Die österreichische Gesundheitsbefragung (AT-HIS)

Warum sind Gesundheitsbefragungen notwendig?

Eine Gesundheitsbefragung ermöglicht, den Gesundheitszustand der Bevölkerung einzuschätzen und Auskunft über die gesundheitliche Versorgung zu geben. Die Befragung im Jahr 1999 hat z.B. ergeben, dass rund 74% der Bevölkerung bei guter Gesundheit sind, dass etwa jeder elfte Mann und jede achte Frau an erhöhtem Blutdruck leidet oder dass rund 56% der Bevölkerung über mindestens eine gesundheitliche Beschwerde berichten. Diese Umfrage hat auch gezeigt, dass die Leute den Arzt für Allgemeinmedizin durchschnittlich viermal im Jahr aufsuchen und etwa 70% der Bevölkerung einen aufrechten Impfschutz gegen Tetanus und Zeckenkrankheit hat.

Derartige Informationen sind nicht in den üblichen Statistiken (wie z.B. der Todesursachenstatistik oder der Spitalsentlassungsstatistik), die regelmäßig erhoben werden, zu finden. Um jedoch eine wirksame Gesundheitspolitik betreiben zu können, ist es unbedingt notwendig, ein genaues und realistisches Bild vom Gesundheitszustand und der Gesundheitsversorgung der österreichischen Bevölkerung anzufertigen.

Die in der Gesundheitsbefragung erhobenen Daten sind daher eine unerlässliche Voraussetzung, dass sich Gesundheitspolitik und Versorgungsstellen an den aktuellen Bedürfnissen der Menschen orientieren können. Darum ist die Kooperation der Personen, die zur Teilnahme ausgewählt wurden, von großer Bedeutung.

Bei wiederholter Durchführung zeichnen Gesundheitsbefragungen Trends in der Morbiditätslandschaft auf. Diese Ergebnisse ermöglichen die Ableitung zielgerichteter Präventionsprogramme und die Bewertung der Auswirkungen gesundheitspolitischer Maßnahmen.

Übrigens: HIS steht für Health Interview Survey, den international üblichen Begriff für repräsentative und umfassende Befragungen zum Thema „Gesundheit".

Für wen wird die Gesundheitsbefragung durchgeführt?

Auftraggeber für die Befragung ist das Bundesministerium für Gesundheit und Frauen.

Wer führt die Befragung durch?

Die Befragung wird von der Bundesanstalt STATISTIK AUSTRIA durchgeführt. Die STATISTIK AUSTRIA erstellt im öffentlichen Auftrag hochwertige Statistiken und Analysen über die österreichische Wirtschaft und Gesellschaft. Diese Zahlen bilden eine zuverlässige Basis für Entscheidungen der Politik, Verwaltung, Wirtschaft und internationalen Institutionen. Genauigkeit, Unparteilichkeit, Objektivität und Relevanz sind die Leitlinien für die Arbeit der STATISTIK AUSTRIA. Als führender Informationsdienstleister Österreichs erhebt die STATISTIK AUSTRIA die größten Stichproben, die präzise Aufschlüsse über das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben zulassen. Dabei werden moderne Instrumente der Qualitätssicherung eingesetzt.

Wie wird man für die Gesundheitsbefragung ausgewählt?

Eine Befragung aller Personen in Österreich wäre zu teuer und würde auch zu lange dauern. Deshalb wird eine Auswahl von Personen getroffen, die dann die Bevölkerung repräsentieren. Die Auswahl erfolgt durch Zufall, damit gewährleistet ist, dass jeder die gleiche Chance hat, befragt zu werden.

Die Gesundheitsbefragung richtet sich an die österreichische Bevölkerung ab 15 Jahren. Auch Personen, die in Anstalten leben (z.B. Altersheimen, Justizanstalten etc.) werden einbezogen. Fremdauskünfte sind nicht zugelassen, außer bei Personen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage sind, selbst Auskunft zu geben. Hier wird ein Haushaltsmitglied bzw. die Anstaltsleitung ersucht, einen verkürzten Fragebogen, der Grundinformationen über den Gesundheitszustand der Person liefern soll, zu beantworten.

Wie wird die Befragung durchgeführt?

Als ersten Schritt erhalten die Personen in der Stichprobe (Respondenten) ein Ankündigungsschreiben des Aufraggebers und der STATISTIK AUSTRIA. Danach wird ein mit einem Ausweis der STATISTIK AUSTRIA versehener Interviewer den Respondenten persönlich kontaktieren. Geplant ist eine Befragung vor Ort, d.h. beim Respondenten zu Hause.

