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Gesundheitsrisiko Arbeitsplatz: Belastungsfaktoren, Gesundheitsbeschwerden und Arbeitsunfälle

Wien, 2008-08-21 – Vier von zehn Erwerbstätigen in Österreich waren im Jahr 2007 an ihrem Arbeitsplatz physischen Belastungsfaktoren wie Hantieren mit schweren Lasten ausgesetzt, ein Drittel litt unter psychisch belastenden Faktoren, vor allem unter Zeitdruck. Insgesamt unterlagen 56% der Erwerbstätigen physisch und/oder psychisch belastenden Arbeitsbedingungen. 13% der erwerbstätigen Österreicherinnen und Österreicher hatten ausgeprägte gesundheitliche Beschwerden und 5% der Erwerbstätigen haben innerhalb eines Jahres einen Arbeitsunfall erlitten. Diese Ergebnisse liefert eine im Rahmen der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung von Statistik Austria im Jahr 2007 durchgeführte Befragung zu arbeitsbezogenen Gesundheitsproblemen und Arbeitsunfällen.

Belastungen insgesamt

63% der Männer waren von belastenden Arbeitsbedingungen betroffen, gegenüber 47% der Frauen. Dieser Unterschied geht vor allem auf das Mehr an körperlich beschwerlichen Arbeitsbedingungen unter den Männern zurück. Die physischen Belastungen bestimmen auch die Rangfolge unter den großen Gruppen der Erwerbstätigen. Am stärksten belastet war mit 66% die Gruppe der Selbständigen und Mithelfenden in der Land- und Forstwirtschaft, gefolgt von den Unselbständigen mit manuellen Tätigkeiten (65%); deutlich niedrigere Anteile fanden sich unter den Selbständigen und Mithelfenden außerhalb der Land- und Forstwirtschaft (56%) und den Unselbständigen mit nicht manuellen Tätigkeiten (48%).

Physische Belastungsfaktoren

42% oder 1,7 Millionen der erwerbstätigen Österreicherinnen und Österreicher waren zumindest einem physischen Belastungsfaktor ausgesetzt. Als häufigster Belastungsfaktor wurde mit einem Anteil von 19% (775.000 Erwerbstätige) das Hantieren mit schweren Lasten und/oder schwierige Körperhaltungen bei der Arbeit genannt. Unter dem Einfluss von Chemikalien, Dämpfen oder Rauch arbeiteten 15% (608.000) der erwerbstätigen Personen. 8% (312.000) waren durch Lärm oder Vibrationen beeinträchtigt. Männer waren mit 48% deutlich häufiger physischen Belastungsfaktoren ausgesetzt als Frauen (35%).

Betrachtet man das Vorhandensein von physischen Belastungsfaktoren nach der beruflichen Tätigkeit, dann ist zu erkennen, dass Beschäftige in der Landwirtschaft am öftesten unter diesen Bedingungen arbeiteten (102.000 oder 65%), am häufigsten infolge von Hantieren mit schweren Lasten, das von 43% der Berufstätigen in diesem Bereich genannt wurde. Zumindest ein physischer Belastungsfaktor traf bei 58% (919.000) der Unselbständigen mit vorwiegend manuellen Tätigkeiten zu. 26% aller Arbeiter und Arbeiterinnen mussten mit schweren Lasten hantieren, 22% waren Chemikalien, Staub oder Rauch und 11% belastenden Geräuschen ausgesetzt. Auch bei rund einem Viertel (28%) der Personen mit nicht manuellen Angestellten- und Beamtentätigkeiten waren physische Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz vorhanden. Die Gruppe der Selbständigen und Mithelfenden Familienangehörigen außerhalb der Land- und Forstwirtschaft findet sich mit einem Anteil von 38% in einer Mittelposition.

Psychische Belastungsfaktoren

800.000 erwerbstätige Österreicher (36%) und 490.000 Österreicherinnen (28%), insgesamt also 1,3 Millionen oder 32% der Erwerbstätigen waren zumindest einem psychischen Belastungsfaktor ausgesetzt. Neun von zehn der von psychischen Belastungen betroffenen Personen standen unter Zeitdruck, von allen erwerbstätigen Männern fühlten sich somit 33%, von den Frauen 24% in ihrem Arbeitsalltag gehetzt. Belästigung oder Mobbing wurde von 2,2% der Männer und 2,5% der Frauen und somit insgesamt von 93.000 Personen angeführt. 0,7% der Männer und 0,9% der Frauen litten am Arbeitsplatz unter Gewalt oder der Androhung von Gewalt.

Psychische Belastungen treten vor allem außerhalb der Landwirtschaft auf und zwar bei 37% der Selbständigen und 35% der Unselbständigen mit nicht-manuellen Tätigkeiten. Bei Unselbständigen mit manuellen Tätigkeiten sind aber immer noch 29% davon betroffen, bei Bäuerinnen und Bauern sind es 24%. Personen mit hochqualifizierten Tätigkeiten sowie Erwerbstätige in freien Berufen wiesen die höchsten Prozentzahlen der durch Zeitdruck Belasteten auf (39% bzw. 36%). Den geringsten Zeitdruck verzeichneten Hilfsarbeitskräfte (19%).

Berufsbedingte Gesundheitsprobleme und -beschwerden

13,3% der erwerbstätigen Österreicherinnen und Österreicher litten an berufsbedingten Beschwerden. Von diesen Personen klagten zwei Drittel (351.000 Personen oder 8,7% aller Erwerbstätigen) über Knochen-, Gelenks- oder Muskelprobleme. Die am häufigsten betroffene Region war hierbei der Rücken. Personen, die in der Landwirtschaft tätig waren, gaben deutlich am häufigsten eine berufsbedingte Gesundheitsbeschwerde an (29%).

