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Neue Ergebnisse aus EU-SILC 2006: Weiterhin rund eine Million Menschen in Österreich armutsgefährdet

Wien, 2008-03-11 – Kommende Woche erscheint die aktuelle Studie zu EU-SILC 2006 „Einkommen, Armut und Lebensbedingungen in Österreich“. Erste Ergebnisse aus dem Bericht werden heute präsentiert. Laut Statistik Austria haben die reichsten 800.000 Personen einen fünfmal so hohen Lebensstandard wie die 800.000 ärmsten Menschen in Österreich. Die Schwelle zur Armutsgefährdung liegt bei 893 Euro pro Monat. Rund eine Million bzw. 13% aller in Österreich lebenden Menschen sind armutsgefährdet. Insgesamt sind rund 380.000 (21%) Kinder und Jugendliche in einem von 4 zentralen Lebensbereichen mehrfach benachteiligt: Sie wachsen entweder in schlechter Wohnungsqualität oder –umwelt auf oder müssen auf benötigte Konsumgüter oder elementare Grundbedürfnisse verzichten. 459.000 Menschen sind manifest arm, darunter über 100.000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren.

Der Medianlebensstandard liegt bei 1.488 Euro pro Monat

Die jüngste Studie der Statistik Austria zu EU-SILC 2006 zeigt, dass die Hälfte der Bevölkerung in einem Haushalt mit einem äquivalisierten Jahreseinkommen von mehr als 17.852 Euro netto lebt. Auf zwölf Monate gerechnet ergibt das ein mittleres Monatseinkommen von 1.488 Euro pro Monat. Dieses bedarfsgewichtete Einkommen gilt als Richtwert für den Lebensstandard der Bevölkerung in privaten Haushalten in Österreich.

Wie viel Einkommen tatsächlich benötigt wird, um diesen Lebensstandard zu erreichen, hängt von der Haushaltsgröße ab. Alleine lebende Personen erreichen den Medianlebensstandard mit 1.488 Euro, während kinderlose Paare das eineinhalbfache Haushaltseinkommen (2.232 Euro) benötigen, um denselben Lebensstandard zu erzielen. Zwei Erwachsene mit zwei Kindern benötigen ein Haushaltseinkommen von 3.125 Euro netto für den Medianlebensstandard.

An der Verteilung von Lebensstandardpositionen zeigt sich das Ausmaß der sozialen Ungleichheit in Österreich. Jene rund 800.000 Personen mit dem höchsten Lebensstandard konzentrieren in Summe etwa fünfmal so viel äquivalisiertes Einkommen wie die ärmsten 800.000 Menschen.

Armutsgefährdet sind Personen mit weniger als 893 Euro pro Monat

Als armutsgefährdet gelten Personen mit niedrigem Haushaltseinkommen. Die Schwelle zur Armutsgefährdung liegt bei 60% des Medianeinkommens und beträgt aktuell 893 Euro netto pro Monat. Für jeden weiteren Erwachsenen im Haushalt sind 447 Euro und für jedes Kind 268 Euro hinzuzurechnen. Die Zahl der Armutsgefährdeten in Österreich liegt bei über 1 Million Menschen bzw. rund 13% der Bevölkerung.

Die Erhebung zeigt, dass nahezu ein Viertel aller Armutsgefährdeten in Österreich unter 20 Jahre alt ist. Hochgerechnet sind somit etwa 250.000 Kinder und Jugendliche in Österreich armutsgefährdet. Über ein Drittel (39%) dieser Kinder und Jugendlichen kommt aus Haushalten mit Migrationshintergrund.

Haushalte mit nur einem Elternteil (28%) sowie Familien mit mehr als zwei Kindern (16%) bzw. Familien mit Kleinkindern (16%) haben erhöhtes Armutsrisiko, besonders dann, wenn Mütter nicht erwerbstätig sind (21%). Auch allein lebende Frauen (26%) sind stärker gefährdet als allein lebende Männer (16%). Personen ohne EU Staatsbürgerschaft zählen zu den am stärksten gefährdeten Gruppen (28%). Hauptrisikofaktor für Armutsgefährdung ist mangelnde oder prekäre Erwerbseinbindung.

Rund 459.000 Menschen leben in manifester Armut

Insgesamt sind fast ein Viertel der Bevölkerung bzw. rund 2 Millionen Menschen benachteiligt. Diese Menschen haben in mindestens einem Lebensbereich mehrfache Probleme: Sie leben in schlechten Wohnungen, einer belastenden Wohnumwelt, sind gesundheitlich beeinträchtigt oder können sich benötigte Konsumgüter oder elementare Grundbedürfnisse nicht leisten Benachteiligungen treten gehäuft bei Armutsgefährdeten auf: Etwa die Hälfte von ihnen ist betroffen. In einer sogenannten manifesten Armutslage, bei der Benachteiligungen gleichzeitig mit einem armutsgefährdenden Einkommen auftreten, leben 459.000 Menschen.

