9.410-128/09
Wien, 2009-06-18
- Im ersten Quartal 2009 waren in Österreich nach den Ergebnissen der
Mikrozensus-Erhebung der Statistik Austria 4.021.700 Personen erwerbstätig,
davon 3.485.200 als Unselbständige. Mit einem Plus von rund 6.000 gegenüber
dem Vorjahresquartal hat sich die Zahl der Erwerbstätigen insgesamt
kaum verändert.
Allerdings verlief die Entwicklung in den einzelnen
Gruppen sehr unterschiedlich. Der Zuwachs an Teilzeitstellen (+59.200)
setzte sich fort, der Anstieg erfolgte aber beinahe zur Gänze auf Kosten
einer Reduktion der Vollzeitstellen (-53.400). Während sich das Plus
an Teilzeitbeschäftigten auf Unselbständige konzentrierte (+54.500),
waren vom Abbau der Vollzeitstellen vielfach auch Selbständige/Mithelfende
betroffen (-23.100; Unselbständige: -30.300). Daraus resultierte bei
den Unselbständigen ein Beschäftigungszuwachs von 24.200, bei den
Selbständigen/Mithelfenden ein Rückgang von 18.500 Erwerbstätigen.
Männer waren im ersten Quartal 2009 von der Wirtschaftskrise offenbar
stärker betroffen. So konnten Frauen ein Beschäftigungsplus von 38.500
Personen erzielen, während Männer einen Beschäftigungsabbau von 32.800
Personen hinnehmen mussten.
Die Erwerbstätigenquote der 15- bis 64-Jährigen
(d.i. der Anteil der Erwerbstätigen an der gleichaltrigen Bevölkerung)
blieb mit 70,8% gegenüber 71,0% im ersten Quartal 2008 praktisch unverändert.
Dagegen stieg die Arbeitslosigkeit im ersten Quartal 2009 deutlich an.
Die Zahl der nach internationalen Definitionen ermittelten Arbeitslosen
lag mit 196.700 im ersten Quartal 2009 um 21.500 Personen über jener
des Vorjahresquartals. Die Arbeitslosenquote nach internationaler Definition
lag mit 4,7% um 0,5 Prozentpunkte höher als im 1. Quartal 2008. Der
Anstieg betraf fast ausschließlich die Männer. Bei den Frauen blieben
sowohl die Anzahl als auch die Quote nahezu unverändert.
Verglichen mit dem vierten Quartal 2008 nahm die
Zahl der Arbeitslosen um 28.000 zu, die Arbeitslosenquote erhöhte sich
gegenüber dem Vorquartal um (nicht saisonbereinigte) 0,7 Prozentpunkte.
Die Zahl der Erwerbstätigen sank im Quartalsabstand (nicht saisonbereinigt),
um 75.300 Personen.
Beschäftigungszuwachs durch Teilzeit auf Kosten von Vollzeitstellen
Deutliche Anzeichen einer konjunkturellen Schwäche zeigten
sich in einer Analyse der Arbeitszeit: Der Beschäftigungszuwachs zum
Vorjahr durch Teilzeitstellen (+59.200) ging größtenteils auf Kosten
von Vollzeitstellen (-53.400). Dabei verloren Männer 37.900 Vollzeitarbeitsplätze,
Frauen 15.600. Der Anstieg bei Teilzeiterwerbstätigen konzentrierte
sich auf Frauen (+54.100, Männer: +5.100). Im Detail sah es wie folgt
aus: Während der Zuwachs an unselbständig Teilzeiterwerbstätigen
bei den Frauen mit 51.700 recht deutlich war, gab es bei den weiblichen
unselbständig Vollzeiterwerbstätigen nur geringe Zuwächse (+4.600).