Die Erhebung wird als computerunterstützte Befragung, die rund eine halbe Stunde dauert, durchgeführt. Im Anschluss an die mündliche Befragung ist ein kurzer schriftlicher Fragebogen auszufüllen.

Die Befragung startet im März 2006 und wird ein Jahr lang durchgeführt. Die Interviews werden über das Jahr gleichmäßig verteilt geführt, sodass saisonbedingte Verzerrungen ausgeschlossen werden können.

Ist die Befragung anonym?

Der Gesundheitszustand ist für viele Personen ein heikles Thema. Es werden selbstverständlich alle Informationen vertraulich behandelt. Die Antworten werden getrennt von Name und Adresse im Computer gespeichert. Von den vielen erhobenen Daten werden nur Tabellen und Berichte veröffentlicht, aus denen nicht mehr auf die Person und ihre Antworten geschlossen werden kann. Es geht der STATISTIK AUSTRIA immer nur um anonymisierte Ergebnisse, aus denen die einzelne Person nicht mehr erkennbar ist.

Diese Verpflichtung zum Datenschutz ist auch durch das Gesetz (Bundesstatistikgesetz 2000) geregelt. Der gesamte Prozess der Zahlenerhebung vom Interview bis zum fertigen Datenbestand erfolgt nach strengen Regeln.

Ist die Befragung gesetzlich verpflichtend?

Es gibt keine gesetzliche Verpflichtung, an der Befragung teilzunehmen. Die Teilnahme an dieser Umfrage erfolgt auf freiwilliger Basis. Es werden Informationen von allen Bevölkerungsgruppen, von Jungen und Alten, von gesunden und natürlich auch von kranken Menschen benötigt.

Worum geht es bei der Gesundheitsbefragung?

  • Gesundheitszustand (chronische Krankheiten, Schmerzen, körperliche Beeinträchtigungen)
  • Einflussfaktoren (Ernährung, Schlaf, körperliche Betätigung, Risikofaktoren)
  • Medizinische Versorgung (Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte, Gesundheitsvorsorge)
  • Angaben zur Person

Wie oft wird eine Befragung durchgeführt?

Es ist wichtig, in möglichst regelmäßigen Abständen Befragungen zum Thema Gesundheit durchzuführen, um feststellen zu können, ob sich die gesundheitliche Lage der Bevölkerung über die Zeit verändert oder ob neue Probleme auftreten.

Es gab bisher folgende Befragungen zum Thema „Gesundheit":

  • 1970: Sport-, Freizeit- und häusliche Unfälle
  • 1972: Rauchgewohnheiten der österreichischen Bevölkerung
  • 1973: Fragen zu Gesundheit
  • 1976: Körperbehinderungen
  • 1979: Rauchgewohnheiten
  • 1980: Haushalts-, Sport- und Freizeitunfälle
  • 1983: Fragen zu Gesundheit
  • 1986: Rauchgewohnheiten
  • 1989: Haushalts-, Sport- und Freizeitunfälle
  • 1991: Fragen zur Gesundheit
  • 1997: Haushalts-, Sport- und Freizeitunfälle; Rauchgewohnheiten
  • 1999: Fragen zur Gesundheit
  • 2000: Gesundheit und Angemessenheit der Gesundheitsversorgung

Das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat) beschäftigt sich aktuell mit der Entwicklung einer europäischen Gesundheitsbefragung, mit dem Ziel, dass in Zukunft die Mitgliedsländer periodisch alle fünf Jahre eine einheitliche Gesundheitsbefragung auf europäischer Ebene durchführen.

Was passiert mit den Ergebnissen der Befragung?

Die Ergebnisse dieser Befragung werden den verschiedenen betroffenen Ministerien, den Landesregierungen, den politischen Verantwortungsträgern und anschließend auch den Medien mitgeteilt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Statistische Amt der Europäischen Gemeinschaften (Eurostat) und die OECD erhalten Auswertungen zur Aktualisierung ihrer Gesundheitsdatenbanken. Auf Anfrage können Forschungsinstitute anonymisierte Daten für wissenschaftliche Zwecke anfordern.

Kontakte

Jeannette Klimont, Tel.: +43(1)71128-8277

jeannette.klimont@statistik.gv.at