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Armutsgefährdung und Armutslagen von Kindern

13% Armutsgefährdet bei weniger als 10.182 Euro jährlichWien, 2007-03-22 60% des mittleren Haushaltseinkommens bilden nach europäischem Standard die so genannte Armutsgefährdungsschwelle. Ein Einpersonenhaushalt, der weniger als 10.182 Euro pro Jahr (oder 848 Euro pro Monat) zur Verfügung hat, gilt als armutsgefährdet. Für Mehrpersonenhaushalte wird diese Schwelle, der Größe des Haushalts und dem Alter der Personen entsprechend, angepasst. EU-SILC (Statistics on Income and Living Conditions) wird von Statistik Austria als Erhebung in Privathaushalten durchgeführt und ermöglicht ein detailliertes Bild der Einkommens- und Lebensumstände der Menschen in Österreich. Nach EU-SILC waren im Jahr 2004 rund 1,030.000 Personen von Armutsgefährdung betroffen; das sind 13% der Bevölkerung.
Kinder sind überdurchschnittlich von Armutsgefährdung betroffenKinder und Jugendliche bis 19 Jahre machen über ein Viertel (26%) aller Armutsgefährdeten in Österreich aus. 126.000 Buben und 147.000 Mädchen lebten 2004 in Haushalten mit einem Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle. Kinder haben eine überdurchschnittliche Armutsgefährdung von 15%.
Alleinerziehende und Familien mit drei und mehr Kindern haben ein besonders hohes ArmutsrisikoMehr als ein Drittel (36%) der armutsgefährdeten Kinder lebt in Haushalten mit drei und mehr Kindern. Alleinerziehende Haushalte haben ein Armutsrisiko von 24%.
Die Erwerbstätigkeit von Müttern und Frauen ist ein wichtiger Schutz vor ArmutBetrachtet man die Erwerbsbeteiligung von Frauen im Haushalt, dann zeigt sich, dass das Armutsrisiko bei Nichterwerbstätigkeit der Frauen überdurchschnittlich steigt. Dies betrifft im Besonderen Haushalte mit Kindern. Bei nicht erwerbstätigen Alleinerzieherinnen ist jede zweite Person in diesen Haushalten (47%) armutsgefährdet.
Rund 113.000 Kinder und Jugendliche waren 2004 manifest arm6,2% aller Kinder unter 20 Jahren lebten 2004 in Haushalten mit Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle, die von Einschränkungen in zentralen Lebensbereichen – wie geringem Wohnstandard, oder dass sich ihre Familie weder Urlaub noch angemessene Ernährung, PC oder Internet leisten konnte – betroffen waren. Man spricht von manifester Armut.
Jedes dritte armutsgefährdete Kind kommt aus einer Familie mit Migrationshintergrund35% der armutsgefährdeten Kinder kommen aus Familien, in denen zumindest eine Person keine österreichische, EU- oder EFTA- Staatsbürgerschaft besitzt oder diese erst im Zuge einer Einbürgerung erhalten hat. Bei Familien mit Migrationshintergrund verfestigt sich Armut besonders häufig.
Die Zunahme der Arbeitslosigkeit hat besonders Jugendliche getroffenSteigende Arbeitslosenzahlen machten auch vor Jugendlichen (15-24 Jahre) nicht halt. Der Anteil arbeitsloser Jugendlicher hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht: Er lag nach der international vergleichbaren Erhebungsmethodik des Mikrozensus im Jahr 2005 etwas über 10% und war damit doppelt so hoch wie die Arbeitslosenquote insgesamt.
Die Jugendarbeitslosenquote war damit auch doppelt so hoch wie der Wert aus dem Jahr 2000, der zwar wegen erhebungsbedingter Umstellungen nicht ganz vergleichbar ist, aber immer noch einen realen Anstieg um drei Prozentpunkte ausweist.
Positiv ist die Trendumkehr bei der Arbeitslosigkeit im Jahr 2006, die sich auch auf die Jugendarbeitslosigkeit auswirkte: Die Quote sank von 10,3% (2005) auf 9,1%.
Armutsgefährdung und manifeste Armut 2004
 Armutsgefährdete (in 1.000)Armutsgefährdungs-quote (%)manifest arm 
(in 1.000)
manifest arm (%)
Insgesamt1.030134616
Kinder und Jugendliche (bis 19 Jahre)273151136
Erwachsene (20-64 Jahre)555112585
SeniorInnen (65 Jahre +)20217908
Österreichische/EU/EFTA872123605
  davon seit Geburt784112914
  davon eingebürgert88236818
MigrantInnen1572810218
Haushalte mit Pension21215987
Haushalte  ohne Kinder (ohne Pension)818123646
Haushalte mit Kindern (ohne Pension)503122065
  Alleinerziehend70243211
  Mehrpersonenhaushalt + 1 Kind1188373
  Mehrpersonenhaushalt + 2 Kinder1459614
  Mehrpersonenhaushalt + mind.  
  3 Kinder
170237610
Quelle: Statistik Austria, EU-SILC 2004. - Personen in Haushalten

Armutsgefährdung (Armutsrisiko): Alle Personen, deren Äquivalenzeinkommen (gewichtetes Pro-Kopf-Einkommen) unterhalb eines festgelegten Schwellenwertes (60% des Medians = Armutsgefährdungsschwelle) liegt, gelten nach europäischer Definition als armutsgefährdet. In Österreich betrug diese Schwelle 2004 10.182 Euro pro Jahr (oder 848 Euro pro Monat) für einen Einpersonenhaushalt. Zur Gewichtung für Mehrpersonenhaushalte wird die EU-Skala verwendet. Jede weitere erwachsene Person erhält 0,5 und jedes Kind ein Gewicht von 0,3. Die Armutsgefährdungsschwelle wird beispielsweise bei einem Haushalt mit zwei Erwachsenen und einem Kind mit 1,8 gewichtet. Das entspricht einem Betrag von 18.327 Euro pro Jahr (oder 1.527 Euro pro Monat).
Manifeste Armut: Armutsgefährdung und kumulierte Benachteiligung (2-3 Probleme) in zumindest einem zentralen Lebensbereich treten gemeinsam auf: Das Unvermögen, sich grundlegende Dinge leisten zu können (Heizung, Urlaub einmal pro Jahr, Essen, neue Kleidung, Zahlungsrückstände, unerwartet Ausgaben…), der erzwungene Verzicht auf als erstrebenswert geltende Güter (Handy, PKW, PC, Internet, Geschirrspüler…), mangelnde Teilhabe im Bereich Gesundheit, Wohnungsprobleme (Substandard, Schimmel, Dunkel,…) und Probleme im Wohnumfeld (Kriminalität,…). Manifeste Armut ist an internationale Konzepte zu Armut angelehnt und löste 2003 das bis dahin verwendete Konzept der akuten Armut ab.
Akute Armut: Armutsgefährdung und Auftreten von zumindest einem der folgenden Probleme: Substandardwohnung, Rückstand bei Zahlungen, Heizung nicht leistbar, neue Kleidung, Freunde einmal im Monat zum Essen einladen können.

Rückfragen zu diesem Thema richten Sie bitte direkt an Magistra Ursula Till-Tentschert oder an Magistra Nadja Lamei Direktion Bevölkerung, Statistik Austria, unter Tel. (01) 71128-7106 oder 7336 bzw. e-mail: ursula.till-tentschert@statistik.gv.at oder nadja.lamei@statistik.gv.at .

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