9.178-147/08

Inflation steigt im Juni weiter: 3,9% - Treibstoffe, Heizöl und Nahrungsmittel weiterhin Hauptpreistreiber

Wien, 2008-07-16 – Die Inflationsrate für Juni 2008 betrug nach Berechnungen der Statistik Austria 3,9% (Mai 3,7%, April 3,3%, März 3,5%). So hoch war die Teuerung zuletzt im April 1993. Massive Preissteigerungen bei Energie (Treibstoffe und Heizöl) verursachten mehr als zwei Fünftel der Gesamtinflation. Etwa ein Fünftel der Teuerung ging auf die Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln zurück, die nach wie vor auf hohem Niveau verharrten. Preisdämpfend wirkten weiterhin die Ausgaben für "Nachrichtenübermittlung".

Der Indexstand des Verbraucherpreisindex (VPI) für den Monat Juni 2008 betrug 107,7 (2005=100). Gegenüber dem Vormonat (Mai 2008) stieg das durchschnittliche Preisniveau um 0,3%.

Die harmonisierte Inflationsrate (HVPI) für den Monat Juni 2008 betrug 4,0% (Mai 3,7% revidiert, April 3,4%, März 3,5%), der Indexstand des HVPI (2005=100) lag im Juni 2008 bei 108,01 (Mai revidiert: 107,72).

Inflationsanalyse: Vergleich zu Juni 2007

Mit einem Anstieg von durchschnittlich 9,5% verursachte die Ausgabengruppe "Verkehr" mehr als ein Drittel der Gesamtinflation. Damit war sie im Jahresabstand eindeutig Hauptpreistreiber. Ausschlaggebend waren die stark gestiegenen Treibstoffpreise (durchschnittlich +32%; Dieseltreibstoff +44%, Superbenzin +20%, Normalbenzin +21%), die für 1,2Prozentpunkte der Gesamtinflation verantwortlich zeichneten. Die Preise für Wartung und Reparaturen von Fahrzeugen stiegen insgesamt um 4%. Der Preisindex für den privaten PKW-Verkehr, in dem alle für den Betrieb eines KFZ relevanten Ausgaben zusammengefasst sind, ist mit 9,6% mehr als doppelt so hoch wie die durchschnittliche Inflationsrate.

Die Ausgabengruppe "Wohnung, Wasser und Energie" (durchschnittlich +3,1%), verursachte etwa ein Siebentel der Jahresinflation. Das Heizöl, das im Jahresabstand um 54% teurer wurde, war für etwa zwei Drittel der durchschnittlichen Preissteigerungen dieser Ausgabengruppe verantwortlich und verursachte 0,4Prozentpunkte der Gesamtinflation. Die durchschnittlichen Verteuerungen bei der Haushaltsenergie (insgesamt +9,0%) wurden fast ausschließlich durch die Preissteigerungen bei Heizöl verursacht. Die Preise für Strom stiegen im Jahresabstand nur um 1%, für Fernwärme um 2% und feste Brennstoffe wurden sogar um 2% und Gas um 1% billiger. Material für die Instandhaltung und Reparatur von Wohnungen wurde um durchschnittlich 5% teurer (Zement +8%, Hydratkalk +7%, Ziegelstein und Holzverkleidung jeweils +6%, Isolierglaskippfenster +3%). Betriebskosten für Wohnungen gingen um durchschnittlich 2% zurück (Betriebskosten für Mietwohnungen unverändert, für Eigentumswohnungen -7%).

