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Freiwilligenarbeit in Österreich (aktualisierte Version vom 17.12.2008)

Freiwilligenarbeit ist unbezahlt und wird für Personen außerhalb des eigenen Haushalts erbrachtWien, 2008-01-21 – Freiwilligenarbeit ist eine Leistung, die freiwillig und ohne Bezahlung für Personen außerhalb des eigenen Haushaltes erbracht wird.
Damit ist die im eigenen Haushalt geleistete unbezahlte Haus- und Familienarbeit nicht einbezogen. Ebenso sind Tätigkeiten wie z.B. der Präsenz- und Zivildienst oder auch die bloße Mitgliedschaft in einem Verein (ohne eigene Leistung) in dieser Definition nicht enthalten.
Es wird zusätzlich zwischen formeller und informeller Freiwilligenarbeit unterschieden. Unter formeller Freiwilligenarbeit versteht man Aktivitäten, die im Rahmen von Organisationen oder Vereinen erfolgen (z.B. Tätigkeiten bei der Feuerwehr). Informelle Freiwilligenarbeit (z.B. Einkaufen, Kinderbetreuung), oft auch Nachbarschaftshilfe genannt, erfolgt auf persönliche Initiative, jedoch ohne institutionellem Rahmen.
Über 3 Millionen Österreicherinnen und Österreicher sind in der Freiwilligenarbeit aktiv44% der über 15-jährigen Österreicherinnen und Österreicher leisten in irgendeiner Form Freiwilligenarbeit (formelle und/oder informelle). Das entspricht in absoluten Zahlen rund 3 Millionen Menschen. Davon sind rund 1,9 Millionen in Vereinen oder Organisationen, also in der formellen Freiwilligenarbeit, tätig. 1,9 Millionen Personen betätigen sich informell in der Nachbarschaftshilfe. Rund 800.000 Personen sind doppelt, also informell und formell in der Freiwilligenarbeit aktiv.
Freiwillig Tätige sind vor allem in der Nachbarschaftshilfe, im Kunst- und Kulturbereich (z.B. Musikvereine), bei Sportvereinen und bei religiösen Einrichtungen sowie den Katastrophenhilfs- und Rettungsdiensten aktivRund 1,9 Millionen Personen, das sind 27% aller Österreicherinnen und Österreicher, geben an, im informellen Bereich aktiv zu sein. In diesen Bereich fällt die Nachbarschaftshilfe oder auch Hilfe für Verwandte und Freunde außerhalb des Haushalts.
Bei den freiwillig Tätigen im formellen Bereich, rund 1,9 Millionen Personen (28% aller Befragten), wurden weiters die Bereiche ihrer Aktivität genauer abgefragt. Mit über einer halben Million freiwillig Tätiger stellt der Bereich „Kunst, Kultur, Unterhaltung und Freizeit“ das wichtigste Tätigkeitsfeld dar. Der Bereich „Sport und Bewegung“ ist mit rund 470.000 freiwillig Tätigen ebenso von hoher Relevanz, gefolgt vom kirchlich/religiösen Bereich und den Katastrophenhilfs- und Rettungsdiensten.
Männer betätigen sich überdurchschnittlich häufig in den Bereichen „Sport und Bewegung“ und bei den Katastrophenhilfs- und Rettungsdiensten. Frauen sind verstärkt im kirchlich/religiösen Bereich und in der Nachbarschaftshilfe aktiv. Im Kunst- und Kulturbereich zeigen sich keine geschlechtsspezifischen Unterschiede.
Freiwillig Tätige sind im Schnitt 4,9 Stunden pro Woche in der Freiwilligenarbeit aktivIm Schnitt erbrachten freiwillig tätige Personen einen Zeiteinsatz von 4,9 Stunden pro Woche für die Freiwilligenarbeit (teilweise in mehreren Bereichen). Im informellen Bereich liegt der Zeiteinsatz bei 3,6 Stunden pro Woche. Bei der formellen Freiwilligenarbeit im Kunst- und Kulturbereich liegt die durchschnittliche Stundenzahl bei 3,4 Stunden, im Sport- und Bewegungsbereich bei 3,0 Stunden, bei den kirchlich/religiösen Einrichtungen bei 2,4 Stunden und bei den Katastrophenhilfs- und Rettungsdiensten bei 3,8 Stunden.
