Pressemitteilung: 10.641-217/13

Persönlicher Gesundheitszustand wichtigster Einflussfaktor für einen längeren Verbleib im Erwerbsleben

Wien, 2013-10-23 – Für einen längeren Verbleib im Erwerbsleben spielt der persönliche Gesundheitszustand eine wesentliche Rolle, wie aus Ergebnissen des Ad-hoc-Moduls 2012 der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung von Statistik Austria hervorgeht. Insgesamt war für 846.500 Personen bzw. 47,5% der 50- bis 69-Jährigen, die aktuell bzw. früher erwerbstätig waren, ein längerer Verbleib im Erwerbsleben unter bestimmten Bedingungen vorstellbar. Der persönliche Gesundheitszustand war dabei für mehr als die Hälfte davon (55,3% bzw. 467.900 Personen) für einen längeren Verbleib im Beruf ausschlaggebend. Insgesamt wurden im Zuge dieser Erhebung zehn Einflussgrößen abgefragt, die für eine Ausdehnung des Erwerbslebens eine wichtige Rolle spielen könnten. Diese umfassten arbeitsplatzbezogene Gründe, finanzielle Faktoren, aber auch persönliche Motive.

Auch finanzielle Faktoren für eine Verlängerung der Berufstätigkeit wichtig

Neben dem Gesundheitszustand waren auch finanzielle Faktoren eine wichtige Motivation für einen längeren Verbleib im Berufsleben. Insgesamt gaben 48,3% der Befragten, die sich eine verlängerte Erwerbstätigkeit vorstellen konnten, als Begründung mindestens ein finanzielles Motiv an. Für 39,0% bzw. 330.000 Personen war ein "höheres Gehalt oder Einkommen" ausschlaggebend, eine "höhere Pension" war für 38,6% (326.900 Personen) ein wichtiger Anreiz. Aber auch das "Vorhandensein eines Arbeitsplatzes" als Voraussetzung, um auch in fortgeschrittenem Alter einer beruflichen Tätigkeit nachgehen zu können, wurde von 38,8% bzw. 328.800 Personen genannt.

"Gesundheitsschonendere Arbeitsbedingungen" spielten für 29,3% (bzw. 247.900) eine wichtige Rolle. "Flexiblere Arbeitszeiten" wären für 16,9% bzw. 142.800 Personen ein Motiv, um länger im Erwerbsleben zu verweilen als geplant bzw. tatsächlich erfolgt. Eine "andere berufliche Tätigkeit" im letzten oder in einem anderen Job könnte bzw. hätte bei 15,0% (bzw. 127.000) der (früher) Erwerbstätigen zu einem längeren Verbleib führen können. "Bessere Informationen über die Folgen eines späteren Pensionsantritts" wären für 14,5% bzw. 122.700 Personen in Bezug auf die Ausdehnung der Erwerbskarriere von Relevanz. Ein "besseres Arbeitsklima" wurde von jeder bzw. jedem Zehnten (10,9% bzw. 92.400 Personen) als Voraussetzung für eine längere Berufstätigkeit angeführt. Immerhin 6,3% bzw. 53.300 der 50- bis 69-Jährigen mit mindestens einem genannten Motiv gaben "bessere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten" in Hinblick auf einen längeren Verbleib im Berufsleben an.

Erwerbsende wird mit durchschnittlich 62,6 Jahren geplant

Auf die Frage nach dem geplanten Erwerbsende gaben Erwerbstätige und früher Erwerbstätige, die Arbeit suchen, im Durchschnitt ein Alter von 62,6 Jahren an. 50- bis 69-jährige Männer planten – unabhängig von gesetzlichen Vorgaben – ihr Berufsleben mit 63,5 Jahren endgültig zu beenden, Frauen mit 61,4 Jahren. Somit lag das geplante Alter deutlich über dem bereits realisierten Erwerbsende. Den Ergebnissen dieser Erhebung zufolge betrug das durchschnittliche Alter von früher Erwerbstätigen (ohne Arbeitsuche, mit Pensionsbezug) bei Beendigung der letzten beruflichen Tätigkeit insgesamt 58,1 (Männer: 58,7; Frauen 57,4) Jahre.

Je höher die Schulbildung, umso später im Leben liegt das geplante Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. Bei abgeschlossenem Hochschulstudium lag das geplante Erwerbsende im Durchschnitt bei 64,8 Jahren. Nach sozialrechtlicher Stellung planten Selbständige und mithelfende Familienangehörige am längsten im Berufsleben zu verweilen – sie gaben im Durchschnitt ein geplantes Erwerbsende im Alter von 65,0 Jahren an.