Die Preise für "Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke" stiegen gegenüber Juni 2007 um durchschnittlich 6,8% und waren damit für etwa ein Fünftel der Inflationsrate verantwortlich. Zurückzuführen war dies überwiegend auf die Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln (durchschnittlich +7,4%), die 0,8Prozentpunkte zur Gesamtinflation beitrugen. Molkereiprodukte und Eier verteuerten sich durchschnittlich um 14%. Besonders hohe Preisanstiege wurden bei Käse beobachtet (insgesamt +19%; Gouda +20%, Emmentaler und Frischkäse jeweils +19%, Camembert +21%, Mozzarella +17%). Bei den Preisen für Vollmilch wurden zuletzt Preisreduktionen beobachtet (Juni 2008/Mai 2008: -3%, Mai 2008/April 2008: -2%), die jedoch die Preissteigerungen der letzten 12 Monate nur zum Teil kompensieren konnten. Vollmilch ist immer noch um 8% teurer als vor einem Jahr. Schlagobers wurde um 15%, Sauerrahm um 18% und Fruchtjoghurt um 9% teurer. Eier kosteten insgesamt 14% mehr als vor einem Jahr. Brot und Getreideerzeugnisse verzeichneten durchschnittliche Preisanstiege von 11% (Teigwaren +41%, Gebäck +11%, Spezialbrot und Weißbrot jeweils +8%, Butterkekse +16%, Nussgebäck +8%, Weizenmehl +15%, Topfengolatsche +6%, Haselnussschnitten +19%, Mischbrot +8%). Fleisch und Fleischwaren verteuerten sich im Jahresabstand um durchschnittliche 4% (Putenbrustfleisch +9%, Dauerhartwurst +5%, Brathuhn +10%). Die Preise für Speisefette und -öle stiegen insgesamt um 15% (Butter +12%, gemischtes Pflanzenöl +34%, sortenreines Pflanzenöl +27%, Margarine +13%). Zucker, Marmelade, Honig und Süßwaren verzeichneten insgesamt Preisanstiege von 6%, verursacht überwiegend durch deutliche Verteuerungen bei Vollmilchschokolade (+8%) und Schokoriegeln (+11%). Obst verteuerte sich durchschnittlich um 7% (Zitronen +66%). Die Gemüsepreise stiegen insgesamt um 1% (Paprika +12%, Häuptelsalat +11%, jedoch Eisbergsalat -19%, Zwiebeln -15%, Kartoffeln -6%). Alkoholfreie Getränke waren durchschnittlich um 2,1% teurer, wofür hauptsächlich die Preisentwicklung bei Orangensaft (+11%) verantwortlich war.

Einziger Inflationsdämpfer im Jahresabstand war, wie schon in den Vormonaten, die Ausgabengruppe "Nachrichtenübermittlung" (durchschnittlich -3,6%), wofür vor allem die Preisrückgänge bei Telefon- und Telefaxdiensten (insgesamt -2,9%; Internetentgelt -18%, Gesprächsentgelt Mobiltelefon -2%) verantwortlich waren. Aktionen einiger Mobilfunkanbieter beim Aktivierungsentgelt führten im Jahresabstand insgesamt zu starken Preisrückgängen in der Gruppe der Telefonapparate und Telefaxgeräte (durchschnittlich -39,2%; Mobiltelefongerät -50%).

Kurzfristanalyse: Veränderungen zu Mai 2008: +0,3%

Die Ausgabengruppe "Verkehr" (durchschnittlich +1,1%) wurde nahezu allein durch starke Preisanstiege bei Treibstoffen (insgesamt +4%; Dieseltreibstoff +5%, Superbenzin und Normalbenzin jeweils +3%) zum Hauptpreistreiber im Monatsabstand. Flugtickets wurden um 2% billiger.

Die durchschnittlichen Preisanstiege in der Ausgabengruppe "Wohnung, Wasser und Energie" (+0,6%) konnten wiederum nahezu ausschließlich durch den massiven Anstieg der Heizölpreise (+13%) erklärt werden. Aber auch die Dispersionsfarbe wurde im Monatsabstand um 16% teurer.

Für den durchschnittlichen Preisanstieg von 0,8% in der Ausgabengruppe "Freizeit und Kultur" waren überwiegend Pauschalreisen verantwortlich, die zu Beginn der Urlaubssaison insgesamt um 3,1% teurer wurden (Flugpauschalreisen +10%, Städteflug jedoch -16%). Als zusätzlicher Preistreiber erwies sich der Anstieg der Fernseh-Kombigebühr (+8%).

Im Fußball-Europameisterschafts-Monat Juni 2008 stiegen die Preise für "Restaurants und Hotels" um durchschnittlich +0,8%. Einerseits waren Preisanstiege bei den Beherbergungsdienstleistungen zu beobachten (insgesamt +2,9%; Übernachtung im Ausland/Appartement +13%, Hotel 4,5* +2%), andererseits zogen die Preise in Restaurants und Cafes im Monatsabstand um durchschnittlich 0,6% an.

