9.475-193/09
Wien, 2009-09-18
- Im zweiten Quartal 2009 waren in Österreich nach den Ergebnissen
der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria 4.080.300
Personen erwerbstätig, davon 3.532.100 als Unselbständige. Mit einem
Minus von rund 28.000 gegenüber dem Vorjahresquartal ist die Zahl der
Erwerbstätigen erstmals seit Jahren im zweiten Quartal im Jahresabstand
zurückgegangen.
Eine Analyse der Arbeitszeit machte die schwierige
Arbeitsmarktlage besonders deutlich sichtbar: Im zweiten Quartal 2009
wurden um 77.300 Vollzeiterwerbstätige weniger erfasst als im selben
Quartal des Vorjahres. Demgegenüber gab es – dem langfristigen Trend
entsprechend – einen weiteren Zuwachs an Teilzeitbeschäftigten um
49.500. Dies bedeutet de facto eine stärkere Reduktion der Beschäftigung
als der erste Blick vermittelt.
Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-Jährigen
(d.i. der Anteil der Erwerbstätigen an der gleichaltrigen Bevölkerung)
lag mit 71,7% unter dem Vorjahresniveau (72,3%). Ein weiteres Zeichen
der derzeitigen konjunkturellen Schwäche ist der deutliche Anstieg
der Arbeitslosigkeit. Die Zahl der nach internationaler Definition ermittelten
Arbeitslosen befand sich mit 198.800 im zweiten Quartal 2009 um 53.000
Personen über jener des Vorjahresquartals. Die Arbeitslosenquote nach
internationaler Definition betrug 4,6% und lag damit um 1,2 Prozentpunkte
höher als vor einem Jahr.
Verglichen mit dem ersten Quartal 2009 gab es einen im zweiten
Quartal eines Jahres üblichen, saisonal bedingten Anstieg der Erwerbstätigkeit.
Dieser fiel jedoch geringer aus als in den Vorjahren. Die Zahl der Erwerbstätigen
erhöhte sich im Quartalsabstand (nicht saisonbereinigt) um 58.600 Personen,
davon 34.700 Vollzeit- und 23.900 Teilzeitstellen. Die Zahl der Arbeitslosen
und auch die Arbeitslosenquote blieben gegenüber dem Vorquartal praktisch
unverändert. Der gewohnte, saisonbedingte Rückgang der Arbeitslosigkeit
blieb im zweiten Quartal 2009 damit aus. In dieses Bild fügt sich auch
die sinkende Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften, also der
Rückgang der Zahl offener Stellen von rund 58.000 im 1. Quartal auf
51.000 im 2. Quartal 2009.
Merklicher Abbau von Vollzeitstellen
Im aktuellen Quartal wurden 77.300 Vollzeiterwerbstätige (–2,5%)
weniger gezählt als im Vorjahr. Der Abbau der Vollzeitstellen betraf
54.500 Arbeitsplätze von unselbständig Beschäftigten und 22.800 Selbständige
oder Mithelfende. Teilzeitarbeitsplätze konnten nur bei unselbständig
Beschäftigten (+54.500 d.s. gleich viele wie der Verlust an Vollzeitstellen)
dazugewonnen werden.
Beschäftigungsrückgänge gegenüber dem Vorjahresquartal
wurden vor allem in den Branchen "Herstellung von Waren",
"Bau" und "Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen"
verzeichnet. Bei den Selbständigen/Mithelfenden betraf die Reduktion
besonders die Bereiche "Land- und Forstwirtschaft" sowie "Beherbergung
und Gastronomie". Nennenswerte Beschäftigungszuwächse erreichten
die Wirtschaftsabschnitte "Erziehung und Unterricht" und das
"Gesundheits- und Sozialwesen".
Männer von Krise stärker betroffen als Frauen
Die Entwicklung verlief bei Frauen und Männern sehr unterschiedlich:
Männer waren auch im zweiten Quartal 2009 von der Wirtschaftskrise
offenbar stärker betroffen. So konnten Frauen gegenüber dem Vorjahresquartal
insgesamt ein Beschäftigungsplus von 28.300 Personen erzielen, während
Männer eine Beschäftigungsreduktion von 56.100 Personen hinnehmen
mussten. Allerdings wurden auch bei den Frauen Vollzeitstellen abgebaut
(–16.300), sie konnten jedoch 44.500 Teilzeitstellen zusätzlich besetzen.
Männer verloren 61.000 Vollzeitarbeitsplätze, konnten aber nur wenige
Teilzeitplätze (rund +5.000) mehr verbuchen.
Unveränderte Zahl unselbständig Beschäftigter, aber große
Umschichtungen
Der Arbeitsmarkt war im Jahresvergleich von unterschiedlichen
Entwicklungen geprägt. Zum einen gab es zwischen Frauen und Männern
gegenteilige Tendenzen: Im ersten Quartal 2009 wurden 37.700 unselbständig
erwerbstätige Männer weniger gezählt als im ersten Quartal 2008,
während Frauen einen Beschäftigungszuwachs in gleicher Höhe verzeichneten.
