PRESSEMITTEILUNG: 10.038-184/11

Inflationsanstieg im Juli auf 3,5%

Wien, 2011-08-17 – Die Inflationsrate für Juli 2011 betrug nach Berechnungen von Statistik Austria 3,5% (Juni, Mai, April jeweils 3,3%). Das war der höchste Wert seit September 2008 (3,8%). Eine erneut zunehmende Preisdynamik bei Mineralölprodukten war dafür hauptverantwortlich: Ohne Mineralölprodukte wäre die Inflationsrate bei 2,7% gelegen. Als weitere bedeutende Preistreiber erwiesen sich Ausgaben für Wohnen, Nahrungsmittel, Pauschalreisen sowie Restaurants und Hotels.

Der Indexstand des Verbraucherpreisindex 2010 (VPI 2010) für den Monat Juli 2011 betrug 103,3. Gegenüber dem Vormonat (Juni 2011) ging das durchschnittliche Preisniveau um 0,2% zurück.

Ausgaben für Tanken, Haushaltsenergie und Nahrungsmittel für zwei Fünftel der Inflation im Jahresabstand verantwortlich

Die Ausgabengruppe "Verkehr" (durchschnittlich +5,5%; Einfluss: +0,77 Prozentpunkte) erwies sich erneut als Hauptpreistreiber im Jahresabstand. Ausschlaggebend dafür waren die Treibstoffpreise, die um 17% höher als vor einem Jahr waren. Die Kosten für Wartung und Reparaturen von Pkw stiegen insgesamt um 4%. Neue Pkw verbilligten sich um 1%.

Für die durchschnittlichen Teuerungen in der Ausgabengruppe "Wohnung, Wasser und Energie" (durchschnittlich +3,2%; Einfluss +0,65 Prozentpunkte) waren hauptsächlich höhere Preise für Haushaltsenergie (insgesamt +5,9%, Heizöl +21%, Gas +10%, jedoch Strom 0%) verantwortlich. Ausgaben für die Instandhaltung von Wohnungen stiegen durchschnittlich um 2,9%, Wohnungsmieten um 3,3%.

Die Ausgabengruppe "Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke" (durchschnittlich +4,7%; Einfluss: +0,59 Prozentpunkte) wies deutliche Verteuerungen bei Nahrungsmitteln auf (durchschnittlich +4,0%; Molkereiprodukte und Eier +6%, Brot und Getreideerzeugnisse +4%, Obst +8%). Ebenfalls spürbar teurer als vor einem Jahr waren alkoholfreie Getränke (durchschnittlich +10,8%), wozu hauptsächlich die stark gestiegenen Kaffeepreise (+27%) beigetragen haben.

In der Ausgabengruppe "Restaurants und Hotels" stiegen die Preise durchschnittlich um 4,3% (Einfluss: +0,38 Prozentpunkte). Ausschlaggebend dafür waren teurere Bewirtungs- (durchschnittlich +3,4%) und Beherbergungsdienstleistungen (insgesamt +8,1%).

Minus 0,2% gegenüber Juni 2011 aufgrund von Schlussverkäufen

Hauptpreisdämpfer im Monatsabstand war die Ausgabengruppe "Bekleidung und Schuhe", die aufgrund des Sommerschlussverkaufs durchschnittliche Preisrückgänge von 13,1% aufwies (Einfluss: -0,78 Prozentpunkte). Insgesamt wurden Bekleidungsartikel um 16%, Schuhe um 8% billiger.

Die Ausgabengruppe "Freizeit und Kultur" (durchschnittlich +2,0%; Einfluss: +0,25 Prozentpunkte) war Hauptpreistreiber im Monatsabstand. Dazu trugen vor allem saisonbedingt teurere Pauschalreisen (insgesamt +8,2%) bei.

In der Ausgabengruppe "Restaurants und Hotels" waren die durchschnittlichen Teuerungen von 1,7% gegenüber Juni (Einfluss: +0,15 Prozentpunkte) überwiegend auf hauptsaisonbedingte Preisanstiege bei Beherbergungsdienstleistungen zurückzuführen (insgesamt 7,8%).

