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Österreichs Erwerbstätige haben Spaß am Lernen – ganz besonders die Frauen

Wien, 2009-05-07 – "Lernen neuer Dinge macht Spaß." Dieser Aussage stimmten bei der Erwachsenenbildungserhebung 2007 vier von fünf Erwerbstätigen in Österreich im Alter von 25 bis 64 Jahren zu. Die Zustimmung erwerbstätiger Frauen fiel allerdings laut Statistik Austria erheblich entschiedener aus als die der erwerbstätigen Männer. Indessen war der Anteil der weiblichen Erwerbstätigen, die am lebenslangen Lernen teilnahmen, nur unwesentlich höher als der der männlichen Erwerbstätigen. Weiterbildungswilligen erwerbstätigen Frauen standen viel öfter familiäre Verpflichtungen im Wege als erwerbstätigen Männern, und auch von Arbeitgeberseite wurden erwerbstätige Männer in ihrem Weiterbildungsstreben stärker unterstützt als erwerbstätige Frauen.

Der Aussage, dass Lernen neuer Dinge Spaß macht, stimmten mehr als zwei Drittel (68%) der erwerbstätigen Frauen voll zu, weitere 21% stimmten ihr eher zu. Von den erwerbstätigen Männern stimmten nur etwas mehr als die Hälfte (52%) voll zu, weitere 28% stimmten eher zu.

Kernthema der rund 5.000 Interviews, die Statistik Austria im Zuge der Erwachsenenbildungserhebung 2007 führte, war das Bildungs- und Lernverhalten der Befragten in den letzten zwölf Monaten. In diesem Zeitraum beteiligten sich 84% der weiblichen und 83% der männlichen Erwerbstätigen am lebenslangen Lernen.

Wenn erwerbstätige Frauen nicht an Bildungsaktivitäten teilnahmen, die sie gerne besucht hätten, lag das oft an ihren familiären Verpflichtungen: Für 26% der erwerbstätigen Frauen, aber nur für 14% der erwerbstätigen Männer waren familiäre Verpflichtungen das bedeutendste Bildungshindernis. Männer nannten am häufigsten ihre Arbeitszeiten als größtes Bildungshindernis.

Bei ihren beruflichen Fortbildungen konnten Männer jedoch in aller Regel auf die Unterstützung ihrer Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber zählen. Über drei Viertel (76%) der beruflichen Weiterbildungen von erwerbstätigen Männern fanden in bezahlter Arbeitszeit statt, und bei drei Viertel der beruflichen Weiterbildungsaktivitäten von männlichen Erwerbstätigen bezahlte die Kurs-, Einschreib- und Prüfungsgebühren zur Gänze die Arbeitgeberin bzw. der Arbeitgeber.

Auch die berufliche Weiterbildung erwerbstätiger Frauen fand in der Regel in bezahlter Arbeitszeit statt, allerdings deutlich seltener als bei den Männern. Weniger als zwei Drittel (64%) der beruflichen Weiterbildungsaktivitäten erwerbstätiger Frauen wurden in bezahlter Arbeitszeit besucht. Nur bei knapp zwei Drittel (65%) der von erwerbstätigen Frauen besuchten beruflichen Weiterbildungsaktivitäten trug die Arbeitgeberin bzw. der Arbeitgeber zur Gänze die Kurs-, Einschreib- und Prüfungsgebühren.

Große Unterschiede zwischen den Geschlechtern gab es auch hinsichtlich der Inhalte der beruflichen Weiterbildung. Bei männlichen Erwerbstätigen dominierten die Bereiche "Sozialwissenschaften, Wirtschaft und Recht" (31% der Aktivitäten), "Ingenieurwesen, Herstellung und Baugewerbe" (14%) und "Dienstleistungen" (12%), bei weiblichen Erwerbstätigen neben "Sozialwissenschaften, Wirtschaft und Recht" (29%) vor allem die Bereiche "Gesundheit und soziale Dienste" (20%) sowie "Pädagogik" (13%).

In einigen Wirtschaftsbereichen war die Beteiligung am lebenslangen Lernen besonders hoch: Im Unterrichtswesen beteiligten sich in den untersuchten zwölf Monaten 96% der Beschäftigten am lebenslangen Lernen, im Kredit- und Versicherungswesen ebenfalls 96% und im Gesundheits-, Veterinär- und Sozialwesen 94%.

Unter den Berufsgruppen verzeichneten "Führungskräfte, akademische Berufe, Fachkräfte mittlerer Qualifikation" (91%) und "Bürokräfte, kaufmännische Angestellte, Dienstleistungsberufe" (87%) überdurchschnittliche Beteiligungsquoten.

In einem Punkt waren sich Österreichs Erwerbstätige nahezu einig: "Wenn man in der Arbeit erfolgreich sein möchte, muss man sein Wissen und seine Fähigkeiten verbessern". Widersprechen wollte dem fast niemand (nur 1% der Erwerbstätigen).

Lebenslanges Lernen: Bildung und Lernen können in vier große Kategorien eingeordnet werden: formale Bildung, nicht-formale Bildung, informelles Lernen und zufälliges/beiläufiges Lernen. Die Erwachsenenbildungserhebung (Adult Education Survey, AES) befasst sich mit den ersten drei Kategorien, also mit allen Formen absichtlichen (intentionalen) Lernens. Zusammenfassend wird für diese intentionalen Lernformen auch der Begriff "Lebenslanges Lernen" verwendet. Im Unterschied zum Strukturindikator Lebenslanges Lernen wird dabei neben formaler und nicht-formaler Bildung auch informelles Lernen berücksichtigt.
Formale Bildung: Ausbildungen im regulären Schul- und Hochschulwesen (Beispiele: Lehre, Krankenpflegeschule, Meisterschule, Studium, Kolleg).
Nicht-formale Bildung: Organisierte Lernaktivitäten, die in einem institutionalisierten Rahmen stattfinden und nicht zur formalen Bildung zählen. Dazu gehören Kurse, Vorträge, Privatunterricht, Fernunterricht, offenes Lernen, Seminare, Workshops und Ausbildung am Arbeitsplatz unter Anleitung.
Informelles Lernen: Prozess mit der Absicht, etwas zu lernen, jedoch nicht institutionalisiert.
Dazu zählt intentionales Lernen
- von Familie, Freundeskreis oder Kolleginnen/Kollegen,
- aus Büchern, Fachzeitschriften, etc.,
- mit Hilfe des Computers (CD, DVD, Internet, etc.),
- über Fernsehen, Radio, Video,
- bei Führungen durch Museen, historische Stätten, Naturschauplätze oder Industriestätten,
- in Bibliotheken oder Lernzentren.

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
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