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EU-SILC 2007: Ein-Eltern-Haushalte, alleinlebende Frauen und armutsgefährdete Haushalte sind besonders stark durch Wohnkosten belastet

Wien, 2009-05-28 – Privathaushalte in Österreich wenden durchschnittlich 420 Euro pro Monat bzw. 18% ihres Einkommens für Wohnkosten auf. Laut der Erhebung EU-SILC 2007 der Statistik Austria ist der Wohnkostenanteil insbesondere für Ein-Eltern-Haushalte (31%) und für alleinlebende Frauen (33%) sehr hoch. Armutsgefährdete Haushalte sind durch Wohnkosten besonders stark belastet: sie müssen für Wohnen durchschnittlich 363 Euro pro Monat bzw. 38% ihres Haushaltseinkommens ausgeben.

Insgesamt leben 3% der Bevölkerung in Wohnungen mit gravierenden Qualitätsmängeln, ihnen steht etwa kein Bad oder WC zur Verfügung, und ihre Wohnungen sind dunkel, feucht oder schimmlig. 6% der armutsgefährdeten Personen und 2% der nicht armutsgefährdeten Personen sind davon betroffen.

In Gemeinden mit weniger als 10.000 Einw. ist die Erreichbarkeit von Nahversorgungseinrichtungen wie Lebensmittelgeschäften, Post oder Arzt deutlich schwieriger. Dies trifft besonders häufig für armutsgefährdete Haushalte zu.

Erhebungsschwerpunkt zur Wohnsituation in EU-SILC 2007

Schwerpunkt der EU-SILC Erhebung im Jahr 2007 waren die Wohnverhältnisse in Österreich. Die jährlichen Ergebnisse dieser Befragung zu Haushaltseinkommen, Familiensituation und Armutslagen können daher mit detaillierten Informationen zu Wohnkosten, Wohnqualität und Wohnproblemen ergänzt werden.

Starke Belastung durch Wohnkosten bei Armutsgefährdung

Privathaushalte in Österreich wenden durchschnittlich 18% ihres Einkommens für Wohnkosten auf. Die Studie EU-SILC 2007 der Statistik Austria zeigt, dass armutsgefährdete Haushalte durch Wohnkosten besonders stark belastet sind. Sie müssen für das Wohnen durchschnittlich 38% ihres Haushaltseinkommens ausgeben. In größeren Städten (Wien und andere Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern) ist die Wohnkostenbelastung für armutsgefährdete Haushalte mit durchschnittlich 43% des Haushaltseinkommens besonders hoch.

In kleineren Städten (10.000 bis 100.000 Einw.) bzw. in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einw. ist der Wohnkostenanteil zwar insgesamt niedriger (16%), die unterschiedliche Belastung nach dem zur Verfügung stehenden Einkommen ist jedoch ebenso deutlich: Der Wohnkostenanteil für Haushalte mit einem Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle beträgt 35% gegenüber 14% für nicht armutsgefährdete Haushalte.

Alleinlebende Personen ohne Pension, insbesondere Frauen, haben eine besonders hohe Wohnkostenbelastung. Alleinlebende Frauen wenden durchschnittlich bereits ein Drittel ihres Einkommens (33%) für den Bereich Wohnen auf, alleinlebende Männer 28% ihres Einkommens. Mehrpersonenhaushalte ohne Kinder geben im Durchschnitt, selbst in größeren Städten, weniger als ein Fünftel ihres Einkommens für Wohnkosten aus.

Ein-Eltern-Haushalte gehören zu den am stärksten durch Wohnkosten belasteten Gruppen. Ihr Wohnkostenanteil ist mit durchschnittlich 31% in etwa doppelt so hoch wie jener von Haushalten mit mehreren Erwachsenen und Kindern (16%). In größeren Städten liegt der Wohnkostenanteil von Ein-Eltern-Haushalten mit 34% um fünf Prozentpunkte höher als in kleineren Städten und Gemeinden.

Gravierende Qualitätsmängel der Wohnung betreffen 3% der Bevölkerung

Gravierende Qualitätsmängel der Wohnung bzw. der Wohnungsausstattung wie etwa kein Bad oder WC zur Verfügung zu haben, Schimmelbildung in der Wohnung oder zu dunkle Räume betreffen insgesamt 223.000 Menschen bzw. 3% der Bevölkerung. 6% der armutsgefährdeten Personen und 2% der nicht armutsgefährdeten Personen sind von diesen Problemen betroffen.