Etwas mehr Männer als Frauen leisten FreiwilligenarbeitZwischen Männer und Frauen lassen sich leichte Unterschiede in der Beteiligung bei der Freiwilligenarbeit feststellen. So beträgt der Anteil der in irgendeiner Form freiwillig tätigen Männer rund 47% und jener der Frauen liegt etwas niedriger bei 41%.
Frauen sind eher in der Nachbarschaftshilfe aktiv, Männer engagieren sich verstärkt in Vereinen und OrganisationenEine Betrachtung der Freiwilligenquote nach der Unterscheidung zwischen formeller und informeller Freiwilligenarbeit zeigt, dass sich die Männer stärker in der formellen Freiwilligenarbeit, also in Vereinen und Organisationen engagieren, die Frauen etwas häufiger in der informellen Freiwilligenarbeit tätig sind (z.B. Nachbarschaftshilfe).
Erwerbstätige sind häufiger freiwillig tätig als Nicht-ErwerbstätigeErwerbstätige Personen (inklusive Lehrlinge) sind überdurchschnittlich häufig freiwillig tätig (49%). Nicht erwerbstätige Personen, also Arbeitslose bzw. Pensionistinnen und Pensionisten, engagieren sich weniger häufig (ca. 35%). Geschlechtsspezifische Unterschiede zeigen sich bei der Gruppe der Arbeitslosen. Hier sind arbeitslose Frauen relativ häufiger freiwillig aktiv (42%) als arbeitslose Männer (30%).
Die Hälfte der Schülerinnen und Schüler bzw. der Studierenden sind bei der Freiwilligenarbeit aktivBesonders hohe Freiwilligenquoten (rund 50%) lassen sich bei der Gruppe der Schülerinnen und Schüler bzw. der Studierenden beobachten. Neben ihrer Ausbildung leistet fast die Hälfte noch zusätzlich Freiwilligenarbeit.
Freiwilligenarbeit nimmt erst im hohen Alter abBetrachtet man das Engagement in der Freiwilligenarbeit nach Altersgruppen, so zeigt sich, dass vor allem die 20- bis 24-Jährigen sowie die 40- bis 59-Jährigen überdurchschnittlich häufig freiwillig tätig sind (Freiwilligenquoten von rund 47% bis 50%). Aber auch die 15- bis 19-Jährigen sowie die Personen zwischen 25 und 39 Jahren liegen bei ihren Freiwilligenquoten um den Durchschnitt von 44%. Erst ab dem 70. Lebensjahr zeichnet sich ein abnehmender Trend ab, der bei Frauen stärker ist als bei Männern.
Mit dem Bildungsabschluss steigt auch die Beteiligung bei der FreiwilligenarbeitDie abgeschlossene Bildung spielt beim Engagement in der Freiwilligenarbeit eine relevante Rolle. Von den befragten Personen mit Pflichtschulabschluss waren rund ein Drittel freiwillig tätig. Bei den Akademikerinnen und Akademikern steigt hingegen der Anteil der freiwillig Tätigen auf rund 54%. Vor allem Absolventinnen und Absolventen von hochschulverwandten Lehranstalten (d.s. Pädagogische Akademien, Sozialakademien) sind zu rund 60% freiwillig tätig
Wienerinnen und Wiener sind besonders selten in der Freiwilligenarbeit aktiv, Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher sind die SpitzenreiterEin Vergleich nach Bundesländern zeigt vor allem einen Ausreißer. Die Wienerinnen und Wiener sind mit einer Freiwilligenquote von rund 35% besonders selten freiwillig tätig. Spitzenreiter sind die Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher (49%), gefolgt von den Tirolerinnen und Tirolern (48%) und annähernd ex aequo auf Rang 3 den Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern sowie den Vorarlbergerinnen und Vorarlbergern.
