Pressemitteilung: 11.404-215/16

Flexibilität in der Arbeitswelt hoch; 39,3% der Erwerbstätigen immer oder häufig unter Zeitdruck

Wien, 2016-11-16 – Zwei Fünftel (40,5%) der Erwerbstätigen werden zumindest einmal im Monat zu einem früheren Arbeitsbeginn oder späteren Arbeitsende aufgefordert. Das geht aus der heute von Statistik Austria veröffentlichten Erhebung zu Arbeitsorganisation und Arbeitszeitgestaltung 2015 hervor. Zudem wird fast die Hälfte (44,9%) der Erwerbstätigen gelegentlich in der Freizeit dienstlich kontaktiert. Kurzfristig ein bis zwei Stunden freizunehmen ist für rund die Hälfte der Erwerbstätigen sehr einfach (49,9%), ungeplant ein bis zwei Tage freizunehmen hingegen nur für knapp ein Drittel (32,6%). Außerdem arbeiten 39,3% der Erwerbstätigen in Österreich immer oder häufig unter Zeitdruck.

Ein Viertel der Erwerbstätigen zumindest einmal wöchentlich zu einem früheren Arbeitsbeginn oder späteren Arbeitsende aufgefordert

Die Aufforderung länger am Arbeitsplatz zu bleiben oder früher zu kommen, erfolgt bei einem Viertel der Erwerbstätigen (25,7%) mindestens einmal wöchentlich, bei weiteren 14,8% seltener, aber mindestens einmal monatlich. Selbständige (41,7%) geben knapp doppelt so oft wie Unselbständige (23,3%) an, zumindest einmal in der Woche länger bleiben oder früher kommen zu müssen. Auch bestehen starke Unterschiede zwischen den Berufsgruppen bzw. Tätigkeitsniveaus: Besonders betroffen sind Führungskräfte (51,3%) sowie Beschäftigte in akademischen und vergleichbaren Berufen (33,1%). Nach Branchen erhalten Erwerbstätige in der Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (34,5%) sowie Erwerbstätige in Beherbergung und Gastronomie (32,3%) am häufigsten eine Aufforderung zu flexiblen Arbeitszeiten.

Nahezu die Hälfte der Erwerbstätigen wird zumindest gelegentlich in der Freizeit dienstlich kontaktiert

Knapp die Hälfte (44,9%) der Erwerbstätigen wird zumindest einmal in zwei Monaten außerhalb der Arbeitszeit bezüglich ihrer Arbeit kontaktiert. Selbständige (58,2%) sind eher betroffen als Unselbständige (42,8%), Männer etwas öfter als Frauen, Erwerbstätige mit hohem Tätigkeitsniveau oder hoher formaler Ausbildung öfter als Erwerbstätige mit niedrigem Tätigkeitsniveau oder niedriger formaler Ausbildung. Tendenziell werden Personengruppen mit höheren Flexibilitätsanforderungen an die Arbeitszeit auch öfter in der Freizeit dienstlich kontaktiert. Mit steigender Häufigkeit der Kontaktaufnahme verstärken sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede; so wird gut ein Viertel der Männer (27,3%), aber nur 16,0% der Frauen mindestens dreimal in zwei Monaten in der Freizeit dienstlich kontaktiert.

Rund die Hälfte der Erwerbstätigen kann sich kurzfristig ein paar Stunden freinehmen, knapp ein Drittel auch ein bis zwei Tage

Sich kurzfristig ein bis zwei Stunden freizunehmen ist für Erwerbstätige deutlich einfacher, als kurzfristig ein bis zwei Tage freizunehmen. Für rund die Hälfte der Erwerbstätigen ist es sehr leicht (49,9%) ein bis zwei Stunden freizunehmen, ein bis zwei Tage freizunehmen hingegen nur für knapp ein Drittel (32,6%). Wesentliche Unterschiede bestehen dabei zwischen selbständig und unselbständig Erwerbstätigen: Können Selbstständige sich zu 85,8% sehr leicht kurzfristig ein bis zwei Stunden freinehmen, ist dies nur für knapp die Hälfte der unselbständig Beschäftigten (44,5%) der Fall. Auch das kurzfristige Freinehmen von ein bis zwei Tagen fällt Selbständigen wesentlich öfter sehr leicht (54,3%) als Unselbständigen (29,3%). Männer sind hinsichtlich ihrer Arbeitszeitgestaltung etwas flexibler als Frauen. Dies gilt sowohl für das kurzfristige Freinehmen von Stunden als auch von Tagen. Deutliche Unterschiede bestehen zwischen Berufen, Branchen und ausgeübten Tätigkeitsniveaus. Insbesondere Erwerbstätige in Hilfs- und angelernten Tätigkeiten beziehungsweise in den Branchen "Beherbergung und Gastronomie", "Erziehung und Unterricht", "Verkehr und Lagerei" sowie im "Gesundheits- und Sozialwesen" fällt es deutlich schwerer, sich kurzfristig für einige Stunden oder auch Tage frei zu nehmen.

