Pressemitteilung: 9.804-246/10

Zwei Drittel der jungen Erwachsenen gelingt Berufseinstieg innerhalb von 3 Monaten nach Ausbildungsende

Wien, 2010-11-05 – Unter den 15- bis 34-Jährigen, die ihre Schulbildung bereits beendet haben, gelingt rund zwei Drittel der jungen Erwachsenen ein rascher Berufseinstieg, Männern (76%) häufiger als Frauen (55%). Wie die Studie "Eintritt junger Menschen in den Arbeitsmarkt" von Statistik Austria belegt, erweisen sich soziale Netzwerke im Familien- und Bekanntenkreis für 30% der Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger als die wichtigste Zugangsmöglichkeit in die erste stabile Beschäftigung.

Rascher Berufseinstieg gelingt Männern öfter als Frauen

Für 65% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen vollzieht sich der Übergang von der Ausbildung in den ersten stabilen Job relativ nahtlos. D. h., der erste Job wurde noch während der Ausbildung oder maximal drei Monate nach Ausbildungsende begonnen oder die hauptsächliche Tätigkeit während der Übergangsdauer bestand in der Absolvierung des Präsenz- bzw. Zivildienstes. Werden nur jene Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger betrachtet, deren Eintritt ins Erwerbsleben nicht bzw. nicht überwiegend durch den Präsenz- oder Zivildienst verzögert wird, so zeigt sich, dass Männern öfter ein schneller Berufseinstieg gelingt als Frauen: Rund drei Viertel (76%) der jungen Männer, aber nur jeder zweiten Frau, gelingt binnen der ersten drei Monate nach Ausbildungsende der Berufseinstieg. Die Probleme formal gering qualifizierter Jugendlicher (ohne über die Pflichtschule hinausgehenden Abschluss), am Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, zeigen sich einmal mehr in der Tatsache, dass es nur jeder bzw. jedem Vierten (25%) aus dieser Gruppe gelingt, gleich nach der Schule einen ersten Job zu bekommen. Für junge Erwachsene ohne österreichische Staatsbürgerschaft vollzieht sich der Berufseinstieg wesentlich seltener innerhalb der ersten drei Monate als bei Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft (40% im Vergleich zu 70%).

Zwischen Ausbildungsende und Berufseinstieg vergehen durchschnittlich neun Monate

Von allen jungen Erwachsenen, die das formale Schul- und Ausbildungssystem verlassen haben, beginnen 24% den ersten Job bereits vor oder zeitgleich mit ihrem Ausbildungsende. Bei den übrigen 76% vergehen im Durchschnitt (Median) neun Monate, bis sie in den Arbeitsmarkt eintreten. In diesem Wert sind auch Verzögerungen durch die Absolvierung des Präsenz- und Zivildienstes enthalten. Dies erklärt zu einem Teil auch die vergleichsweise kürzere Übergangsdauer zwischen Ausbildung und Beruf von Frauen: Für Frauen vergehen im Schnitt 6 Monate, für Männer 12 Monate bis zum ersten Job. Für Personen ohne österreichische Staatsbürgerschaft dauert es knapp drei Mal so lange bis nach Ausbildungsende der erste stabile Job aufgenommen wird wie für Österreicher (8 Monate). Besonders lange Übergangsperioden weisen Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss (3 Jahre und 6 Monate) auf, sowie Frauen, die zwischen Ausbildung und Beruf überwiegend mit Betreuungsaufgaben von Kindern oder Angehörigen beschäftigt sind.

Soziale Netzwerke sind die wichtigste Brücke in den Arbeitsmarkt

Soziale Netzwerke im Familien- und Bekanntenkreis erweisen sich für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger als die wichtigste Zugangsmöglichkeit in den ersten stabilen Job. Knapp ein Drittel (30%) der jungen Erwachsenen findet über Unterstützung von Familie, Freunden oder Bekannten den ersten Job. Mit 23% an zweiter Stelle steht – bedeutend vor allem für Personen, die eine Lehre abgeschlossen haben – die frühere Tätigkeit in derselben Firma. In etwas geringerem Umfang erfolgt der Arbeitsmarkteintritt über Inserate in Zeitung oder Internet (18%) sowie über Direkt- oder Blindbewerbungen (17%). Über das Arbeitsmarktservice finden fünf von hundert jungen Erwachsenen ihre erste stabile – länger als drei Monate dauernde – Tätigkeit.