Teuerung laut harmonisiertem Verbraucherpreisindex im Juli 2011: +3,8%

Der Indexstand des auf europäischer Ebene harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI 2005) lag im Juli 2011 bei 113,22. Die harmonisierte Inflationsrate wies im Jahresabstand mit 3,8% (Juni, Mai, April jeweils 3,7%) einen gleich hohen Wert wie zuletzt im Juli 2008 auf und war wieder deutlich höher als jene des nationalen VPI. Der Unterschied zum VPI von 0,3 Prozentpunkten war überwiegend auf die deutlichen Preisanstiege in der Ausgabengruppe "Restaurants und Hotels" und "Bekleidung und Schuhe" sowie bei Treibstoffen zurückzuführen (jeweils höhere Gewichtsanteile im HVPI als im VPI). Versicherungsdienstleistungen und die Instandhaltung von Wohnungen, die beide unterdurchschnittliche Veränderungsraten aufwiesen (jeweils geringere Gewichtsanteile im HVPI als im VPI), wirkten hingegen insgesamt dämpfend auf den HVPI (siehe methodische Informationen).

Teuerung laut Preisindex für Pensionistenhaushalte im Juli 2011: +3,6%

Die Teuerungsrate des Preisindex für Pensionistenhaushalte (PIPH 2010) betrug im Juli 2011 3,6% (Juni 3,5%, Mai und April jeweils 3,4%). Das war der höchste Wert seit September 2008 (3,9%). Der Indexstand lag im Juli 2011 bei 103,4. Die Differenz zum VPI von 0,1 Prozentpunkten war vor allem auf Teuerungen bei Krankenhaus- und Sozialschutzdienstleistungen sowie bei Heizöl und Nahrungsmitteln zurückzuführen (jeweils höherer Gewichtsanteil im PIPH). Preisanstiege bei Treibstoffen, in der Ausgabengruppe "Restaurants und Hotels" sowie bei Pauschalreisen (jeweils geringerer Gewichtsanteil im PIPH) schlugen im PIPH weniger durch als im VPI.

Inflation beim täglichen und wöchentlichen Einkauf deutlich über durchschnittlichem Preisanstieg

Das Preisniveau des Mikrowarenkorbes, der überwiegend Nahrungsmittel enthält und den täglichen Einkauf repräsentiert, stieg im Juli um 3,9% im Jahresabstand (Juni 4,1%). Das Preisniveau des Miniwarenkorbes, der einen wöchentlichen Einkauf widerspiegelt und deshalb neben Nahrungsmitteln und Dienstleistungen auch Treibstoffe enthält, erhöhte sich im 12-Monatsvergleich um 6,9% (Juni 6,3%).

Weitere Informationen zum VPI und HVPI, HVPI-KS und PIPH sowie zum aktuellen Warenkorb und zur Gewichtung, zur Revision und zu den verketteten Indexreihen finden Sie auf unserer Internetseite.

Den Wertsicherungsrechner mit und ohne Schwellenwert finden Sie unter: Wertsicherungsrechner

