Wien, 2009
Das Jahr 2010 wurde von der Europäischen Kommission als Schwerpunktjahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung festgelegt und soll die Öffentlichkeit für diese Themen sensibilisieren. Das Bewusstsein für die Lage armer Menschen soll geschärft, die Identifizierung der Öffentlichkeit mit Strategien und Maßnahmen zur Förderung der sozialen Eingliederung verstärkt und das Recht auf ein Leben in Würde und umfassende Teilhabe an der Gesellschaft anerkannt werden.
Als armutsgefährdet gelten Personen mit niedrigem Haushaltseinkommen.
Die aktuelle Armutsgefährdungsschwelle liegt bei 60% des Medians des
äquivalisierten Jahreseinkommens (=bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen)
und beträgt laut EU-SILC 2008 951 Euro pro Monat für einen Einpersonenhaushalt.
In Österreich sind 12,4% der Bevölkerung armutsgefährdet, das sind
Im Jahr 2008 wird das höchste Armutsrisiko in EU-SILC für Personen mit ausländischer Staatsbürgerschaft (30%) ausgewiesen. Auch bei bereits Eingebürgerten aus Drittstaaten bleibt die Armutsgefährdungsquote mit 21% deutlich über dem Bevölkerungsschnitt. Ebenfalls stark armutsgefährdet sind Personen in Ein-Eltern-Haushalten (29%).
Rund die Hälfte der Personen, die armutsgefährdet sind, ist 2008
gleichzeitig mit finanzieller Deprivation konfrontiert und wird
als "manifest arm" bezeichnet: Sie können sich nicht leisten
bei Bedarf etwa neue Kleidung zu kaufen, die Wohnung ausreichend warm
zu halten oder eine dringende medizinische Behandlung wahrzunehmen,
sind mit Zahlungen im Rückstand oder können keine unerwarteten Ausgaben
bestreiten. In Haushalten, in denen es nur eine Verdienerin oder einen
Verdiener gibt, führt niedriges Einkommen wesentlich öfter zu manifester
Armut als in Mehrpersonenhaushalten. Jede fünfte Person in einem Ein-Eltern-Haushalt
kann als manifest arm bezeichnet werden (20%), überdurchschnittlich
oft betroffen sind auch alleinlebenden Pensionistinnen (13%). Aber auch
alleinlebende Frauen ohne Pensionsbezug (11%) und alleinlebende Männer
(10% mit Pension bzw. 9% ohne Pension) sind besonders häufig von manifester
Armut betroffen. Betrachtet nach der Zusammensetzung von manifest Armen,
ist die größte Gruppe Mehrpersonenhaushalte mit mindestens drei Kindern.
10% dieses Haushaltstyps, das entspricht rund
Seit dem Jahr 2004 erfolgt die Erhebung EU-SILC mit einem integrierten Längsschnittdesign, drei Viertel der Haushalte werden im jeweils nächsten Jahr wieder befragt. Somit ist es möglich die soziale Lage der Haushalte über vier Jahre zu verfolgen. Erstmals können im Bericht zu EU-SILC 2008 Längsschnittauswertungen für die Jahre 2004 bis 2007 präsentiert werden. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung (27%) befand sich zumindest einmal in den vier Jahren unter der Armutsgefährdungsschwelle. 5% der Personen, die während der ersten vier Jahre an der Erhebung EU-SILC teilnahmen, sind als dauerhaft armutsgefährdet zu bezeichnen. Das heißt ihr äquivalisiertes Jahreseinkommen lag sowohl im Jahr 2007 als auch in mindestens zwei der vorangegangenen drei Jahre unter der Armutsgefährdungsschwelle.
| Methodische Informationen, Definitionen: Verfügbares Haushaltseinkommen: Einkommen aus Erwerbsarbeit, Pensionen, Sozialtransfers, Transferleistungen zwischen Haushalten (z.B. Unterhaltszahlungen) und Kapitaleinkommen abzüglich Steuern und sonstiger Abgaben. Die Nettobeträge aller Personen im Haushalt werden über das ganze Jahr summiert. Äquivalisiertes Jahreseinkommen (bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen) gilt als Maßzahl für den Lebensstandard eines Haushaltes und wird nach der EU-Skala berechnet. Das insgesamt verfügbare Haushaltseinkommen wird dabei durch die Summe der Äquivalenzgewichte im Haushalt dividiert. Jede erwachsene Person wird mit dem Wert 0,5 und Kinder unter 14 Jahren mit 0,3 gewichtet. Zusätzlich wird ein Wert von 0,5 für den Grundbedarf jedes Haushalts hinzugezählt. Armutsgefährdung: Alle Personen, deren jährliches Äquivalenzeinkommen (gewichtetes Pro-Kopf-Einkommen) unterhalb eines festgelegten Schwellenwertes (60% des Medians = Armutsgefährdungsschwelle) liegt, gelten nach europäischer Definition als armutsgefährdet. Armutsgefährdungslücke: Maß für die Intensität der Armutsgefährdung definiert als durchschnittliche Abweichung des medianen Äquivalenzeinkommens der Armutsgefährdeten von der Armutsgefährdungsschwelle in Prozent dieser Schwelle. Manifeste Armut: Alle armutsgefährdeten Personen, die zusätzlich finanziell depriviert sind, das heißt, die bei der Befragung angeben, sich zwei oder mehr der folgenden Dinge nicht leisten zu können: - Die Wohnung angemessen warm zu halten - Regelmäßige Zahlungen (Miete, Betriebskosten) rechtzeitig zu begleichen - Notwendige Arzt- oder Zahnarztbesuche in Anspruch zu nehmen - Unerwartete Ausgaben (z.B. für Reparaturen) von 900 Euro zu finanzieren - Neue Kleidung zu kaufen - Jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch oder eine vergleichbare vegetarische Speise zu essen - Freunde oder Verwandte einmal im Monat zum Essen einzuladen. Dauerhafte Armutsgefährdung: Alle Personen, die im aktuellsten Jahr und in mindestens zwei von drei vorhergehenden Jahren in Haushalten mit einem Äquivalenzeinkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle des jeweiligen Jahres lebten. Einbezogen werden nur Personen, die alle vier Jahre im Panel waren und erfolgreich befragt wurden. |
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Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung,
Statistik Austria:
Mag. Nadja Lamei, Tel. (01) 71128
Ankündigung: Im Jänner 2010 werden ein ausführlicher Bericht in der Sozialpolitischen Studienreihe des BMASK (Bd. 2) sowie eine weitere Pressemitteilung aus EU-SILC 2008 zum Schwerpunktthema Verschuldung österreichischer Privathaushalte erscheinen.
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