Unter Personen mit höchstens Pflichtschulabschluss sind Familie, Freunde oder Bekannte als Zugangsweg in den Arbeitsmarkt besonders bedeutsam (54%), und unter Lehrabsolventinnen und -absolventen die frühere Tätigkeit in derselben Firma (39%). Für Personen mit Studienabschluss bilden Stellenausschreibungen in Zeitung und Internet (36%) die wichtigste Einstiegsvariante in den ersten stabilen Job. Netzwerke über Familie und Bekannte (23%) sind aber auch hier der zweitwichtigste Brückenschlag in den Arbeitsmarkt.

Methodische Informationen, Definitionen: Bei den hier präsentierten Ergebnissen handelt es sich um Daten aus einer EU-weiten Erhebung zum Thema "Eintritt junger Menschen in den Arbeitsmarkt", die in Österreich im Rahmen der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung im 2. Quartal 2009 durchgeführt wurde. Das internationale Frageprogramm wurde um zusätzliche Fragen im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz (BMASK) ergänzt. Zielgruppe der Befragung waren alle 15- bis 34-Jährigen. Hochgerechnet entspricht dies 2,095 Mio. Personen. Der Arbeitsmarkteintritt der befragten jungen Erwachsenen erfolgte zwischen Beginn der 1990er Jahre und dem 2. Quartal 2009. Als erster Job bzw. erster stabiler Job (erste Tätigkeit) werden im Rahmen dieser Erhebung jene beruflichen Tätigkeiten bezeichnet, die nach Ende der letzten Ausbildung begonnen wurden und die mehr als drei Monate gedauert haben. Diese erste stabile Erwerbstätigkeit kann auch schon während der Ausbildung begonnen worden sein, jedoch muss sie in diesem Fall nach Ende der Ausbildung noch angedauert haben. Als erster Job können nur bezahlte Tätigkeiten gelten bzw. Tätigkeiten als mithelfende Familienangehörige (jobs for pay or profit). Die Lehre gilt hier nicht als erste Erwerbstätigkeit, sondern zählt als Ausbildung. Ebenso zählen Präsenz- oder Zivildienst nicht als erste Erwerbstätigkeit. Unbezahlte Praktika zählen nicht als erster Job, sind sie jedoch bezahlt und dauern länger als drei Monate, gelten auch sie als erster Job. Eine weitere Einschränkung für ein erstes stabiles Beschäftigungsverhältnis (z. B. Stundenanzahl pro Woche, Höhe der Bezahlung) gibt es nicht. Der Zeitpunkt Ausbildungsende, der den Beginn der Übergangsperiode Ausbildung-Beruf bildet, bezieht sich auf die Beendigung der zuletzt besuchten Ausbildung bzw. auf das Verlassen des formalen Bildungssystems. Hierbei kann es sich um die letzte erfolgreich abgeschlossene oder auch um eine abgebrochene Schulbildung handeln. Die Bezeichnung Ausbildungsende kann, muss aber nicht ident sein mit dem Abschluss der höchsten abgeschlossenen Schulbildung. Die Übergangsdauer von der Ausbildung in den Beruf wurde mittels Überlebens- bzw. Verweildaueranalysen berechnet. Über dieses Verfahren werden nicht nur jene jungen Erwachsenen entsprechend berücksichtigt, deren Übergangsdauer bekannt ist (unzensierte Daten), weil sie bereits einen ersten Job gefunden haben, sondern auch jene, deren definitive Übergangsdauer noch unbekannt ist (zensierte Fälle), da sie noch keinen ersten Job gefunden haben.

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Brigitte HIRSCHBICHLER, Tel.: +43 (1) 71128-8275 bzw. brigitte.hirschbichler@statistik.gv.at und  
Mag. Käthe KNITTLER, Tel.: +43 (1) 71128-7906 bzw. kaethe.knittler@statistik.gv.at

 

Tabelle 1: Zeitliche Dauer des Übergangs von der Ausbildung in den ersten Job nach soziodemographischen Merkmalen und Geschlecht
 Personen mit erstem Job, plus Personen ohne ersten Job u. mehr als 3 Monate seit Ausbildungsende (ohne Präsenz-/Zivildienst1))Übergang zumindest ein Monat (unzensierte und zensierte Fälle)
insgesamtnahtloser2) oder schneller3) Übergangverzögerter Übergang4)hatte noch keinen ersten Job5)mittlere Übergangsdauer6) Median
in 1.000in %in Monaten
Insgesamt1.317,9
65,128,16,79,0
Geschlecht     
Männer643,1
75,720,24,112,1
Frauen674,8
55,135,79,35,7
Staatsangehörigkeit     
Österreich1.102,4
70,125,44,58,2
Nicht-Österreich215,5
40,042,117,923,1
EU 27 (ohne Österreich)83,5
54,037,5(8,4) 
Ehem. Jugoslawien (o. Slowenien)66,8
37,647,7(14,7) 
Türkei33,9
(19,8)47,2(33,0) 
Sonstige31,2
(29,5)(36,6)(33,9) 
Migrationshintergrund     
Ohne Migrationshintergrund1.029,5
71,224,64,27,8
Mit Migrationshintergrund288,4
43,540,516,019,6
Höchste abgeschlossene Schulbildung     
Pflichtschule172,2
24,848,626,642,4
Lehre583,1
76,021,03,08,5
BMS169,7
68,327,5(4,2)5,1
Höhere Schule233,2
66,130,1(3,8)9,1
Hochschulverw. Lehranst., Universität, Hochschule159,7
64,629,7(5,7)5,1

