9.447-165/09
Wien, 2009-08-14
– Die Inflationsrate
für Juli 2009 betrug nach Berechnungen der Statistik Austria
-0,3%. Eine solch niedrige Teuerung war zuletzt im August 1966 zu beobachten.
Die sinkenden Teuerungsraten in den letzten Monaten (Juni -0,1% revidiert,
Mai 0,3%, April 0,7%) wurden
hauptsächlich durch Treibstoff- und Heizölpreise verursacht, die im
12-Monatsabstand um circa ein Viertel unter dem Preisniveau des Vorjahres
lagen. Bei sonst eher ruhiger Preisdynamik drückten sie
aufgrund ihrer Bedeutung im Warenkorb die Inflation nach unten. Ohne
diese Preiseffekte hätte die Juli-Inflationsrate 1,3% betragen.
Der Indexstand des Verbraucherpreisindex 2005 (VPI 2005) für den
Monat Juli 2009 betrug 107,3 (Juni 107,6 revidiert, Basisjahr 2005).
Gegenüber dem Vormonat (Juni 2009) sank das durchschnittliche Preisniveau
um 0,3%.
Die harmonisierte Inflationsrate (HVPI 2005) für den Monat Juli
2009 betrug -0,4% (Juni -0,3%, Mai 0,1%, April 0,5%), der Indexstand des
HVPI (Basisjahr 2005) lag im Juli 2009 bei 107,23 (Juni 107,68 revidiert).
Inflationsanalyse: Vergleich zu Juli 2008
Hauptpreisdämpfer im Jahresabstand war die Ausgabengruppe
"Verkehr" (durchschnittlich -6,8%), hier vor allem die Treibstoffe,
die im Vergleich zum Vorjahr insgesamt um 25% billiger waren
(Dieseltreibstoff -30%, Superbenzin -18%, Normalbenzin -17%). Die Preise
für Flugtickets gingen um 16% zurück. Wartung und Reparaturen von
PKW verteuerten sich hingegen insgesamt um 4%.
Zu durchschnittlichen Preisrückgängen von 11,9%
führten in der Ausgabengruppe "Erziehung und Unterricht"
die stark gesunkenen Ausgaben für Studiengebühren (-68,6%).
Auch von den Nahrungsmitteln (-0,5%) kam ein leicht
preisdämpfender Effekt. Nach den relativ hohen Preisständen im Vorjahr
haben vor allem die Preise für Obst (durchschnittlich -11%; Äpfel -15%),
Molkereiprodukte und Eier (insgesamt -3%; Vollmilch -7%) und Speisefette
und -öle (insgesamt -6%;
Butter -13%) nachgegeben, allerdings mit bescheidenem Effekt auf die
Gesamtinflationsrate.
Hauptpreistreiber im Jahresabstand war die Ausgabengruppe
"Verschiedene Waren und Dienstleistungen" (durchschnittlich
+3,4%), was überwiegend durch gestiegene Preise für Versicherungsleistungen
verursacht wurde (durchschnittlich +3,3%; Haushaltsversicherungen insgesamt
+5%, private Krankenversicherungen sowie Kraftfahrzeugversicherungen
jeweils insgesamt +3%). Die Preise für Körperpflege waren durchschnittlich
um 3,2% höher als vor einem Jahr (Massage +8%, Gesichtscreme +7%).
In der Ausgabengruppe "Hausrat und laufende
Instandhaltung des Hauses" (durchschnittlich +2,8%) stiegen vor
allem Preise für Möbel, Innenausstattung und Bodenbeläge (durchschnittlich
+4,0%; Schlafzimmermöbel +6%, Sitzgarnitur +8%, Kinderzimmer +9%).
Waren und Dienstleistungen im Haushalt waren um durchschnittlich 2,9%
teurer als vor einem Jahr (Dienstleistung Wohnungsreinigung +4%; Geschirrspülmittel
+8%).