Als stärkster Preisdämpfer im Monatsabstand erwies sich die Ausgabengruppe "Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke" (durchschnittlich -1,0%). Hauptsächlich verantwortlich dafür war die Preisentwicklung bei Nahrungsmitteln (insgesamt -1,0%), insbesondere bei Gemüse, wo die Preise im Monatsabstand um durchschnittlich 7% zurück gingen (Eisbergsalat -40%, Karfiol -28%, Häuptelsalat -17%, Paprika -8%). Obst war um insgesamt 1% billiger (Pfirsiche/Nektarinen -24%). Bei Vollmilch wurden Verbilligungen von insgesamt 3% beobachtet.

Die Ausgabengruppe "Bekleidung und Schuhe" (durchschnittlich -1,8%) war im Juni ebenfalls ein Preisdämpfer, was hauptsächlich auf den Beginn der Schlussverkäufe zurückgeführt werden kann. Bekleidung wurde insgesamt um 2,3% billiger (Damenjacke -9%, Damenpullover -6%).

Der harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) im Juni 2008: +4,0%

Der Indexstand des für die Europäische Währungsunion berechneten Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI; 2005=100) betrug im Juni 108,01 (Mai revidiert: 107,72). Mit 4,0% stieg die Inflationsrate im HVPI gegenüber dem Vormonat deutlich an (Mai 3,7% revidiert, April 3,4%, März 3,5%).Sie war zudem auch etwas höher als die Teuerungsrate des VPI. Ein Hauptgrund dafür sind die Ausgaben von Touristen in Österreich, die im HVPI enthalten sind. Diese schlagen sich in einer höheren Bedeutung der beiden Ausgabengruppen "Verkehr" sowie "Restaurants und Hotels" gegenüber dem VPI durch. Die stark gestiegenen Treibstoffpreise erhöhen den HVPI um 0,26Prozentpunkte und die Preissteigerungen für Bewirtungsdienstleistungen um weitere 0,18Prozentpunkte. Gegenüber dem VPI hatten die Ausgaben zur Wohnungsinstandhaltung in der Ausgabengruppe "Wohnen, Wasser und Energie" einen dämpfenden Effekt von 0,15Prozentpunkten auf den HVPI, da Ausgaben in Zusammenhang mit Wohnungseigentum im HVPI nicht enthalten sind. Weiters dämpfen die Ausgabengruppe "Nachrichtenübermittlung" mit 0,09Prozentpunkten und die Ausgaben für Versicherungsdienstleistungen mit 0,06Prozentpunkten den HVPI gegenüber dem VPI. Letzteres ist begründet durch die unterschiedliche Behandlung von Versicherungen (Nettokonzept im HVPI und Bruttokonzept im VPI) in den beiden Indizes.

Der Preisindex für Pensionistenhaushalte (PIPH) im Juni 2008: +3,9%

Die Teuerungsrate des PIPH lag im Juni 2008 bei 3,9% (Mai +3,7%, April +3,3%, März 3,5%) und war damit, so wie in den letzten drei Monaten, gleich hoch wie die des VPI. Der Indexstand des PIPH (2005=100) für den Monat Juni 2008 betrug 108,5. Die Hauptpreistreiber waren wiederum identisch mit jenen des VPI: "Verkehr" (+9,2%), "Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke" (+6,8%) und "Wohnung, Wasser und Energie" (+3,9%).

Auffällige Unterschiede gegenüber dem VPI zeigten sich in den Ausgabengruppen "Verkehr", "Gesundheitspflege" (+2,4%) und "Wohnung, Wasser und Energie“. Aufgrund des kleineren Gewichtsanteils der Treibstoffe im PIPH wirkten die überdurchschnittlichen Preissteigerungen (+32%) nicht so massiv und dämpften den PIPH gegenüber dem VPI um 0,3Prozentpunkte. Andererseits erhöhten Preissteigerungen in den Ausgabengruppen "Gesundheitspflege" und "Wohnung, Wasser und Energie“ die PIPH-Teuerungsrate gegenüber dem VPI insgesamt um 0,2Prozentpunkte. Die Kompensation dieser beiden Effekte war der Hauptgrund dafür, dass die Teuerungsrate für Pensionistenhaushalte gleich hoch wie die allgemeine Teuerungsrate ist.