Der Abbau von weiblichen Selbständigen/Mithelfenden (-17.800) betraf
zur Gänze Vollzeitstellen, einige Tausend wanderten zusätzlich von
Vollzeit zu Teilzeit, sodass sich insgesamt ein Plus an 54.100 Teilzeitstellen
und ein Minus von 15.600 Vollzeitstellen bei Frauen ergab. Alles in
allem gab es im ersten Quartal 2009 um 38.500 mehr erwerbstätige Frauen
als ein Jahr zuvor. Gänzlich entgegengesetzt verlief die Entwicklung
bei den Männern: Sie mussten einen Verlust von 32.800 Erwerbstätigen,
fast ausschließlich unselbständig Beschäftigte, hinnehmen. Dies betraf
noch dazu zur Gänze Vollzeitarbeitsplätze. Darüber hinaus wichen
noch einige tausend Vollzeitstellen nun Teilzeitstellen. Die Teilzeitquote
stieg von 23,3% im ersten Quartal 2008 auf 24,7% im ersten Quartal 2009.
43,3% der erwerbstätigen Frauen arbeiteten Teilzeit gegenüber nur
8,4% der Männer. Damit stieg die Teilzeitarbeit bei beiden Geschlechtern.
Unter den 813.900 teilzeitbeschäftigten Frauen und den 180.000 teilzeitbeschäftigten
Männern waren 733.700 Frauen (90,1%) bzw. 125.900 Männer (69,9%) unselbständig
beschäftigt.
Weniger unselbständig beschäftigte Männer, Zunahme bei Frauen
Der Arbeitsmarkt war vom ersten Quartal 2008 zum ersten Quartal
2009 von unterschiedlichen Entwicklungen geprägt. Vor allem zwischen
Frauen und Männern gab es gegenteilige Tendenzen: Im ersten Quartal
2009 wurden 32.200 unselbständig erwerbstätige Männer weniger gezählt
als im ersten Quartal 2008. Besser entwickelte sich die Situation für
unselbständig erwerbstätige Frauen: Der Beschäftigungszuwachs der
Frauen betraf nur unselbständig Beschäftigte (+56.300), davon entfielen
allerdings 51.700 Arbeitsplätze auf Teilzeit. Dieser Zuwachs wurde
durch einen Rückgang von 17.800 Selbständigen/Mithelfenden gedämpft,
sodass es insgesamt um 38.500 mehr erwerbstätige Frauen gab. Bei den
Männern blieb die Anzahl der Selbständigen/Mithelfenden im Jahresvergleich
unverändert. Nach dem Alter betrachtet, entfielen bei den Frauen mehr
als zwei Drittel des Anstieges (+38.500) auf die Altersgruppe 45 bis
54 Jahre (+27.500). Der Rückgang bei der Zahl der erwerbstätigen Männer
(-32.800) verteilte sich auf fast alle Altersgruppen, ausgenommen die
45- bis 54-Jährigen und die ab 65-Jährigen (jeweils +6.000). Die Erwerbstätigenquote
(15 bis 64 Jahre) der Frauen erhöhte sich um 1,2 Prozentpunkte auf
66,3%, jene der Männer sank um 1,6 Prozentpunkte (75,4%).
Geringeres Arbeitsvolumen als im Vorjahr
Die wirtschaftliche Verschlechterung zeigte sich auch in einer
Abnahme der geleisteten Arbeitsstunden. Verglichen mit dem ersten Quartal
2008 blieb das Ausmaß an tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden in
diesem Jahr sowohl in der Haupttätigkeit (1,7 Milliarden, d. s. -80 Millionen)
als auch in einer Zweittätigkeit (26 Millionen, d. s. -2 Millionen) unter
dem vorjährigen Volumen. Die Überstundenleistung verminderte sich
um 12 Millionen Stunden auf 77 Millionen, die durchschnittliche Anzahl
der pro Woche und pro Überstunden leistender Person fiel von 8,8 auf
8,1 Stunden.
Deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit bei Männern
Mit 112.700 arbeitslosen Männern und einer Arbeitslosenquote
von 5,0% erhöhten sich Zahl und Quote im Vergleich zum Vorjahresquartal
um 19.100 bzw. 0,9 Prozentpunkte. Die Anzahl der arbeitslosen Frauen
betrug 84.000, ihre Arbeitslosenquote 4,3% und war somit fast unverändert
zum Vorquartal (81.600 bzw. 4,2%). Allerdings war der Verlauf nicht
in allen Altersgruppen gleich: So verzeichneten Frauen bis zum Alter
von 44 Jahren steigende Arbeitslosenzahlen und -quoten, jene ab 45 Jahren
rückläufige. Der Anstieg der Arbeitslosenquote der Männer betraf,
analog zur Entwicklung der Arbeitslosenzahl, alle Altersgruppen, am
stärksten jedoch die Jugendlichen und die 45- bis 54-Jährigen. Die
Situation für Jugendliche, die vor dem ersten Einstieg in den Arbeitsmarkt
stehen, wird zunehmend schwieriger. Die 15- bis 24-Jährigen verzeichneten
einen Anstieg der Arbeitslosenzahl (+6.600) auf 54.200 und eine Erhöhung
der Arbeitslosenquote um 1,1 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr auf
nunmehr 9,2%. Ihre Arbeitslosenquote ist damit fast doppelt so hoch
wie im Durchschnitt (4,7%). Ab der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen
sinkt die Arbeitslosenquote unter den Durchschnitt. So wurde unter den
55- bis 64-Jährigen nach internationalen Definitionen nur eine Arbeitslosenquote
von 2,5% ermittelt. Das erhöhte Risiko arbeitslos zu werden, verschärfte
sich unter den Erwerbspersonen mit ausländischer Staatsbürgerschaft:
10,7% waren ohne Arbeit, mehr als doppelt so viele wie unter den österreichischen
Staatsangehörigen (3,9%).
Höchste Arbeitslosenquote in Wien, niedrigste Quoten in Tirol
und Salzburg
Regional gesehen war die Arbeitslosenquote im ersten Quartal
2009 in Wien (7,3%) am höchsten. Danach folgten Kärnten (4,8%), die
Steiermark und das Burgenland (jeweils 4,5%), Niederösterreich (4,4%),
Vorarlberg (4,2%) und Oberösterreich (3,9%). Traditionell niedrige
Arbeitslosenquoten ergaben sich in Salzburg (3,0%) und Tirol (2,4%).
Nur im Burgenland und in Wien gab es gegenüber dem Vorjahr keinen Anstieg
der Arbeitslosenquote.
| | Quartale |
|---|
| 1/2009 | 4/2008 | 3/2008 | 2/2008 | 1/2008 |
|---|
| Erwerbstätigkeit nach EU-Konzept | | | | | |
|---|
| Erwerbstätige
insgesamt | 4.021.700 | 4.097.000 | 4.138.400 | 4.108.100 | 4.016.000 |
|---|
| Erwerbstätigenquote1)
der 15- bis 64-Jährigen | 70,8% | 72,2% | 72,8% | 72,3% | 71,0% |
|---|
|
Männer | 75,4% | 78,4% | 79,5% | 79,0% | 77,0% |
|---|
|
Frauen | 66,3% | 66,1% | 66.3% | 65,7% | 65,0% |
|---|
| Teilzeitquote2)
insgesamt | 24,7% | 23,8% | 22,8% | 23,6% | 23,3% |
|---|
|
Männer | 8,4% | 8,1% | 7,8% | 8,3% | 8,1% |
|---|
|
Frauen | 43,3% | 42,3% | 40,7% | 41,9% | 41,2% |
|---|
| Teilzeit
als Anteil der Personen mit bis zu 35 Stunden wöchentlicher Normalarbeitszeit | 26,0% | 24,9% | 23,9% | 24,7% | 24,3% |
|---|
| Unselbständig
Erwerbstätige | 3.485.200 | 3.551.400 | 3.567.100 | 3.532.100 | 3.461.000 |
|---|
|
Männer | 1.804.200 | 1.881.200 | 1.897.900 | 1.880.700 | 1.836.400 |
|---|
|
Frauen | 1.680.900 | 1.670.100 | 1.669.300 | 1.651.300 | 1.624.600 |
|---|
| Teilzeitquote2)
Unselbständige Insgesamt | 24,7% | 23,6% | 22,6% | 23,4% | 23,3% |
|---|
|
Männer | 7,0% | 6,7% | 6,3% | 6,4% | 6,7% |
