Pressemitteilung: 10.885-194/14

EU-SILC 2013: Schlechte Lebensbedingungen von Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdeten

Wien, 2014-10-22 – Einer von Statistik Austria durchgeführten Erhebung über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) zufolge galten im Jahr 2013 in Österreich 385.000 Menschen oder rund 5% der Bevölkerung als mehrfach ausgrenzungsgefährdet. In vielen Bereichen des Lebens sind ihre Chancen schlechter als jene der Einfach- und Nicht-Ausgrenzungsgefährdeten.

2013 waren in Österreich 385.000 Personen mehrfach ausgrenzungsgefährdet

Die Gruppe der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdeten umfasste laut EU-SILC 2013 in Österreich 18,8% der Bevölkerung oder 1.572.000 Menschen, die von mindestens einer der drei folgenden Gefährdungslagen betroffen sind: Armutsgefährdung, erhebliche materielle Deprivation oder Leben in Haushalten mit keiner oder sehr niedriger Erwerbsintensität. Von einer besonders starken Benachteiligung ist bei gleichzeitigem Vorliegen von zwei oder allen drei der genannten Kriterien auszugehen. Damit sind 385.000 Personen – ein Viertel der Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdeten oder 4,6% der Bevölkerung – konfrontiert.

Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdete haben schlechtere Lebensbedingungen

Mit der mehrfachen Ausgrenzungsgefährdung gehen deutliche Nachteile in zahlreichen Dimensionen des Lebens einher (siehe Tabelle), etwa hinsichtlich prekärer Wohnqualität: Neunmal so oft wie Personen, die nicht ausgrenzungsgefährdet sind, wohnten Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdete in Wohnungen ohne Bad und WC, hatten Probleme mit der Bausubstanz (Feuchtigkeit, Schimmel) bzw. mit dunklen Räumen oder verfügten über keine Waschmaschine – wobei mindestens zwei dieser vier Merkmale zutrafen. Für 76% der Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdeten machten zudem die Wohnkosten mehr als ein Viertel ihres Einkommens aus. Von den Nicht-Ausgrenzungsgefährdeten trugen 12% und von den Einfach-Ausgrenzungsgefährdeten 60% eine so hohe Wohnkostenlast.

Auch zwischen Gesundheit und Ausgrenzungsrisiko ist ein starker Zusammenhang erkennbar: Während 8% der Nicht-Ausgrenzungsgefährdeten ab 16 Jahren und 13% der Einfach-Ausgrenzungsgefährdeten gesundheitlich beeinträchtigt waren, trifft dies auf 21% der Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdeten zu. Somit ist mehr als jede fünfte von multipler Ausgrenzung gefährdete Person in mindestens zwei der drei beobachteten Gesundheitsindikatoren – sehr schlechter allgemeiner Gesundheitszustand, chronische Krankheit, starke Einschränkung bei Alltagstätigkeiten seit mindestens einem halben Jahr – betroffen. Denkbar sind sowohl gesundheitliche Auswirkungen der Ausgrenzung als auch Armuts- und Ausgrenzungsgefährdung in Folge gesundheitlicher Einschränkungen, etwa weil keine Berufstätigkeit ausgeübt werden kann.

Einschränkungen erfahren Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdete auch im materiellen Lebensstandard: Sie können unerwartete Ausgaben (im Ausmaß von 1.050 Euro) mehr als fünfmal so oft nicht tätigen wie Personen ohne Armuts- oder Ausgrenzungsrisiko. Gleichzeitig gibt es – ohne Änderung des Einkommens – nur geringe Chancen auf eine Verbesserung dieser Situation: 62% ist es nicht möglich, wenigstens 15 Euro pro Monat zur Seite legen, bei den Nicht-Ausgrenzungsgefährdeten sind es 4%.

Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdung geht mit niedrigem subjektiven Wohlergehen einher

Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdete stufen ihre Lebenszufriedenheit auf der Skala von 0 ("überhaupt nicht zufrieden") bis 10 ("vollkommen zufrieden") durchschnittlich mit 6,1 ein. Einfach-Ausgrenzungsgefährdete sind mit einem Wert von 7,3 bereits zufriedener, Personen ohne Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung sind im Mittel am zufriedensten mit ihrem Leben (8,0).

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zu EU-SILC 2013 finden Sie auf unserer Webseite.

Methodische Informationen, Definitionen:  
EU-SILC:
EU-Gemeinschaftsstatistik über Einkommen und Lebensbedingungen (Statistics on Income and Living Conditions). 
Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdung = Armutsgefährdung ODER Erwerbslosigkeit ODER Deprivation:
Die soziale Eingliederung in der Europäischen Union soll bis 2020 insbesondere durch Verminderung der Armut gefördert werden, wobei angestrebt wird, mindestens 20 Millionen Menschen aus Gefährdungslagen zu bringen (Ausgangswert 2008: rund 120 Millionen). Die Zielgruppe umfasst Personen, auf die mindestens eines von drei Kriterien zutrifft: Armutsgefährdung oder keine/sehr niedrige Erwerbsintensität im Haushalt oder erhebliche materielle Deprivation. Die österreichische Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Zahl der in Österreich in diesem Sinne Armuts- oder Ausgrenzungsgefährdeten um mindestens 235.000 Personen bis zum Jahr 2020 zu verringern.  
Einfach-/Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdung:
Als einfach-ausgrenzungsgefährdet gelten Personen, die in ausschließlich einem der drei Bereiche sozialer Ausgrenzung benachteiligt sind. Als mehrfach-ausgrenzungsgefährdet gelten Personen, die in mindestens zwei der drei Bereiche sozialer Ausgrenzung benachteiligt sind. 
Wohnkostenanteil:
Nach EU-Skala äquivalisierte Kosten pro Jahr für alle Rechtsverhältnisse für Miete, Betriebskosten, Zinszahlung für Kredite zur Schaffung von Wohnraum, Heizung, Energie, Instandhaltung.

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Nadja LAMEI, Tel.: +43 (1) 71128-7336 bzw. nadja.lamei@statistik.gv.at und  
Anneliese OISMÜLLER, MA, Tel.: +43 (1) 71128-7306 bzw. anneliese.oismueller@statistik.gv.at  

Tabelle: Lebensbedingungen für Nicht-, Einfach- und Mehrfach-Ausgrenzungsgefährdete
Ausgewählte Lebensbedingungen, Quote in %Nicht-AusgrenzungsgefährdetEinfach-AusgrenzungsgefährdetMehrfach-Ausgrenzungsgefährdet
Prekäre Wohnqualität1414
Wohnkostenbelastung > 25%126076
Mehrfache Gesundheitseinschränkungen81321
Keine unerwarteten Ausgaben möglich164286
Kein Sparen möglich41562

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