Methodische Informationen, Definitionen: Im Basisjahr einer Indexperiode wird die durchschnittliche Jahresmesszahl auf 100 normiert. Die Indexreihe wird mit dem Basisjahr bezeichnet, d. h. die durchschnittliche Messzahl des Verbraucherpreisindex 2010 (VPI 2010) beträgt im Jahr 2010 100,0. Der HVPI wird weiterhin auf Basis 2005 veröffentlicht, weil das Basisjahr auf europäischer Ebene erst zu einem späteren Zeitpunkt umgestellt wird. 
Als Inflationsrate wird die durchschnittliche Preisentwicklung im 12-Monatsabstand bezeichnet.  
Einfluss = Veränderungsrate x Gewicht der betreffenden Position.  
Der Basiseffekt ist ein statistisches Phänomen und betrifft den Einfluss des vergleichbaren Bezugszeitpunktes (Basis) auf die aktuelle Preisentwicklung. Der Basiseffekt spielt insbesondere bei der Interpretation der Veränderungsraten zum Vorjahr eine Rolle. Die Höhe der Teuerungsrate eines bestimmten Monats hängt nicht nur von der aktuellen Preisentwicklung ab, sondern auch vom Preisniveau des Vorjahres. Gab es in der vergleichbaren Vorjahresperiode einen (vorübergehenden) starken Preisanstieg, so wird die aktuelle Teuerungsrate tendenziell niedriger, gegebenenfalls auch rückläufig ausfallen. Selbst bei unveränderter Preisentwicklung im aktuellen Monat gegenüber dem Vormonat kann die zugehörige Teuerungsrate aufgrund des statistischen Basiseffektes variieren.  
Konzeptunterschiede VPI/HVPI: Eigentümergenutztes Wohnen ist nur im VPI enthalten, im HVPI sind Ausgaben für Eigentumswohnungen nicht enthalten. Die Instandhaltung von Wohnungen ist im HVPI geringer gewichtet als im VPI. Die Ausgaben ausländischer Touristen sind nur im HVPI enthalten. Deshalb sind Bekleidung und Schuhe, Treibstoffe, Flugtickets, Bewirtungs- und Beherbergungsdienstleistungen im HVPI höher gewichtet als im VPI. Preismessung von Versicherungsdienstleistungen: Sowohl im HVPI als auch im VPI werden die von den Haushalten gezahlten Brutto-Prämien für die monatliche Preismessung herangezogen. In der VPI-Gewichtung sind Versicherungsdienstleistungen mit dem Brutto-Anteil berücksichtigt, im HVPI-Gewichtungsschema abzüglich der Schadenszahlungen der Versicherungen an die privaten Haushalte (Netto-Konzept).

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Volkswirtschaft, Statistik Austria:  
Mag. Alexandra SCHINDLAR, Tel. +43 (1) 71128-8067 bzw. alexandra.schindlar@statistik.gv.at und  
Mag. Michaela BÖTTCHER, Tel. +43 (1) 71128-7187 bzw. michaela.boettcher@statistik.gv.at

Tabelle 1: Indexstände und Veränderungsraten für Gesamtindizes und COICOP-Hauptgruppen 1)
Index/AggregatVeränderungEinflussIndex
Juli 
2011/ 
Juli 
2010
Juli 
2011/ 
Juni 
2011
Juni 
2011/ 
Juni 
2010
Juli 
2011/ 
Juli 
2010
Juli 
2011/ 
Juni 
2011
Juli 
20112)
Juni 
20113)
+/- %+/-  
Prozentpunkte
Basisjahr 2010
Verbraucherpreisindex 2010 (gesamt)3,5-0,23,3--103,3103,5
Mikrowarenkorb (täglicher Einkauf; Basis 2005) 3,90,24,1--118,6118,4
Miniwarenkorb (wöchentlicher Einkauf; Basis 2005) 6,90,36,3--121,6121,2
Index ohne Saisonwaren 20103,5-0,23,3--103,4103,6
Index der Saisonwaren 20102,9-4,66,2--97,9102,6
Index für den privaten 
Pkw-Verkehr 2010 4)
5,80,25,5--106,0105,8
Preisindex für Pensionistenhaushalte 2010 5)3,6-0,33,5--103,4103,7
Harmonisierter Verbraucherpreisindex 2005 6) 3,8-0,43,7--113,22113,64
Harmonisierter Verbraucherpreisindex zu konstanten Steuersätzen 2005 7)-------
COICOP-Hauptgruppen (VPI) 2010       
01 Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke4,70,14,40,5860,011104,0103,9
02 Alkoholische Getränke und Tabak4,00,43,60,1330,013104,6104,2
03 Bekleidung und Schuhe3,5-13,13,00,071-0,78391,5105,3
04 Wohnung, Wasser, Energie3,20,32,90,6500,051103,3103,0
05 Hausrat und laufende Instandhaltung des Hauses 1,80,11,30,1570,010101,8101,7
06 Gesundheitspflege2,00,02,00,0850,000102,1102,1
07 Verkehr5,50,15,50,7730,008105,8105,7
08 Nachrichtenübermittlung1,4-0,51,90,033-0,008101,0101,5
09 Freizeit und Kultur2,42,02,60,2460,246105,6103,5
10 Erziehung und Unterricht3,20,03,20,0440,000102,6102,6
11 Restaurants und Hotels4,31,73,90,3840,146105,4103,6
12 Verschiedene Waren und Dienstleistungen3,30,33,10,3390,034103,4103,1