Durchschnittliche Teuerungen von 1,0% verzeichnete
die Ausgabengruppe "Wohnung, Wasser und Energie". Ausschlaggebend
dafür waren Preisanstiege bei der Instandhaltung von Wohnungen (durchschnittlich
+5,2%), was überwiegend durch Verteuerungen beim Material für die
Instandhaltung und Reparatur von Wohnungen zustande kam (insgesamt +6%;
Isolierglaskippfenster +15%, Zement +11%, Hydratkalk +9%). Wohnungsmieten
stiegen durchschnittlich um 4,8%. Haushaltsenergie verbilligte sich
insgesamt um 5,5%, wobei die starken Preisreduktionen beim Heizöl (-41%)
durch Verteuerungen für Strom (+4%) und Gas (+9%) nicht kompensiert
wurden.
Kurzfristanalyse: -0,3% gegenüber Juni 2009
Im Juli waren Preisrückgänge bei den Ausgabengruppen "Bekleidung
und Schuhe" sowie "Nahrungsmittel und alkoholfreie
Getränke" zu beobachten, welche aber durch Preissteigerungen bei
den Ausgabengruppen "Freizeit und Kultur" und "Restaurants
und Hotels" etwa zur Hälfte kompensiert wurden.
Hauptpreisdämpfer im Monatsabstand war die Ausgabengruppe
"Bekleidung und Schuhe" (durchschnittlich -11,7%), die aufgrund
des Sommerschlussverkaufs durchschnittliche Preisrückgänge von 13%
bei Bekleidungsartikeln aufwies. (Damenhose -19%, Damenshirt
-14%, Damenbluse und Damenjacke jeweils -18%).
In der Ausgabengruppe "Nahrungsmittel und alkoholfreie
Getränke" (durchschnittlich -0,4%) gingen die Preise für Nahrungsmittel
durchschnittlich um 0,4% zurück. Hauptverantwortlich dafür waren Verbilligungen
bei Obst (durchschnittlich -4%; Äpfel -9%, Pfirsiche/Nektarinen -24%,
Trauben -13%) und bei Gemüse (durchschnittlich -2%; Kartoffeln -8%, Paprika
-10%, Karotten -14%). Fleisch und Fleischwaren blieben preisstabil (Faschiertes
-4%, Karree +2%).
Hauptpreistreiber im Monatsabstand war die Ausgabengruppe
"Freizeit und Kultur" (durchschnittlich +2,3%), was fast ausschließlich
durch saisonbedingte Verteuerungen bei Pauschalreisen (insgesamt +9,1%;
Flugpauschalreisen +18%, jedoch Städteflüge -12%) verursacht wurde.
Durchschnittliche Preisanstiege von 1,5% gab es
im traditionellen Urlaubsmonat Juli in der Ausgabengruppe "Restaurants
und Hotels", wofür nahezu allein höhere Preise für Beherbergungsdienstleistungen
(durchschnittlich +7,6%; Übernachtung im Ausland/ Appartement +23%)
verantwortlich waren.
Der harmonisierte Verbraucherpreisindex 2005 (HVPI 2005) im
Juli 2009: -0,4%
Der Indexstand des für die Europäische Währungsunion berechneten Harmonisierten Verbraucherpreisindex
2005 (HVPI 2005) betrug im Juli 107,23 (Juni 107,68 revidiert). Die
HVPI- Inflationsrate wies mit -0,4% erneut einen etwas niedrigeren Wert als die VPI-Inflationsrate
auf. Hauptverantwortlich für die Differenz gegenüber dem nationalen
VPI sind die Ausgaben für eigentümergenutztes Wohnen, welche im HVPI
nicht enthalten sind, sich aber im VPI in diesem Monat erneut als Hauptpreistreiber
erwiesen haben. Auch Versicherungsleistungen dämpften den HVPI, da
sie aufgrund konzeptueller Unterschiede mit einem wesentlich geringeren
Ausgabenanteil im HVPI berücksichtigt werden als im VPI (siehe methodische
Informationen).
