Pressemitteilung: 9.694-136/10

Erste Anzeichen von Erholung am Arbeitsmarkt im ersten Quartal 2010;  
vor allem Arbeiterinnen und Arbeiter von Konjunkturschwäche betroffen

Wien, 2010-06-16 – Im ersten Quartal 2010 waren in Österreich nach den Ergebnissen der Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria 4.023.100 Personen erwerbstätig und 198.000 arbeitslos. Dem standen rund 58.000 offene Stellen gegenüber. Damit blieb die Zahl der nach internationalen Definitionen ermittelten Erwerbstätigen gegenüber dem ersten Quartal 2009 nahezu unverändert (4.021.700). Der Beschäftigungsrückgang im Jahresabstand, der vom zweiten bis zum vierten Quartal 2009 (-27.800/-19.100/-8.200) zu beobachten war, scheint damit gestoppt. Allerdings ist bei den unselbständig Erwerbstätigen nach wie vor ein Rückgang zu verzeichnen (-14.200; hauptsächlich Arbeiterinnen und Arbeiter), der durch einen Zuwachs von 15.600 Selbständigen ausgeglichen wurde. Auch die Zahl der nach internationalen Definitionen ermittelten Arbeitslosen und die Arbeitslosenquote (4,7%) blieben im ersten Quartal 2010 auf dem Vorjahresniveau.

Der Vorquartalsvergleich brachte einen saisonbedingten Rückgang der Zahl der Erwerbstätigen (-65.800, davon 64.700 Männer). Die Zahl der Arbeitslosen und auch die Arbeitslosenquote veränderten sich gegenüber dem vierten Quartal 2009 kaum. Dem saisonbedingten Rückgang der Erwerbstätigen steht damit kein entsprechender Anstieg der Zahl der Arbeitslosen gegenüber. Allerdings sind Saisonarbeitslose, die auf die Rückkehr auf ihren alten Arbeitsplatz warten und nicht aktiv Arbeit suchen, nach internationaler Definition nicht als Arbeitslose zu zählen.

Abbau von Vollzeit-Jobs bei Unselbständigen übertrifft Teilzeit-Zuwachs, mehr Selbständige

Anders als in den vorangegangenen Quartalen entwickelte sich die Zahl der Selbständigen im ersten Quartal 2010 positiv. Das Plus von 15.600 Selbständigen gegenüber dem Vergleichszeitraum vor einem Jahr verteilte sich gleichmäßig auf Vollzeit und Teilzeit. Weniger günstig stellte sich der Jahresvergleich für die unselbständig Erwerbstätigen dar: Bei den Unselbständigen gingen vom ersten Quartal 2009 zum ersten Quartal 2010 32.800 Vollzeit-Jobs (16.100 Frauen und 16.700 Männer) verloren, und 18.500 Teilzeitstellen für Unselbständige (8.700 Frauen und 9.800 Männer) wurden geschaffen. Vom Beschäftigungsabbau waren in erster Linie junge und formal geringer qualifizierte Personen betroffen. Erwerbstätige bis zum Alter von 44 Jahren verzeichneten einen Rückgang um 55.800 Personen (19.800 davon in der Altersgruppe 15 bis 24 Jahre), Erwerbstätige mit Pflichtschul- oder Lehrabschluss ein Minus von 39.800.

Abgeschwächter Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Männern

Mit 117.600 arbeitslosen Männern und einer Arbeitslosenquote von 5,2% erhöhten sich Zahl und Quote im Vergleich zum Vorjahresquartal leicht (+5.000 bzw. +0,2 Prozentpunkte). Die Anzahl der arbeitslosen Frauen betrug 80.800 und veränderte sich damit im Jahresabstand kaum, die Arbeitslosenquote blieb hier mit 4,1% um 0,2 Prozentpunkte unter dem Wert des ersten Quartals 2009. Einem Rückgang der Arbeitslosenquote bei ausländischen Staatsangehörigen (9,3% bzw. -1,4 Prozentpunkte) steht ein leichter Anstieg bei Personen mit österreichischer Staatsbürgerschaft gegenüber (4,1% bzw. +0,2 Prozentpunkte). Die Zahl der arbeitslosen Jugendlichen (15 bis 24 Jahre) blieb im Jahresabstand unverändert (54.300), ihre Arbeitslosenquote erhöhte sich jedoch auf 9,5% und war somit um 0,3 Prozentpunkte höher als im Vorjahr. Insgesamt zeigt die Entwicklung der Arbeitslosigkeit aber keine ausgeprägte Dynamik, sowohl verglichen mit dem Vorjahresquartal als auch mit dem Vorquartal.