Je urbaner desto weniger freiwillig aktivDer Urbanisierungsgrad, gemessen an der Bevölkerungsdichte, spielt eine Rolle bei der Beteiligung an Freiwilligenarbeit. Je höher die Bevölkerungsdichte einer Region ist, in der eine Person lebt, desto niedriger ist die Aktivität in der Freiwilligenarbeit. In Regionen mit niedriger Bevölkerungsdichte sind rund 48% der Personen in der Freiwilligenarbeit aktiv, wohingegen in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte nur rund 37% eine Freiwilligenarbeit ausüben.
Freiwilligenarbeit macht Spaß!Befragt nach den Beweggründen für das Engagement in der Freiwilligenarbeit antworteten über 90% der Befragten mit „Es macht mir Spaß“. Weitere Motive waren der Dienst am Nächsten und die Förderung des Gemeinwohls, die Knüpfung und Aufrechterhaltung sozialer Kontakte und die Einbringung der eigenen Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen.
Keine Freiwilligenarbeit aufgrund familiärer Aufgaben oder beruflicher VerpflichtungenJene Personen, die keine Freiwilligenarbeit leisten, wurden nach den Gründen gefragt, warum dies so ist. Rund 70% gaben an, durch familiäre Aufgaben ausgefüllt zu sein. Weitere Motive waren die Vereinbarkeit mit dem Beruf oder auch Erklärungen wie „Ich bin niemals gefragt oder gebeten worden“ bzw. „Darüber habe ich nie nachgedacht“.
Freiwillige leisten ein Arbeitsvolumen, das mit dem von rund 420.000 Erwerbstätigen vergleichbar istZur Abschätzung des Arbeitsvolumens der freiwillig Tätigen wurden die durchschnittlich pro Woche geleisteten Stunden mit der Zahl der freiwillig Tätigen multipliziert. Dadurch erhält man ein Arbeitsvolumen durch freiwillig Tätige von rund 15 Millionen Arbeitsstunden pro Woche.
Dies entspricht 11% des wöchentlichen Arbeitsvolumens aller Erwerbstätigen bzw. 13% des wöchentlichen Arbeitsvolumens aller unselbstständig Erwerbstätigen.
Laut Mikrozensus (4. Quartal 2006) betrug die tatsächlich geleistete Arbeitszeit eines Erwerbstätigen im Schnitt 35,3 Stunden pro Woche. Bezogen auf diese Stundenzahl, wären rund 420.000 Erwerbstätige notwendig, um das Arbeitsvolumen der freiwillig Tätigen zu bewältigen.
Methodische Informationen: Statistik Austria wurde im Sommer 2006 vom damaligen Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz mit einer eigenen Erhebung zur Freiwilligenarbeit in Österreich beauftragt. Die Durchführung erfolgte als freiwillige Zusatzerhebung zum Mikrozensus im 4. Quartal 2006 mittels CATI-Methode (Computer-Assisted-Telephone-Interview). Es wurden alle Personen ab 15 Jahren befragt. Die Stichprobe umfasste 26.128 Personen von denen 11.661 Personen den Fragebogen beantworteten (Rücklaufquote: 45%). Das Frageprogramm wurde vom Institut für interdisziplinäre Nonprofit Forschung (NPO) der WU Wien entwickelt. Statistik Austria hat die in der Erhebung zur Freiwilligenarbeit angegebenen Stunden einer Ausreißeranalyse unterzogen und anschließend verschiedene Datenbereinigungen und eine Imputation der fehlenden Werte durchgeführt.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria: 
Mag. Markus BÖNISCH, Tel. (01) 71128-8281 bzw. markus.boenisch@statistik.gv.at

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