Der Preisindex für Pensionistenhaushalte 2005 (PIPH 2005) im Juli
2009: +0,1%
Die Teuerungsrate des PIPH 2005 betrug im Juli 2009 0,1% (Juni 0,6%,
Mai 0,7%, April 1,1%). Damit ergab sich für Pensionistenhaushalte die niedrigste
Inflationsrate seit Beginn der Berechnung des PIPH 2005. Die Differenz
zum VPI, welcher alle österreichischen Haushalte repräsentiert, betrug
0,4%-Punkte. Der Unterschied zum VPI war überwiegend durch die Preissenkungen
bei Treibstoffen erklärbar, da diese aufgrund des geringeren Gewichtsanteils
im PIPH nicht so deutlich zum Tragen kamen. In der Gruppe "Verschiedene
Waren und Dienstleistungen" hatte die Preisentwicklung bei den
Sozialschutzdienstleistungen und bei der Körperpflege für Pensionistenhaushalte
eine größere preistreibende Wirkung als im VPI. Die Verbilligungen
bei den technischen Geräten für die Freizeit sowie für Pauschalreisen
wirkten im PIPH nicht so inflationsdämpfend wie im VPI. Umgekehrt hatten
die Preisrückgänge bei Heizöl in der Gruppe "Wohnung, Wasser
und Energie" (+0,1%) einen stärker dämpfenden Effekt als im VPI.
Methodische Informationen, Definitionen: Im Basisjahr einer
Indexperiode wird die durchschnittliche Jahresmesszahl auf 100 normiert.
Die Indexreihe wird mit dem Basisjahr bezeichnet, d.h. die durchschnittliche
Messzahl des Verbraucherpreisindex 2005 (VPI 2005) beträgt im Jahr
2005 100,0.
Als Inflationsrate wird die durchschnittliche Preisentwicklung im
12-Monatsabstand bezeichnet.
Preismessung von Versicherungsleistungen: Sowohl im HVPI als
auch im VPI werden die Brutto-Prämien, welche von den Haushalten gezahlt
werden, für die monatliche Preismessung herangezogen. In der Gewichtung
des VPI sind Versicherungsleistungen mit dem Brutto-Anteil berücksichtigt.
Im HVPI-Gewichtungsschema werden jedoch die Schadenszahlungen der Versicherungen
an die privaten Haushalte von den Brutto-Prämienzahlungen abgezogen.
Daher sind Versicherungsleistungen nur mit dem Netto-Anteil berücksichtigt,
welcher niedriger ist als der entsprechende Brutto-Anteil. |
|---|
| COICOP-Gruppen | Index | Veränderung (+/- %) |
|---|
Juli
20092) | Juni
20093) | Juli
2009/
Juni
2009 | Juli
2009/
Juli
2008 | Juni
2009/
Juni
2008 |
|---|
| Basisjahr
2005 | +/-% |
|---|
| 01 | Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke | 111,9 | 112,4 | -0,4 | -0,4 | 0,4 |
|---|
| 02 | Alkoholische Getränke und Tabak | 109,0 | 109,0 | 0,0 | 0,8 | 1,5 |
|---|
| 03 | Bekleidung und Schuhe | 93,4 | 105,8 | -1,7 | 0,5 | 0,2 |
|---|
| 04 | Wohnung, Wasser, Energie | 113,9 | 113,94) | 0,0 | 1,0 | 1,2 |
|---|
| 05 | Hausrat und laufende Instandhaltung des Hauses | 107,1 | 107,3 | -0,2 | 2,8 | 2,5 |
|---|
| 06 | Gesundheitspflege | 106,9 | 107,1 | -0,2 | 1,8 | 2,3 |
|---|
| 07 | Verkehr | 104,7 | 104,8 | -0,1 | -6,8 | -6,7 |
|---|