Zum anderen gingen bei den unselbständig Beschäftigten 54.500 Vollzeitarbeitsplätze
verloren, die durch einen gleich großen Anstieg bei Teilzeitkräften
die Gesamtzahl der Unselbständigen unverändert ließen. Im zweiten
Quartal 2009 gab es 459.000 Selbständige und 89.200 Mithelfende und
damit um jeweils 14.000 Personen weniger als ein Jahr zuvor.
Geringeres Arbeitsvolumen als im Vorjahr
Die wirtschaftliche Verschlechterung zeigte sich auch in einer
Abnahme der geleisteten Arbeitsstunden. Verglichen mit dem zweiten Quartal
2008 blieb das Ausmaß an tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden in
diesem Jahr in der Haupttätigkeit (1,8 Milliarden, d. s. minus 100 Millionen)
unter dem vorjährigen Volumen. Die Überstundenleistung verminderte
sich um 13 Millionen Stunden auf 81 Millionen, die Zahl der Überstunden
leistenden Personen sank von 861.000 auf 754.000. Die durchschnittliche
geleistete Überstundenanzahl pro Person blieb jedoch mit 8,2 Stunden
nahezu unverändert (2008: 8,3 Stunden).
Kräftiger Anstieg der Arbeitslosigkeit, besonders bei Männern
Mit 110.800 arbeitslosen Männern und einer Arbeitslosenquote
von 4,8% erhöhten sich Zahl und Quote im Vergleich zum Vorjahresquartal
um 38.300 bzw. 1,7 Prozentpunkte. Die Anzahl der arbeitslosen Frauen
betrug 88.000, ihre Arbeitslosenquote 4,4% und lag somit ebenfalls über
dem Vorjahr (73.400 bzw. 3,8%). Der Anstieg bei den Frauen fiel damit
allerdings nicht so drastisch aus wie bei den Männern. Vom Anwachsen
der Arbeitslosenzahl waren alle Altersgruppen betroffen, am größten
war die Erhöhung jedoch bei den Jugendlichen. Ihre Situation wird zunehmend
schwieriger. Die 15- bis 24-Jährigen verzeichneten einen Anstieg der
Arbeitslosenzahl (+18.700) auf 58.400 und eine Erhöhung der Arbeitslosenquote
um 3,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr auf nunmehr 10,0%. Ihre
Arbeitslosenquote ist damit gut doppelt so hoch wie im Durchschnitt
(4,6%). Ab der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen sinkt die Arbeitslosenquote
unter den Durchschnitt. So wurde unter den 55- bis 64-Jährigen nach
internationalen Definitionen nur eine Arbeitslosenquote von 2,4% ermittelt.
Das erhöhte Risiko arbeitslos zu werden, verschärfte sich unter den
Erwerbspersonen mit ausländischer Staatsangehörigkeit: 9,4% waren
ohne Arbeit, mehr als doppelt so viele wie unter den Personen mit österreichischer
Staatsbürgerschaft (4,1%).
Höchste Arbeitslosenquote in Wien, niedrigste Quoten in Tirol
und Salzburg
Regional gesehen war die Arbeitslosenquote im zweiten Quartal
2009 in Wien (7,4%) am höchsten. Danach folgten Kärnten (4,8%), Vorarlberg
(4,8%), die Steiermark (4,5%), Oberösterreich (4,1%), Niederösterreich
und das Burgenland (jeweils 3,8%). Traditionell niedrige Arbeitslosenquoten
ergaben sich in Salzburg (3,3%) und Tirol (2,6%). Alle Bundesländer
verzeichneten einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr.
| | Quartale |
|---|
| 2/2009 | 1/2009 | 4/2008 | 3/2008 | 2/2008 |
|---|
| Erwerbstätigkeit nach EU-Konzept | | | | | |
|---|
| Erwerbstätige
insgesamt | 4.080.300 | 4.021.700 | 4.097.000 | 4.138.400 | 4.108.100 |
|---|
| Erwerbstätigenquote1)
der 15- bis 64-Jährigen | 71,7% | 70,8% | 72,2% | 72,8% | 72,3% |
|---|
|
Männer | 76,9% | 75,4% | 78,4% | 79,5% | 79,0% |
|---|
|
Frauen | 66,6% | 66,3% | 66,1% | 66.3% | 65,7% |
|---|
| Teilzeitquote2)
insgesamt | 24,9% | 24,7% | 23,8% | 22,8% | 23,6% |
|---|
|
Männer | 8,8% | 8,4% | 8,1% | 7,8% | 8,3% |
|---|
|
Frauen | 43,6% | 43,3% | 42,3% | 40,7% | 41,9% |
|---|
| Teilzeit
als Anteil der Personen mit bis zu 35 Stunden wöchentlicher Normalarbeitszeit | 25,9% | 26,0% | 24,9% | 23,9% | 24,7% |
|---|
| Unselbständig
Erwerbstätige | 3.532.100 | 3.485.200 | 3.551.400 | 3.567.100 | 3.532.100 |
|---|
|
Männer | 1.843.100 | 1.804.200 | 1.881.200 | 1.897.900 | 1.880.700 |
|---|
|
Frauen | 1.689.000 | 1.680.900 | 1.670.100 | 1.669.300 | 1.651.300 |
