Wien, 2009
Generell gaben Frauen deutlich häufiger als Männer an, im vergangenen Jahr Bio-Lebensmittel gekauft zu haben. Die größten Unterschiede zeigten sich bei Bio-Obst und Bio-Gemüse (9,4 Prozentpunkte Differenz) sowie Bio-Milch und Bio-Milchprodukten (7,1 Prozentpunkte Differenz); aber auch Bio-Brot und Bio-Fleisch wurde von den Frauen häufiger genannt als von den Männern. Dies muss allerdings nicht zwangsläufig ihr tatsächliches Interesse an Bio-Produkten widerspiegeln. Eine Analyse der Einpersonenhaushalte - unter der Annahme, dass allein wohnende Personen ihre Lebensmittel meist selbst besorgen müssen - zeigt, dass Männer auch deswegen seltener angaben, Bio-Lebensmittel erworben zu haben, weil sie generell seltener einkauften als Frauen.
Weiters konnte festgestellt werden, dass Frauen in den letzten 3 Jahren seltener Elektrogroßgeräte erwarben als Männer, jedoch in etwa demselben Ausmaß auf Energieeffizienz, Langlebigkeit oder Reparaturfreundlichkeit dieser Geräte achteten wie Männer.
Keine geschlechtsspezifischen Unterschiede ließen sich bei der Abfalltrennung und hinsichtlich des Umweltverhaltens bei Urlaubsreisen erkennen.
Demgegenüber wies das Mobilitätsverhalten erkennbare Unterschiede auf: Frauen benützten häufiger öffentliche Verkehrsmittel (30,5% täglich oder mehrmals pro Woche) als Männer (25,5% täglich oder mehrmals pro Woche), die dafür häufiger mit dem Auto unterwegs waren (76,0% täglich oder mehrmals pro Woche) als Frauen (64,4% täglich oder mehrmals pro Woche). Dabei lenkten Frauen deutlich seltener selbst das Auto und waren dafür insgesamt häufiger als Mitfahrende unterwegs als Männer. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern zeigte sich in den höheren Altersgruppen am deutlichsten: Im Alter von 60 bis unter 70 Jahren kamen auf eine Autolenkerin zwei Autolenker, im Alter von 70 und mehr Jahren stieg dieses Verhältnis auf eins zu vier.
Die Erwerbstätigkeit führte sowohl bei Frauen als auch bei Männern zu einer stärkeren Pkw-Nutzung und dabei zu geringeren Verhaltensunterschieden zwischen den Geschlechtern. Besonders gering war der Abstand zwischen weiblichen und männlichen Angestellten. Im Gegensatz dazu nutzten nicht erwerbstätige Personen generell die öffentlichen Verkehrsmittel häufiger als erwerbstätige. Eine höhere Schulbildung führte ebenfalls bei beiden Geschlechtern zu einer verstärkten Nutzung des Autos, wobei der Unterschied zwischen Männern und Frauen mit zunehmender Schulbildung tendenziell abnahm.
Zudem zeigen die Ergebnisse, dass eine höhere Kaufkraft zu einer verstärkten Nutzung des Autos auch durch Frauen führt. Der geringere Führerscheinbesitz - speziell älterer Frauen im Vergleich zu den Männern derselben Altersklassen - erklärt einen Teil der geringeren Nutzung des Autos durch Frauen. Das umweltverträglichere Verkehrsverhalten der weiblichen Befragten, welches sich durch die geringere Nutzung des Autos nachweisen lässt, wird daher zumindest zum Teil durch Einflussfaktoren wie geringere Kaufkraft oder fehlende Lenkberechtigung erklärt und ist nicht ausschließlich durch ein höheres Umweltbewusstsein begründet.
In der genderorientierten Umweltforschung werden Frauen zumeist als umweltbewusster und engagierter in puncto Nachhaltigkeit dargestellt als Männer. Der Artikel zum genderspezifischen Umweltverhalten analysiert, dass das umweltfreundliche Verhalten nicht nur von der Umwelteinstellung, sondern auch von nicht umweltrelevanten Faktoren gelenkt wird. Die geschlechtsspezifische Rollenaufteilung innerhalb der Haushalte oder die unterschiedliche Kaufkraft von Frauen und Männern zeigen einen nachweislichen Einfluss auf umweltfreundliches Handeln. Berücksichtigt man einige dieser Faktoren, ergibt sich eine Reduktion der Unterschiede im umweltrelevanten Verhalten nach Geschlecht.
| Methodische Informationen, Definitionen: In drei- bis fünfjährigen
Zyklen wird im Rahmen eines freiwilligen Sonderprogramms zur Mikrozensus
Basiserhebung die österreichische Bevölkerung nach ihrer Einstellung
zu den Umweltbedingungen, der Umweltqualität allgemein sowie zu wichtigen
Parametern des Umweltverhaltens, wie etwa Einkauf oder Mobilität befragt. Das aktuelle Sonderprogramm zu "Umweltbedingungen und Umweltverhalten" fand im 4. Quartal 2007 statt. Die befragten Personen wurden nach Abschluss des verpflichtenden Teils der Mikrozensus Erhebung "Arbeitskräfte und Wohnungserhebung" ersucht, auf freiwilliger Basis einige Fragen zu den Umweltbedingungen und ihrem Umweltverhalten zu beantworten. Von den rd. |
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Details entnehmen Sie bitte dem Artikel: Wegscheider-Pichler A.: Geschlechtsspezifisches Umweltverhalten, Statistische Nachrichten, Heft 11/2009, Wien 2009.
Weitere Informationen finden Sie auf unserer
Internetseite: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/energie_und_umwelt/umwelt/umweltbedingungen_verhalten/index.html
sowie in der Publikation: Wegscheider-Pichler A.: Umweltbedingungen,
Umweltverhalten – Ergebnisse des Mikrozensus 2007, ISBN 978
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