Fast 40% der Erwerbstätigen arbeiten immer oder häufig unter Zeitdruck

39,3% der Erwerbstätigen in Österreich arbeiten immer oder häufig unter Zeitdruck – rund ein Zehntel (11,1%) arbeitet immer, weitere 28,2% häufig unter Zeitdruck. Ein gutes Drittel (35,7%) arbeitet manchmal unter Zeitdruck. Für das verbleibende Viertel (25,0%) ist dies dagegen selten bzw. nie der Fall. Die Branche mit dem höchsten Anteil an Beschäftigten, die immer unter Zeitdruck arbeiten, ist "Beherbergung und Gastronomie" (16,2%). Überdurchschnittlich oft besteht auch in der "Herstellung von Waren" (14,9%), in "Verkehr und Lagerei" (14,2%) sowie im "Gesundheits- und Sozialwesen" (14,0%) für die Beschäftigten ständig Zeitdruck. Inklusive der Erwerbstätigen, die angeben, häufig unter Zeitdruck zu arbeiten, steigt der Anteil der Beschäftigten unter Zeitdruck in "Beherbergung und Gastronomie" auf mehr als die Hälfte (54,0%); bei "Verkehr und Lagerei" stehen 45,4% und im "Gesundheits- und Sozialwesen" 43,5% der in diesen Branchen Erwerbstätigen immer oder häufig unter Zeitdruck.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie in der Publikation "Arbeitsorganisation und Arbeitszeitgestaltung 2015".

Methodische Informationen, Definitionen: Bei den hier präsentierten Ergebnissen zur Arbeitsorganisation und Arbeitszeitgestaltung in Österreich handelt es sich um Daten aus dem Ad-hoc-Modul 2015 zur "Europäischen Arbeitskräfteerhebung", die in Österreich im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt wurde. Der Mikrozensus ist eine Stichprobenerhebung in Haushalten. Dabei wurden in standardisierter Form Informationen zur Arbeitsmarktsituation in Österreich in zufällig ausgewählten privaten Haushalten erhoben. Im Rahmen dieses Moduls wurden 10.761 Personen (Netto-Stichprobe) auf Basis einer freiwilligen Teilnahme befragt. Diese Daten wurden anschließend auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet. 
Zielgruppe des Ad-hoc-Moduls 2015: alle erwerbstätigen Personen ab 15 Jahren (Erwerbstätigkeit nach internationaler Definition). 
Definition kurzfristig ein bis zwei Stunden frei nehmen: Dies soll innerhalb eines Tages aus persönlichen oder familiären Gründen möglich sein. Persönliche oder familiäre Gründe sind beispielsweise, wenn der Rauchfangkehrer kommt, wichtige Erledigungen getätigt werden müssen oder Familienfeiern besucht werden. Ausgeschlossen sind hingegen Fälle, bei denen es gesetzlich abgesichert ist, den Arbeitsplatz verlassen zu dürfen, wie z. B. Unfälle, Notfälle, Todesfälle, Erkrankung oder Pflegefreistellung. 
Definition kurzfristig ein bis zwei Tage frei nehmen: Dies soll innerhalb dreier Werktage möglich sein. Ausgeschlossen sind somit einerseits schon länger geplante Urlaube als auch Perioden, in denen der Betrieb geschlossen ist oder die Produktion stillsteht. Ebenfalls sind hier jene Fälle ausgeschlossen, bei denen es gesetzlich abgesichert ist, dass kurzfristig Tage freigenommen werden dürfen, wie z. B. bei Erkrankung, Todesfällen oder Pflegefreistellung.  
Definition Aufforderung länger zu bleiben oder früher zu kommen: Im Mittelpunkt stehen dabei kurzfristige Änderungen der Arbeitszeiten. Im Fall von unselbständig Erwerbstätigen geschieht die Aufforderung durch die Vorgesetzten, im Fall von Selbständigen, weil es von ihren Aufgaben bzw. Kundinnen und Kunden gefordert wird.  
Definition Kontaktaufnahme in der Freizeit: Der Bezugszeitraum liegt hier bei den letzten zwei Monaten vor dem Erhebungszeitpunkt. Der Kontakt kann von Vorgesetzten, Kolleginnen und Kollegen, Geschäftspartnerinnen und Geschäftspartner aber auch von Kundeninnen und Kunden ausgehen. Der Kontakt kann über Telefon (inkl. Handy/Smartphone), über private oder geschäftliche E-Mail-Adressen oder persönlich stattfinden. Eine Kontaktaufnahme bei Bereitschaftsdiensten zählt nicht dazu.