Laut der aktuellen Studie der Statistik Austria sind insgesamt rund 380.000 (21%) Kinder und Jugendliche in einem zentralen Lebensbereich mehrfach benachteiligt. Dazu zählen 53.000 Kinder, die in einer schlechten Wohnung leben (z.B. Schimmel und dunkle Räume) sowie 80.000 Kinder in deren Haushalt bestimmte Konsumgüter benötigt werden, die finanziell unerschwinglich sind (z.B. weder PC, noch Internet noch ein Auto). 142.000 Kinder leben in einer schlechten Wohnumgebung (z.B. Probleme mit Kriminalität und Umweltverschmutzung). Schließlich leben etwa 208.000 Kinder in prekären finanziellen Verhältnissen (z.B. Haushalt hat Mietrückstände und kann Wohnung nicht angemessen heizen und sich keinen Urlaub leisten). Viele Kinder sind in mehreren Bereichen benachteiligt, insgesamt sind 115.000 in mindestens zwei Bereichen mehrfach betroffen.

Methodische Informationen, Definitionen:

Verfügbares Haushaltseinkommen: Einkommen aus Erwerbsarbeit, Pensionen, Sozialtransfers, Transferleistungen zwischen Haushalten (z.B. Unterhaltszahlungen) und Kapitaleinkommen abzüglich Steuern und sonstiger Abgaben. Die Nettobeträge aller Personen im Haushalt werden über das ganze Jahr summiert.

Äquivalisiertes Einkommen (bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen) gilt als Maßzahl für den Lebensstandard eines Haushaltes und wird nach der EU-Skala berechnet. Um die finanzielle Situation von Haushalten mit mehreren Personen zu jener von allein lebenden Personen vergleichbar zu machen, wird das insgesamt verfügbare Haushaltseinkommen durch die Summe der Äquivalenzgewichte im Haushalt dividiert (bei einem echten Pro-Kopf-Einkommen würde durch die Haushaltsgröße dividiert). Beim bedarfsgewichteten Pro-Kopf-Einkommen wird jede Erwachsene Person mit dem Wert 0,5 und Kinder unter 14 Jahren mit 0,3 gewichtet. Der Bedarf eines Kindes wird daher mit 60% von dem eines Erwachsenen angenommen. Zusätzlich wird ein Wert von 0,5 für den Grundbedarf jedes Haushalts hinzugezählt.

Mittleres Einkommen: Angegeben ist der Median, also jener Wert, der in der Mitte der Verteilung liegt (50% liegen darüber, 50% darunter).

Armutsgefährdung: Alle Personen, deren jährliches Äquivalenzeinkommen (gewichtetes Pro-Kopf-Einkommen) unterhalb eines festgelegten Schwellenwertes (60% des Medians = Armutsgefährdungsschwelle) liegt, gelten nach europäischer Definition als armutsgefährdet.

Benachteiligung: Personen mit mindestens 2 Problemen in einem dieser Lebensbereiche:

  • Wohnungsqualität: Substandard, Schimmel, dunkle Wohnung, keine Waschmaschine
  • Wohnungsumfeld: Lärm, Umweltverschmutzung, Kriminalität
  • Gesundheit: sehr schlechte Gesundheit, Behinderung, chronische Krankheit

Oder mindestens 3 Problemen in einem dieser Lebensbereiche:

  • Konsumgüter, sofern benötigt: PKW, PC, Internet, Handy, DVD-Spieler, Geschirrspüler
  • Grundbedürfnisse: Wohnung warm halten, neue Kleidung kaufen, Fleisch, Fisch etc essen, unerwartete Ausgaben tätigen, Zahlungsrückstände

Vier Typen von Armutslagen: Aufgrund von Armutsgefährdung und/oder Benachteiligung lassen sich vier Gruppen in der Gesamtbevölkerung identifizieren:

  • Manifeste (oder sichtbare) Armut: Alle armutsgefährdeten Personen, die zusätzlich in zumindest einem zentralen Lebensbereich benachteiligt sind.
  • Einkommensarm: Personen, die armutsgefährdet aber nicht benachteiligt sind.
  • Depriviert: Personen, die benachteiligt aber nicht armutsgefährdet sind.
  • Nicht arm: Personen, die weder benachteiligt noch armutsgefährdet sind.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Matthias Till, Tel. (01) 71128-7106 bzw. matthias.till@statistik.gv.at

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