Methodische Informationen, Definitionen: Bei den hier präsentierten Ergebnissen zu Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit handelt es sich um Daten aus dem Programm der "Europäischen Arbeitskräfteerhebung", die in Österreich im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt wird. Der Mikrozensus ist eine Stichprobenerhebung in Haushalten, wobei Woche für Woche ca. 1.500 Haushalte befragt werden.  
Die Europäische Arbeitskräfteerhebung findet in allen Mitgliedsländern der EU statt. Dabei werden in zufällig ausgewählten privaten Haushalten in standardisierter Form Informationen zur Erwerbstätigkeit und zur Suche nach Arbeit erhoben. Diese Daten werden anschließend auf die jeweilige Bevölkerungszahl hochgerechnet. Als erwerbstätig gelten nach den hier angewandten internationalen Richtlinien Personen, die in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder die wegen Urlaub, Krankheit usw. nicht gearbeitet haben, aber normalerweise einer Beschäftigung nachgehen. Präsenz- und Zivildiener sind ausgeschlossen. Als arbeitslos gelten Personen, die im Sinne dieses Konzeptes nicht erwerbstätig sind, innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche eine Arbeit aufnehmen können und während der vier vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben oder nur deshalb nicht gesucht haben, weil sie bereits eine Arbeit gefunden haben, die sie innerhalb von drei Monaten aufnehmen werden. Das Statistische Amt der Europäischen Union (Eurostat) verwendet diese Informationen u. a. um saisonbereinigte monatliche Schätzungen der Arbeitslosenquoten für die Mitgliedsländer durchzuführen. Bei den in dieser Mitteilung publizierten Zahlen handelt es sich jedoch um saisonal nicht bereinigte Werte. 
Die Erwerbstätigenquote bezieht die Erwerbstätigen im Alter von 15 bis 64 auf die gleichaltrige Bevölkerung. Die Arbeitslosenquote berechnet sich als Anteil der Arbeitslosen an den Erwerbstätigen und Arbeitslosen. 
Teilzeitarbeit wird nach zwei unterschiedlichen Konzepten definiert: (1) Auf Basis der normalerweise pro Woche geleisteten Arbeitsstunden, einschließlich regelmäßig geleisteter Überstunden und Mehrstunden. Als teilzeitbeschäftigt gelten demnach jene, die weniger als 36 Stunden pro Woche arbeiten. (2) Auf Basis der direkten Frage nach Teilzeiterwerbstätigkeit. Aus Plausibilitätsgründen gelten dabei Personen, die normalerweise weniger als 30 Stunden pro Woche arbeiten immer als teilzeitbeschäftigt, Personen die 36 oder mehr Stunden arbeiten, immer als Vollzeitbeschäftigte. 
Die offenen Stellen stammen aus der Offenen-Stellen-Erhebung der Statistik Austria, die laufend seit dem ersten Quartal 2009 für die Wirtschaftsabschnitte B bis S (ÖNACE 2008) durchgeführt wird. Insgesamt sind im Quartal rund 6.000 Unternehmen in der Stichprobe. Ab dem ersten Quartal 2010 ist diese Erhebung in den Mitgliedsländern der EU verpflichtend durchzuführen.

Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung, Statistik Austria:  
Mag. Melitta FASCHING, Tel.: +43 (1) 71128-7637 bzw. melitta.fasching@statistik.gv.at und  
Mag. Cornelia MOSER, Tel.: +43 (1) 71128-7176 bzw. cornelia.moser@statistik.gv.at

 

Hauptergebnisse der Arbeitsmarktstatistik (internationale Definitionen) 2010 und 2009, Quartale
 Quartale
1/20104/20093/20092/20091/2009
Erwerbstätigkeit nach EU-Konzept     
Erwerbstätige
4.023.1004.088.9004.119.3004.080.3004.021.700
Erwerbstätigenquote1) der 15- bis 64-Jährigen70,6%71,6%72,3%71,7%70,8%
   Männer75,1%77,4%77,8%76,9%75,4%
   Frauen66,0%66,0%66,9%66,6%66,3%
Teilzeitquote2)
25,4%24,6%24,1%24,9%24,7%
   Männer9,1%9,1%8,6%8,8%8,4%
   Frauen43,9%42,7%42,2%43,6%43,3%
Unselbständig Erwerbstätige3.470.9003.547.6003.563.8003.532.1003.485.200
   Männer1.797.3001.872.8001.870.2001.843.1001.804.200
   Frauen1.673.6001.674.8001.693.6001.689.0001.680.900
Teilzeitquote2) Unselbständige 25,3%24,5%24,1%24,9%24,7%
   Männer7,5%7,6%7,1%7,4%7,0%
   Frauen44,4%43,3%42,8%44,0%43,6%
Arbeitslosigkeit nach EU-Konzept     
Arbeitslose
198.400200.300221.800198.800196.700
Arbeitslosenquote3)
4,7%4,7%5,1%4,6%4,7%
   Männer 5,2%4,9%5,1%4,8%5,0%
   Frauen 4,1%4,4%5,1%4,4%4,3%
Staatsangehörigkeit
     
   Österreich4,1%3,9%4,4%4,1%3,9%
   Ausland9,3%10,5%10,6%9,4%10,7%
Jugendliche (15-24 Jahre)9,5%9,3%11,3%10,0%9,2%
Ältere (55 bis 64 Jahre)2,3%2,1%2,6%2,4%2,5%
Offene Stellen     
Offene Stellen (ÖNACE 2008 B-S)58.00048.00054.20050.80057.900
Offene-Stellen-Quote4)1,6%1,4%1,5%1,4%1,6%

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