|---|
| Teilzeitquote2)
Unselbständige Insgesamt | 24,9% | 24,7% | 23,6% | 22,6% | 23,4% |
|---|
|
Männer | 7,4% | 7,0% | 6,7% | 6,3% | 6,4% |
|---|
|
Frauen | 44,0% | 43,6% | 42,7% | 41,2% | 42,6% |
|---|
| Arbeitslosigkeit nach EU-Konzept | | | | | |
|---|
| Arbeitslose
insgesamt | 198.800 | 196.700 | 168.800 | 159.300 | 145.800 |
|---|
| Arbeitslosenquote3)
insgesamt) | 4,6% | 4,7% | 4,0% | 3,7% | 3,4% |
|---|
|
Männer | 4,8% | 5,0% | 3,6% | 3,4% | 3,1% |
|---|
|
Frauen | 4,4% | 4,3% | 4,4% | 4,1% | 3,8% |
|---|
Staatsangehörigkeit
| | | | | |
|---|
|
Österreich | 4,1% | 3,9% | 3,4% | 3,3% | 3,0% |
|---|
|
Ausland | 9,4% | 10,7% | 8,2% | 7,1% | 7,1% |
|---|
| Jugendliche
(15-24 Jahre) | 10,0% | 9,2% | 9,0% | 8,2% | 6,8% |
|---|
| Ältere
(55 bis 64 Jahre) | 2,4% | 2,5% | 2,1% | 1,7% | 2,4% |
|---|
| Offene Stellen | | | | | |
|---|
| Absolut | 50.800 | 57.900 | - | - | - |
|---|
| Offene-Stellen-Quote4) | 1,4% | 1,6% | - | - | - |
|---|
|
Methodische Informationen, Definitionen: Bei den hier präsentierten
Ergebnissen handelt es sich um Daten aus dem Programm der "Europäischen
Arbeitskräfteerhebung", die in Österreich im Rahmen des Mikrozensus
durchgeführt wird. Der Mikrozensus ist eine Stichprobenerhebung in
Haushalten, wobei Woche für Woche ca. 1.500 Haushalte befragt werden.
Die Europäische Arbeitskräfteerhebung findet in allen Mitgliedsländern
der EU statt. Dabei werden in zufällig ausgewählten privaten Haushalten
in standardisierter Form Informationen zu Erwerbstätigkeit und der
Suche nach Arbeit erhoben. Diese Daten werden anschließend auf die
jeweilige Bevölkerungszahl hochgerechnet. Als erwerbstätig gelten
nach dem hier angewandten internationalen Richtlinien Personen, die
in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder zwar
wegen Urlaub, Krankheit usw. nicht gearbeitet haben, aber normaler Weise
einer Beschäftigung nachgehen. Als arbeitslos gelten Personen, die
im Sinne dieses Konzeptes nicht erwerbstätig sind, innerhalb der nächsten
beiden Wochen nach der Referenzwoche eine Arbeit aufnehmen können und
während der vier vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben
oder nur deshalb nicht gesucht haben, weil sie bereits eine Arbeit gefunden
haben, die sie innerhalb von drei Monaten aufnehmen werden. Das Statistische
Amt der Europäischen Union (Eurostat) verwendet diese Informationen
u.a. um saisonbereinigte monatliche Schätzungen der Arbeitslosenquoten
für die Mitgliedsländer durchzuführen. Bei den in dieser Mitteilung
publizierten Zahlen handelt es sich jedoch um saisonal nicht bereinigte
Werte.
Teilzeitarbeit wird nach zwei unterschiedlichen
Konzepten definiert: (1) Auf Basis der normalerweise pro Woche geleisteten
Arbeitsstunden, einschließlich regelmäßig geleisteter Überstunden
und Mehrstunden. Als teilzeitbeschäftigt gelten demnach jene, die weniger
als 36 Stunden pro Woche arbeiten. (2) Auf Basis der direkten Frage
nach Teilzeiterwerbstätigkeit. Aus Plausibilitätsgründen gelten dabei
Personen, die normalerweise weniger als 30 Stunden pro Woche arbeiten
immer als teilzeitbeschäftigt, Personen die 36 oder mehr Stunden arbeiten,
immer als Vollzeitbeschäftigte.
Die offenen Stellen stammen aus der Offenen-Stellen-Erhebung
der Statistik Austria, die laufend seit dem 1. Quartal 2009 durchgeführt
wird. Insgesamt sind im Quartal rund 6.000 Unternehmen in der Stichprobe.
Ab 1. Quartal 2010 ist diese Erhebung in den Mitgliedsländern der EU
verpflichtend. |
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Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung,
Statistik Austria:
Mag. Melitta Fasching Tel. (01) 71128-7637 bzw. melitta.fasching@statistik.gv.at
oder
Mag. Cornelia MOSER Tel. (01) 71128-7176 bzw. cornelia.moser@statistik.gv.at
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Tomaschek
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