Weiterführende Hinweise

Tabelle 1: Indizes der COICOP-Gruppen1) bzw. deren Veränderung
COICOP-GruppenIndex Veränderung (+/- %)
Juni 
20082)
Mai 
20083)
Juni 
2008/ 
Mai 
2008
Juni 
2008/ 
Juni 
2007
Mai 
2008/ 
Mai 
2007
2005 = 100+/-%
01Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke112,0113,1-1,06,86,9
02Alkoholische Getränke und Tabak107,4107,9-0,54,35,4
03Bekleidung und Schuhe105,6107,5-1,80,00,7
04Wohnung, Wasser, Energie112,5111,84)0,63,12,6
05Hausrat und laufende Instandhaltung des Hauses 104,7104,20,52,62,2
06Gesundheitspflege104,7104,60,11,72,0
07Verkehr112,2111,01,19,58,7
08Nachrichtenübermittlung87,987,90,0-3,6-3,6
09Freizeit und Kultur99,098,24)0,80,50,3
10Erziehung und Unterricht111,3111,34)0,02,22,2
11Restaurants und Hotels108,3107,40,83,63,5
12Verschiedene Waren und Dienstleistungen107,1107,00,13,33,3
 VPI-Gesamtindex  
(2005 = 100)
107,7107,40,33,93,7
 Index ohne Saisonwaren107,6107,20,43,93,7
 Index der Saisonwaren111,2118,4-6,13,81,0
 Index für den privaten 
PKW-Verkehr (2005 = 100)5)
112,8111,41,39,68,5
 Preisindex für Pensionistenhaushalte (PIPH) (2005=100)6)108,5108,30,23,93,7
 Harmonisierter Index (HVPI)(2005 = 100)7)108,01107,724)0,34,03,7
Tabelle 2: Harmonisierter Verbraucherpreisindex (HVPI) Österreich
Jahr/Monat2005 = 100+/- % zu Vorjahr+/-% zu Vormonat 
Jänner 07102,411,70,1rev.
Februar 07102,721,70,3rev.
März 07103,211,90,5 
April 07103,651,80,4rev.
Mai 07103,831,90,2rev.
Juni 07103,821,90,0 
Juli 07103,762,0-0,1rev.
August 07103,801,70,0rev.
September 07104,052,10,2 
Oktober 07104,732,90,7rev.
November 07105,233,20,5rev.
Dezember 07105,893,50,6 
Jahr 2007103,932,2  
Jänner 08105,583,1-0,3rev.
Februar 08105,903,10,3 
März 08106,863,50,9 
April 08107,153,40,3rev.
Mai 08107,723,70,5rev.
Juni 08108,014,00,3vorl.

 

 
  
 
 
Tabelle 3: Wichtige Preisänderungen im Juni 2008 gegenüber dem Vormonat:
IndexpositionenVeränderunggegenüber 
Mai 2008
Einfluss auf 
Vormonatsveränderung
+/- %
Flugpauschalreisen10,40,188
Heizöl extra leicht/Großabnahme12,70,129
Dieseltreibstoff5,10,126
Superbenzin2,90,045
Übernachtung im Ausland (Appartement)12,80,040
Fernseh-Kombigebühr8,10,028
Normalbenzin2,70,016
Dispersionsfarbe15,80,011
Autoersatzlampen-13,7-0,010
Flugticket-1,7-0,010
Illustrierte-4,6-0,010
Paprika-8,3-0,010
Wohnungsmiete (alle Kategorien)-0,3-0,010
Vollmilch-2,7-0,011
Damenpullover-5,5-0,012
Damenjacke-9,4-0,019
Häuptelsalat-16,9-0,020
Karfiol-27,5-0,022
Pfirsiche, Nektarinen-24,0-0,022
Eissalat-40,4-0,032
Städteflug-15,5-0,105

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