 

Tabelle 2: Wichtigste Preisänderungen im Juli 2011 gegenüber dem Vorjahr
IndexpositionVeränderung 
gegenüber 
Juli 2010
Einfluss auf 
Vorjahresveränderung
+/- %+/- Prozentpunkte
Preistreiber  
Dieseltreibstoff19,30,415
Flugpauschalreisen12,10,275
Superbenzin14,20,234
Heizöl extra leicht / Großabnahme21,00,169
Wohnungsmiete (alle Kategorien)3,30,142
Preissenker  
Damen-Bluse-3,9-0,071
Notebook-14,9-0,044
PKW, Neuwagen-0,9-0,036
Kosten für Eigentumswohnung-6,3-0,030
Digitalkompaktkamera-18,9-0,026
Tabelle 3: Wichtigste Preisänderungen im Juli 2011 gegenüber dem Vormonat
IndexpositionVeränderung 
gegenüber 
Juni 2011
Einfluss auf  
Vormonatsveränderung
+/- %+/- Prozentpunkte
Preistreiber  
Flugpauschalreisen16,40,350
Übernachtung im Ausland (Apartment)21,40,104
Wohnungsmiete (alle Kategorien)0,40,019
Bohnenkaffee4,20,018
DVD-Film21,30,017
Preissenker  
Städteflug-17,4-0,105
Damen-Bluse-22,6-0,089
Damen-Jacke-23,1-0,073
Herren-Jacke-21,2-0,061
Damen-Shirt-21,3-0,050

 

Tabelle 4: Sonderaggregate des Verbraucherpreisindex 2010 nach COICOP
Sonderaggregate, 1) 
Güter und Dienstleistungen
VeränderungEinflussIndex
Juli 
2011/ 
Juli 
2010
Juli 
2011/ 
Juni 
2011
Juli 
2011/ 
Juli 
2010
Juli 
2011/ 
Juni 
2011
Juli 
2011 2)
Juni 
2011 3)
+/- %+/-  
Prozentpunkte
Basisjahr 2010
A,E,F,SGESAMTINDEX (VPI)3,5-0,2--103,3103,5
A,E,FGüter3,7-1,32,107-0,708102,5103,8
A,EIndustriegüter und Energie3,4-1,81,388-0,732101,8103,7
AIndustriegüter1,4-2,50,422-0,75899,4101,9
A1Kurzlebige Industriegüter2,50,60,2720,061102,5101,9
A2Halbdauerhafte Industriegüter2,6-7,70,174-0,78195,8103,8
A3Dauerhafte Industriegüter-0,1-0,3-0,024-0,038100,0100,3
EEnergie10,80,40,9660,026111,2110,8
E1Elektrizität, Gas, feste Brennstoffe, Fernwärme3,00,20,1260,007103,0102,8
E2Mineralölprodukte17,50,40,8400,019118,3117,8
F
Lebensmittel, Tabak, Alkohol4,60,20,7190,024104,2104,0
F1Verarbeitete Lebensmittel und Alkohol5,10,60,5380,059105,2104,6
F2Saisonwaren (Obst, Gemüse, Fisch)3,7-3,00,078-0,071100,3103,4
F3Fleisch- und Wurstwaren3,71,40,1040,036103,8102,4
SDienstleistungen3,11,01,3960,436104,2103,2
S1Verkehrsdienstleistungen2,40,10,1410,003102,7102,6
S2Dienstleistungen zur Wohnung2,20,20,2790,028102,3102,1
S3Reisen und Unterkunft9,18,00,4040,366121,2112,2
S4Restaurants und Dienstleistungen (Freizeit)2,50,30,3040,035102,5102,2
S5Kommunikationsdienstleistungen2,5-0,40,053-0,005102,1102,5
S6Dienstleistungen zu Gesundheit, Erziehung, Sozialschutz sowie sonstige Dienstleistungen2,40,10,2130,009102,4102,3

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