| 08 | Nachrichtenübermittlung | 86,0 | 86,1 | -0,1 | -2,2 | -2,0 |
|---|
| 09 | Freizeit und Kultur | 101,6 | 99,3 | 2,3 | -0,5 | 0,3 |
|---|
| 10 | Erziehung und Unterricht | 98,0 | 98,0 | 0,0 | -11,9 | -11,9 |
|---|
| 11 | Restaurants und Hotels | 112,6 | 110,9 | 1,5 | 2,1 | 2,3 |
|---|
| 12 | Verschiedene Waren und Dienstleistungen | 110,9 | 110,7 | 0,2 | 3,4 | 3,4 |
|---|
| | VPI-Gesamtindex 2005 | 107,3 | 107,64) | -0,3 | -0,3 | -0,1 |
|---|
| | Index ohne Saisonwaren | 107,4 | 107,64) | -0,2 | -0,2 | 0,0 |
|---|
| | Index der Saisonwaren | 101,9 | 106,0 | -3,9 | -8,0 | -4,7 |
|---|
| | Index für den privaten
Pkw-Verkehr 20055) | 105,4 | 105,6 | -0,2 | -6,9 | -6,5 |
|---|
| | Preisindex für Pensionistenhaushalte 20056) | 108,7 | 109,1 | -0,4 | 0,1 | 0,6 |
|---|
| | Harmonisierter Index 20057) | 107,23 | 107,684) | -0,4 | -0,4 | -0,3 |
|---|
| | Harmonisierter Index zu konstanten Steuersätzen 20058) | 106,98 | 107,434) | -0,4 | -0,4 | -0,3 |
|---|
|
| Jahr/Monat | Basisjahr
2005 | +/-
% zu Vorjahr | +/-%
zu Vormonat | |
|---|
| Jänner
08 | 105,58 | 3,1 | -0,3 | rev. |
|---|
| Februar
08 | 105,90 | 3,1 | 0,3 | |
|---|
| März
08 | 106,86 | 3,5 | 0,9 | |
|---|
| April
08 | 107,15 | 3,4 | 0,3 | rev. |
|---|
| Mai
08 | 107,72 | 3,7 | 0,5 | rev. |
|---|
| Juni
08 | 108,02 | 4,0 | 0,3 | rev. |
|---|
| Juli
08 | 107,70 | 3,8 | -0,3 | |
|---|
| August
08 | 107,51 | 3,6 | -0,2 | rev. |
|---|
| September
08 | 107,93 | 3,7 | 0,4 | rev. |
|---|
| Oktober
08 | 107,89 | 3,0 | 0,0 | rev. |
|---|
| November
08 | 107,61 | 2,3 | -0,3 | |
|---|
| Dezember
08 | 107,44 | 1,5 | -0,2 | |
|---|
| Jahr 2008 | 107,28 | 3,2 | | |
|---|
| Jänner
09 | 106,81 | 1,2 | -0,6 | |
|---|
| Februar
09 | 107,33 | 1,4 | 0,5 | |
|---|
| März
09 | 107,52 | 0,6 | 0,2 | rev. |
|---|
| April
09 | 107,71 | 0,5 | 0,2 | |
|---|
| Mai
09 | 107,79 | 0,1 | 0,1 | rev. |
|---|
| Juni
09 | 107,68 | -0,3 | -0,1 | rev. |
|---|
| Juli
09 | 107,23 | -0,4 | -0,4 | vorl. |
|---|
|
| Indexpositionen | Veränderung
gegenüber Juni 2009 | Einfluss
auf Vormonatsveränderung |
|---|
| +/-
% |
|---|
| Flugpauschalreisen | 17,7 | 0,331 |
|---|
| Übernachtung
im Ausland (Appartement) | 23,4 | 0,089 |
|---|
| Wohnungsmiete
(alle Kategorien) | 0,5 | 0,020 |
|---|
| Superbenzin | -1,6 | -0,020 |
|---|
| Herrenjacke | -16,1 | -0,023 |
|---|
| Damensommerschuhe | -16,6 | -0,024 |
|---|
| Heizöl
extra leicht/Großabnahme | -3,8 | -0,027 |
|---|
| Herrenhemd | -14,7 | -0,027 |
|---|
| Hochschrank
(für Kühlschrank) | -24,0 | -0,027 |
|---|
| Herrenpullover/-weste | -20,2 | -0,028 |
|---|
| Damenjacke | -17,5 | -0,032 |
|---|
| Damenbluse | -17,8 | -0,036 |
|---|
| Damenshirt | -13,6 | -0,047 |
|---|
| Damenhose | -19,4 | -0,054 |
|---|
| Städteflug | -12,2 | -0,067 |
|---|
|
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