Nahversorgung in kleineren Gemeinden für Armutsgefährdete häufiger schlecht erreichbar

In der Studie EU-SILC 2007 der Statistik Austria wird die Erreichbarkeit von Nahversorgungseinrichtungen wie Lebensmittelgeschäft, Post oder Arzt in Gemeinden mit weniger als 10.000 Einw. insbesondere von armutsgefährdeten Personen deutlich schlechter beurteilt. In größeren Städten hingegen wird die Erreichbarkeit von armutsgefährdeten und nicht armutsgefährdeten Personen gleichermaßen als gut eingeschätzt. Die geringere Dichte der Nahversorgung in kleinen Gemeinden fordert eine höhere Mobilität. Häufig ist man auf den Besitz eines PKWs angewiesen. Ein Lebensmittelgeschäft etwa ist für 21% der nicht armutsgefährdeten und 33% der armutsgefährdeten Personen in kleinen Gemeinden nur schwer zu erreichen, bei Postdienstleistungen berichten 27% der Nicht-Armutsgefährdeten und 36% der Armutsgefährdeten von Versorgungsproblemen. Noch schlechter sind Kultur- und Freizeiteinrichtungen zu erreichen, auch hier zeigt sich mit 37% Betroffenheit von nicht armutsgefährdeten Befragten gegenüber 47% bei Armutsgefährdeten eine deutliche Benachteiligung von Haushalten mit niedrigem Einkommen.

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Tabelle 1: Durchschnittlicher Anteil der Wohnkosten am Haushaltseinkommen nach Armutsgefährdung und Haushaltstyp
 Durchschnittlicher Anteil der Wohnkosten am Haushaltseinkommen in %
GesamtWien und andere Städte >100.000 Einw.Kleinere Städte und Gemeinden
Insgesamt182316
Nicht armutsgefährdet151914
Armutsgefährdet384335
Haushalte mit Pension   
Alleinlebend männlich222421
Alleinlebend weiblich262625
Mehrpersonenhaushalte161715
Haushalte ohne Pension   
Alleinlebend männlich282926
Alleinlebend weiblich333432
MPH ohne Kinder141913
Haushalte mit Kindern (ohne Pension)   
Ein-Eltern-Haushalte313429
Mehrpersonenhaushalte mit Kindern162015

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Methodische Informationen, Definitionen:
EU-SILC (Statistics on Income and Living Conditions) ist eine Statistik über Einkommen und Lebensbedingungen von Privathaushalten in Europa. Sie wird auf Basis einer EU-Verordnung in allen Mitgliedstaaten durchgeführt, um gemeinsame Indikatoren für soziale Eingliederung zu berechnen. Darüber hinaus bildet EU-SILC eine wichtige Grundlage für die europäische Sozialstatistik und die nationale Armutsberichterstattung. Für EU-SILC 2007 wurden 6.806 Haushalte erfolgreich interviewt. In diesen Haushalten lebten insgesamt 16.684 Personen. Die für Österreich repräsentative Erhebung wurde im gemeinsamen Auftrag von Eurostat und BMASK durchgeführt.
Armutsgefährdung: Alle Personen, deren jährliches Äquivalenzeinkommen (gewichtetes Pro-Kopf-Einkommen) unterhalb des festgelegten Schwellenwertes von 10.945 Euro (60% des Medians = Armutsgefährdungsschwelle) liegt, gelten nach europäischer Definition als armutsgefährdet. Das gewichtete Pro-Kopf-Einkommen errechnet sich aus der Summe aller Einkommen der Personen eines Haushalts dividiert durch die Summe der gewichteten Anzahl der Haushaltsmitglieder (erste Person 1,0, jede weitere erwachsene Person 0,5, jedes Kind unter 14 Jahren 0,3).
Wohnkosten: von den Befragten angegebene Kosten für Miete, Betriebskosten, Hypothekarzinsbelastung, Heizung, Energie und Instandhaltung.
Wohnkostenanteil: Anteil der Wohnkosten am Haushaltseinkommen.
Gravierende Qualitätsmangel der Wohnung: Wenn zumindest zwei der folgenden Probleme angegeben wurden:
- kein Bad/keine Dusche oder kein WC in der Wohnung
- Schimmel oder Feuchtigkeit
- dunkle Räume
- keine Waschmaschine
Haushalte: Es werden immer Personen in Haushalten ausgewiesen:
Haushalte mit/ohne Pension: Als Haushalte mit Pension werden jene definiert, deren Einkommen zu mindestens 50% aus Pensionen stammt, in Haushalte ohne Pension machen Pensionen weniger als 50% des Einkommens aus.
Haushalte mit Kindern: Haushalte mit unter 16-Jährigen sowie Haushalte mit finanziell abhängigen jungen Erwachsenen unter 27 Jahren, die mit mindestens einem Elternteil zusammen leben und nicht erwerbstätig sind.

Rückfragen zum Thema beantwortet in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Georg Datler, Tel. (01) 71128-7757 bzw. georg.datler@statistik.gv.at

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