschnitten
 Anteil weniger als 2 JahreAnteil mind. 2 Jahre
 MännerFrauenDifferenz4)MännerFrauenDifferenz4)
Produktion1)57%59%243%41%-2
Bau87%68%-1913%32%19
Handel69%68%031%32%0
Verkehr78%70%-822%30%8
Beherbergung und Gastronomie92%91%-18%9%1
Information und Kommunikation62%70%938%30%-9
Finanz- und Versicherungsdienstleistungen48%48%-152%52%1
Freiberufliche/technische Dienstleistungen64%66%236%34%-2
Sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen93%86%-77%14%7
Öffentlicher Bereich2)64%61%-336%39%3
Sonstige Dienstleistungen73%72%-127%28%1
Übrige Branchen3)88%82%-612%18%6
Gesamt
78%72%-622%28%6

Grafik 3

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