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Katrin BAUMGARTNER, Tel.: +43 (1) 71128-7211 bzw. katrin.baumgartner@statistik.gv.at und  
Mag. Käthe KNITTLER, Tel.: +43 (1) 71128-7906 bzw. kaethe.knittler@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Erwerbstätige nach Möglichkeit kurzfristig ein bis zwei Stunden freizunehmen und erwerbsstatistischen Merkmalen
MerkmaleErwerbstätige insgesamtMöglichkeit, kurzfristig 1 bis 2 Stunden freizunehmen
sehr einfach1)eher einfacheher schwersehr schwer
in 1.000in 1.000in %in 1.000in %in 1.000in %in 1.000in %
Insgesamt4.148,32.067,949,91.186,428,6537,613,0356,48,6
Männer2.194,11.159,952,9634,028,9244,411,1155,87,1
Frauen1.954,2908,146,5552,328,3293,215,0200,610,3
Berufliche Stellung
Unselbständige zusammen 3.609,11.605,244,51.142,531,7510,814,2350,69,7
Selbständige und Mithelfende zus.539,2462,885,843,88,126,85,0(x)(x)
Tabelle 2: Erwerbstätige nach Möglichkeit kurzfristig ein bis zwei Tage freizunehmen und erwerbsstatistischen Merkmalen
MerkmaleErwerbstätige insgesamtMöglichkeit, kurzfristig 1 bis 2 Tage freizunehmen
sehr einfacheher einfacheher schwersehr schwer
in 1.000in 1.000in %in 1.000in %in 1.000in %in 1.000in %
Insgesamt4.148,31.350,332,61.430,134,5873,321,1494,611,9
Männer2.194,1760,734,7775,035,3444,520,3214,09,8
Frauen1.954,2589,630,2655,133,5428,821,9280,614,4
Berufliche Stellung
Unselbständige zusammen 3.609,11.057,729,31.318,436,5791,521,9441,512,2
Selbständige und Mithelfende zus.539,2292,554,3111,820,781,815,253,19,8
Tabelle 3: Erwerbstätige nach erwarteter Flexibilität bei Arbeitszeiten, Kontaktaufnahme außerhalb der Arbeitszeit und erwerbsstatistischen Merkmalen
MerkmaleErwerbs-tätige 
insgesamt
Aufforderung früher zu kommen/später  
zu gehen1)
Kontaktaufnahme außerhalb Arbeitszeit2)
mind. 
1x/Woche
mind. 
1x/Monat
seltener/niehäufiger1 bis 2 Malnie
in 1.000in 1.000in %in 1.000in %in 1.000in %in 1.000in %in 1.000in %in 1.000in %
Insgesamt4.148,31067,425,7612,914,82.467,959,5911,022,0948,522,92.288,855,2
Männer2.194,1645,929,4335,315,31.212,955,3598,427,3510,823,31.085,049,4
Frauen1.954,2421,521,6277,614,21.255,064,2312,616,0437,722,41.203,861,6
Berufliche Stellung
Unselbständige zusammen 3.609,1842,723,3539,514,92.226,961,7682,818,9862,923,92.063,357,2
Selbständige und Mithelfende zus.539,2224,841,773,413,6241,044,7228,142,385,615,9225,441,8
Tabelle 4: Erwerbstätige nach Arbeit unter Zeitdruck und erwerbsstatistischen Merkmalen
MerkmaleErwerbstätige insgesamtArbeit unter Zeitdruck
immerhäufigmanchmalselten/nie
in 1.000in 1.000in %in 1.000in %in 1.000in %in 1.000in %
Insgesamt4.148,3460,411,11.171,728,21.479,835,71.036,425,0
Männer2.194,1261,311,9646,629,5799,836,5486,422,2
Frauen1.954,2199,110,2525,226,9680,034,8549,928,1
Ausgewählte Wirtschaftszweige (ÖNACE 08)
C Herstellung von Waren704,8104,914,9186,926,5251,435,7161,622,9
F Bau318,236,111,3100,931,7117,737,063,520,0
G Handel; Instandhaltung u. Rep. v. Kfz575,762,610,9149,726,0217,637,8145,825,3
H Verkehr und Lagerei203,328,914,263,431,263,131,048,023,6
I Beherbergung und Gastronomie236,638,316,289,337,864,327,244,618,8
Q Gesundheits- und Sozialwesen421,259,014,0124,529,5137,032,5100,723,9

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