Erwerbstätigenquote der 55- bis 64-Jährigen mit 43,1% im europäischen Vergleich niedrig

Wie in einer Reihe anderer europäischer Länder ist die Erwerbsbeteiligung älterer Personen in Österreich relativ niedrig und sinkt mit steigendem Alter deutlich. Unter den 50- bis 54-Jährigen gingen im Jahr 2012 82,6% einer Erwerbstätigkeit nach, bei den 55- bis 59-Jährigen waren es noch 62,8%. Der Anteil der Erwerbstätigen betrug bei den 60- bis 64-Jährigen nur mehr 21,2% und lag für die älteste befragte Gruppe, die 65- bis 69-Jährigen, bei 9,1%. Der EU-Indikator "Erwerbstätigenquote der Älteren", der sich auf die 55- bis 64-Jährigen bezieht, betrug 2012 in Österreich 43,1% und lag damit unter dem EU(27)-Durchschnitt von 48,9%.

Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen zum Ad-hoc-Modul 2012 finden Sie auf unserer Website bzw. in der Publikation "Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand 2012".

Methodische Informationen, Definitionen: Bei den hier präsentierten Ergebnissen zum Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand handelt es sich um Daten aus dem Ad-hoc-Modul 2012 zur "Europäischen Arbeitskräfteerhebung", die in Österreich im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt wurde. Der Mikrozensus ist eine Stichprobenerhebung in Haushalten, wobei im Rahmen dieses Moduls 7.955 Personen befragt wurden. Dabei wurden in standardisierter Form Informationen zum Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand in zufällig ausgewählten privaten Haushalten erhoben. Die Daten wurden anschließend auf die jeweilige Bevölkerungszahl hochgerechnet. Das Ad-hoc-Modul 2012 basiert auf einer Verordnung der Europäischen Kommission sowie der Ruhestandsstatistikverordnung des Bundesministers für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz. Das Modul wurde in allen Mitgliedsländern der EU durchgeführt.  
Zielgruppe des Ad-hoc-Moduls 2012: Alle Erwerbstätigen und früher Erwerbstätigen (Erwerbsende mit 50 Jahren oder später) im Alter von 50 bis 69 Jahren (insgesamt 1.780.300 Personen).  
Faktoren für einen längeren Verbleib im Erwerbsleben: Im Rahmen der Befragung sollten Erwerbstätige angeben, welche der genannten zehn Faktoren zu einer Verlängerung des Berufslebens beitragen könnten, und früher Erwerbstätige, welche Faktoren dazu hätten beitragen können. Mehrfachnennungen waren möglich.  
Geplantes Alter bei Erwerbsende: Pläne von Erwerbstätigen und früher Erwerbstätigen, die Arbeit suchen (1.028.200 Personen). 36.100 Personen konnten nur eine ungefähre Angabe machen und das Alter in Einzeljahren wurde imputiert; 46.500 Personen hatten in Bezug auf das Erwerbsende noch keine Pläne.  
Erwerbsbeteiligung, Erwerbstätigenquote Älterer: Diese Daten beruhen auf dem Grundprogramm der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung und beziehen sich auf alle Personen im Alter von 50 bis 69 Jahren. Definition des Erwerbsstatus nach dem ILO-Konzept.

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Beatrix WIEDENHOFER-GALIK, Tel.: +43 (1) 71128-8287 bzw. beatrix.wiedenhofer-galik@statistik.gv.at und   
Mag. Katrin BAUMGARTNER, Tel.: +43 (1) 71128-7211 bzw. katrin.baumgartner@statistik.gv.at

 

Tabelle: Ad-hoc-Modul 2012 zur Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung "Übergang vom Erwerbsleben in den Ruhestand"
Faktoren für eine Verlängerung des Erwerbslebens50- bis 69-jährige Erwerbstätige und früher Erwerbstätige
InsgesamtMänner
Frauen
in 1.000in %in 1.000in %in 1.000in %
50- bis 69-Jährige insgesamt1.780,3100,0942,5100,0837,8100,0
Darunter:
Mindestens ein Faktor für eine Verlängerung des Erwerbslebens relevant
846,547,5453,048,1393,547,0
Davon (% bezogen auf Personen mit mindestens einem genannten Faktor):
Besserer persönlicher Gesundheitszustand467,955,3266,158,8201,751,3
Höheres Gehalt oder Einkommen330,039,0171,937,9158,140,2
Vorhandensein eines Arbeitsplatzes328,838,8166,736,8162,241,2
Höhere Pension 326,938,6162,335,8164,541,8
Gesundheitsschonendere Arbeitsbedingungen247,929,3141,931,3106,126,9
Flexiblere Arbeitszeiten142,816,978,017,264,816,5
Andere berufliche Tätigkeit127,015,064,614,362,415,9
Bessere Informationen über die Folgen eines späteren Pensionsantritts122,714,564,514,258,114,8
Besseres Arbeitsklima92,410,949,010,843,511,0
Bessere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten53,36,328,96,424,56,2
Sonstiger Grund61,27,230,96,830,27,7

 

Grafik: Zentrale Einflussfaktoren in Hinblick auf eine Verlängerung des Erwerbslebens bei 50- bis 69-Jährigen

Grafik 45

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