|---|
|
Frauen | 43,6% | 42,7% | 41,2% | 42,6% | 42,0% |
|---|
| Arbeitslosigkeit nach EU-Konzept | | | | | |
|---|
| Arbeitslose
insgesamt | 196.700 | 168.800 | 159.300 | 145.800 | 175.200 |
|---|
| Arbeitslosenquote3)
insgesamt) | 4,7% | 4,0% | 3,7% | 3,4% | 4,2% |
|---|
|
Männer | 5,0% | 3,6% | 3,4% | 3,1% | 4,1% |
|---|
|
Frauen | 4,3% | 4,4% | 4,1% | 3,8% | 4,2% |
|---|
Staatsangehörigkeit
| | | | | |
|---|
|
Österreich | 3,9% | 3,4% | 3,3% | 3,0% | 3,6% |
|---|
|
Ausland | 10,7% | 8,2% | 7,1% | 7,1% | 8,8% |
|---|
| Jugendliche
(15-24 Jahre) | 9,2% | 9,0% | 8,2% | 6,8% | 8,1% |
|---|
| Ältere
(55 bis 64 Jahre) | 2,5% | 2,1% | 1,7% | 2,4% | 2,1% |
|---|
|
Methodische Informationen, Definitionen: Bei den hier präsentierten Ergebnissen handelt
es sich um Daten aus dem Programm der "Europäischen Arbeitskräfteerhebung",
die in Österreich im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt wird. Der
Mikrozensus ist eine Stichprobenerhebung in Haushalten, wobei Woche
für Woche ca. 1.600 Haushalte befragt werden.
Die Europäische Arbeitskräfteerhebung findet in allen Mitgliedsländern
der EU statt. Dabei werden in zufällig ausgewählten privaten Haushalten
in standardisierter Form Informationen zu Erwerbstätigkeit und der
Suche nach Arbeit erhoben. Diese Daten werden anschließend auf die
jeweilige Bevölkerungszahl hochgerechnet. Als erwerbstätig gelten
nach dem hier angewandten internationalen Richtlinien Personen, die
in der Referenzwoche mindestens eine Stunde gearbeitet haben oder zwar
wegen Urlaub, Krankheit usw. nicht gearbeitet haben, aber normaler Weise
einer Beschäftigung nachgehen. Als arbeitslos gelten Personen, die
im Sinne dieses Konzeptes nicht erwerbstätig sind, innerhalb der nächsten
beiden Wochen nach der Referenzwoche eine Arbeit aufnehmen können und
während der vier vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben
oder nur deshalb nicht gesucht haben, weil sie bereits eine Arbeit gefunden
haben, die sie innerhalb von drei Monaten aufnehmen werden. Das Statistische
Amt der Europäischen Union (Eurostat) verwendet diese Informationen
u.a. um saisonbereinigte monatliche Schätzungen der Arbeitslosenquoten
für die Mitgliedsländer durchzuführen. Bei den in dieser Mitteilung
publizierten Zahlen handelt es sich jedoch um saisonal nicht bereinigte
Werte.
Teilzeitarbeit wird nach zwei unterschiedlichen
Konzepten definiert: (1) Auf Basis der normalerweise pro Woche geleisteten
Arbeitsstunden, einschließlich regelmäßig geleisteter Überstunden
und Mehrstunden. Als teilzeitbeschäftigt gelten demnach jene, die weniger
als 36 Stunden pro Woche arbeiten. (2) Auf Basis der direkten Frage
nach Teilzeiterwerbstätigkeit. Aus Plausibilitätsgründen gelten dabei
Personen, die normalerweise weniger als 30 Stunden pro Woche arbeiten
immer als teilzeitbeschäftigt, Personen die 36 oder mehr Stunden arbeiten,
immer als Vollzeitbeschäftigte. |
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Rückfragen zum Thema beantworten in der Direktion Bevölkerung,
Statistik Austria:
Mag. Melitta Fasching Tel. (01) 71128-7637 bzw. melitta.fasching@statistik.gv.at
oder
Mag. Cornelia MOSER Tel. (01) 71128-7176 bzw. cornelia.moser@statistik.gv.at
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