Pressemitteilung:
9.718-160/10
Wien, 2010-07-16 –
Nach Berechnungen der Statistik Austria verzeichnete die österreichische
Wirtschaft im Jahr 2009 einen realen Rückgang von -3,9%. Die weltweite
Wirtschafts- und Finanzkrise, die sich bereits 2008 in einer Verlangsamung
des Wachstums niederschlug, führte somit zum stärksten Einbruch der
österreichischen Wirtschaft seit dem Ende des zweiten Weltkriegs. Auch
im internationalen Vergleich zeigten sich die schwierigen Rahmenbedingen.
Der durchschnittliche reale Rückgang in den EU-Mitgliedsländern betrug
-4,2%, jener der Eurozone (Euro-16) lag bei -4,1% (Quelle: Eurostat Datenbank,
Juli 2010). Die OECD-Länder verzeichneten im Durchschnitt einen Rückgang
von -3,3% (Quelle: OECD, Main Economic Indicators, Juni 2010). Die Wachstumseinbrüche
für Österreichs wichtigste Handelspartner fielen mit -4,9% für Deutschland
und -5,0% für Italien sogar noch stärker aus.
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging 2009 zu laufenden
Preisen um 8,8 Mrd. Euro (-3,1%) auf rund 274,3 Mrd. Euro zurück. Das BIP
pro Einwohner betrug 32.800 Euro (-3,4%).
Vom Produktionsansatz nach Wirtschaftsbereichen betrachtet,
lässt sich der mit Abstand stärkste reale Rückgang (-14,3%) in der
Sachgüterproduktion feststellen, die aufgrund ihrer Exportorientierung
sehr stark vom internationalen wirtschaftlichen Umfeld abhängig ist.
Der Bereich Verkehr und Nachrichtenübermittlung verzeichnete mit einem
realen Minus von -9,1% ebenfalls einen massiven Einbruch. Davon waren
Personen- und Güterverkehr gleichermaßen betroffen, ebenso die Kommunikationsdienstleistungen.
Reale Zuwächse verzeichneten lediglich die Energie- und Wasserversorgung
(+5,8%) sowie das Kredit- und Versicherungswesen (ebenfalls +5,8%).
Obwohl auch der Dienstleistungssektor insgesamt real um -1,6% zurückging,
wurde er von der Krise wesentlich weniger stark getroffen als der Produktionssektor
(real -10,5%).
Der massive Rückgang in der Sachgüterproduktion
spiegelte sich verwendungsseitig in einem dramatischen Einbruch der
Exporte wider. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen, die die Konjunktur
in den letzten Jahren maßgeblich gestützt hatten, entwickelten sich
schon 2008 deutlich gedämpft und lagen im Jahr 2009 nominell um -17,3%
bzw. real um -16,1% unter dem Vorjahresniveau. Auch die Nachfrage nach
Investitionsgütern verzeichnete einen starken Rückgang. Die Bruttoinvestitionen
verringerten sich real um -12,7%. Die Bruttoanlageinvestitionen gingen
gegenüber dem Vorjahr real um -8,8% zurück. Sowohl bei den Fahrzeuginvestitionen
(real -19,2%) als auch bei den Maschineninvestitionen (real -12,9%) war
ein signifikanter Rückgang zu beobachten. Trotz eines eher moderaten
Wachstums von real +1,1% waren die Konsumausgaben insgesamt wie schon
2008 das am stärksten wachsende Endnachfrageaggregat. Die Konsumausgaben
der privaten Haushalte verzeichneten ein reales Plus von +1,5%, das
nominelle Wachstum betrug bei einer moderaten Entwicklung der Verbraucherpreise
+0,6%. Die Konsumausgaben des Staates (öffentlicher Konsum) lagen nominell
um +3,5% über dem Vorjahresniveau, was einer realen Steigerung von
+0,4% entsprach.
Das verfügbare Nettoeinkommen der Volkswirtschaft
zu laufenden Preisen verzeichnete 2009 einen Rückgang von -4,1% auf
224,3 Mrd. Euro. Das reale verfügbare Einkommen, das auch die Verschiebung
der Kaufkraft der österreichischen Volkswirtschaft gegenüber der restlichen
Welt berücksichtigt, ging um -4,5% zurück. Das Arbeitnehmerentgelt
(die Summe aller Geld- und Sachleistungen von Arbeitgebern an Arbeitnehmer)
stieg um +0,9%, während Bruttobetriebsüberschuss und Selbständigeneinkommen
mit einem Minus von -8,6% deutlich unter dem Vorjahresniveau lagen.
Der "BIP-Deflator" (der implizite Preisindex,
errechnet aus nominellem und realem Bruttoinlandsprodukt auf Vorjahrespreisbasis)
betrug 100,8. Der gesamtwirtschaftliche Preisauftrieb entwickelte sich
also etwas stärker als der Verbraucherpreisindex (+0,5%).
Detaillierte Ergebnisse bzw. weitere Informationen
zum Thema finden Sie auf unserer Webseite.
Methodische
Informationen, Definitionen: Die nach dem standardisierten Europäischen
System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 1995) erstellten
Berechnungen entsprechen der mit EU-Verordnung für alle Mitgliedsländer
festgelegten Verpflichtung, Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen
(VGR) innerhalb der Europäischen Union nach einheitlichen Konzepten
und Methoden zu erstellen. |
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Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion
Volkswirtschaft, Statistik Austria:
Mag. Ursula HAVEL, Tel.: +43 (1) 71128-7648 bzw. ursula.havel@statistik.gv.at
| | 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | 2005 | 2006 | 2007 | 2008 | 2009 |
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| BIP,
nominell, Mrd. EUR | 212,50 | 218,85 | 223,30 | 232,78 | 243,58 | 256,95 | 272,01 | 283,09 | 274,32 |
|---|
| %
zum Vorjahr | 2,4 | 3,0 | 2,0 | 4,2 | 4,6 | 5,5 | 5,9 | 4,1 | -3,1 |
|---|
| %
zum Vorjahr, real | 0,5 | 1,6 | 0,8 | 2,5 | 2,5 | 3,6 | 3,7 | 2,2 | -3,9 |
|---|
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