Aufgrund ihrer Arbeitssituation litten 0,8% der Erwerbstätigen (33.000) unter Stress, Angstzuständen oder Depressionen. Am schwersten sind höher und hoch qualifizierte Angestellte davon betroffen (14%).

Arbeitsunfälle

Während der letzten zwölf Monate vor der Befragung verletzten sich 5,1% (203.000) der erwerbstätigen Personen zumindest einmal bei einem Arbeitsunfall (ohne Unfälle am Weg zur oder von der Arbeit). Unter diesen Personen erlitten 28.000 zwei oder mehr Unfälle. Bei 23% der Verunfallten verursachte der Unfall nahezu keine Ausfallszeiten am Arbeitsplatz, bei 15% zwischen einem und drei Krankenstandstagen. Die Mehrheit der Betroffenen (55%) blieb zwischen vier Tagen und drei Monaten der Arbeit fern, 5% länger als 3 Monate (Rest unbekannt). Die Zahl der Arbeitsunfälle lt. Mikrozensus ist höher als jene der vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger erfassten Arbeitsunfälle, da bei letzteren eine Meldepflicht nur für Arbeitsunfälle besteht, die mehr als drei Krankenstandstage verursachten.

Mehr als doppelt so viele Männer (152.000 oder 6,4%) wie Frauen (65.000 oder 3,4%) gaben an, einen Arbeitsunfall erlitten zu haben. Am häufigsten traten Arbeitsunfälle bei den 15- bis 30-Jährigen auf (7,4%), in den anderen Altersgruppen lag der Prozentsatz bei 4%. Dem größten Unfallsrisiko waren Unselbständige mit manuellen Tätigkeiten ausgesetzt (8%), gefolgt von Selbständigen und Mithelfenden in der Landwirtschaft (7%). Dementsprechend wurden die höchsten Unfallshäufigkeiten bei Erwerbstätigen mit Handwerksberufen (11%) und bei Personen mit Tätigkeiten an Anlagen und Maschinen (8%) festgestellt.

Belastungsfaktoren und Gesundheitsprobleme am Arbeitsplatz nach Geschlecht bzw. beruflicher Tätigkeit
 InsgesamtMännerFrauenNach beruflicher Tätigkeit
Unselbstständig BeschäftigteSelbständig Beschäftigte
Manuelle TätigkeitNicht manuelle TätigkeitLandwirtschaftSonstige Selbständige
 in 1.000
Erwerbstätige insgesamt4.006,7 2.217,3 1.789,5 1.572,4 1.924,9 158,7 350,7
 in Prozent der jeweiligen Erwerbstätigen                           
Belastungsfaktoren
Zumindest ein Belastungsfaktor55,762,946,864,547,865,855,7
Physische Faktoren zusammen42,348,235,058,428,164,537,7
   Chemikalien, Dämpfe, Rauch15,218,311,321,99,516,315,5
   Lärm, Vibration7,810,14,911,25,85,64,0
   Hantieren mit schweren Lasten/schwierige Körperhaltungen19,419,718,925,312,842,618,3
Psychische Faktoren zusammen32,336,027,628,635,124,736,9
   Zeitdruck29,233,224,325,631,424,235,4
   Belästigung, Mobbing2,32,22,52,62,60,5-
   (Androhung von) Gewalt0,80,70,9-1,1--
Gesundheitliche Probleme und Beschwerden
Zumindest eine Beschwerde13,313,712,814,910,728,912,6
Einzelne Probleme und Beschwerden (Auswahl)       
Knochen-, Gelenks-, Muskelprobleme8,79,38,011,15,921,47,9
Infektionskrankheiten1,10,81,31,01,2--
Stress, Depressionen, Angst0,8(0,6)1,1(0,4)1,2--
Arbeitsunfälle
Arbeitsunfälle innerhalb eines Jahres5,16,43,48,12,67,04,2
Methodische Informationen, Definitionen:
Basis der Analyse ist ein von Statistik Austria erhobenes Modul der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung zu Arbeitsunfällen und arbeitsbezogenen Gesundheitsproblemen, das 2007 EU-weit mit einem einheitlichen Fragenprogramm durchgeführt wurde. Die Befragung fand von Jänner bis September 2007 bei 19.600 Personen, also nur einem Teil der gesamten Stichprobe der Arbeitskräfteerhebung statt. Die Erhebung liefert repräsentative Ergebnisse für Personen ab 15 Jahren, die entweder zum Zeitpunkt der Befragung oder jemals erwerbstätig waren. Hochgerechnet waren das 6,3 Mio. Personen, darunter 4,0 Mio. zum Zeitpunkt der Befragung erwerbstätige Personen. Aus methodischen Gründen weicht die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Modul geringfügig (auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet um rd. 20.000) von der Zahl der Erwerbstätigen lt. Kernprogramm der Arbeitskräfteerhebung ab.  
Die drei Hauptthemen der Befragung waren Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz, Anzahl und Art berufsbedingter Gesundheitsprobleme und –beschwerden sowie die Anzahl der Arbeitsunfälle (ohne Wegunfälle). 
Das Fragenprogramm wurde größtenteils von Eurostat vorgegeben und in der Statistik Austria unter Einbeziehung einer Arbeitsgruppe an nationale Bedürfnisse angepasst.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Petra Ihle, Tel. (01) 71128-7533 bzw. petra.ihle@statistik.gv.at

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