 

Tabelle 2: Häufigkeit und durchschnittliche Dauer (Median in Monaten) von zumindest dreimonatigen Übergangsphasen zwischen Ausbildungsende und erstem Job nach hauptsächlicher Tätigkeit und Geschlecht
 FrauenMännerFrauenMänner
in 1.000in % in 1.000 in %in Monaten1)
Insgesamt 307,0 100,0 366,5 100,022,416,8
Präsenz- oder Zivildienst .
.  203,1 55,4.15,4
Arbeitssuche  120,3 39,2 64,1
17,514,316,8
Kurzfristige bezahlte Jobs von bis zu drei Monaten60,4
19,739,9
10,916,525,0
Teilnahme an Kursen und Schulungen26,4
8,6  16,1 4,420,626,2
Betreuung von Kindern und/oder anderen Angehörigen43,4
14,1(x)(x)81,8(x)
Anderes56,5
18,4 41,8
11,423,925,7
Tabelle 3: Personen (15 bis 34 Jahre) mit erstem Job nach Methode, wie der erste Job gefunden wurde, soziodemographischen Merkmalen und Geschlecht
  Insgesamt Methode, mit der der erste Job gefunden wurde
Stellen- 
anzeigen in Zeitungen oder Internet
Arbeits- 
amt (AMS)
Direkt- oder Blind- 
bewerbung
Familie, Freunde und Bekannte   über eine frühere Tätigkeit in der selben Firma Bildungseinrichtung, z.B. Schule, Universität Gründung einer eigenen Firma, Firmenübernahme Sonstiges
in 1.000in %
Insgesamt1.229,1
17,6 5,1 17,3 30,2 22,6 3,2 1,4 2,6
Geschlecht         
Männer616,9
14,7
4,5
14,2
32,7
27,0
2,5
(1,5)2,9
Frauen612,3
20,5
5,8
20,3
27,7
18,2
4,0
(1,2)2,3
Staatsangehörigkeit         
Österreich1.052,3
17,8
5,1
17,3
28,0
24,4
3,5
(1,2)2,7
Nicht-Österreich176,8
16,3
(5,1)16,8
43,2
12,2
(x)(x)(x)
EU 27 (ohne Österreich) 76,5
19,3
(x)(14,8) 39,3
(12,5)(x)(x)(x)
Ehem. Jugoslawien (o. Slowenien) 57,0
(10,5)(x)(16,9) 48,4
(15,5)(x)(x)(x)
Türkei 22,7
(x)(x)(x)(52,0)(x)(x)(x)(x)
Sonstige 20,6
(26,9)(x)(x)(33,7)(x)(x)(x)(x)
Migrationshintergrund         
Ohne Migrationshintergrund 986,7
17,8
5,2
17,4
27,2
24,9
3,6
(1,2)2,7
Mit Migrationshintergrund 242,4
16,8
(5,0)16,7
42,3
13,2
(x)(x)(2,3)
  Erste Generation 200,8
15,6
(5,2)16,6
43,8
12,8
(x)(x)(x)
  Zweite Generation41,7
(22,5)(x)(17,4) 34,8
(15,4)(x)(x)(x)
Höchste abgeschlossene Schulbildung         
Pflichtschule126,4
14,4
(9,0)17,0
54,0
(x)(x)(x)(x)
Lehre 565,3
11,3
5,6
14,4
25,6
38,7
(1,8)(1,1)(1,6)
BMS162,5
19,6
(5,6) 22,9
30,1
12,9
(5,2)(x)(x)
Höhere Schule 224,3
28,1
(4,2)19,5
33,5
7,6
(3,2)(x)(2,8)
  AHS 55,2
(24,4)(x)(19,3) 38,4
(x)(x)(x)(x)
  BHS 169,1
29,3
(4,6)19,5
31,8
8,5
(3,2)(x)(x)
Hochschulverw. LA., Universität, Hochschule150,6
26,4
(x)18,9
22,8
12,0
(8,8)(3,6)(6,6)

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